us de nzz am sunntig:
schön gseit: Dieser Mann kann Leute hinter sich bringen. Mit viel guter Laune. Für vier Spiele sollte es reichen.
au schön gseit: Nicht wie sein Vorgänger, der jeweils mit den Händen in den Hosentaschen vom Trainingsplatz trottete, das Wort «Arbeit» knurrte und so viel Frohsinn verströmte wie Aki Kaurismäkis Selbstmörder Henri Boulanger in der Filmballade «I Hired a Contract-Killer».
Uli Forte
Nothelfer mit grosser Motivationsspritze
So viel Freude. So viel Spass. So viel gute Laune. Uli Forte fährt nach dem ersten Training mit seiner neuen Mannschaft auf dem Bike vom Trainingsplatz zurück zur Garderobe. Er lacht, er macht Spässe. «Wartet ihr alle auf mich?», ruft er den wartenden Fotografen und Journalisten zu. «Dann mach ich noch eine Extrarunde!» Sagt's und macht die Extrarunde. Man soll sie sehen, die Freude, den Spass.
Denn darum geht es in diesem Moment, und Forte weiss, wie das Geschäft funktioniert. Die Botschaft lautet, dass nun ein neuer Wind weht im FCZ mit einem Trainer, der emotional ist, fröhlich, mit den Leuten redet. Nicht wie sein Vorgänger, der jeweils mit den Händen in den Hosentaschen vom Trainingsplatz trottete, das Wort «Arbeit» knurrte und so viel Frohsinn verströmte wie Aki Kaurismäkis Selbstmörder Henri Boulanger in der Filmballade «I Hired a Contract-Killer». Diese Zeiten sollen der Vergangenheit angehören.
Dass Forte nun den FCZ vor dem Abstieg retten soll, scheint nicht die schlechteste Idee von FCZ-Präsident Ancillo Canepa und seiner Frau Heliane gewesen zu sein. Denn der 42-Jährige bringt mit seinem Optimismus und dem südländischen Temperament jene Emotionalität in die lethargische Mannschaft, die ihr in den vergangenen Wochen des Niederganges so sehr gefehlt hat. Nach der These nun die Antithese. Klingt logisch.
Als Forte das Bike verstaut hat, gibt er Auskunft über seine Eindrücke nach den ersten 24 Stunden als FCZ-Trainer. Am Donnerstag gab es einen «Kennenlern-Nachmittag», bei dem er viele Einzelgespräche führte. «Die Spieler wirkten gehemmt, paralysiert, wie in einer Schockstarre - das müssen wir nun aufbrechen», sagt Forte. Das «Mentale» sei entscheidend, er müsse die Spieler «im Kopf erreichen», die «Herzen berühren», sie «kitzeln». Dabei sei die Sprache zentral, er selber spricht insgesamt sechs, und er erzählt, dass er einst in Winterthur «ein neusprachliches Gymnasium besuchen und dort viele Sprachen lernen» durfte. So redet Forte. Schnell, vif, laut, geschliffen. Man kann sich gut vorstellen, dass Fortes Ansprache bei den Spielern auf fruchtbaren Boden fällt nach all der Dürre und Kälte.
Forte ist klar, dass von ihm der Kurzzeit-Effekt des Nothelfers erwartet wird. Sein Engagement dauert nur drei Meisterschaftsspiele und den Cup-Final lang. Er spricht von der «Scheiss-Situation» des FCZ und bittet um Entschuldigung für den Ausdruck, aber so sei es nun einmal. Er lobt die Qualität seiner Spieler; Davide Chiumiento, Gilles Yapi, Leo Sanchez, sie und all die anderen, die zuletzt «so viel Prügel eingesteckt haben», seien hervorragende Sportler, die nun wieder ihre «Fähigkeiten auf den Platz bringen» müssen. «Am Montag in St.?Gallen werden wir brennen», sagt Forte. Er spielt perfekt die Rolle des Nothelfers, der mit einer grossen Motivationsspritze dem notleidenden Patienten FCZ frische Lebensgeister einflösst.
So schafft Forte es geschickt, sich als Wohltäter darzustellen, der aus den edlen Motiven des Helfers in der Not herbeigeeilt ist. Er wiederholt, dass er noch bis Ende Juni von den Young Boys Lohn hätte beziehen können und aus dem Liegestuhl dem FCZ hätte zuschauen können. «Aber so bin ich nicht, ich bin ein Züri-Bueb, da hinten bin ich aufgewachsen und habe auf der Allmend Fussball gespielt, mein Bauch sagte, ich muss helfen, als der FCZ-Präsident anrief.» Niemand wird ihm die Schuld geben, sollte der FCZ in die Challenge League absteigen, aber dennoch bedeutet das Engagement auch für Forte ein Risiko, obwohl er nun eine Art gemeinnütziges Mandat angenommen hat.
Denn schon einmal hat Forte mit den Grasshoppers einen Klub in Not übernommen, gewann kein einziges von sieben Spielen und stieg am Ende nur wegen der disziplinarischen Punktabzüge von Xamax und Sitten nicht ab. Danach gewann er mit GC den Cup, handelte sich aber den Ruf ein, beim Wechsel zu YB mehr aufs Geld als auf Loyalitäten geachtet zu haben. In St.?Gallen, seiner ersten Station in der Super League, war er wie im vergangenen Sommer in Bern entlassen worden. Das erste Scheitern hatte ihn in eine tiefe Krise schlittern lassen.
Unterdessen würde er ein Scheitern im FCZ verkraften. Und mit dem Cup-Sieg würde er sich nicht nur zum FCZ-Helden machen, sondern er könnte seiner Visitenkarte einen zweiten Titel hinzufügen. Das ist verlockend genug für ihn. «All in», sagte er bei der Vorstellung am Donnerstag, wie ein Pokerspieler, der sein ganzes Geld aufs Spiel setzt. «Ich meinte damit, dass ich mich mit ganzer Kraft für die vier Spiele einsetze», sagt er nun. So sei das zu verstehen gewesen. Er lacht und zeigt seine charmante Zahnlücke. Dieser Mann kann Leute hinter sich bringen. Mit viel guter Laune. Für vier Spiele sollte es reichen.