Beiträge von snowcat

    nzz vo hüt:

    Kampf um Ordnung

    Randale in Stadien ist nicht neu. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Klubs, der Verband und die Polizei um friedliche Verhältnisse in den Stadien. Heute sehen sie sich nicht mehr Hooligans rechter Prägung gegenüber, sondern der Subkultur der Ultras. Von Pascal Claude

    Es waren noch fünf Minuten zu spielen auf der Lausanner Pontaise, als der Schiedsrichter für die Ungarn einen zweifelhaften Elfmeter pfiff. Ferenc Puskás trat an und verwandelte, die Schweiz verlor 4:5. Das Stadion kochte, wie der damalige Nationaltorhüter Antonio Permunian im Buch «Das Spiel meines Lebens» erzählt: «Junge Herren im Sonntagsanzug mit Hut und Mantel tobten, fluchten und warfen Flaschen nach dem Schiedsrichter. Der arme Kerl musste nach dem Schlusspfiff schnurstracks in die Katakomben flüchten.»

    Das Länderspiel fand 1955 statt. Aggressionen von erbosten Zuschauern, meist gegen Schiedsrichter oder besonders ruppige Spieler des Gegners, sind in der Schweiz zurück bis in die 1920er Jahre dokumentiert. Seit den 1970er Jahren haben sie in der Sportberichterstattung ihren festen Platz. «Schlägerei hinter dem FCZ-Tor», «Feldinvasion von Hunderten von Zuschauern», «Schiedsrichter-Trio bis auf den Bahnhof verfolgt», «Raketen und Steinwürfe nach Schlusspfiff» - das ist nur eine kleine Auswahl an Schlagzeilen, die der «Sport» in den Jahren 1970 und 1971 verfasste.

    Der Fussballplatz war in den letzten hundert Jahren nie ein Ort der Besinnung. Und doch scheint die Ursachenforschung zu den jüngsten Krawallen von der Frage geleitet, wie mit diesem scheinbar neuartigen Phänomen wild gewordener Fan-Horden umzugehen sei. Vereine, Fussballverband und Polizei bemühen sich seit Jahrzehnten, die Ordnung in den Stadien aufrechtzuerhalten. So verpflichtete das Komitee der Nationalliga 1973 den FCZ, sein Spielfeld «mit einer soliden Umzäunung von mindestens 2,50?m Höhe zu umgeben», um den Platzstürmen ein Ende zu bereiten. Später folgte die Unterteilung der Stehtribünen in verschiedene Sektoren als Reaktion auf Übergriffe von Schlägern auf gegnerische Fans. Als sich darauf die Aggressionen vor das Stadion verlagerten, verstärkte die Polizei ihre Präsenz auf den Anfahrtswegen bis hin zu einer rigorosen Trennung der Fan-Lager, wie wir sie heute kennen. Zum medialen Dauerbrenner und bundespolitischen Traktandum, von dessen Tragweite heute ein eigenes Kapitel im Jahresbericht «Kriminalitätsbekämpfung» des Fedpol zeugt, wurde die Situation rund um Sportstadien aber erst nach der Jahrtausendwende. Dass die Fans genau zu jener Zeit verstärkt in den Fokus rückten, ist kein Zufall.

    Vorbild Italien

    2002 erhielten die Schweiz und Österreich den Zuschlag zur Durchführung der Euro 2008. Die Ligen der beiden Länder gerieten mit der Kandidatur unter verstärkte Beobachtung, der Aspekt der Sicherheit wird von der Uefa als Organisatorin schon länger stark gewichtet. Zur selben Zeit entfaltete sich auf Schweizer Stehrängen eine neuartige Subkultur: die Ultras. Sie widersprachen nahezu allem, was sich die nationalen und internationalen Fussballverbände unter geordneten Stadionverhältnissen vorstellten.

    Bis in die 1970er Jahre wurden die Schweizer Stehränge von heterogenen Fan-Massen bevölkert. Ein gemischtes Publikum aus Kindern und Rentnern, Kutten tragenden Einzelgängern und kleineren Fanklubs verfolgte das Spiel. Stimmung entstand so spontan wie Aggression, und beides war stark an Ereignisse auf dem Spielfeld geknüpft. Im Fokus von Gewaltsuchenden standen meist die Schiedsrichter, die sich oft sogar während des Spiels vor Handgreiflichkeiten schützen mussten. Mitte der 1970er Jahre begannen junge Männer um den Hockeyklub Lugano, den «Tifo», das orchestrierte Anfeuern des Teams nach italienischem Vorbild, in die Schweiz zu importieren: Konfetti, Trommelschläge und Feuerwerk belebten die Eishockeystadien, die Fans standen dicht beisammen und intonierten kollektiv eigens komponierte Hymnen. Die ekstatische Atmosphäre wurde auf Kassetten gebannt, die vom späteren Nationalrat Flavio Maspoli herausgegeben wurden und sich grosser Beliebtheit erfreuten.

    In ihrer auffälligen, kompakten Erscheinung boten die Tifosi des HC Lugano eine ideale Angriffsfläche für gegnerische Fans. Vor allem mit Anhängern des ZSC kam es regelmässig zu Schlägereien. Damit hatte sich die Gewalt rund um Schweizer Stadien erstmals konsequent vom konkreten sportlichen Ereignis entkoppelt. Bis der Tifo aus dem Tessiner Eishockey in die Fussballstadien der Restschweiz überschwappte, dauerte es aber noch mehr als zwanzig Jahre. Doch auch in Basel und Zürich blieb nicht einfach alles beim Alten.

    Nördlich des Gotthards suchten erlebnishungrige Sportfans ihre Vorbilder nicht in Varese oder Mailand, sondern im Norden. Der auf der britischen Insel grassierende Hooliganismus hatte sich längst nach Deutschland verbreitet. In Basel entstanden 1980 die ersten Fanklubs mit mehr oder weniger offenem Hang zu Gewalt und Randale. Gastspiele der englischen Nationalmannschaft und des FC Liverpool in der Schweiz im Jahre 1981 boten Anschauungsunterricht in Hooliganismus. In Leserbriefen beschwerten sich nichtsahnende Stadionbesucher, auf ihren Plätzen unvermittelt von gegnerischen Radaubrüdern angegriffen worden zu sein, und gemässigte Fanklubs veröffentlichten empörte und entschuldigende Stellungnahmen. Schon bald sahen sich auch Vereine und Verband gezwungen, auf die neuen Unruhestifter zu reagieren. Mit unorthodoxen Methoden wie dem Entsenden von Karatekämpfern in die eigene Fankurve versuchte etwa GC, die Situation in der Griff zu bekommen. Es sollte jedoch noch Jahre dauern, bis sich der Schweizer Fussball dieser Form der importierten Fan-Gewalt entledigte.

