Wieder mal öpis über Hockey im Hockeyforum! 
«Die Eishockey-Legende der Woche»: «Wick an Strick!», höhnten die ZSC-Fans – doch dann wechselte der Klotener Marcel Wick ausgerechnet ins Hallenstadion
Marcel Wick gehörte zu den besten Verteidigern des Landes – und zu den fittesten Spielern überhaupt. Der ehemalige NLA-Rekordhalter betätigte sich auch schon früh als Unternehmer.
Yves Tardent 09.09.2021, 12.15 Uhr
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Marcel Wick posiert vor der Saison 1986/87 im Dress des EHC Kloten.
Ullstein / Getty
Ende der achtziger Jahre war das Publikum in den hiesigen Eisstadien noch wilder, unflätiger und schon gar nicht politisch korrekt. Der Schiedsrichter wurde wahlweise als «Zebra» oder «schwarze Sau», die gehängt gehört, betitelt, und die besonders guten Spieler aus den gegnerischen Teams hatten das zweifelhafte Privileg eines eigenen Schmähsongs. Besonders derb waren zu jener Zeit die Anhänger des Zürcher SC.
Der ZSC konnte sich in jenen Jahren meist nur knapp in der obersten Liga behaupten. Die Höhepunkte waren die Derbys gegen die eleganten Läufer des ungleich erfolgreicheren Kantonsrivalen EHC Kloten. «Wick, Wick, Wick an Strick!», hallte es nicht selten durchs Stadion, wenn der Klotener Verteidiger Marcel Wick mit der Nummer 22 auf dem Eis stand oder gar wieder einmal von der blauen Linie ins Tor getroffen hatte.
Wick, ein Ur-Klotener mit Jahrgang 1958, spielte noch in den legendären langen Hosen und war vor der Ankunft von Felix Hollenstein 1985 zeitweise auch Captain des Teams. Der grossgewachsene Modellathlet galt als sanfter Riese, der gerne mit nach vorne stürmte. Die rohen kanadischen Systeme waren ihm ein Greuel, wohler fühlte er sich unter den tschechischen Trainern. Mit Kloten erreichte er gegen Lugano zweimal den Play-off-Final.
Das damals Unfassbare geschah 1990: Wick wechselte ins Hallenstadion zum ZSC – zu jener Zeit ein Sakrileg in der Zürcher Eishockeyszene. Denselben Weg ging mehr als zwanzig Jahre später auch sein Sohn Roman, weil in Kloten das Geld wieder einmal knapp geworden war. Im Gegensatz zu seinem Sohn blieb Wick senior ein Meistertitel verwehrt. Doch er war dabei, als der ZSC 1992 im Play-off-Viertelfinal im Penaltyschiessen das «Grande Lugano» ausschaltete. Wick war mit seinem Anschlusstreffer zum 2:3 massgeblich daran beteiligt, dass dieser Coup überhaupt möglich wurde. Die damals freigesetzten Emotionen waren (fast) stärker als bei den später folgenden sechs Meistertiteln, wie Zeitzeugen noch heute schwärmen.
Nach diesem Höhepunkt wechselte Wick nach Chur, wo er eine Saison als Captain amtete, ehe es ihn zu den Grasshoppers in die NLB zog, wo er als Entwicklungshelfer für seine jungen Mitspieler wirkte – zusammen mit dem Ex-Klotener Peter Schlagenhauf. Der Transfer 1995 nach Lausanne zum damaligen Aufsteiger war dann eher überraschend und hatte später ein juristisches Nachspiel, weil die Waadtländer die geforderte Ablösesumme nicht vollumfänglich zahlen wollten. 37-jährig war Wick damals und bald Rekordspieler mit 628 NLA-Partien. In Lausanne wies er indes die besten Fitnesswerte des gesamten Teams aus. Schliesslich hatte er kurz zuvor in Kloten sein Fitnesscenter Halle 41 mit angeschlossener Bar eröffnet. Offensichtlich war er mehr auf der Rudermaschine anzutreffen denn an der Theke der Snus-Bar.
Anfang 1996 musste Wick seine Karriere nach 641 NLA-Spielen plus 57 Länderspielen wegen Venenproblemen in der Schulter beenden. Diese Verletzung bewog die Lausanner dazu, den Grasshoppers vorzuwerfen, sie hätten ihnen einen verletzten Spieler verkauft; sie wollten die zweite Tranche der Ablösesumme von insgesamt 60 000 Franken nicht überweisen.
Wick wurde im Anschluss Trainer beim EHC Dübendorf, ehe er sich auf sein Fitnessunternehmen in Kloten konzentrierte. In die Schlagzeilen kam er elf Jahre später, als er als 49-Jähriger für drei Spiele beim B-Ligisten HC Thurgau aushalf (3 Assists). Etwas, das sein Sohn Roman kurz nach seinem eigenen Rücktritt 2021 als «sehr gefährlich» einstufte und für sich selber ausschloss. Als Agent seines Sohnes blieb Wick mit der Eishockeyszene verbunden und geriet 2013 in Streit mit der damaligen Kloten-Führung, weil seine ausgehandelte Provision für den Wechsel seines Sohnes zu den ZSC Lions offenbar 2012 in der Konkursmasse des Klubs verschwunden war.
Bis 2019 führte er als Geschäftsführer dann dreizehn Jahre die Bodensee-Arena in Kreuzlingen, ehe ihn kurz vor dem offiziellen Rentenalter wieder der Unternehmergeist beseelte. Mit einem Freund übernahm er eine Firma für Liegenschaftenunterhalt, welche er heute führt. Sein Flair fürs Unternehmertum haben auch seine beiden Kinder Roman und Stefanie geerbt. Roman ist Teilhaber einer Bar im Zürcher Kreis 4, und die Tochter wacht über die Halle 41 und die Snus-Bar. Nun gehören im selben Gebäudekomplex auch noch zwei Escape-Rooms zum Wick-Imperium.