Beiträge von snowcat

    Zitat von Larry

    Wurde gem. Klaus Zaugg bereits verworfen!


    hoffentlich auch! der verband sollte sich erst mal den altlasten vom grünen tisch, welche sich immer noch in der liga tummeln, befassen! :nick:


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    Zitat von Mirko

    Ich glaube nicht, dass dies ein Durchzwängen ist. UPC hat vermutlich zurecht argumentiert, bei Saisonabbruch gibt es Betrag x CHF weniger. Und die Clubs haben abgewogen was finanziell den grösseren Schaden verursacht.


    dürfte ziemlich genau so gewesen sein! hätte ich als upc auch gemacht! wenn ich für etwas bezahle, will ich auch eine gegenleistung dafür...

    dürfte darum das ganze auch null einfluss haben auf zukünftige rechte vergabe. da zählt, wie immer, wer bietet am meisten!


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    Zitat von Der Weise

    Bin mir sicher dass die UPC mit dem Durchzwängeln der Playoffs gleichzeitig die zukünftigen Rechte verspielt hat!
    Bin mir sicher die gehen wieder an Teleclub.


    wieso? sehe da keinen direkten zusammenhang! :nixwiss:


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    Zitat von Rangersfan

    Ich bin einfach der Meinung dass es keinen Sinn macht Spiele in der Schweiz ohne Zuschauer auszufuehren. Es hat wahrscheinlich bei Buli Spielen mehr Schweizer im Stadion als bei einem GC Heimspiel im Letzigrund.


    wie gesagt, nicht mehr lange. ganz (mittel-) europa zieht nach!

    und ja, es geht ums gesamtbild! in diesem finde ich es ua. absolut unverständlich und unverantwortlich, die grenzen nach (bzw. vor allem von) italien nicht zu schliessen.


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    nzz am sunntig:

    Klubs und Fans bleiben entzweit

    Eskalation statt Gespräche: In der Bundesliga geht der Streit um die Kollektivstrafe weiter. Von Stefan Osterhaus

    Mitunter kommt es im Fussball zu eigenartigen Allianzen. Wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass Anhänger des FC Schalke 04, des FC Bayern München, diejenigen von Borussia Dortmund und solche von Borussia Mönchengladbach das gleiche Ziel verfolgen würden? Es ist eine breite Front von Fussball-Traditionalisten, die in Deutschland die Diskussion bestimmt. Sie stehen nicht für ein Sache ein, sondern gegen eine: gegen das, was «Kollektivhaftung» heisst. Auslöser waren die Ereignisse der vergangenen Woche. Da hatten Bayern-Anhänger beim Auswärtsspiel gegen Hoffenheim ein Plakat hochgehalten, auf dem Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp als «Hurensohn» bezeichnet wurde. Das Spiel stand am Rande des Abbruchs, und am Ende interessierte so gut wie niemanden das glänzende 6:0 der Münchner.

    Stattdessen waren es Hopp, der deutsche Fussballbund und dessen Umgang mit dem radikalen Teil der Anhängerschaft, die die Debatten in den folgenden Tagen prägten. Überwog anfangs noch der Eindruck, dass die Beteiligten richtig gehandelt hatten, indem sie sich in Solidarität mit Dietmar Hopp übten, so wurde die Diskussion doch bald sehr viel lebendiger. Jene Plakate, die in Hoffenheim Hopp auf unsägliche Weise schmähten, nahmen Bezug auf eine Kollektivstrafe, die Anhänger des BVB erhalten hatten: Zwei Jahre sollten sie nicht zu Auswärtsspielen reisen, sofern sich Schmähungen gegen Hopp wiederholten. Eben dies geschah am letzten Samstag, als die Dortmunder ihren Ärger gegen Hopp formulierten. Und es geschah genauso in Mönchengladbach und in Berlin auf der Tribüne von Union.