    Dem Hooliganismus schweizerischer Prägung war eine starke Rechtslastigkeit eigen. In Fanklub-Postillen wurde offen gegen Türken und Tamilen gehetzt, in den Stadien wurden Gegner als «Juden» beschimpft. Oft blieb es nicht bei Parolen, und die Hetze setzte sich in den Innenstädten gegen Wehrlose fort. Über die Fussballfans legte sich ein dunkler brauner Schatten, den sie bis heute nicht ganz losgeworden sind. Der Neuenburger Sportsoziologe Thomas Busset nahm noch 2003 vom Bundesrat einen Forschungsauftrag zu Fankurven mit dem Titel «Rechtsextremismus - Ursachen und Gegenmassnahmen» entgegen - um zum Ergebnis zu gelangen, dass der Einfluss rechter Kreise auf den Rängen im Schwinden begriffen ist.

    Was Busset und sein Team bei ihrer Arbeit antrafen, war eine gänzlich neue, vom alten Hooliganismus weitgehend unabhängige Fan-Szene. Um die Jahrtausendwende hatten sich auf der Basler Schützenmatte, im Zürcher Letzigrund, aber auch im Hardturm, im Berner Neufeld und im St. Galler Espenmoos neue Fangruppen gebildet, die nicht mehr nach englischem oder deutschem, sondern nach südländischem Vorbild zu Werke gingen. Unter diesen Fans war erstmals auch eine grössere Anzahl Gymnasiasten. Konfrontationen mit dem Gegner scheut auch diese neue Fan-Generation nicht, doch sind solche nebst vielseitigen Gesängen, aufwendigen Choreografien, Pyro-Shows, selbstproduzierten Fan-Artikeln und selbstverwalteten Fan-Lokalen nur ein Aspekt unter vielen. Für die Ultras erfüllt die Hingabe an einen Fussballverein nicht nur das Wochenende, sondern das Leben. Aus der vielseitigen Arbeit für die Fankurve und den zahlreichen gemeinsamen Erlebnissen entstehen enge Freundschaften. Ein langjähriges Mitglied des St. Galler «Espenblocks» schreibt dazu im Kulturmagazin «Saiten»: «Natürlich, wenn ich am Sonntagmorgen in aller Frühe in den Zug steige, um ein Spiel in Lausanne zu sehen, bei dem der eigene Klub eigentlich nur verlieren kann, dann habe auch ich mich schon gefragt, warum ich nicht einfach wie alle anderen den ganzen Sonntag verschlafe. Sobald ich aber alle Freunde sehe, sobald ich diese Vorfreude spüre, diese Energie, dieses Gefühl dazuzugehören, dann sind solche Zweifel weggeblasen.»

    Feindbild Polizei

    Weil es zwischen den Ultra-Gruppen immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt, vor allem aber auch wegen des Einsatzes von verbotenem Feuerwerk in den Stadien, hat das Parlament im Vorfeld der Euro 2008 mit dem BWIS?II ein Gesetz gegen Hooliganismus verabschiedet. Seit 2007 ist es in Kraft, inzwischen wird es als Hooligan-Konkordat in den meisten Kantonen weitergeführt. Die Ultras sehen darin einen direkten Angriff auf ihre Identität: Der Grossteil der in der Datenbank Hoogan Registrierten wurde mit Feuerwerk erwischt, effektive Gewalttaten machen nur rund zehn Prozent der Einträge aus. Mit geschlossenen Reihen, uniformer Kleidung und Vermummung versuchen die Fankurven, sich der Repression zu entziehen. Gleichzeitig dient ein solcher Auftritt der Demonstration von Stärke und Macht. Mit der Polizei will kein Ultra etwas zu tun haben. Nicht einmal, wenn Hooligan-Gruppen alter Schule die eigenen Reihen für ihre Zwecke missbrauchen.

    nzz vo hüt:

    Fankultur auf der Anklagebank

    Krawalle und andere Grenzüberschreitungen im Umfeld von Fussballspielen radikalisieren die Debatte um das Verhalten der Fans. Der Imageschaden ist gross, der Aufwand für die Beteiligten hoch, ökonomisch wie emotional. Vorfälle am Cup-Final zeigen, dass der Ruf nach Repression nicht die einzige Antwort sein kann. Der Fussball muss mehr in die Prävention investieren. Von Peter B. Birrer

    Drei Geschäftsherren diskutieren im Intercity zwischen Bern und Zürich, sie streifen den Fussball - oder das, was mit Fussball auch in Verbindung gebracht wird. Er verstehe, wenn die SBB genug hätten von den «Scheiss-Hooligans», die in Extrazügen wüteten, sagt einer. Die anderen nicken. Am letzten Sonntag hat der blockierte GC-Extrazug nach dem Meisterschaftsspiel Basel - GC die Strecke von Basel nach Olten unterbrochen. Die SBB lassen wissen, dass in Mitleidenschaft gezogene Extrazüge fussballspezifisch seien: «Ein kleiner Teil der mitfahrenden Fans betrachtet den Zug als rechtsfreien Raum und beschädigt Züge oder stört den Bahnbetrieb massiv.»

    Am Ostermontag geriet im Rahmen des Cup-Finals der Fanmarsch des FC Zürich in Bern ausser Kontrolle, nachdem schon der Final 2013 von Krawallen begleitet gewesen war. Jetzt sagt der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp.): «Wir haben alle an Fanmärsche geglaubt, aber jetzt zweimal einen Schuh voll herausgezogen. So geht das nicht, auch wenn 99,9 Prozent der Zuschauer friedlich ans Spiel kommen. Wir können nicht mehr verantworten, unsere Stadt einem solchen Belagerungszustand auszusetzen.» Der Cup-Final 2015 wird nicht in Bern stattfinden.

    Sonntagabend, 27. April, Bahnhof Basel. Zwei Stunden nach dem Spiel Basel - GC. Zugsausfälle, Verspätungen, Zwischenstopps wegen «Vandalismus», wie auf Bildschirmen zu lesen ist. Aus den Lautsprechern knattert der Anti-Werbespot für den Schweizer Fussballfan: «Unplanmässiger Halt, Einschränkungen im Bahnhof Muttenz, Polizeieinsatz nach einem Fussballspiel.»

    Das Spiel zuvor war gut gewesen, auch auf den Tribünen. Über 34 000 Zuschauer, Stimmung, Choreografien in den Fankurven. Wäre nicht Pyro-Material und wären im GC-Block nicht zwei Knaller gezündet worden, die an Militär und Tinnitus erinnern, könnte man von einem prächtigen Fan-Nachmittag berichten. Auf der Heimreise geht niemand auf den andern los, aber im GC-Extrazug wird die Handbremse gezogen. Weiterfahrt unmöglich, Fans steigen aus, Unterbruch einer SBB-Hauptschlagader. Begleiter des Extrazugs berichten, dass sich viele Fans beklagt hätten. Am Ende dauert ihre Extrafahrt von Basel nach Zürich viereinhalb Stunden. Auch im Bahnhof Basel nerven sich Passagiere. Die SBB beziffern die Schadenshöhe nicht, nennen aber die Konsequenzen «weitreichend».

