20 Torhüter noch ohne Anschlussvertrag
Leonardo Genoni eröffnet den Herbst des ganz grossen Goalie-Poker
Nicht mit einem Transfer, aber mit einer Vertragsverlängerung hat der EV Zug und Leonardo Genoni das Goalie-Karussell im Herbst 2023 in Gang gesetzt. Einhergehend mit dem Saisonstart in der National League lohnt sich der Blick in die Zukunft und auf die Antwort der Frage: Welche Torhüter stehen 2024/25 bei welchen Teams im Tor?
Leonardo Genoni hat sich entschieden. Der siebenfache Schweizer Meister bleibt in Zug und Zug bleibt somit langfristig ein heisser Meisteranwärter. Bis 2027 hat der 36-jährige Torhüter nochmals verlängert. Es ist wohl sein letztes Arbeitspapier als Spieler in der National League, das Genoni kurz vor dem Saisonstart signiert hat. Damit ist auch eine der attraktivsten Torhüterpositionen besetzt, Rotationen könnte es dennoch diverse geben. Der Konkurrenzkampf um die 28 Plätze in den Torhüterduos der National League wurde mit der Erhöhung des Ausländerkontingents verschärft. Auch vor der Saison 2024/25 stellt sich die Frage, welche Teams auf einen ausländischen Rückhalt verzichten können.
Um das Torhüterkarussell im Herbst etwas genauer zu analysieren, lohnt sich erst ein Blick auf die Teams, die ihre zwei Trohüter für 2024/25 unter Vertrag haben.
Beide Torhüterpositionen für 2024/25 besetzt
In Klammern die Dauer der Verträge
-
- SC Rapperswil-Jona Lakers: 🇨🇭 Melvin Nyffeler (2025/26), 🇨🇭 Robin Meyer (2024/25)
- SC Bern: 🇸🇪 Adam Reideborn (2024/25), 🇨🇭 Philip Wüthrich (2024/25)
- Lausanne HC: 🇱🇻 Ivars Punnenovs (2026/27), 🇨🇭🇨🇦 Connor Hughes (2024/25), 🇨🇭Kevin Pasche (2025/26)
Es sind nur drei Teams, die ihre Torhüter für die nächste Spielzeit bereits definitiv zusammen haben. Die SCRJ Lakers halten an der klaren Hierarchie mit Melvin Nyffeler als Nummer eins fest. Connor Hughes dürfte beim LHC in den kommenden Wochen und Monaten den Konkurrenzkampf im Tor befeuern und bald schon für ein ebenbürtiges Gespann sorgen. Dahinter haben die Waadtländer mit Kevin Pasche gar noch einen Youngster in der Hinterhand, der diese Saison in der Swiss League Spielpraxis sammeln wird.
Der SC Bern hat mit dem Zugang von Adam Reideborn in diesem Sommer gleich für zwei Jahre einen ausländischen Torhüter eingeplant. Eigengewächs Philip Wüthrich muss sich derweil mit der Position der Nummer zwei begnügen. Der 39-jährige Daniel Manzato wird wohl seine Karriere im nächsten Sommer beim SCB beenden, ein neuer Vertrag oder ein Wechsel innerhalb der Liga würde überraschen.
Bei elf Vereinen ist zumindest eine Torhüterposition weiterhin unbesetzt, was gleichbedeutend ist, dass unzählige Goalies auf dem Markt sind. Mit der Unterzeichnung von Leonardo Genoni wurde der Torhüterpoker so richtig lanciert.
Die Position der Nummer 1 für 2024/25 ist besetzt
-
- EV Zug: 🇨🇭 Leonardo Genoni (2026/27)
- HC Davos: 🇨🇭 Sandro Aeschlimann (2026/27), 🇨🇭 Laurin Solèr (2025/26)
- HC Ambri-Piotta: 🇫🇮 Janne Juvonen (2024/25), 🇮🇹 Davide Fadani (2024/25)
Neben den drei Teams, die ihr Torhüterduo für die nächste Saison bereits zusammen haben, wissen drei Vereine zumindest, mit wem sie als Nummer eins in die neue Saison gehen werden. Am einfachsten ist die Lösung vermeintlich in der Leventina. Eine Vertragsverlängerung mit Benjamin Conz empfiehlt sich. Der 32-Jährige könnte weiterhin das Backup bleiben, solange sich der noch junge Davide Fadani beispielsweise in der Swiss League seinen Erfahrungsrucksack füllt. Mit der Ausgangslage, den Finnen Janne Juvonen vor der Nase zu haben, möchte kaum einer zu Ambri-Piotta wechseln.