    Den Klub am Reissbrett geplant

    Natürlich liegt die Frage nahe, was Hopp so speziell in den Augen der Ultras macht. Dass er seinen Klub, die TSG 1899 Hoffenheim, gewissermassen am Reissbrett plante und in die Bundesliga brachte, wird ihm von Traditionalisten verübelt. Dass Hoffenheim auf die Anfeindungen der ersten Jahre nach dem Aufstieg 2008 auch reagierte, indem die Fans der Auswärtsteams im Stadion bei Bedarf mit hochfrequenten Tönen beschallt wurden, trug nicht zur Beruhigung bei, sondern verschaffte Hopp in den Kurven einen speziellen Ruf. Die Fans skandierten: «Dietmar Hopp, du Sohn einer Hupe.»

    Hopp mag sich nie damit abgefunden haben, dass ihm die Anhänger sein Engagement nicht mit Beifall vergolten haben. Doch die Allianz der Ultras illustriert auch, dass es hier keineswegs nur um den Mäzen aus dem Südwesten geht, sondern um die Frage hinter den Vorgängen: Wem gehört eigentlich der Fussball? Dass diese Frage nicht einfach im Sinne von Eigentumsverhältnissen zu beantworten ist, versteht sich von selbst, und dass seit Jahren das stattfindet, was sich mit ­Entfremdung von Anbieter und Kundschaft nur unzureichend beschreiben lässt, ist unstrittig. Allerdings begreifen sich Fans, erst recht Ultras, nicht als Kundschaft, sondern als Pfeiler der Aufführung, die ohne sie keinen Wert mehr hat.

    In der Fankurve gross geworden

    Diese Perspektive mag ein wenig verengt sein. Gänzlich falsch ist sie dennoch nicht. Im Wissen darum massen sich die Ultras allerhand an. So machte einst die Münchner Fangruppierung «Schickeria» gegen Manuel Neuer mobil, als dieser 2011 von Schalke nach München wechselte. Mit Neuer, der in der Schalker Kurve gross wurde, haben die Anhänger unterdessen nicht ganz uneigennützig ihren Frieden gemacht, da Neuer zu einem grossen Torhüter reifte. In Gelsenkirchen ­dagegen muss er sich noch immer die Beleidigungen anhören, wie sie auch Hopp in schriftlicher Form entgegengebracht werden. Dass Neuer diese überhört, spricht dafür, dass er die Mechanismen des Spiels besser versteht als Hopp, der geradezu darauf drängt, auch von den Anhängern ausserhalb Hoffenheims akzeptiert zu werden.

    Die Dinge sind verfahren. Zwar zeigt sich Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef der Bayern, entschlossen, gegen die Urheber vorzugehen. Er werde sich «nicht mehr wegducken. Auch auf die Gefahr hin, dass ich irgendwann mit Leibwächtern durch die Gegend laufen muss». Auch dürfte es kein Zufall sein, dass Plakate mit dem Konterfei des Leipzig-Geldgebers Dietrich Mateschitz in den Kurven auftauchten, dessen Projekt mehr noch als Hoffenheim in den Augen der Anhänger für den Verrat an Tradition steht.

    Nun werden Sanktionen diskutiert, die Sippenhaft infrage gestellt. Doch von Gesprächsangeboten ist wenig zu hören. Wie hilflos die Klubs dem Konflikt gegenüberstehen, verdeutlicht eine Mitteilung von Bayern München. Das heutige Heimspiel gegen Augsburg sei ganz dem übergeordneten Motiv «Toleranz, Respekt, Vielfalt, Fairplay» und der Parole «Wir lieben Fussball» gewidmet.

    Dass mag gut gemeint sein. Wie es aber um die Stimmung tatsächlich steht, verdeutlichte die Reaktion der «Schickeria», die mitteilte, man habe «lauthals lachen müssen», als Rummenigge angekündigt habe, sich mit Leibwächtern zu schützen: «Nun war das dramatische Narrativ der potenziellen Mörder aus der Kurve, die alle braven Akteure bedrohen und körperlich angehen, vollendet.» Und am Freitag erst erreichte der Konflikt auch die zweite Liga. Die Fans des 1. FC Nürnberg forderten «Solidarität mit allen Ultras» – und hatten noch eine weitere Botschaft: «Dietmar Hopp, du bist nicht allein. Karl-Heinz Rummenigge könnte dein Bruder sein!»