    Prüfung nicht bestanden

    Jeder Fall, egal welchen Zuschnitts, entfaltet Breitenwirkung. Das kann niemanden verwundern: Im Europa-League-Spiel in Salzburg werfen einige FCB-Anhänger Gegenstände auf den Rasen und provozieren einen Spielunterbruch. Das «ungebührliche Verhalten» ahndet die Uefa hart: Europacup-Heimspiel ohne Publikum. Im Cup-Final läuft mit dem Fanmarsch des FC Zürich viel zu viel schief: Sachbeschädigungen, Polizeieinsatz beim Stadion, Sturm von Drehkreuzen beim Eingang. Allein die Schäden werden mit mindestens 160 000 Franken beziffert. Der Vorfall mit der Handbremse reiht sich in die Liste ein, als hätte ein Werbefachmann, der mit Negativ-Botschaften Stimmung machen will, darauf gewartet. Der Cup-Final 2014 (FCB - FCZ) stand unter besonderer Beobachtung, weil 2013 (FCB - GC) Krawalle vorausgegangen waren. Doch am Prüfungstermin 2014 versagte der FCZ-Fanmarsch. Am Befund ändert auch der FCB-Corso nichts, der trotz leichter Routenänderung laut den Behörden «im Rahmen des Tolerierbaren» ablief. In der Bilanz haben die Fangruppen eine Chance verspielt. Deshalb kann sich niemand wundern, wenn wenig später der Fall mit der Handbremse heftige Reflexe, Reaktionen und Reize auslöst.

    Von schlimmen Träumen verfolgt müssten auch Cup-Sponsoren sein, sofern sie vor dem Final nicht nur VIP-Räumlichkeiten genossen, sondern auch den Platz vor dem Stadion im Blickfeld gehabt haben. Weil verhindert werden musste, dass Personen von der «FCZ-Seite» in den Basler Bereich gelangen konnten, formierte sich die Polizei. So hatten die Sponsoren nicht Kundschaft in ihren Zelten, die sich freudig auf den Final einstimmte. Nein, dort stand die Polizei mit Helm und Schild. Dazu trällerten (Animations-)Stimmen aus Lautsprechern. Absurde Szenerie.

    Die Würth-Gruppe, die für den Cup jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag zur Verfügung stellt, will sich erst nach dem Debriefing mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) Mitte Mai äussern. Im Moment sagt sie: «Kein Kommentar.» Werbung ist anders. Werbung ist ebenfalls nicht, wenn nur 23 000 Zuschauer im Stadion weilen, viele leere Plätze zu sehen sind. Da stimmt etwas nicht.

    Der Cup-Wettbewerb ringt zwar um Strahlkraft, aber die Finalisten können sich nicht beklagen, sie erhalten je 750 000 Franken Prämien. Das ist in der strukturschwachen Fussballliga viel. Fast in jedem Klub müssen Gönner Geld einschiessen - als Ausnahme gilt Basel. Der ökonomische Druck wirkt sich auch auf die Sicherheit aus. Die Schweizer Klubs können nicht die Preise erhöhen und untere Schichten substituieren - wie in England geschehen. Sie sind finanziell am Anschlag und in den Stadien auf die Stimmung der Fankurven angewiesen. Das erklärt, weshalb sich die Klubs ducken. Bezeichnend war die Reaktion des FCZ nach dem Final. Anstatt Probleme einzugestehen, schob der FCZ-Präsident Ancillo Canepa die Schuld auf «Krawall-Touristen» ab. Die erste Analyse der Polizei zu den 44 Festnahmen sagt hingegen das: Drei Viertel sind dem FCZ-Umfeld zuzurechnen. Weil der FCZ keine Analyse vorliegen hat, sagt er: «Kein Kommentar.»

    Der Polizeirechts-Experte und frühere Basler Polizeikommandant Markus Mohler sagt: «Die Klubs brauchen offenbar die treuen Fankurven als Motivationsfaktor und Kulisse. Gleichzeitig sind sie und die Kurven unfähig, sich von denen klar abzugrenzen, die zu weit gehen. Wer positive Subkulturen schützen will, muss sich radikal vom Schädlichen distanzieren.» Das ist die Kernfrage: Warum hält sich der ganze FCZ-Fanmarsch nicht an eine Abmachung? Fankreise argumentieren mit «schwer einschätzbaren, situativen Verhaltensmustern in der Masse». Letztlich kann (oder will) niemand sagen, wo der Haken lag, weshalb die FCZ-Fanarbeit wenig Zugriff auf den Fanmarsch hatte. Vielleicht ist es auch so, dass die Fanarbeit im FCZ weniger von innen heraus gewachsen und akzeptiert ist als anderswo - mehr aufgezwungen wurde.

    Erst zehn Tage nach dem Final gab der Fussballverband bekannt, die bereitgestellten 200 000 Franken an die Sicherheit beizusteuern. Das ist fast die Hälfte. Vor dem Final hatte er noch hinterfragt, ob der Beitrag rechtmässig sei - als wäre das juristische und nicht das politische Signal dringlich. Für Mohler gibt es den Ansatz: noch mehr Prävention im Vorfeld, die Fanmärsche mit noch mehr Sicherheitsaufwand durchführen, wobei allerdings der Veranstalter als sogenannter Zweck-Veranlasser den Mehraufwand bezahlen müsste, sofern das Polizeigesetz dafür die rechtliche Grundlage bietet.

    Der SFV droht nun der Stadt Bern mit dem Entzug der Länderspiele («Wir fühlen uns nicht willkommen»). Das Motto: Wer die netten Länderspiele will, soll auch den bösen Cup-Final nehmen. Das kommt nicht überall gut an. Der SFV-Generalsekretär Alex Miescher sagt, dass in der Prävention kaum mehr möglich sei und man den eingeschlagenen Weg «linear» weiter verfolge. «Wir machen jedes Jahr mehr, wir hatten vor dem Final 40 Personen an den Tisch gebeten.» Das reichte für den FCB-, nicht aber für den FCZ-Teil. Mit dem Final-Transfer verlagert sich das Problem, aber es löst sich nicht. Ein Ansatz kann sein, den Final mit Hin- und Rückspiel auszutragen, um Fanmärsche zu limitieren. Der SFV ist der Meinung, dass die Ausgangslage nicht heikler werden kann als 2013 und 2014, als Basler und Zürcher aufeinandertrafen.

    Fanmarsch als Machtdemonstration

    In Bern sind die Narben tief, in der Politik und in weiten Bevölkerungsteilen. Wer den FCB-Marsch direkt mitbekam, die schwarz Gewandeten an der Spitze sah, das Gewaltpotenzial spürte, stellt Fragen. Subkultur? Freude? Der Corso ist eine Machtdemonstration, ein Symbol der Gemeinsamkeit, der Stärke, auf breiter Front, mit Rauch, Fahnen und Böller. Wer mit dem Fanmarsch konfrontiert wird, kann ihn auch als explizite Gewaltandrohung empfinden - auch wenn keine Schaufenster bersten. Da mögen noch so viele friedlich hinterherlaufen.

