Zitat von ZüriBueb
So sehr ich Deine Beiträge schätze, sind in dieser Aussage leider mehrere Fehler enthalten. Mir geht es gar nicht um die Basler Polizei, das möchte ich hier nicht beurteilen, mir geht es um die Grundhaltung gegenüber dem Überwachungsstaat.
1) Du nimmst an, dass die Polizei, der Staat und Behörden im Allgemeinen keine oder so gut wie keine Fehler machen. Das ist erstens logischerweise falsch (wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler) und zweitens ist es äusserst schwierig, die fehlerhafte Polizei dazu zu bringen, sich selbst zu korrigieren als kleiner Bürger.
2) Glaube ich nicht, dass es viel mehr Idioten gibt als früher, die Welt ist kaum schlimmer geworden. Jedoch werden diese einzelnen Idioten als Legitimation dafür verwendet, einen alle Bürger betreffenden Überwachungsstaat aufzubauen, nach dem Schema, so lange nicht alles regelkonform ist, darf man alles überwachen. Die Abwägung der Verhältnismässigkeit wird so praktisch ausgeblendet, wenn Du so argumentierst, wie Du es tust.
3) Ist der ganze Überwachungsstaat nicht ein hirnloser automatischer Roboter, sondern es sind einzelne Menschen, Polizisten, die über die Überwachungsgeräte verfügen und diese auch missbrauchen, da Menschen eine geschichtlich bewiesene Tendenz dazu haben, Macht zu missbrauchen. Dies stelle ich mir praktisch so vor, dass persönliche Daten eingesehen werden können, auch über Bekannte, Verwandte, Freunde und Feinde nur weil jemand als Polizist arbeitet.
4) Wenn jemand einmal landesweit als Krimineller in einer Zeitung ist, kann das noch lange mittels Googlesuche ermittelt werden. Daraus können einschneidende soziale Nachteile erwachsen, was v.a. dann ungerecht ist, wenn jemand zu Unrecht angeprangert wird.
Das sind alles Gründe, wieso auch brave Bürger den Überwachungsstaat zu fürchten haben. Die Folgen für Bürger können verheerend sein, deren Leben kann einschneidend getroffen werden. Ich finde es nicht ungerecht, wenn Leute, die gegen das geltende Recht verstossen, bestraft werden. Da müssen wir sehr konsequent sein, aber es legitimiert nicht eine totale Überwachung, um alles mögliche zu ahnden. Ich höre zwar schon die Rufe, von wegen Kuscheljustiz und so, aber Fakt ist, dass mit einem härteren Polizeistaat kein Problem gelöst wird. Langfristig die einzige Lösung ist es, wenn man die Ursache des Problems löst. Es gibt viele Länder, in denen die Polizei härter und kompromissloser durchgreift und trotzdem ist die Kriminalitätsrate bei uns tiefer.
no interessant de bricht i de hütige nzz am sonntag. und da mached i de schwiz einigi es riese theater wäge es paar kameras und irgend welche nichtigkeite wie "gamma"...ha une no dick vermerkt, was da irgendeine vom dateschutz haltet. gaht mer genau glich, alles andere zmeine isch fürchterlich naiv und blauäugig!
p.s. ich hät au bi euis nüt gäge derigi iris scanner izwende. ich weiss, ich wiederhole mich, aber wer sich normal benimmt hät au mit somene überwachigssystem nöd vill zbefürchte!
gruess roli c.
Die sicherste Stadt der Welt liegt bald in Mexiko
Iris-Scanner im Zentrum eines lückenlosen Kontrollsystems
Die mexikanische Stadt León will den öffentlichen Raum mit Iris-Scannern überwachen. Widerstand dagegen gibt es nicht. Sicherheit zählt in Mexiko mehr als Datenschutz.
Matthias Knecht, León
Iris-Scanner überall, am Geldautomaten, beim Einstieg in den Bus, beim Betreten des Arbeitsplatzes. Jeff Carter, der Chef-Entwickler von Hoyos, erklärt in der mexikanischen Metropole León die neue Welt, die der US-Technologiekonzern plant. Hoyos versorgte bereits das Pentagon, die Bank of America oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate mit der Technik der computergestützten Identifizierung über die Regenbogenhaut des Auges. In der zentralmexikanischen Stadt wollen die Amerikaner die Technik jetzt erstmals flächendeckend einführen - eine Weltneuheit. León werde darum die «sicherste Stadt der Welt» werden, kündigt Hoyos an.