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    nzz am sunntig:

    Ausnahmezustand

    Grossveranstaltungen sind im ganzen Land verboten – bringt das den Schweizer Sport zum Stillstand? Das Porträt einer historischen Woche  

    Das Coronavirus hat den Sport in dieser Woche zunehmend stillgelegt. Der Sport lebt davon, dass sich möglichst viele Menschen möglichst nahe sind, auf einer Tribüne, in einer Mannschaft. Sport ist das Gegenteil von social distancing.

    Deshalb hat diese Woche eine seltene historische Dimension. Am Montag entschieden der Schweizer Fussball und das Schweizer Eishockey, ihre Meisterschaften in der spannendsten Phase zu unterbrechen. Am Dienstag erfuhr die Nationalmannschaft, dass die Uefa im Hinblick auf die Europameisterschaft mit allem rechnet – also auch mit einer Absage. Selbst für die Olympischen Spiele in Tokio, auf die sich derzeit viele Schweizer Sportler vorbereiten, gibt es inzwischen ein Szenario ohne Zuschauer. Es wäre ein Novum in der Sportgeschichte.

    Selten waren die sonst so mächtigen Organisatoren des Sports so ohnmächtig wie in diesen Tagen. In der Schweiz ganz besonders. Seit der Bundesrat vor gut einer Woche ein Verbot für Veranstaltungen von über tausend Personen erlassen hat, ist der Sport in der Schweiz so stark von den Verwerfungen des Coronavirus betroffen wie nirgends sonst auf der Welt. Bundesrat Alain Berset sagte am Freitag an einer Pressekonferenz in Bern, er sei sich der «weitreichenden Konsequenzen für den Sport» bewusst. In der kommenden Woche entscheidet der Bundesrat, ob das Veranstaltungsverbot über den 15. März hinaus verlängert wird. Alle rechnen damit.

    Was passiert, wenn scheinbar nichts mehr passiert?

    +++ Steffi Buchli führt komplizierte Gespräche +++

    Das Schweizer Eishockey ist mit am stärksten betroffen vom Coronavirus. In der letzten Runde der Qualifikation kämpfte der Meister aus Bern um den letzten Platz in den Play-offs und verfehlte ihn auf theoretisch dramatische Weise. Theoretisch, weil es still blieb in der Halle. Alle Spiele der Runde fanden ohne Publikum statt. Die Klubs verloren Geld, die Fans einen Fixpunkt.

    Das war am Tag, nachdem der Bundesrat sein Veranstaltungsverbot bekanntgegeben hatte. In der Szene war man verwundert bis verständnislos. Wie bitte? Am Montag beschloss die Eishockeyliga zudem, die Play-offs, den Saisonhöhepunkt ihres Sports, aufzuschieben – mit ungewissem Ausgang. Werden die Spiele überhaupt noch stattfinden? Und werden die Klubs den Fernsehvertrag überhaupt noch erfüllen können, der ihnen jährlich so viele Millionen Franken einbringt?

    Steffi Buchli leitet das Programm von ­MySports, dem Sender, der die exklusivsten Rechte am Schweizer Eishockey hält. Am Dienstag nahm sie an der Sendung «Club» des Schweizer Fernsehens teil, in der über die Auswirkungen des «Weltvirus» diskutiert wurde. Neben ihr sassen ein Epidemiologe, ein Medizinhistoriker, der Chefökonom der UBS. Buchli war die Vertreterin des Schweizer Sports – und in die ganz grossen Zusammenhänge geraten. Es war der Moment, in der ihre Stimmung «switchte». Sie habe gemerkt, dass da etwas komme, das wir in dieser Dimension noch nie gehabt hätten, sagt Buchli. «Es schwingt neu eine Schwere mit.»

    Das erzählt sie, als sie am Donnerstagmorgen in ihrem Büro bei dem Sportsender in Erlenbach sitzt. Nach und nach treffen ihre Mitarbeiter ein. Sie sind beschäftigt, auch wenn es derzeit keine Live-Spiele im Schweizer Eishockey gibt, die Ausnahmesituation ist noch so frisch, dass sie Geschichten hergibt.

