Zitat von Gysino
das gsehn ich total andersch. sportlich gitts i de schwiiz wohl kein klub wo so guet wie dynamo kiew oder shaktor doneszk isch. CL garantie. lueg zudem mal d'uefa 5 jahreswertig ah. oisi liga isch zu allem ane au no e peinlichi bananerepublik. und au i de ukraine bisch im intenationale schaufenschter, jetzt vor de EM dete sowieso. chole stimmt au.
also ich hät das sofort gmacht.
häsch nöd ganz unrecht (gha) liebs gysinolein... 
us de hütige nzz am sunntig:
Aufwärts, aufwärts, ostwärts
Admir Mehmedi kommt bei Dynamo Kiew regelmässig zum Einsatz und spielt eine ähnliche Rolle wie ein früheres Vorbild. Der Schweizer hat sich eingelebt - denn er weiss, wie das geht. Von Benjamin Steffen
Das Training ist längst nicht zu Ende, doch Andrei Schewtschenko tut, als sei es schon fertig. Er steht am Spielfeldrand, spricht mit zwei stämmigen Männern in schwarzen Mänteln. Schewtschenko, der weitgereiste alternde Fussballer, ist der König von Kiew. Nach grossen Jahren bei Milan und etwas kleineren bei Chelsea kehrte er 2009 zu Dynamo Kiew zurück. Die Tatkraft verblasst, der Ruhm nicht.
Es ist Donnerstag, zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Poltawa. Inzwischen gibt Schewtschenko Interview um Interview, doch fünf Dynamo-Spieler stehen immer noch auf dem Feld und versuchen sich in Freistössen. Darunter ein Schweizer Angreifer: Admir Mehmedi. Vor rund einem Monat feierte er den 21. Geburtstag, er ist fast 15 Jahre jünger als Schewtschenko. Er hat mehr Tatkraft als Ruhm, also übt er, übt er, übt er. Als Knabe trug er am liebsten ein Milan-Trikot mit der Nummer 7. Schewtschenko! Doch heute spielt er nicht mehr als eine von abertausend Kopien auf einem Hinterhof, sondern neben ihm - sofern Schewtschenko nicht anderes zu tun hat. Etwa die Familie besuchen, die noch in London wohnt. Oder Golf spielen.
Doch offensichtlich ist Schewtschenko entbehrlich. Seit Mehmedi im Januar in die Ukraine gewechselt ist, spielte er in sieben Meisterschaftspartien siebenmal, fünfmal von Beginn an; er schoss ein Tor, gab zwei Assists. Schewtschenkos Ausbeute: drei Teileinsätze, ein Tor. Aber Mehmedi schwärmt. «Mit ihm zu spielen, ist leicht. Du weisst nicht immer, was er macht - aber er macht immer das Richtige. Man kann viel lernen von ihm. Und ab und zu erklärt er mir etwas.»
Zehnmal beobachtet
Der Meister und der Lehrling reden Italienisch miteinander. Mehmedi, gebürtiger Mazedonier, wuchs ab dem zweiten Lebensjahr in Bellinzona auf; er spielte für die örtliche AC, später - nach einem Umzug der Familie - für den FC Winterthur und den FC Zürich. Er sei nie bei einem kleinen Quartierklub gewesen, sagt Mehmedi. Aus seinem Gesicht spricht, was er im Gespräch so oft versprüht: etwas Ernst, etwas Schalk, etwas Stolz. Dynamo, der Riese aus Kiew, zweifacher Europacup-Sieger, ist der bisherige Höhepunkt einer verblüffenden Geschichte. Früher war Mehmedi «Chancentod» genannt worden - als könne von einem Teenager erwartet werden, er habe Nerven wie aus einem ukrainischen Stahlwerk. Doch in der Saison 2010/11, im Jahr des KV-Lehrabschlusses, schoss er zehn Liga-Tore. Er debütierte im Nationalteam. Er erhielt Angebote aus dem Ausland, es ging aufwärts, aufwärts, aufwärts. Und plötzlich ostwärts.
In der Schweiz brachte fast niemand Verständnis auf. Dynamo sei ein Abstellgleis, hiess es; Dynamo spiele in menschenleeren Stadien; Dynamo kaufe Spieler nach Lust und Laune; Mehmedi werde zur austauschbaren Massenware. Doch wer wusste schon, dass der Klub den jungen Schweizer seit der U-21-EM im Juni 2011 zehnmal beobachtet hatte? Nicht einmal Mehmedi selber war sich dessen bewusst gewesen. Er fühlte sich geschmeichelt und wahrlich umworben ob all der Bemühungen. Dem FCZ-Sportchef Fredy Bickel offerierte Dynamo, ihn zwecks Verhandlungen per Helikopter zum Klubpräsidenten nach Frankreich zu fliegen. Für die Realisierung des Transfers aktivierten die Ukrainer eigens Schweizer Connections: den Spieleragenten Ralph Isenegger und Paolo Urfer, den ehemaligen Sportchef von Sitten und Xamax. Und in einer anderen ausländischen Liga hätte ihn vielleicht ein Mittelfeldklub verpflichtet - mit Dynamo lockt die Champions League.