Interessanter sind die Situationen in Zug und Davos. Weiterhin auf Luca Hollenstein setzen zu können, ist aus Sicht des EVZ ganz klar die Ideallösung. Der 23-Jähirge wäre allerdings ein ganz heisses Eisen für eine mögliche Position als Nummer eins und davon sind gleich acht Positionen offen. Allerdings dürfte Hollenstein kaum zu einem Kellerteam wechseln, womit sich die möglichen Optionen halbieren.
Weil Sandro Aeschlimann in Davos Gilles Senn ganz klar in die Rolle der Nummer zwei gedrängt hat, dürfte auch der 27-Jährige den Markt beobachten. Senn hat sich nach seiner Rückkehr aus Nordamerika sicherlich nicht die Rolle des Backups erhofft. Auch er ist eine durchaus interessante Option auf dem Transfermarkt, auch für Clubs, die aktuell auf eine ausländische Nummer eins setzen. Schliesslich bringt ein Schweizer Stammtorhüter zusätzliche Möglichkeiten in der Kaderplanung mit sich.
Die Position der Nummer 1 für 2024/25 ist offen
-
- Genève-Servette HC: 🇨🇭 Gauthier Descloux (2025/26)
- HC Lugano: 🇨🇭🇨🇦 Niklas Schlegel (2025/26), 🇨🇭 Thibault Fatton (2024/25)
- SCL Tigers: 🇨🇭 Stéphane Charlin (2024/25)
- HC Ajoie: 🇨🇭🇮🇹 Damiano Ciaccio (2024/25), 🇨🇭🇨🇦 Noah Patenaude (2024/25)
Vier Teams haben gewissermassen die Position der Nummer zwei schon besetzt, wobei das in Genf nicht ganz die richtige Formulierung ist. Robert Mayer und Gauthier Descloux sind vielmehr zwei ebenbürtige Goalies, wobei ersterer in der heissen Phase der letzten Saison die Nase vorne hatte. Bei den Aigles spricht nichts dagegen, dass auch in Zukunft dieses Duo im Tor stehen wird. Sollte sich Mayer unerwartet entscheiden, die Karriere zu beenden oder sich einem anderen Club anzuschliessen, sucht der GSHC wohl wieder ein ebenbürtiges Pendant zu Descloux.
Die Situation bei den SCL Tigers und beim HC Ajoie sind beinahe identisch. Luca Boltshauser und Tim Wolf hoffen wohl auf eine Aufstiegsmöglichkeit innerhalb der Liga. In der Hackordnung werden sie ihre Entscheidungen allerdings wohl erst spät treffen können. Einiges hängt auch davon ab, was beispielsweise die bereits thematisierten Gilles Senn und Luca Hollenstein machen. Der andere Faktor, der entscheidend sein wird, ist, ob Boltshauser und Wolf gewillt wären, für einen Wechsel zu einem Playoff-Anwärter in die Rolle der Nummer zwei zu schlüpfen. Ansonsten wären sowohl die SCL Tigers als auch der HC Ajoie froh, ihre Nummer eins weiter behalten zu können.
In Lugano stellt sich derweil die Frage, ob auch in Zukunft ein Ausländer das Tor hüten soll. Es könnte die Mannschaft von Luca Gianinazzi doch langfristig verstärken, wenn mit sechs Kontingentsspieler in der Abwehr und im Sturm geplant werden könnte. Lugano wäre beispielsweise so ein Team, das sein Glück bei Gilles Senn versuchen könnte und dann mit Senn und Schlegel ein konkurrenzfähiges Goalieduo im breiten Mittelfeld der Liga besässen. Vertraglich bereits geregelt ist, dass die jeweilige Komposition durch den aufstrebenden Thibault Fatton ergänzt wird.
Keine Torhüter für 2024/25 unter Vertrag
-
- EHC Biel-Bienne
- ZSC Lions
- HC Fribourg-Gottéron
- EHC Kloten
Damit bleibt noch das Quartett, das noch keinen neuen Torhüter für die kommende Saison unter Vertrag hat. Speziell in Biel dürften die Verantwortlichen nach Genonis Vertragsverlängerung aufgeatmet haben. Joren van Pottelberghe wäre durchaus ein plausibler Nachfolger gewesen, wäre der Platz der Nummer eins in Zug frei geworden. Bei den Seeländern spielt der 26-Jährige eine wichtige Rolle in der Zukunftsplanung. Gut möglich, dass man van Pottelberghe aber nur halten kann, wenn er die Position der Nummer eins erhält. In diesem Falle müssten sich die Bieler von Harri Säteri trennen und eine neue Nummer zwei suchen, Torhüter auf dem Markt gibt es reichlich.