    Die Fussballspiele der deutschen Bundesliga und vor allem die Partien der National League tragen den Sender, 35 Millionen Franken hat der Kabelnetzbetreiber UPC für die Eishockeyrechte bezahlt.

    In diesen Tagen werden Sondersendungen produziert, neue Formate erfunden, eiligst Gesprächsrunden mit Spielern zusammengestellt. Es ist auch ein kreativer Moment, aber was passiert, wenn die Krise Alltag wird und die Play-offs abgesagt werden? «Alles, was wir jetzt machen, sind eigentlich ­Verlegenheitslösungen», sagt Programmchefin Buchli.

    Verbände und Klubs hatten schnell erklärt, dass sie keine Geisterspiele wollen, weil sie nur Geld fressen. Sie bereiten sich nun auf einen Tag vor, von dem sie noch nichts wissen. Lukas Flüeler etwa, 31 Jahre alt, der Torhüter des Qualifikationssiegers ZSC Lions, sagt: «Wir stellen uns auf den 17. März ein. Diese Woche absolvierten wir ein Trainingslager, in dem körperlich gearbeitet wurde. Jetzt haben wir drei Tage frei. Danach geht es weiter mit Detailarbeit und der Vorbereitung auf die Play-offs. Man muss sich da wieder hineindenken.» Er sagt, er sei enttäuscht, «die Situation nervt», auch wenn er nicht jammern will, weil er weiss, dass es gerade Leute gibt, die wegen des Virus grössere Probleme haben als er. Am wichtigsten ist ihm aber, was alle Klubs und Verbände betonen: «Wir hoffen einfach alle, dass es trotzdem losgeht. Und zwar mit Zuschauern.»

    Die Programmchefin Steffi Buchli hingegen sagt: «Wir – oder besser gesagt: unsere zahlenden Zuschauer – wollen im Grundsatz ein Produkt.» Wenn es dann ein anderes Produkt sei, weil die Zuschauer fehlten, sei es halt so. Sie sieht ihre Abonnenten, die nicht bekommen, wofür sie bezahlt haben, die rund 200 Festangestellten und Freelancer, die für MySports arbeiten. Sie verheimlicht nicht, dass die Gespräche mit den Ligavertretern kompliziert sind. «Jeder hat seine partikulären Interessen», sagt sie, «das macht es schwierig. Umso wichtiger ist es daher, empathisch zu sein und die andere Person zu verstehen in einem Moment, in dem es ans Eingemachte geht.»

    Im Keller des Senders steht eine Art kleines Puppentheater, ein sorgsam ausstaffiertes Wohnzimmer, in dem stumm eine Familie aus Handpuppen sitzt. Dort sollte eine kleine Serie produziert werden, sie ist eine Idee von Steffi Buchli und ihrem Chefredaktor, geboren noch in der Zeit vor dem Coronavirus. Die Pilotfolge haben sie bereits gedreht. Sie heisst «Die PUCKS – Fascht ä Playoff-Familie».

    Der Titel der Serie könnte sich in einem Mass bewahrheiten, wie sich Steffi Buchli das natürlich nie gewünscht hat – und auch sonst niemand im Schweizer Eishockey.

    +++ Claudius Schäfer muss antworten, auch wenn er keine Antworten hat +++

    Im Fussball ist die Situation vergleichbar: Die Meisterschaft in der Super League und in der Challenge League sind unterbrochen, und niemand weiss, wann es weitergeht.

    Der Leader der Super League, der FC St. Gallen, ist die Mannschaft der Stunde: Fascht ä Meischter-Familie. Im letzten Spiel vor der Corona-Pause drängte sie den Meister aus Bern an den Rand einer Niederlage. Die St. Galler sind, wie man es im Sport sagt, im Flow.

    Der Trainer Peter Zeidler muss deshalb versuchen, diese Spannung irgendwie hoch zu halten. Auf den Samstag setzte er ein Testspiel gegen Vaduz an – als ginge die Meisterschaft einfach weiter.