    Nach jedem Vorfall radikalisiert sich der Diskurs, mit den Medien als Katalysatoren, weil sich Krawallbilder wie der Fanmarsch-Liveticker verkaufen lassen. Die Politik schreit nach Nulltoleranz und Repression, was sich im Hooligan-Konkordat niedergeschlagen hat, dessen Wirkung umstritten bleibt. Siehe Final. Radikalisierung ist auch in Fangruppen zu beobachten. Sie schotten sich ab, kommunizieren kaum, fluchen über Gaffer und Kameras, von denen sie verfolgt werden. Gleichzeitig legen die Fans temporär eine halbe Stadt lahm. Der Grund: Sie wollen ins Zentrum, beachtet werden. Also was jetzt: Kameras, Medien weg? Oder doch Beachtung? Dem Verhalten haftet Renitentes, Paradoxes an.

    Die Fankultur ist im Kern getroffen - auch der Fussball, die Klubs, der SFV. Es gibt den Ruf nach Härte. Fertig! Ende! Aufräumen! Der andere Ansatz ist: Fanszene analysieren, Fanarbeit stützen, (Final-)Prämien investieren, Beteiligte zu erreichen versuchen, einbinden, 5- und nicht nur 2-mal runder Tisch, 10 Sozialarbeiter statt 1 (zu) teurer Spieler.

    Zitat von Sbornaja

    Sooo s Thema CL& Bayern wär für die Saison erledigt...

    Tip Top ao, jezt muss no Real im Final verlüre gg wer au immer und König Fuessball isch wiedermal einigermasse akzeptabel.

    wär zu geil wenn atletico meischter und cl sieger würdi. eifach nume damits real nöd wird... :geil:

    Zitat von Sbornaja

    Jede Rappe Wert!!

    das wäre er, wenn er mindestens 3/4 der spiele auf seinem höchsten level spielen würde und seine verletzungen sich im normalen rahmen bewegen würden. aber dann hätte er höchstens 2 saisons in zürich gespielt.

    ausserdem: lieber 3 spieler die 500'000 verdienen, als 1 tschikahui, bringt dem club sportlich (bedeutend) mehr.

    p.s. denke aber, dass dieser betrag schon stimmt. die lohnsumme von gut 700'000 wurde ja schon immer genannt. man hat einfach seine quartalszahlungen "vergessen" zu erwähnen...

    da no zum thema "vollpfoschte" canepa en bitrag us de hütige nzz:


    Der Cup-Final und seine Folgen aus objektiver Sicht

    Mit dieser Geschichte ist es wie mit einem Fanmarsch: Man weiss nicht genau, wo der Anfang ist. Bei der Gründung von Bern 1191? Bei der Einführung des Schweizer Fussball-Cups 1925? Bei der Wahl Ancillo Canepas 2006 zum Präsidenten des FC Zürich? Starten wir deshalb der Einfachheit halber so, wie einst alles begann, mit einem Montag.

    Ostermontag. Fans des Fussballclubs Zürich (kurz: FCZ) reisen nach Bern. Im Cup-Final trifft der FCZ auf den FC Basel (kurz: FCB). Als die FCZ-Fans durch die Strassen ziehen, rufen sie «Scheiss-YB». Die Young Boys (kurz: YB) nehmen am Final indes nicht teil, weil sie letzten Herbst dem FC Le Mont Lausanne (kurz: Fussballzwerg) unterlagen.

    Der Sicherheit zuliebe haben die Berner Behörden für den sogenannten FCZ-Fanmarsch eine Route vorgegeben. Demzufolge müssten sich die FCZ-Fans vor dem Münster versammeln; auf dem Weg vom Bahnhof zum Münster werden die Zürcher aber von Müdigkeit, Orientierungslosigkeit oder anderen schwarzen Mächten überwältigt und rasten auf dem Bärenplatz. Logische Folge: Ausschreitungen, Plünderungen.

    Im Final zeigt der Schiedsrichter Patrick Graf gegen Basel eine diskutable rote Karte.

    Der FCZ siegt, Canepa sagt: «Der Schiedsrichter war sehr objektiv, Kompliment.»

    Graf sagt später: «Weiterspielen zu lassen, wäre der richtige Entscheid gewesen.»

    Dienstag. Titel auf blick.ch: «Die ehrliche Haut aus dem Emmental.» Gemeint ist Graf. Er sei Geschäftsstellenleiter einer Bank; Ort und Name derselben werden auch verraten. Via Google lassen sich Grafs E-Mail und Telefonnummer leicht eruieren. FCB-Fans verplempern kaum mehr Zeit, wenn sie nach der Müllhalde ihres Zorns fahnden. So was nennt sich Leserservice. Soll den Baslern ja nicht so ergehen wie den FCZ-Fans, die das Münster suchten und den Bärenplatz fanden.

    Mittwoch. Canepa sagt in der NZZ: «Unsere Fan-Verantwortlichen sagten mir, am Marsch seien Leute dabei gewesen, die sie noch nie zuvor gesehen hätten. Da liegt der Verdacht nahe, dass Krawall-Touristen dabei waren.» Sehr objektiv, Kompliment.

    Donnerstag. Manuel Willi, der Chef der Berner Regionalpolizei, sagt im «Tages-Anzeiger»: «Unsere Szenekenner haben 77 Prozent der 44 Festgehaltenen eindeutig der Zürcher Fan-Szene zugeordnet.» Erstaunlich.

    Der «Blick» schreibt: «Mord-Drohungen gegen Cup-Final-Schiri!» Erstaunlich.

    Freitag. Der Schweizerische Fussballverband gibt bekannt, er kandidiere nicht für die Durchführung von Euro-Spielen 2020.

    Richtig so! Fehlte uns ja noch, eine Masseneinwanderung ausländischer Fans - wie an der Euro 2008, als Holländer Bern überschwemmten. Die holländischen Fans waren verdächtig andersartig, freundlich und gesittet. Wie Friedenstauben, objektiv gesehen.

    für alli wo findet de canepa sich en katastrophale präsi...guet, i gwüsse beziehige isch er scho en vollpfoschte, aber finanziell isch de verein üsserscht korrekt und transparent gfüehrt. au wenn d'rechnig nöd ufgaht. wür sie das aber, wür de fcz mit lausanne um de abstieg spille...

    mer chas aber au eso mache wie niederhasli under em spadaro, 10 millione ineh und 30 millione usgeh. sind alti gschichte, ich weiss! würkli?

    ha mal gseit, wenn gcn das jahr meister wird, händs finanziell 2 ruhigi saisons. ha mi girrt, es git nur 1 ruhigi bis alles wieder vo vorne afangt...vo wege gcn dörf und basel muess meischter werde. uf grund vo de finanze isch es genau umgekehrt!

    guckst du, nzz vo hüt:


    Erfolgreich, aber teuer

    Die Saison der Grasshoppers kostet viel mehr, als bisher bekannt. Die Ausgaben erreichen fast 30 Millionen Franken. Das lohnt sich nur, wenn GC Meister wird. Von Flurin Clalüna

    Man kann sich leicht vorstellen, wie dieser gewissenhafte Berner Architekt erschrocken ist, als er Mitte Dezember das wahre Ausmass der Geldsorgen der Grasshoppers erkannt hat. Im Büro von Stephan Anliker in Langenthal liegen die Sichtmäppchen mit Geschäftsunterlagen ordentlich auf dem Schreibtisch, fast schon militärisch ausgerichtet. Anliker ist seit Februar offiziell GC-Präsident, und seine erste Amtshandlung war der Griff an die Notbremse. Er hat das unaufgeregt getan, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Aber wie ernst die Lage nach der Entlassung seines Vorgängers André Dosé wirklich war, wird deutlich, wenn Anliker sagt: «Ich bin positiv überrascht, dass wir sportlich wieder so erfolgreich sind. Im Winter mussten wir eine finanzielle Sanierung durchführen.» Zum x-ten Mal in den letzten Jahren.