Wer Mehmedi vom Wechsel abhalten wollte, merkte: Er will nach Kiew, unbedingt. Und wer sich näher damit befasste, merkte: Es muss ja gar nicht schlecht kommen. Kiew ist eine lebhafte, pulsierende, vielseitige Stadt, auch mit etwas Ernst, etwas Schalk, etwas Stolz. Zudem trennen Zürich und Kiew bloss zweieinhalb Flugstunden, die Familie ist rasch bei ihm. Bis Admir vor drei Monaten wegzog, lebten alle Mehmedis unter einem Dach. Und so wird er von Mutter, Vater, Bruder kaum alleingelassen. Fast immer ist jemand bei ihm in der Wohnung im 21. Stock; sie wollen alles tun, was in ihrer Macht steht, damit Admirs erster Weg ins Ausland nicht aufs Abstellgleis führt.
Dieser Tage ist Arsim, der ältere Bruder, zu Besuch. Genau genommen war er es, der Admirs Karriere in Gang brachte. Arsim ist fast sieben Jahre älter, und als er als Bub mit Kollegen Strassenfussball spielte, musste er den Kleinen wohl oder übel mitmachen lassen. Admir war gut, sehr gut - sagt Admir selber. Und er war klein! Wenn er einem Grossen den Ball zwischen den Beinen hindurchspielte, schob er sich frech hinterher. Praktischerweise fand ihn auch der Bruder so gut, dass er auf den Vater einredete, Admirs Talent müsse im Klub gefördert werden. Doch der Vater - in Mazedonien einst Finanzchef einer Holzfabrik, im Tessin Pizzaiolo - fragte sich, wie er jährlich die 150 Franken Vereinsbeitrag aufbringen sollte. Also versuchte der Schüler Arsim hier und da einen Batzen zu verdienen, damit der kleine Bruder der AC Bellinzona beitreten konnte.
Arsim ist die gute ruhende Seele geblieben, Admir das unbekümmerte Nesthäkchen. Er hat die Herausforderung im Ausland angenommen, in mancherlei Hinsicht. Aus dem Dynamo-Trainer Juri Semin sprechen auch Respekt und Überraschung, wenn er sagt, Mehmedi habe bisher «sehr gut» gespielt. Semin, ein 64-jähriger Russe, lobt ihn als mannschaftsdienlich, Mehmedi sagt dazu: «Kurzfristig bieten Egoisten vielleicht Spektakel, man redet von ihnen. Aber längerfristig bekommen sie häufig Probleme.»
Wie ein altgedienter Chauffeur
Semin spricht gern über Mehmedi und sagt: «Er hat sich gut angepasst. Und ich glaube: nicht nur an den hiesigen Fussball, auch ans Leben.» In der Tat kennt Mehmedi schon manche Ecke; er weiss, wie das geht: einleben. «Ich bin schon oft umgezogen im Leben.» Durch das Kiewer Verkehrschaos schlängelt er sich wie ein alteingesessener Taxifahrer. Als ihn ein Parkplatzwächter in eine Ecke dirigieren will, die Mehmedi nicht passt, hört er dem ukrainischen Redeschwall geduldig zu, nickt verständnisvoll - und wählt eine eigenwillige Lösung. Danach kichert er und sagt, er habe gar nicht exakt verstanden, was ihm erklärt worden sei.
Mit der Sprache ist es so eine Sache: In Teamsitzungen versteht er noch nicht immer alles; doch wenn es um seine Rolle gehe, könnten sich der Trainer und er problemlos verständigen, betont er. Was zählt, ist der Matchtag; was zählt, ist die Frage, welche elf Spieler aufs Feld rennen dürfen.
Am Samstag muss er sich gedulden. Mehmedi ist Ersatz, Schewtschenko auch. Kurz vor der Pause werden beide zum Einlaufen geschickt; als Dynamo bald darauf in Führung geht, klopft Schewtschenko dem Schweizer auf die Schulter. Schewtschenko wird früher eingewechselt und trifft zum 3:0-Endstand, Mehmedi folgt in der 81. Minute.
Dynamo liegt nach Verlustpunkten gleichauf mit dem Leader Schachtjor Donezk; und Mehmedi ist keine Massenware, der Trainer beachtet ihn. Menschenleer ist das für die Euro renovierte Olympiastadion auch nicht - 28 480 Zuschauer kommen. Kiew, ein Abstellgleis? Mehmedi weiss, dass Semin viel Auswahl hat, 26 Spieler. Er sagt, wenn ein Trainer jemanden wirklich nicht wolle, «spielst du keine Rolle mehr». Doch am Samstag spielt Mehmedi eine ähnlich wichtige Rolle wie Schewtschenko, das frühere Vorbild.
Gerüchte besagen, Schewtschenko rücke nächste Saison zum Sportchef auf. Er werde zum Vorgesetzten. Aber dass Mehmedi früher das Milan-Trikot mit der Nummer 7 trug, hat er Schewtschenko noch nicht erzählt.