    Im Training wirkte es am Freitag dennoch, als sei der FC St. Gallen zurückgefallen in eine zweite Winterpause. Peter Zeidler begrüsste die Zaungäste mit dem «Wuhan Shake», Fussinnenseite an Fussinnenseite. Die Mannschaft trainierte im Stadion. Am Spielfeldrand, auf den geheizten Ledersesseln der Ersatzbank, sassen drei Rentner, die Arme über den Bauch gefaltet. Hier kommt der Sport zum Stillstand.

    Zu einem der spielbestimmenden Akteure wird in dieser Zeit der CEO der Liga, Claudius Schäfer. Er ist vielgefragt, obwohl auch er ­wenig Antworten hat. Die Fussballklubs wollen keine Geisterspiele, die Fernsehpartner zeigen Verständnis, Schäfer lässt jetzt mögliche Spielpläne für die dreizehn ausstehenden Runden und die Viertel- und Halbfinals im Cup entwickeln. Der Termindruck ist geringer als im Eishockey, aber ab April wird es auch für die Fussballer eng, die Meisterschaft bis Ende Mai durchzuspielen – notfalls auch ohne Zuschauer? «Das Horrorszenario», sagt Claudius Schäfer.

    Ohne Zuschauereinnahmen verlieren die Vereine viel Geld, die Liquidität wird knapp, der Konkurs droht. 3300 Arbeitsplätze gibt es im Profifussball, Schäfer ist im Gespräch mit dem Eishockey, möglicherweise wollen die beiden Sportverbände den Bundesrat gemeinsam um finanzielle Hilfe bitten. Aber das sind erst Szenarien für die Zukunft, die Gegenwart ist mühselig genug.

    +++ Mauro Lustrinelli ist ratlos +++

    Und es gibt niemanden, der nicht mindestens von den Nebenwirkungen des Virus betroffen ist. Zum Beispiel Mauro Lustrinelli. Er ist nach dem ersten Wochenende ohne Spiele gerade ein wenig ratlos. Für den Trainer der Schweizer U-21-Nationalmannschaft beginnt eigentlich die entscheidende Phase, um das Kader für die wegweisenden EM-Qualifikationsspiele gegen Aserbaidschan und Frankreich zu bestimmen. Nun fehlt die wichtigste Informationsquelle – die Leistungen seiner Spieler. «Ich werde stattdessen Testspiele besuchen, telefonieren», sagt Lustrinelli am Dienstag. Die Angestellten des Sports wirken in diesen Tagen manchmal eher wie ihre eigenen Darsteller: Sie können nur so tun, als ob. Fast alle Spieler von Mauro Lustrinelli sind in der Schweiz beschäftigt, eine Ausnahme ist Nedim Bajrami. Bajrami schiesst am Abend für Empoli den Siegtreffer beim 3:2 gegen Cremonese in Italiens Serie B. Das ist eine kleine Nachricht. Aber eine gute. Immerhin.

    +++ Danilo Wyss tritt an, egal wo +++

    Im Radsport gibt es aus Italien schon lange keine guten Antworten mehr: Absage des Klassikers Mailand–Sanremo, Absage der Strade Bianche, Absage des Tirreno–Adriatico. Die schlechteste aller Nachrichten kommt aber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort trifft das Virus den Sport direkt.

    Der Schweizer Profi Danilo Wyss sagt: «Ich dachte im ersten Moment, ich muss plötzlich zur Dopingkontrolle.» So etwas schiesst Radsportlern durch den Kopf, wenn sie nachts unerwartet geweckt werden. Die UAE Tour, an der der Schweizer Profi aus dem Team NTT teilgenommen hatte, war in der Nacht auf den 28. Februar vorzeitig abgebrochen worden. Zwei Coronavirus-Verdachtsfälle hatten die Instanzen in den Arabischen Emiraten aufgeschreckt – und sie dazu veranlasst, alle Fahrer und Betreuer aus dem Schlaf zu reissen.