    Die Grasshoppers spielen wieder um den Meistertitel, wie vergangene Saison, obwohl man ihnen dies nach den vielen Wechseln in der Führung und der Mannschaft kaum zugetraut hatte. Heute Sonntag könnten sie mit einem Sieg bis auf einen Punkt an den Leader Basel heranrücken. Aber dieser Erfolg ist teuer erkauft, viel teurer, als bisher angenommen. Die letzte Saison schloss GC mit einem Minus von drei Millionen Franken ab. Und in dieser Spielzeit dachte man, die Grasshoppers würden mit einem Budget von rund 22 Millionen operieren. Aber Anliker sagt: «Das genügt bei weitem nicht in dieser Saison.» Er möchte sich nicht auf eine Zahl festlegen, aber Recherchen zeigen, dass die Ausgaben nahe an 30 Millionen Franken heranreichen. Man muss sich vor Augen führen, was das bedeutet: Bei ordentlichen Einnahmen von 10 bis 12 Millionen Franken (ohne Transfers und Gönnerbeiträge) geben die Grasshoppers in dieser Saison deutlich mehr als doppelt so viel aus, wie sie Einkünfte generieren. Das würde sich nur lohnen, wenn GC Meister werden und unverhofft im Geldregen der Champions League stehen würde. Anliker sagt: «Ich bin zu pragmatisch, um darauf zu hoffen.»

    Bis Mitte Dezember, bis zur Freistellung von André Dosé, war das Ausgabenwachstum praktisch ungebremst. Anliker sagt: «Hätten wir nichts unternommen, GC wäre Ende 2013 illiquid gewesen. Die Bilanz war überschuldet.» Dass die Situation nicht mehr existenzbedrohend ist und die Grasshoppers die Saison ohne Verlust abschliessen werden, liegt an den Winterverkäufen von Izet Hajrovic und Milan Vilotic. Rund sechs Millionen Franken hat GC dank den Transfers eingenommen. Die Spieler haben Galatasaray und die Young Boys zwar mehr Geld gekostet, etwa acht Millionen, aber nicht alles floss in die Kasse der Grasshoppers. Schon im Sommer hatte GC dank dem Wechsel Steven Zubers nach Moskau fünf Millionen Franken verdient.

    Zusammen mit den Zuwendungen von 4,5 Millionen Franken der «Owners», der GC-Besitzer, konnte das Budget ausgeglichen werden. Sogar für kleinere Ausgaben reichte das Geld noch; knapp zehn Prozent der Transfereinnahmen wurden wieder investiert - in den jungen Israeli Munas Dabbur und den Verteidiger Sanel Jahic. Anliker sagt, seiner Meinung nach sei die Mannschaft jetzt noch besser als letztes Jahr, als sie unter dem Trainer Uli Forte Cup-Sieger wurde. «Aber wir hatten auch etwas Glück, dass alles so gut aufgegangen ist. Es wird nicht jedes Jahr so sein.» Deshalb werden die Grasshoppers in der nächsten Saison die Kosten senken. Das Budget, das sie bei der Lizenzbehörde der Liga eingegeben haben, liegt bei rund 20 Millionen Franken. Erstinstanzlich hat GC jedoch keine Lizenz bekommen - aus finanziellen Gründen. Anliker sagt, das habe ihn getroffen. «Wir sind seriöse Geschäftsleute, und jetzt vergleicht man uns indirekt mit Hochstaplern wie Bulat Tschagajew von Xamax.» Die Grasshoppers haben Unterlagen nachgereicht, und der GC-Verwaltungsrat mit finanzkräftigen Mitgliedern wie Heinz Spross oder Reinhard Fromm bürgt für bisher ungedeckte Ausgaben.

    Die Finanzen ins Gleichgewicht zu bringen: Das ist eine Aufgabe, an der vor Anliker in den letzten zehn Jahren sechs Präsidenten gescheitert sind. Anliker aber sagt: «Wir werden in der nächsten Saison mit Sicherheit mehr Sponsoringeinnahmen haben.» Auf diese Prognose lässt er sich festlegen. Die Vermarktungsfirma IMS hat seit Februar ein Beratungsmandat für GC. Ein Jahr lang wird sie ihr Know-how einbringen. Dass die Agentur ihr Geschäft versteht, hat sie bei der Vermarktung des Eishockeyklubs SC Bern bewiesen.

    Die Grasshoppers werden auch deshalb auf Mehreinnahmen angewiesen sein, weil sie ab der Saison 2014/15 nicht mehr auf gleich viele «Owners» zählen können wie heute. Bisher waren es 15 Einzelpersonen oder Gönner-Gruppen, die jedes Jahr 4,5 Millionen Franken zahlten, um das strukturelle Defizit zu decken; bald werden es noch zwölf sein. Und immer noch spannen sie das Sicherheitsnetz, ohne das GC nicht überleben könnte. Denn etwas soll unangetastet bleiben: die 1. Mannschaft. Zehn Millionen Franken kostet sie, und das soll so bleiben. «GC hat weiterhin den Anspruch, in der Schweiz ein Spitzenklub zu sein», sagt Anliker, «die 1. Mannschaft darf nicht leiden, ihr Erfolg bleibt die Grundvoraussetzung für unsere Entwicklung.»

    es gaht vorwärts i rieseschritt! super! spöteschtens 2078 staht in züri es fuessballstadion! :geil:

    us de hütige schweiz am sonntag:


    Zürcher Stadion: Sieger machen neuen Vorschlag

    Die Stadt Zürich nimmt einen weiteren Anlauf für ein reines Fussballstadion. In wenigen Tagen läuft die Eingabefrist für neue Projekte ab. Mit dabei sind die ursprünglich vorgesehenen Architekten für ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal. Das Badener Architekturbüro Burkard Meyer wird bis Mittwoch einen überarbeiteten Vorschlag einreichen, sagt Adrian Meyer, Partner des Architekturbüros, auf Anfrage. Im Februar hatte die Stadt unter dem Titel «Neues Fussballstadion» potenzielle Investoren angeschrieben. Diese wurden aufgefordert, bis Ende April auf acht bis zwölf Seiten ihr Vorhaben darzustellen. Wie viele Vorschläge eingegangen sind, will die Stadt erst Anfang Mai offenlegen.