Knapp hundert Iris-Scanner integriert Hoyos derzeit in ein Überwachungsnetz, das im Dezember in Betrieb gehen soll. Dieses umfasst auch Hunderte von traditionellen Kameras mit Gesichtserkennung. Stadtpräsident Ricardo Sheffield freut sich über die neue Technik, die den «menschlichen Faktor» in der Überwachung ausschaltet. Denn das System schlägt automatisch Alarm, wenn es Verdächtige identifiziert. «So können wir den Kampf gegen das Verbrechen technifizieren», erläutert der konservative Politiker. Er will die Iris-Scanner darum an allen «sensiblen Orten» im öffentlichen Raum installieren.
Herzstück der Überwachung ist eine biometrische Datenbank, in der zunächst die Iris aller städtischen Angestellten sowie vorbestrafter Krimineller erfasst wird. Technisch möglich wird es dann sein, dass in der Polizeizentrale der Alarm losgeht, wenn sich ein vorbestrafter Bankräuber einer Bank nähert oder ein aktenkundiger Ladendieb einem Supermarkt. Bürgermeister Sheffield verweist ausdrücklich auf Anschläge, die das organisierte Verbrechen Mexikos in der Vergangenheit gegen die Zivilbevölkerung verübte. «Wenn ich diese Leute registriert habe, dann kann ich sie fortan auch identifizieren, wenn sie im öffentlichen Raum in Erscheinung treten.»
Bis zu 50 Personen pro Minute
Die Scanner sind auch in der Lage, «nicht kooperationswillige Personen» zu registrieren und zu speichern, so die Eigenwerbung von Hoyos. Derzeitige Apparate schaffen bis auf 2 Meter Distanz bis zu 50 Personen pro Minute. Die Gescannten bemerken das nicht unbedingt, denn die Technik funktioniert auch bei Personen in Bewegung. Die nächste Modellgeneration soll sogar 9 Meter Distanz bewältigen, kündigt Carter an.
Heimlich sollen die Daten allerdings nicht gesammelt werden, verspricht Carter. «Das ist nicht das Ziel des Projekts.» Er vertraut darauf, dass sich auch unbescholtene Bürger in Massen registrieren lassen, freiwillig. Sein Argument: «Wer nicht mitmacht, zieht die Aufmerksamkeit auf sich.»
Mexiko pfeift auf Datenschutz
Was in der Schweiz einen Aufschrei auslösen würde, verläuft in Mexiko diskussionslos. «Die Mexikaner sind es gewohnt, dass ihre Daten überall gesammelt werden», erklärt freimütig José Arturo Sánchez. Er führt die Opposition im Stadtparlament, die den Stadtpräsidenten ebenfalls unterstützt, einstimmig. Probleme mit dem Datenschutz sieht auch Sánchez nicht: «Die Leute interessiert mehr ihre Sicherheit als die Vertraulichkeit ihrer Daten.» Damit spielt der Unternehmer auf die steigende Gewalt in Mexiko an. 28 000 Personen starben in den vergangenen vier Jahren in Auseinandersetzungen der Drogenmafia.
Carter hält Datenschutz ohnehin für ein vergebliches Unterfangen. Er verweist auf die Fülle von Informationen, die die Bürger über ihre Kreditkarte oder das Internet preisgeben. «Eine Privatsphäre gibt es seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Die Banken wissen, wo du isst, wo du hinreist und wo deine Freundin wohnt.»
Von einem möglichen Überwachungsstaat will auch Leóns Stadtpräsident Sheffield nichts wissen. Seine Begründung ist so simpel wie einleuchtend: «Dafür haben wir weder die Kapazität noch das Geld.»
Iris-Scanner
Perfekte Technik
Über die Iris des Auges lassen sich Menschen sicherer identifizieren als mit Fingerabdruck oder Gesichts- und Stimmerkennung. Die neuesten Scanner tasten bis zu 2000 Punkte der Iris ab. Verwechslungen sind damit praktisch ausgeschlossen. Nur die Erbgutanalyse ist noch genauer, jedoch aufwendig. Die Iris jedes Menschen besitzt eine einmalige Struktur, die lebenslang unverändert bleibt. Kurzzeitig manipulieren lässt sie sich durch Augentropfen oder spezielle Kontaktlinsen, doch heutige Scanner bemerken solche Betrugsversuche. Eingesetzt wird die Iris-Technik bisher vor allem von Banken und vom Militär. Mit ihr wird weltweit jährlich eine Milliarde Franken umgesetzt. (maz.)