    Wyss und seine Kollegen wurden auf Yas Island unter Quarantäne gestellt. Statt sie zur nächsten Etappe starten zu lassen, untersagten ihnen die Behörden, das Hotel Crowne Plaza zu verlassen, auch nach ersten negativen Tests. «Die Kommunikation war katastrophal», berichtet Wyss. Niemand habe sagen können, wie es weitergehe. Mal sei es den Fahrern erlaubt worden, gemeinsam zu essen, dann wurden sie wieder angewiesen, in ihren Zimmern zu bleiben. «Angst vor dem Virus hatte ich zu keinem Zeitpunkt», sagt Wyss. «Aber zwei Wochen lang in diesem Hotel zu bleiben, wäre sehr hart gewesen.» Am 1. März, nach drei Tagen Quarantäne, durfte er zurück in die Schweiz. Wyss ging es besser als den Fahrern anderer Teams, die voraussichtlich noch bis zum 14. März im Crowne Plaza bleiben müssen, weil sie sich im gleichen Stockwerk befanden wie erkrankte Personen.

    Mehrere Radrennen, die in den nächsten Wochen stattfinden sollten, sind abgesagt. Wyss nimmt es gelassen. Er trainiert, als stehe der nächste Wettkampf unmittelbar bevor. Falls sein Team ihn aufbietet, wird Danilo Wyss laut eigener Aussage antreten – egal, an welchem Ort.

    +++ Lena Häcki hat immer Desinfektionsmittel dabei +++

    Im Biathlon finden die Wettkämpfe noch statt, aber die Schweizer Biathletin Lena Häcki hat am Freitag ein Weltcup-Rennen hinter sich, das sich nicht wie ein Weltcup-Rennen angefühlt hat. Sie erzählt am Telefon: «Nove Mesto gehört zu den Orten mit den meisten Zuschauern im Biathlon-Weltcup, da ist es schon bizarr, wenn die Tribünen leer sind und auch im Wald keine Zuschauer an der Strecke stehen. Für eine gute Leistung brauche ich ­jedoch eine gewisse Nervosität, ein Kribbeln im Körper.»

    Unterwegs spürte Häcki die fehlenden Zuschauer weniger. Im Wald hatte es immerhin Trainer und Betreuer, die sie anfeuerten und ihr Informationen gaben.

    Die Hygienemassnahmen, die in diesen Tagen ständig wiederholt werden, sind für Häcki hingegen Alltag. «Es ist wichtig, dass wir den ganzen Winter gesund bleiben, denn bei jeder Krankheit leidet die Form. Wir schütteln keine Hände, sondern begrüssen uns mit einem Fäustchen, Desinfektionsmittel haben wir immer dabei. Wird eine Kollegin krank, zieht sie in ein Einzelzimmer und isst auch nicht mit uns. Was jetzt für die breite Bevölkerung empfohlen wird, gilt für uns während der ­ganzen Saison.»

    +++ Lukas Wernli kennt keine Berührungsängste +++

    Die wichtigste Frage im Sport lautet derzeit: Sollen wir auch ohne Publikum weitermachen?

    In den grossen Sportarten erübrigt sich die Frage, solange Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen verboten bleiben. Aber wie sieht es in kleineren Sportarten aus?

    Lukas Wernli leitet die Geschäfte des Handballvereins HSC Suhr-Aarau. Als er an diesem Mittwochabend in die Schachenhalle fährt, wo sein Verein das Ligaheimspiel gegen St. Otmar St. Gallen austrägt, weiss er nicht, was passieren würde: Kommen mehr Zuschauer als sonst, weil andere Veranstaltungen abgesagt sind? Oder kommen weniger Zuschauer, weil die Angst grösser ist als die Langeweile?

    Am Eingang stehen zwei Männer mit einem Zähler in der Hand. 999 Zuschauer sind vom Kanton bewilligt. Neben der Toilette haben sie ein Fläschli mit Desinfektionsmittel bereitgestellt. Als das Spiel läuft, gibt Bundesrat Berset eine weitere Pressekonferenz.