    Bereits 2012 hatte sich Burkard Meyer gegen elf Architektenteams aus fünf Ländern durchgesetzt und den Zuschlag für ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal erhalten. Allerdings scheiterte das Projekt vergangenen September an der Urne. 50,8 Prozent der Zürcher lehnten die Vorlage ab. Der Kredit für das Projekt – samt Grundstückkosten, Parkgarage und Stadionplatz – belief sich auf 216 Millionen Franken.

    Die neuen Vorschläge legen den Fokus stärker auf die Mantelnutzung des Stadions und andere Formen der Querfinanzierung. Ziel ist es, den Beitrag der öffentlichen Hand möglichst tief zu halten. Das Interesse der Fussballklubs ist weiterhin vorhanden. Bereits kurz nach der Abstimmung hatten FCZ und GC Alternativen ins Spiel gebracht.

    Einen Entscheid, ob doch noch ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal entsteht, fällen die Stadt und Credit Suisse nach den Sommerferien. Die CS hat ein Rückkaufsrecht, falls auf dem Areal kein Stadion gebaut wird. Sie wartet die neuen Vorschläge ab.

    Zitat von snowcat

    züri und basel händ ihres Kontingent vo 9000 tix i zwei tag verchauft gha. villicht sött mer halt nöd 12000 tix für de verband und sponsore reserviere... :nixwiss:

    habe ich soeben in der tv zeitschrift tele gelesen. ein interview mit alex miescher, generalsekretär des schweizerischen fussballverbandes:

    tele: berns sicherheitsdirektor sagt, der sfv hätte das geschehen ausserhalb der stadien bisher vernachlässigt. zu recht?

    miescher: nein. wir sagen einfach ehrlich, auf welche zuschauer wir direkt einfluss haben: als organisator können wir die masse, die friedlichen fans kontrollieren, indem wir schon um 14 uhr anpfeiffen. stichwort: alkoholprävention. oder indem wir das stadion nicht ganz füllen. aber was sollen wir gegen gewaltinteressierte gruppen tun – etwa wenn ganze busse mit krawalltouristen einfahren?

    Zitat von Larry

    vor nur 23 312 Zuschauern (geringster Finalbesuch seit 2004) :roll:

    züri und basel händ ihres Kontingent vo 9000 tix i zwei tag verchauft gha. villicht sött mer halt nöd 12000 tix für de verband und sponsore reserviere... :nixwiss:

    us de hütige nzz:

    Die Krönung der Perfekten

    Die ZSC Lions haben die Meisterschaft dominiert wie niemand mehr seit dem «Grande Lugano». Die Struktur ihrer Organisation wird das Schweizer Eishockey verändern. Von Daniel Germann

    Wer sich auf die Suche nach dem Ursprung des modernen Eishockeys in der Schweiz macht, stösst früher oder später auf John Slettvoll. Der schwedische Eishockeylehrer kam 1982 mit neuen Ideen in die Schweiz. Er brachte den Professionalismus nach Lugano, baute gezielt ein Team auf und beeinflusste damit das gesamte Schweizer Eishockey: Wer konkurrenzfähig bleiben wollte, musste mitziehen.

    John Slettvoll hat das Schweizer Eishockey an die Schwelle des 21. Jahrhunderts geführt. Er schuf in Lugano die erste Schweizer Eishockey-Dynastie im Play-off-Zeitalter - drei weitere sollten bisher folgen (siehe Kasten). Die ZSC Lions sind auf bestem Wege, zur nächsten zu werden. Die Idee und Struktur, die die Organisation tragen, werden für das Eishockey in der Schweiz dereinst gleich prägend sein, wie es John Slettvoll und der HC Lugano gewesen sind. Zumindest aber ist der achte Meistertitel, den die Lions am Samstag mit ihrem Penaltysieg in Spiel 4 der Finalserie gegen die Kloten Flyers geholt haben, der Lohn für die Arbeit in den letzten Jahren.

    Nie mehr seit Slettvolls «Grande Lugano» gab es in der Schweiz einen so logischen Meister, wie es die ZSC Lions sind. Sie haben die Qualifikation dominiert, und in den Play-offs waren sie sich selber im Prinzip der einzige ernstzunehmende Gegner. Im Viertelfinal gegen Lausanne kämpften sie mit dem Rhythmus, im Halbfinal gegen Genf/Servette zuweilen mit der Konzentration. Doch wenn sich die Zürcher auf ihre Qualitäten besannen, dann war ihnen niemand gewachsen.

    Der Genfer Coach Chris McSorley sagte nach dem 0:4 im siebenten Halbfinalspiel, sein Team habe gegen die chinesische Armee gespielt. Zum selben Vergleich hatte der Kanadier schon vor einem Jahr nach dem verlorenen Viertelfinal gegen den SCB gegriffen. Doch diesmal traf das Bild ins Schwarze. Kein anderes Team ist momentan ähnlich breit und ausgeglichen besetzt wie die Lions. Im Prinzip haben sie die perfekte Mannschaft zusammengestellt: routiniert und jung zugleich, optimal ausbalanciert mit Künstlern wie Luca Cunti oder Robert Nilsson und Arbeitern wie Morris Trachsler oder Mark Bastl, geführt von Leadern wie Mathias Seger oder Severin Blindenbacher und getrieben von hungrigen Spielern wie Chris Baltisberger oder Reto Schäppi. Dazu verfeinern drei Ausländer (Dan Fritsche, Ronalds Kenins, Robert Nilsson), die das Kontingent nicht belasten, die Mischung.

    Alarmierend für die Konkurrenz aber ist, dass die Überlegenheit der Lions mehr als nur eine Momentaufnahme ist. Denn während etwa die beiden anderen Meister der vergangenen sieben Jahre, der HC Davos und der SC Bern, im Umbruch stecken, haben die Zürcher ihren Zenit längst noch nicht überschritten. Gerade im Sturm ist das Potenzial nicht ausgereizt. Von den regelmässig eingesetzten Stürmern sind nur Mark Bastl (33) und Ryan Shannon (31) älter als 30 Jahre. Schlüsselspieler wie Patrik Bärtschi (30), Roman Wick (28) oder Luca Cunti (24) stehen in der Blüte ihrer Karrieren oder haben sie gar noch vor sich.

    Die Situation ist im Prinzip das Produkt der Enttäuschungen. Der CEO Peter Zahner sagt, bereits im Januar 2011, als sich die dritte Viertelfinalniederlage in Folge abzeichnete, sei er mit seinem Sportchef Edgar Salis zusammengesessen und habe gesagt, es sei Zeit, etwas zu ändern. Konsequenz der kritischen Analyse sei die Verpflichtung von Bob Hartley gewesen: «Wir wollten», sagt Zahner, «einen Trainer, der die Spieler aus ihrer Komfortzone herausholt und den Nachwuchs fördert.»

    Zahner war geleitet vom Mantra seines ehemaligen Unterstellten Ralph Krueger, der als Nationaltrainer von seinen Spielern jeden Tag gefordert habe, besser werden zu wollen. Der Satz, der für sich allein stehend abgedroschen und klischiert klingt, ist die Essenz des Erfolges im Sport - in der Arbeit auf und neben dem Eis. Arno Del Curto, der den HC Davos über ein Jahrzehnt an der Spitze gehalten hat, sagt: «Es gibt dafür vor allem ein Rezept: fordern, fordern, fordern.»

