«Eindrücklich, wie leicht sich das Virus überträgt»
ZSC-Verteidiger Johann Morant hat seine Covid-Erkrankung gut überstanden. Das geht nicht allen Hockeycracks so, wie der tragische Fall von Langnaus Samuel Erni zeigt.
Manchmal rächt es sich, wenn man fleissig ist. Wie bei Johann Morant, der Anfang November am Montag der Nationalteam-Pause zum freiwilligen Training erschien und im Fitnessraum auf dem Hometrainer schwitzte. Ein Betreuer fragte den ZSC-Verteidiger einige Dinge, derweil dieser pedalte. «Zwei Tage später wurde der Betreuer positiv getestet, er hatte sich zuvor in der Familie angesteckt», erzählt Morant. «Und drei Tage nach unserem Kontakt hatte ich die ersten Symptome.»
Einige Minuten reichten
Morant hat diese Erfahrung geprägt. «Es ist eindrücklich, wie leicht sich das Virus überträgt», sagt er. «Sonst trage ich immer eine Maske, auf dem Velo hatte ich sie nicht auf. Aber wir unterhielten uns nur kurz, einige Minuten.»
Immerhin habe er Glück im Unglück gehabt. «Bei mir zog die Corona-Erkrankung schnell vorbei. Ich war zwei, drei Tage sehr müde und hatte starke Rückenschmerzen. Ich konnte mich kaum bewegen, blieb fast nur im Bett. Aber ich durfte sowieso nicht aus meinem Zimmer raus.»
Der 34-Jährige lebt in Cham mit seiner Frau und ihren zwei kleinen Kindern im Alter von vier und sechs Jahren in einer Fünfzimmerwohnung. Um niemanden anzustecken, separierte er sich von der Familie. «Meine Frau stellte mir jeweils den Teller mit dem Essen vors Zimmer.» Die übrigen Familienmitglieder steckten sich nicht an. «Es zahlte sich aus, dass ich mich nach dem positiven Schnelltest sofort isolierte.»
Neu: 5 Tage Pause zusätzlich
Nachdem die Symptome abgeklungen waren, begann Morant zu Hause wieder mit leichtem Training. Der Franzose fiel noch nicht offiziell unter das Return-to-Play-Protokoll, das im Schweizer Eishockey eingeführt wurde, um die Athleten vor zu frühen hohen Belastungen abzuhalten und Folgeschäden vorzubeugen. Erst nachdem der betroffene Spieler fünf Tage lang graduell die Intensität gesteigert hat, darf er wieder spielen. Dies betrifft bei den Zürchern aktuell Reto Schäppi, der am Samstag als Zuschauer im Hallenstadion war.
«Nach Covid können Komplikationen in der Lunge oder Entzündungen des Herzmuskels auftreten», erklärt ZSC-Teamarzt Gery Büsser, der bei der Umsetzung der neuen Massnahmen mitwirkte. «Die fünf Tage sind eine dringende Empfehlung an die Teamärzte. Aber man kann das nicht reglementarisch festhalten.»
Zehn Tage nach dem positiven Test sollte jeder Spieler untersucht werden – man macht ein EKG, bestimmt die Entzündungswerte im Blut, es werden Herz und Lunge abgehört –, um Schädigungen zu erkennen. Sieht es gut aus, beginnt der schrittweise Wiedereinstieg. An Tag 3 darf der Spieler erstmals wieder mit dem Team trainieren, ohne Körperkontakt. An Tag 5 darf er wieder voll dabei sein.
Morant fühlte sich schon nach einigen Tagen wieder wie vorher. Doch dass auch topfitte Sportler einen schweren Verlauf haben können, zeigt der Fall von Langnaus Verteidiger Samuel Erni. Gegenüber MySports sprach der 29-Jährige offen über die Folgen seiner Covid-Erkrankung: «Ich lachte anfangs auch etwas über das Coronavirus. Dachte, nach zwei, drei Tagen wäre ich wieder fit. Aber dann bekam ich Atemnot, selbst zu Hause auf dem Sofa.» Und als er auf dem Hometrainer wieder so richtig auf die Pedale habe treten wollen, sei er fast vom Velo gefallen. «Ich brachte den Puls nicht über 140.» Wann er in den Meisterschaftsbetrieb zurückkehren kann, ist offen.
Obschon er glimpflich davongekommen sei, habe er Respekt vor dem Virus, sagt Morant, der am Freitag und Samstag gegen Servette (4:3 nach Penaltys) und die Lakers (5:3) wieder spielte. «Bei allen verläuft es unterschiedlich. Es ist keine gute Idee, das Virus zu verharmlosen. Und wie ich erfuhr, reicht ein kurzer Kontakt zur Ansteckung.»
Weil er früher in Quarantäne ging, durfte Morant auch früher wieder nach draussen. Ab letzten Montag trainierte er mit Pius Suter, der die Covid-Erkrankung bei den GCK Lions durchgemacht hatte, auf dem Eis. Zu zweit mit einem Juniorengoalie. «Davon träumt man als kleiner Junge, das Eisfeld für sich zu haben mit einem Goalie.»
Der Gruppe der Immunen
Wer positiv gewesen ist, gilt drei Monate als immun und muss nicht in Quarantäne, wenn es wieder Coronfälle gibt im Team. Er habe Spass gehabt mit Suter, sagt Morant. «Aber zehn Tage zu zweit trainieren, das wäre etwas lange.» Das nächste Mal wären immerhin auch Schäppi und Marco Rossi dabei. Das gäbe schon fast einen Block.
--> Ein Bericht über die Corona-Fälle bei den Buben aus dem Kinderzoo (ebenfalls aus dem Tagi) habe ich im "Hockey Allgemein" Fred gepostet.