    Das Coronavirus betrifft aber auch den Handball indirekt stark: Der Verband hat eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet: corona@handball.ch, pro Tag kommen bis zu fünfzig Nachrichten rein. Die Verunsicherung ist gross. Weil die kantonalen Bestimmungen unterschiedlich sind, gibt es in Herzogenbuchsee ein Geisterspiel, sind in Basel 200 Zuschauer zugelassen, in Zürich 800 und in Aarau 999. Lukas Wernli verliert langsam die Übersicht.

    Der Handballverband muss die Konfusion zulassen. Er kann zum Beispiel nicht überall Geisterspiele verordnen, um Gleichberechtigung zu schaffen. Sonst müsste er mit ­Schadenersatzklagen rechnen.

    In die Schachenhalle sind an diesem Abend 461 Zuschauer gekommen, halb so viele wie sonst. Die Angst ist stärker. Lukas Wernli sagt zwar, sein Sport kenne keine Berührungsängste. Die Spieler gingen sehr gelassen mit dem Coronavirus um.

    In der Gesellschaft sieht es anders aus. Berührungsangst ist das Gebot der Stunde.


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    :applaus:


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    Zitat von Mushu

    Was sind "die Leute"?


    jedes einzelne mitglied der gesellschaft. erst wenn man druck (gesetze) auf die gesellschaft macht, ändert sie sich bzw. ändern sich eben „die leute“!


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    Zitat von larlf

    interessant, aber trotzdem glaube ich nicht daran, dass der Virus die Leute ändert, welche Geldgeil sind.


    bin zu lange auf der welt um noch so romantische vorstellungen zu haben, sprich: natürlich glaube ich auch nicht daran! die leute ändern sich erfahrungsgemäss erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. aber diesen virus wird man früher oder später in den griff bekommen. also gehts auch (wieder) anders. die globalisierung kann auch trump nicht mehr rückgängig machen. obwohl ich bei dieser idee, sogar teilweise bei ihm bin.

    aber ich finde es jeweils interessant, zu allen möglichen themen, die unterschiedlichsten meinungen zu lesen. politisch gesprochen, die meinungen rechts und links der politskala.


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    eine etwas andere sicht auf den corona virus, woz vom 5.3.20:


    Nicht alle sind gleich verletzlich

    „Alles nur Hysterie“, hört man derzeit oft, wenn es um die Coronamassnahmen des Bundes geht. Dabei birgt das Virus immerhin eine Chance: das wir wieder stärker über eine solidarische Welt nachdenken. Von Bettina Dyttrich

    Ist das wirk­lich nötig? Die «besondere Lage», das Verbot von grossen Kon­zerten, Super-League-Fussball und der Fas­nacht, die prä­ven­tive Qua­ran­täne für alle, die mit Erkrankten Kontakt hatten – bei einer Krank­heit, die in den meisten Fällen mild ver­läuft? Das fragen sich in diesen Tagen nicht nur Basler­Innen. Das Wort «Hysterie» fällt oft, und für das Hams­tern von Gesichts­masken und Kon­ser­ven­dosen passt es auch. Aber beim Ein­schränken von Gross­ver­an­stal­tungen geht es genau um das Gegen­teil der egois­ti­schen «Ich zuerst»-Haltung: nämlich um Soli­da­rität. Die vielen, die mit der Krank­heit ver­mut­lich gut zurecht­kämen, schränken sich ein, um die Ver­letz­lichsten zu schützen. Wenn sich so die Aus­brei­tung von Covid-19 ver­lang­samen lässt und die Spi­täler darum nicht über­füllt sind, rettet das Leben.

