Woran die Billigstrategie beim Traditionsklub scheitern wird.
Von Res Strehle
Sympathie bringt GC keine Punkte
Die Profisektion des GC-Fussballs probt seit gut einem Jahr ein äusserst sympathisches Modell. Man versteht sich als Ausbildungsverein, führt Junge rasch in die erste Mannschaft ein. Bewähren sie sich, werden sie weiterverkauft. Mit den Transfererlösen bleibt die Rechnung im Gleichgewicht, zugekauft werden Talente aus unteren Ligen.
Die Vernunft entspricht der Philosophie des GC-Zentralvorstands seit der Ära von Rolf Dörig. Der Manager, welcher der FDP verbunden ist, forderte im vergangenen Jahr in einer Rede vor der Zürcher volkswirtschaftlichen Gesellschaft ähnliche Vernunft in der Politik: Einnahmen und Ausgaben der Sozialwerke sollen längerfristig im Gleichgewicht sein.
Auf den Fussball angewandt, bringt es das Vernunftmodell mit sich, dass man jede Saison eine neue Mannschaft aufbauen muss. Denn Ende Saison sind die jungen Leistungsträger weg. Zwei, drei erfahrene Spieler bleiben zwar, aber sie spielen nur teilzeitlich, denn die starke Belastung erhöht ihr Verletzungsrisiko. Bis eine neue Mannschaft geformt ist, vergeht eine halbe Saison, danach wird die Mannschaft 15 bis 20 Punkte hinter der Spitze zurückliegen.
Die Spannung reduziert sich in der Folge darauf, ob ihr die Aufholjagd bis zu einem Platz, der zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb berechtigt, nochmals gelingt. Falls ja, wird der Trainer auf dem Markt begehrt sein. Falls nein, wird die Spannung im Kampf um den Abstieg neu belebt – für Anhänger des Traditionsvereins ein zweifelhaftes Vergnügen.
Investor entmutigt
Nun wird man Dörig und seinem Nachfolger als GC-Zentralpräsident, Andres Iten, nicht vorwerfen können, dass sie den Klub zur Vernunft zurückgeführt haben. Schon eher, dass sie den damaligen Denner-Chef und heutigen Schweizer Eishockey-Präsidenten Philippe Gaydoul in seinem Anflug von Unvernunft so lange entmutigten, bis dieser resignierte. Gaydoul hätte in einen schuldenfrei übergebenen Klub in zweistelliger Millionenhöhe investiert. Er hätte auch mit Trainer Giovanni «Flasche leer»-Trapattoni und Manager Oliver Kreuzer eine Mannschaft mit europäischen Ambitionen auf den Rasen gebracht, ähnlich wie Basel, YB, der FCZ.
Der GC-Fussball orientiert sich stattdessen an der eigenen EishockeySektion. Die praktiziert das Farmteammodell seit Jahren für die ZSC Lions mit hohen Sympathiewerten. Auch im Fussball ist GC heute faktisch zum Farmteam der Schweizer Spitzenklubs und anderer europäischer Ligen geworden. Das Eishockey-Farmteam ist eine Erfolgsgeschichte. Leider aber nur in der zweithöchsten Liga. Ähnliches droht den Fussballern, denn auch hier werden die Punkte nach wie vor nach Toren und nicht nach Sympathie vergeben.