    Nun setzt Marc Crawford im Hallenstadion die Arbeit fort, die Hartley begonnen hat. Zahner zitiert einen Satz, den er sich gerne selber zuschreiben würde, aber nicht von ihm stammt: «Der Ursprung jedes Misserfolges liegt im Erfolg. Deshalb lauert in der Überlegenheit auch die grösste Gefahr. Der Erfolg verleitet dazu, selbstzufrieden zu werden. Das Team steht über diese Saison hinaus. Die Altersstruktur stimmt. Die Verträge mit Schlüsselspielern wie Blindenbacher, Geering, Cunti und Wick wurden rechtzeitig verlängert. Offen ist im Prinzip nur eine Ausländerposition. Ergänzungsspieler stossen aus dem Nachwuchs zum Team. Die Verlockung ist gross, sich zurückzulehnen und zu geniessen.

    Wohin das führt, zeigt das Beispiel des SCB, der mit zwei Titeln und einer Finalqualifikation der erfolgreichste Klub in den letzten vier Jahren gewesen ist: Überaltert, übersättigt und von sich selbst enttäuscht, verpassten die Berner die Play-offs. Der Sportchef Sven Leuenberger erklärt den Misserfolg mit der Verletzungswelle, die die Verteidiger traf, verschweigt aber, dass er auch verpasst hat, das Team rechtzeitig zu erneuern. In der vergangenen Saison waren mit Ausnahme von Tristan Scherwey alle Leistungsträger älter als 30.

    Ein solches Szenario ist bei den ZSC Lions momentan fern. Man taumelt im Jubel. Doch der Grat zum Absturz ist schmal. Nichts ist im Sport schwieriger, als ein erfolgreiches Team erfolgreich zu halten. Deshalb hat es im modernen Schweizer Eishockey auch erst vier Dynastien gegeben. Das letzte Team übrigens, das seinen Titel erfolgreich verteidigt hat, stellten die ZSC Lions: Das war 2001 und ist eine kleine Ewigkeit her.

    morn gits uf jede fall e geili party (zumindescht bis spiel afangt... :floet: ). git im fuessball fasch nüt genialers als en cupfinal.

    us de hütige nzz:

    Zürcher Hoffnung gegen Basler Routine

    Der Abstand zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich ist in den vergangenen Jahren grösser geworden. Der Cup-Sieg am Ostermontag wäre für Basel eine weitere Trophäe in einer langen Reihe. Für den FCZ soll er zum Beginn einer neuen Ära werden. Von Samuel Burgener

    Sie sitzen seit einer Weile auf dieser Couch und sind etwas zappelig. Sie kriegen Fragen gestellt und antworten immer mehr oder weniger dasselbe. Auf einmal legt der eine, Urs Meier, dem anderen, Philippe Koch, den Arm um die Schulter, packt ihn am Hals und schüttelt ihn kräftig. Beide lachen. Es sind Szenen einer Familie, wie bei Vater und Sohn.

    Dieser Moment, der erklärt, wie der FC Zürich mittlerweile funktioniert, passiert im Klubmuseum, Letzigraben 89, Zürich-Wiedikon, draussen ist es kalt und windig. Es ist der Samstag vor dem Cup-Final am Ostermontag, in dem der FCZ den grossen FC Basel besiegen will. Selten in den vergangenen Jahren hatten so viele Journalisten Interesse am Klub, zirka 15 sind gekommen. Urs Meier, der Trainer, und Philippe Koch, der Captain, sind guter Laune und sehr guten Mutes.

    Gleichentags ist in der NZZ zu lesen, wie Meier jeden seiner Spieler in ein paar Sätzen beschreibt. Man staunt. Den Goalie Da Costa: «Nicht leicht zu führen.» Den Verteidiger Djimsiti: «Ich sagte ihm, dass es nur noch abwärts geht.» Den Mittelfeldspieler Buff: «Er dachte, ich wolle ihn plagen.» Meier schont keinen, verzichtet auf Floskeln. Aber es ist keine Abrechnung. Es ist vielmehr eine Liebeserklärung. Meier ist ein Freund für die Spieler, obschon er sich dagegen wehrt. Ihn beschäftigt ihr Werdegang. Bei ihm wird es warm. Er ist der Urs von nebenan und so etwas wie der Papi dieses Teams, das wirkt wie eine Jugendbande mit einem grossen Herzen, aber den üblichen Problemen.

    FCB braucht keine Zuneigung

    Murat Yakin würde nie auf diese Art von seinen Spielern sprechen. Yakin ist der Trainer im FC Basel, er war als Spieler ein Star und ist es immer noch. Bei seinem Arbeitgeber ist eine solche Form der Zuneigung nicht vonnöten. Der Klub hat Nationalspieler im Kader, die kaum Betreuung brauchen, die manchmal funktionieren, als wären sie Maschinen. Wie Fabian Frei, Valentin Stocker, Marco Streller, Yann Sommer, Serey Die oder Behrang Safari. Kritiker nutzen diesen Umstand gar, um Yakins Qualität zu hinterfragen. Sie vermuten, das Team könnte im Notfall problemlos ohne den Trainer funktionieren.

    Zu Beginn der Woche spricht Yakin im Pressesaal des schönen, grossen Basler Stadions. Er sitzt er auf einem Podium und sagt den emporblickenden Journalisten, dass die Stimmung im Team gut sei. Alles bestens. Internetseiten, Regionalmedien und der «Blick» hatten von einem Twitter-Bild des Spielers Marcelo Diaz berichtet, das eine Provokation gegen Yakin gewesen sein soll. Und von einem angeblichen Streit der Spieler David Degen und Taulant Xhaka beim 0:5 im Auswärtsspiel in der Europa League gegen Valencia. Der Fussball an sich ist kaum ein Thema.

    Yakin antwortet geduldig, aber er stellt sich nicht vor seine Spieler. Weil er nichts Ungewöhnliches sieht an den Vorfällen. «Seit ich hier begonnen habe, gibt es immer irgendein Theater», sagt er, lächelt und verkörpert mit dieser Haltung seinen Klub. Der FCB ist Stress gewohnt - und gewissermassen immun dagegen. Ständig schien es in dieser Saison zu brodeln, immer wieder gab es scharfe Berichte. Von der Unzufriedenheit der Degen-Zwillinge. Vom angeblich angespannten Verhältnis zwischen Yakin und dem Captain Streller. Vom Autoraser Bobadilla, der suspendiert wurde. Von Yakins Vertrag, der trotz den guten Resultaten erst im Winter verlängert wurde. Von Personen in Yakins Umfeld, die nicht über alle Zweifel erhaben sein sollen.

    Im FCZ hingegen ist alles ruhig, seit geraumer Zeit kann das Team ungestört arbeiten. Nebenschauplätze gelangen nicht an die Öffentlichkeit. In einem Interview auf Radio 1 spricht der Moderator Roger Schawinski in diesen Tagen mit sich selbst, der Präsident Ancillo Canepa ist der Gast und wie fehl am Platz. Es ist halt so: Der FC Zürich spielt derzeit eine Nebenrolle.

