Licht und Schatten bei den LionsNoch ziehen beim ZSC nicht alle Spieler am gleichen Strick
Die Zürcher zeigen unter Marc Crawford aufsteigende Tendenzen. Anlass zur Euphorie gibt es aber keinen. Und: Wird Simon Bodenmann in Kloten doch noch zum Thema?
Angelo Rocchinotti
Publiziert heute um 16:11 Uhr
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Die ZSC Lions haben unter dem neuen Trainer Marc Crawford drei der letzten vier Partien gewonnen. Doch der Entwicklungsprozess dauert länger als erwartet.
Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Was will man dem ZSC vorwerfen? Er hatte in sechs Tagen vier Spiele zu absolvieren, traf nach drei Siegen am Samstag auf einen Gegner, der eine ganze Woche Pause hatte und seine Blessuren auskurieren konnte. Dass es die Lions nur selten schafften, Torgefahr zu erzeugen, und Lausanne 3:1 gewann, vermag daher wenig zu erstaunen. «Die Luft war draussen», bringt es Simon Bodenmann in einem Satz auf den Punkt.
Der Stürmer wurde zum dritten Mal in Folge als bester Spieler seines Teams ausgezeichnet. Er lancierte den Angriff, den Garrett Roe zum 1:1 verwertete, und hatte bei Spielhälfte in Überzahl das 2:2 auf dem Stock. «Eine Riesenchance, die ich verwerten muss. Es hätte die Möglichkeit bestanden, das Spiel doch noch zu gewinnen. Nach dem 1:3 fehlte schliesslich die Kraft», gibt sich der 34-Jährige selbstkritisch. «Die Derbys gegen Kloten, die auch für das gesamte Umfeld von grosser Bedeutung sind, scheinen mental viel Energie gekostet zu haben.»
«Wir wollen, dass uns gesagt wird, wenn wir einen Mist zusammenspielen.»
ZSC-Captain Patrick Geering
Bei sechs Niederlagen en suite stand die Mannschaft des neuen Trainers Marc Crawford vor einer Woche. Das Penaltyschiessen gegen Lugano? Es verkam zu einer Bankrotterklärung. Zehn von elf Schützen scheiterten. Dem Team schien jegliches Selbstvertrauen abhandengekommen zu sein, was umso erstaunlicher war, da sich die Spieler einen Trainerwechsel gewünscht hatten. Sie lechzten nach Rikard Grönborg förmlich nach einem fordernden Coach, einem, der sagt, was Sache ist. «Wir wollen, dass uns gesagt wird, wenn wir einen Mist zusammenspielen. Und dass es Konsequenzen hat», sagte Patrick Geering.
Jetzt, einen Monat später, sieht der Captain den ZSC auf dem richtigen Weg. «Praktizieren wir unser schnelles Umschaltspiel, erkennt man sehr gute Ansätze. Was fehlt, ist die Konstanz über 60 Minuten. Wir machen uns das Leben vielfach selbst schwer, beginnen die Dinge zu verkomplizieren. Nach Gegentoren dürfen wir keine Panik aufkommen lassen, müssen selbstbewusst weiterspielen», sagt der 32-Jährige. Und nimmt das zweite Derby gegen Kloten als Beispiel, als man den Gegner nach einer 4:1-Führung im letzten Drittel noch bis auf 4:3 herankommen liess.
«Crawford kann es schaffen»
Bodenmann behagt der neue Spielstil. «Wir spielen schneller nach vorne. Das macht Spass», sagt er. «Meiner Meinung nach stimmt der Weg, doch müssen alle daran glauben. Crawford ist der Mann, der es schaffen kann, dass alle am gleichen Strick ziehen. Sein Vorgänger schaffte es nicht, und es dauert offensichtlich etwas länger als gedacht.»
Der Stürmer mit den feinen Händen hat grossen Anteil am Aufschwung. Zweimal schoss er Kloten ab, erzielte vier Tore, punktete in sieben der letzten zehn Partien. Keine Überraschung. Bodenmann ist einer, der hinsteht, wenn es zählt. Ein Leader auch in schlechten Zeiten. Es ist nicht mehr auszuschliessen, dass der 34-Jährige, der die Lions nach fünf Jahren verlassen muss, doch noch einen Anruf aus Kloten erhält. Dem Vernehmen nach soll insbesondere Trainer Jeff Tomlinson, der sich nach dieser Saison aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen, den Unterländern aber als Berater erhalten bleiben wird, ein glühender Befürworter des Stürmers sein. Und das nicht erst seit dessen Derbytoren.
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Simon Bodenmann hat mit vier Treffern gleich beide Derbys gegen Kloten entschieden und in sieben der letzten zehn Partien gepunktet.
Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Die grösste Sorge im Club? Man könnte mit der Verpflichtung falsche Signale aussenden. Kloten hat sich Bescheidenheit auf die Fahne geschrieben. Man will keine alternden Stars verpflichten, die einfach nur noch für gutes Geld ihr Karriereende hinauszögern möchten. So wie es einst die Lakers taten, bis sie nach dem Abstieg ihre Strategie über Bord warfen – und seither nur noch besser werden.
Bloss: Der einstige Kloten-Junior, dem man ungeschickterweise während Wochen das Gefühl vermittelte, gar nicht erst erwünscht zu sein, zählt nicht in die Kategorie der teuren Graubärte. Tomlinson steht mit seiner Meinung bei weitem nicht alleine da. Seit den Derbyniederlagen haben die Bodenmann-Befürworter in Kloten Aufwind erhalten.
Affaire à suivre.
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