Beim HC Fribourg-Gottéron ist es sehr gut möglich, dass die bestehende Konstellation auch für 2024/25 gilt. Es ist zum einen davon abhängig, ob Reto Berra eine weitere Saison anhängen möchte. Beim 36-Jährigen ist diese Entscheidung eng an die physische Verfassung geknüpft. Bryan Rüegger muss derweil beweisen, dass er den Schritt aus der Swiss League in die National League schaffen wird. Sollte Berra sich gegen eine Fortsetzung der Karriere entscheiden, würde der HCFG zusätzlich Bewegung in den Markt bringen.
Kloten hat sich nach dem Aufstieg entschieden, auf die Karte "Importgoalie" zu setzen. Mit Sandro Zurkirchen besitzen die Flughafenstädter eine erfahrene Nummer zwei. Allerdings stellt sich die Frage, ob eine andere Konstellation nicht eher einen nächsten sportlichen Schritt ermöglichen würde. Muss sich Kloten in seiner zweiten Saison im Vergleich zur letzten Spielzeit nach hinten orientieren, spart die Konkurrenz aus dem Jura und aus dem Emmental beispielsweise einen Kontingentsplatz. Auch Kloten muss sich aber bei einer finalen Entscheidung wohl vorerst noch etwas gedulden.
Die komplexeste Situation wartet auf die ZSC Lions. Da ist zum einen Simon Hrubec, der die klare Nummer eins ist. Der Zett will auf einen absoluten Top-Torhüter setzen. Mit Leonardo Genoni ist eine entsprechende Option vom Markt. Als Schweizer Alternativen wären wohl nur noch Robert Mayer und Joren van Pottelberghe passende Optionen. Ansonsten dürfte es bei einem Importkeeper und somit bei Hrubec bleiben. Dahinter müssen sich Jeffrey Meier und Robin Zumbühl als solide Backups beweisen. Komplett neu durchgemischt könnten die Karten werden, sollte sich Ludovic Waeber nach einem Jahr in Nordamerika wieder in Richtung Heimat orientieren.
Nachfolgend noch eine Übersicht über alle zwanzig Torhüter, die noch keinen Vertrag für die kommende Saison haben und uns einen enorm spannenden Hockey-Herbst abseits der Eisflächen besorgen werden.
Freie Torhüter 2024/25
In Klammern das aktuelle Team und der Jahrgang
Torhüter mit einer Schweizer Lizenz
Potentielle Stammtorhüter
-
- 🇨🇭 Reto Berra (HC Fribourg-Gottéron, 1987)
- 🇨🇭🇨🇿 Robert Mayer (Genève-Servette HC, 1989)
- 🇨🇭 Sandro Zurkirchen (EHC Kloten, 1990)
- 🇨🇭 Tim Wolf (HC Ajoie, 1992)
- 🇨🇭 Luca Boltshauser (SCL Tigers, 1993)
- 🇨🇭 Gilles Senn (HC Davos, 1996)
- 🇨🇭 Joren van Pottelberghe (EHC Biel-Bienne, 1997)
- 🇨🇭 Luca Hollenstein (EV Zug, 2000)
Kandidaten als Nr. 2
-
- 🇨🇭 Benjamin Conz (HC Ambri-Piotta, 1991)
- 🇨🇭 Jeffrey Meier (ZSC Lions, 1998)
- 🇨🇭 Robin Zumbühl (ZSC Lions, 1998)
- 🇨🇭 Bryan Rüegger (HC Fribourg-Gottéron, 2000)
Ergänzungen für ein Goalieduo
-
- 🇨🇭 Daniel Manzato (SC Bern, 1984)
- 🇨🇭 Loic Galley (HC Fribourg-Gottéron (HC Thurgau), 2002) [Vertragsoption für ein weiteres Jahr]
- 🇨🇭 Niels Riesen (EHC Kloten (EHC Chur), 2003)
- 🇨🇭🇩🇪 Christian Kirsch (EV Zug, 2006)
Torhüter ohne Schweizer Lizenz
-
- 🇫🇮 Mikko Koskinen (HC Lugano, 1988)
- 🇫🇮 Harri Säteri (EHC Biel-Bienne, 1989)
- 🇫🇮 Juha Metsola (EHC Kloten, 1989)
- 🇨🇿 Simon Hrubec (ZSC Lions, 1991)