    Wir «züchten» Erreger

    Noch nie in der Geschichte lebten Men­schen in einer derart kon­trol­lierten Umge­bung wie heute in den reichsten Ländern. Noch nie ver­brachten sie so viel Zeit in Innen­räumen, Fahr­zeugen und anderen men­schen­ge­machten Kon­struk­tionen. Dass der Homo sapiens Teil der Öko­sys­teme ist, ist für Schweizer Stadt­be­wohner­Innen eher Theorie als gelebte Erfah­rung. Es klingt roman­tisch. Aber es gilt eben auch im Nega­tiven: Jeder Körper bildet mit seinen Mikro­or­ga­nismen und Viren ein Öko­system, das sich ständig ver­än­dert (siehe WOZ Nr. 5/20). Sie sind lebens­wichtig – aber manche können uns auch umbringen. Und wir beein­flussen, ja züchten unsere Erreger in eine Rich­tung, die zuneh­mend Pro­bleme schafft. Das begann vor mehr als 10 000 Jahren: Erst­mals lebten im Nahen Osten richtig viele Men­schen auf engem Raum zusammen mit Ziegen, Schafen, Hunden, Ratten und anderen Tieren. Es gibt keine schrift­li­chen Zeug­nisse über diese Zeit, aber die Folgen müssen desa­strös gewesen sein: All die Krank­heiten wie Grippe, Wind­po­cken oder Masern, die heute (für fitte Bewohner­Innen reicher Länder) meist nicht mehr tödlich ver­laufen, waren neu. Die Men­schen starben zu Tau­senden – nach 1492 auch Nord- und Süd­ame­ri­kaner­Innen, die keine Anti­körper für diese Krank­heiten hatten.

    Heute geht das «Züchten» von Erre­gern in hohem Tempo weiter: Mas­sen­tier­hal­tung und Mil­lio­nen­städte kon­zen­trieren viel mehr Bak­te­rien und Viren auf engem Raum. Das beschleu­nigt ihre Evo­lu­tion enorm. Das Gleiche gilt für den viel zu breiten und sorg­losen Einsatz von Anti­bio­tika in Human­me­dizin und Mas­sen­tier­hal­tung seit dem Zweiten Welt­krieg. An mul­ti­re­sis­tenten Bak­te­rien, gegen die Anti­bio­tika nicht wirken, sind laut dem Medi­zin­ma­gazin «The Lancet» 2015 allein in Europa 33 000 Men­schen gestorben. Trotzdem will Novartis aus der Anti­bio­ti­ka­for­schung aus­steigen. Geht die Ent­wick­lung so weiter, werden schon ein­fache Ent­zün­dungen und simple Ope­ra­tionen zum töd­li­chen Risiko – wie vor der Ent­de­ckung des Peni­cil­lins.
    Neue Krank­heiten, Anti­bio­ti­ka­re­sis­tenzen, dazu noch die Kli­mae­r­hit­zung: Alles zusammen macht die Mensch­heit viel ver­letz­li­cher, als es die Jahr­zehnte des «Fortschritts» ahnen liessen. Nur: «Die Mensch­heit» gibt es nicht. Es trifft nicht alle gleich: Armut macht ver­letz­lich. Das gilt für Wet­ter­ex­treme genauso wie für Anti­bio­ti­ka­re­sis­tenzen und Covid-19. Bei einer schnellen Aus­brei­tung des Virus wäre auch das Schweizer Gesund­heits­system über­for­dert – in pre­kären Gesund­heits­sys­temen sterben unwei­ger­lich mehr Men­schen. Noch gefähr­deter sind die Flücht­linge in Nord­sy­rien, der Türkei und Grie­chen­land. Dass sie drin­gend medi­zi­ni­sche Hilfe brau­chen, ist nicht neu. Doch wenn Covid-19 dazu­kommt, droht sich die huma­ni­täre Kata­strophe noch zu ver­schärfen.

    Gut fürs Klima

    Ver­letz­lich ist auch die hyper­glo­ba­li­sierte Wirt­schaft. Dass es dumm ist, lebens­not­wen­dige Güter nur noch in einer Welt­re­gion zu pro­du­zieren, haben inzwi­schen viele gemerkt. Covid-19 könnte ein Anstoss sein, dieses Wirt­schafts­mo­dell zu über­denken – das ist ange­sichts der Kli­mae­r­hit­zung ohnehin drin­gend nötig. Auch wenn man sich nicht so richtig darüber freuen kann: Dieses Virus hat in kurzer Zeit mehr für den Kli­ma­schutz erreicht als die ganze Kli­ma­be­we­gung.


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