    Meier mimt den Betrogenen

    Der Mittwoch vor dem Cup-Final: Der FC Basel und Zürich duellieren sich in der Meisterschaft. Der FCB ist besser, führt 3:0, demonstriert Stärke. Doch der FCZ schiesst bald zwei Goals. In der Nachspielzeit pfeift der Schiedsrichter einen Penalty für Basel und verweist den FCZ-Verteidiger Loris Benito des Feldes, ein strenger Entscheid. Basel gewinnt 4:2.

    Nach dem Spiel sitzt Urs Meier auf demselben Podium wie Yakin Anfang Woche. Er hat einen seltsamen Auftritt. Er trotzt. Und wiederholt mehrfach, er könne sich nicht an die Penalty-Szene erinnern. Er bringt Mitleid mit dem jungen Benito zum Ausdruck, der wegen der roten Karte den Cup-Final verpasst. «Ich muss diesen Burschen jetzt trösten.» So gut es Meier meint, er macht seinen Klub in dieser Szene kleiner, als er ist - und angreifbar. Er mimt den Betrogenen. Aber für Selbstmitleid ist in diesem Geschäft kein Platz. Das Väterliche wirkt manchmal unprofessionell.

    Murat Yakin hingegen jammert nicht, dafür ist er zu stolz. Obwohl er Gründe hätte. Seit dem Sommer kämpft der FCB unentwegt gegen Widerstände. Der Abgang des Stürmers Salah, die vielen Verletzten, die Belastung wegen internationaler Spiele, das «Geisterspiel» gegen Valencia und die Busse der Uefa, weil sich einige Fans in Salzburg nicht zu benehmen wussten. Da kommt viel zusammen. Doch die Spieler wissen meistens eine Antwort, gewinnen oft im richtigen Moment, beruhigen den Betrieb. Der Präsident Bernhard Heusler und der Sportchef Georg Heitz beklagen sich zwar ab und an über die Medien. Aber Yakin? Die coolste Socke weit und breit. Er hat etwas Weltmännisches, so wie sein Klub mittlerweile europäische Qualität besitzt.

    Der FC Basel kann in vier Wochen zum fünften Mal in Folge Schweizer Meister werden. Er spielt seit drei Jahren auf hohem Niveau in der Champions League und der Europa League. Er hat Teams wie Chelsea, Bayern München und Manchester United besiegt und sich in Europa einen Namen gemacht. Er verkauft immer wieder Spieler für viel Geld ins Ausland. Seine Jahresrechnung ist herausragend. Ein Cup-Sieg würde seine Überlegenheit akzentuieren. Aber abhängig vom Gewinn dieses Pokals ist der FCB nicht. Das Hauptziel ist der Meistertitel, der wahrscheinlich für die Teilnahme an den Gruppenspielen der Champions League berechtigt und gegen 20 Millionen Franken in die Kasse spült.

    Von solchen Erfolgen ist der FC Zürich weit entfernt. Er befindet sich derzeit auf der Suche nach einer Identität. Nach der Entlassung des Trainers Rolf Fringer im Dezember 2012 gab es einen Bruch. Sportchef, Geschäftsführer und Verwaltungsräte wechselten, Urs Meier wurde Trainer, nur der Präsident blieb, Ancillo Canepa. Seither will der FCZ noch mehr auf die Jugend bauen; die Philosophie im Nachwuchs soll den Kurs der Profis bestimmen. Canepa ist nicht mehr bereit, so viel Geld einzuschiessen wie in den vergangenen Jahren. Für die Idee des neuen FC Zürich, der billiger und kleiner geworden ist und weniger wichtig, steht der Trainer Meier, der lange im Nachwuchs gearbeitet hat.

    2005 gewann der FCZ letztmals den Cup. Es war der erste Titel mit dem Trainer Lucien Favre, der den Klub nachhaltig prägen sollte. Mit Favre wurde der FCZ 2006 und 2007 Meister. Der Titel 2009, der bis anhin letzte, war ein Nachhall. 2011 kamen die Zürcher dem FC Basel am Schluss bedrohlich nahe; ein Punkt betrug der Rückstand am Ende der Saison. Der knappe Ausgang täuschte darüber hinweg, dass der FCB längst enteilt war. Im Spätherbst 2012 musste die Präsidentengattin Heliane Canepa mehrere Millionen Privatvermögen einbringen, um das Defizit im FCZ zu decken. Die Millionen aus den internationalen Spielen fehlten, der Kader war zu gross und zu teuer geworden, die Trainer wechselten. Im Verwaltungsrat gab es Grabenkämpfe.

    Für den FCZ wäre der Gewinn des Cups die Bestätigung dafür, dass der neue Weg der richtige ist. Und vielleicht der Beginn einer erfolgreichen Zeit. Für Urs Meier, den Trainer ohne Wikipedia-Eintrag und ohne Reputation im Profifussball, wäre es der erste nachweisbare Erfolg und der Beleg dafür, bestehen zu können. Mit einer fürsorglichen Art, die Stärke und Schwäche zugleich ist.

    Zitat von ZSColin

    Und genau so sind au d'Kontrolle und d'Macht vo de Polizei im griechische Fuessball: Uf Chindergeburtstag-Niveau.

    fndsch? ha jedefalls no nie vomene chindergeburi ghört wo derart korrupt und verfilzt isch wie griecheland...:razz:

    Zitat von larlf

    wieso söll mer wäge rund emne dutzend Idiote 11'000 anderi Bestrafe?

    will das cool isch und will mer nur eso dene chriegsähnliche zueständ i eusne stadie chan entgegetrette! frög emal de mushu... :floet:

    Zitat von Der Weise

    Ich bin ja sonst nicht so, aber butte grätscht diesen Stocker am Montag in den ersten 5 Minuten weg.

    na ja, stocker läuft voll in den lauf von benito. und da dieser sich nicht in luft auflösen kann, kann man den penalty mit viel gutem willen pfeiffen. aber diese absolut unsinnige regel mit der gleichzeitigen roten karte gehört definitiv überarbeitet bzw. abgeschafft. für so ein "foul", in der mitte des spielfeldes, gibt's nicht mal gelb, ja nicht mal eine ermahnung vom schiri...

    blau rot gegen weiss in basel, ein wirklich gutes spiel für schweizer verhältnisse. habe dann noch die 2. hz blau rot gegen weiss in spanien geschaut. den spanischen cupfinal. unglaublich diese intensität. schneller und trotzdem technisch derart hochstehend kann man fussball nicht spielen. einfach nur geil! das gefühl von einem guten spiel in basel hat sich soeben wieder relativiert...

    Zitat von ZüriBueb

    Scheisse! Aber mit der Wut im Bauch werden sie wenigstens den Cupfinal gewinnen.

    ha scho vor em match gseit, dass de sieger vo hüt de cupfinal verlürt. und mit hiblick uf tabelle, findi die niederlag nöd eesssoooo schlimm! :razz: