Beiträge von Ouimet

    Zell am See ist natürlich gleich spassig wie München, Belfast oder Aalborg 🤣🤪


    Testspiele Vorsaison 2023

    Weil sich die ZSC Lions nicht für die Champions Hockey League qualifiziert haben, besteht für sie die Vorsaison 2023 ausschliesslich aus Testspielen. Acht Testspiele sind ab Anfang August organisiert, bevor am 15. September die neue Meisterschaft startet.

    Der erste Test findet traditionell gegen die GCK Lions statt, wobei mit der Swiss Life Arena der Spielort eine Premiere anlässlich des Bruderduells feiert. Es folgt ein Auswärtsspiel und ein Heimspiel inklusive Teampräsentation gegen die Schwenninger Wild Wings aus der Penny DEL. Später treffen die ZSC Lions im Rahmen ihres Trainingslagers in Zell am See (Österreich) am Red Bulls Salute-Turnier auf München (Penny DEL) und tags darauf auf Salzburg (ICE Hockey League) oder IFK Helsinki (Liiga). Ein Heimspiel gegen Ajoie sowie zwei Gastauftritte in Davos und Bern runden die Vorsaison der Löwen ab. Der Spielplan der Meisterschaft wird in der zweiten Juni-Hälfte publiziert.

    Datum / ZeitBegegnungSpielort
    Mi 09.08.2023 / 19:00ZSC Lions – GCK LionsSwiss Life Arena
    Do 17.08.2023 / 19:30Schwenninger Wild Wings – ZSC LionsHelios Arena
    Sa 19.08.2023 / 16:30ZSC Lions – Schwenninger Wild WingsSwiss Life Arena
    Sa 26.08.2023 / 20:30Red Bull München – ZSC LionsEishalle Zell am See
    So 27.08.2023 / 15:00 oder 19:00Red Bull Salzburg oder IFK Helsinki – ZSC LionsEishalle Zell am See
    Sa 02.09.2023 / 15:00HC Davos – ZSC LionsEisstadion Davos
    Di 05.09.2023 / 19:30ZSC Lions – HC AjoieSwiss Life Arena
    Sa 09.09.2023 / 16:00SC Bern – ZSC LionsPostFinance Arena


    Der FCZ-Präsident Ancillo Canepa wird 70 und sagt: «Mein Vorbild war stets der FC Bayern München»

    FCZ-Präsident Ancillo Canepa wird 70 und sagt: «Mein Vorbild war stets der FC Bayern»
    Ancillo Canepa zieht Bilanz aus seiner langen Zeit als Präsident und Besitzer des FC Zürich und spricht über die schönsten und die bittersten Momente. Einen…
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    Der FCZ-Präsident Ancillo Canepa wird 70 und sagt: «Mein Vorbild war stets der FC Bayern München»

    Ancillo Canepa zieht Bilanz aus seiner langen Zeit als Präsident und Besitzer des FC Zürich und spricht über die schönsten und die bittersten Momente. Einen FCZ-Spieler stellt er über alle anderen – und verspricht, den Klub in nächster Zeit trotz verlockenden Angeboten nicht zu verkaufen.

    Sie feiern am Freitag den 70. Geburtstag, Ihre Frau Heliane wird in diesem Jahr 75, vor 50 Jahren heirateten Sie. Ist eine grosse Party angesagt?

    Ursprünglich war es tatsächlich unsere Idee, in diesem Sommer ein Fest zu veranstalten, wir waren in der Planung schon recht weit fortgeschritten. Aber irgendwann ist uns die Lust am Feiern etwas vergangen, zu vieles auf der Welt läuft schief mit Kriegen, der Energiekrise und anderen Dingen. Aber wir werden das hoffentlich nachholen.

    Wie blicken Sie auf Ihre ersten 70 Lebensjahre zurück?

    Mit Dankbarkeit und auch etwas Stolz. Ich fühle mich gesundheitlich sehr gut und erschrecke manchmal selber, wenn ich in der Zeitung hinter meinem Namen die nackte Zahl lesen muss. Immerhin reicht meine Fitness aus, um an unseren FCZ-internen Fussballspielen mitkicken zu können. Und grundsätzlich denke ich schon, dass ich mein Leben privat und beruflich positiv gestaltet habe. Das gilt auch für die rund 17 Jahre, in denen ich nun beim FC Zürich in der Verantwortung stehe.

    2005 rückten Sie in den Verwaltungsrat des Klubs, 2006 wurden Sie Präsident, seit 2013 halten Ihre Frau und Sie die Aktienmehrheit am FCZ. Wie viel Geld haben Sie bisher in den Klub gesteckt?

    Wie Sie wissen, geben meine Frau und ich eigentlich keine Auskunft darüber, wie viele Mittel wir in all den Jahren eingezahlt haben. Weil ich aber weiss, dass Sie nicht lockerlassen, kann ich Folgendes festhalten: Es ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag, ohne dass ich die Zahl jetzt genau kenne.

    Sie gaben einen hochbezahlten Job bei Ernst & Young auf, um beim FCZ einzusteigen. Heute können Sie ja auch das verraten: Wie viel Mut hat das gebraucht?

    Es war wirklich ein unkonventioneller Schritt, zumal ich bei Ernst & Young eine tolle Stelle als Führungskraft im europäischen Geschäft hätte übernehmen können. Es war ein Bauchentscheid, zum FCZ zu wechseln. Die wichtigsten Entscheidungen im Leben sollte man ohnehin primär aus dem Bauch heraus treffen, weil der Bauch im Idealfall ständig mit intelligenten Informationen gefüttert wird. Ich erzähle gerne, wie meine Frau mir damals sagte, dass es sehr schlimm wäre, wenn ich mir als 80-Jähriger vorwerfen müsste, diese Chance nicht gepackt zu haben. Bereits damals las ich in der Freizeit viel lieber Fussballmagazine als Fachliteratur aus Finanz und Wirtschaft. Den «Kicker» habe ich seit bald 60 Jahren abonniert. Und um diese Frage auch gleich zu beantworten: Ich habe beim FCZ nie einen Lohn gefordert, auch keine Spesenentschädigungen.

    Als Sie Präsident wurden, sagten Sie, es sei Ihnen wichtig, die Verantwortung zu verteilen. Wie gut ist Ihnen das gelungen?

    Wenn man als Besitzer so lange einen Klub führt, prägt man ihn und ist ein Gesicht des Unternehmens. Mein Vorbild war stets der FC Bayern München, dem es jahrzehntelang gelungen ist, bei allem Wachstum eine familiäre Art zu erhalten. Ich glaube, wir haben das auch nicht schlecht hinbekommen. Entscheidend ist immer die Personalauswahl. Allen medialen Unkenrufen zum Trotz war ich stets ein Teamplayer, die Entscheidungen bei uns werden gemeinsam erarbeitet. Natürlich sind es am Ende oft Heliane und ich, die den finalen Entscheid treffen. Wir stehen ja auch in der wirtschaftlichen Verantwortung. Und dies ist im Schweizer Fussball alles andere als einfach, weil man nicht so exakt planen kann wie in anderen Branchen.

    Seit 2006 wurde der FCZ viermal Meister und dreimal Cup-Sieger, er erreichte einmal die Champions League und stand fünfmal in der Gruppenphase der Europa League. Wie hört sich diese Bilanz an?

    Ich bin nicht unzufrieden. Zu erwähnen wäre auch, dass unsere Frauen mehrfach Meister und Cup-Sieger wurden und unsere Nachwuchsmannschaften ebenfalls einige Titel gewonnen haben. Wir sind der einzige Klub in der Schweiz, der ein richtiges und sehr gut besuchtes Museum hat. Auch der Fan-Shop mitten in der Stadt ist in dieser Form einzigartig in der Schweiz. Auf das neu gebaute Trainingszentrum «Home of FCZ» und die tolle Fankultur bin ich auch stolz. Der FCZ ist in Zürich und in der Region fest verankert. Natürlich gab und gibt es auch Ereignisse und Themen, die weniger erfreulich sind.

    Woran denken Sie als Erstes? An den Abstieg 2016?

    Ich ärgere mich heute mehr darüber, dass wir 2011 fahrlässig die Meisterschaft verschenkt haben. Das war besonders bitter, weil der Meister damals direkt für die Champions League qualifiziert war. Am Schluss hat uns ein Punkt gefehlt, den wir im drittletzten Spiel zu Hause gegen Basel hergegeben haben. Obwohl wir krass überlegen waren, stand es am Ende 2:2. Und natürlich hat wieder einmal Alex Frei gegen uns getroffen. Auch der interne Machtkampf vor rund zehn Jahren war unangenehm, als einige Kollegen aus dem Verwaltungsrat den FCZ für einen Franken stehlen wollten.

    Ihre Ära begann sehr erfolgreich mit den Meistertiteln 2006, 2007 und 2009. Zu Beginn war Lucien Favre der Trainer. War er die wichtigste Figur Ihrer Amtszeit beim FCZ?

    Ich möchte das nicht so abschliessend definieren. Lucien war erfolgreich, doch die Zusammenarbeit mit ihm war sehr schwierig, sehr kompliziert.

    Erzählen Sie.

    Lucien ist enorm akribisch, aber es fällt ihm nicht leicht, sich festzulegen. Es gab Spieler, die er unbedingt wollte. Als sie bei uns waren, hatte er das Gefühl, mit diesen Spielern nichts anfangen zu können. Auch die Qualifikation für die Champions League hatte für ihn leider keine Priorität. Mit ihm sind wir zweimal kläglich gescheitert. Das war 2009 unter Bernard Challandes ganz anders, mit ihm erreichten wir die Champions League.

    Es gab mehrere Trainer, die beim FCZ ein unschönes Ende erlebten: Rolf Fringer und UIi Forte zum Beispiel oder Urs Fischer, mit dem Sie nach dessen Wechsel zum FC Thun wegen Lohnzahlungen sogar vor Gericht standen. Auch von André Breitenreiter waren Sie letztes Jahr enttäuscht, weil er intern gesagt haben soll, keinen Kontakt zu einem Bundesligisten zu haben – und ein paar Tage später bei Hoffenheim unterschrieb.

    Mit den meisten früheren FCZ-Trainern habe ich heute ein gutes Verhältnis. Dass sich nicht alle loyal und fair verhalten haben, ist allerdings auch eine Tatsache. In einem Fall hat man Urkundenfälschung begangen und wollte uns so über den Tisch ziehen. Im Einzelnen möchte ich darauf aber öffentlich nicht weiter eingehen.

    Emotional ist auch Ihr Verhältnis zu den Medien. Altersmilde oder Diplomatie gibt es bei Ihnen selten.

    Das hat nichts mit Emotionalität zu tun. Ich reagiere, wenn falsche Behauptungen aufgestellt werden. Mit fundierter Kritik kann ich sehr gut umgehen. Nicht akzeptieren kann ich Fake News, oder wenn Gerüchte als Fakten dargestellt werden. Mit der NZZ bin ich unzufrieden, weil eine aktuelle Berichterstattung über die Super League kaum noch stattfindet. Es gibt auch NZZ-Leser, die sich für Fussball interessieren und nicht nur die Wertschriftenkurse studieren möchten. Meine Meinung werde ich immer sagen.

    Wie wichtig ist Ihnen Ihr Image?

    Wenn ich für eine Sache kämpfe, wie kürzlich für die Abschaffung der Play-offs, dann ist es mir egal, was andere denken. Man kann es nie allen recht machen. Ich will authentisch bleiben und kein Schauspieler sein. Aber natürlich freut es mich, wenn die Reaktionen positiv sind. Ich werde oft und meistens freundlich auf den FCZ angesprochen. Wenn mich Kinder entdecken und sich freuen, mit mir ein Selfie machen zu können, stellt mich das auf.

    Welches waren die schönsten Momente als FCZ-Präsident?

    Die zwei Meistertitel, die wir nach Siegen beim FC Basel feierten. Auch der Cup-Sieg 2018, in Bern auf Kunstrasen gegen YB, war toll. Sportlich der absolute Höhepunkt war aber 2009 das Heimspiel gegen Real Madrid in der Champions League. Über 100 Millionen Menschen schauten weltweit am TV zu.

    Ihr Lieblingsfussballer beim FCZ?

    Yassine Chikhaoui.

    Der beste Spieler?

    Yassine Chikhaoui.

    Ihr FCZ-All-Star-Team?

    Nein, nein, da kann ich nur verlieren und einige verärgern.

    Kommen Sie, zum 70. Geburtstag kann man das wagen.

    Okay, okay. Ich nenne aber keinen Trainer und bewusst keinen Spieler aus dem gegenwärtigen Kader. Im Tor steht Leoni, in der Abwehr spielen Elvedi, Tihinen, Filipescu und Rodriguez, im Mittelfeld Yapi, Inler und natürlich Chikhaoui als Regisseur. Vorne stürmen Raffael, Alphonse und Hassli. Im Kader stehen auch Teixeira, Beda, Kukeli, Margairaz, Nikci, Mehmedi und Drmic. Mamma mia, was für eine Mannschaft!

    Und wo steht der FCZ 2023 im Vergleich zu den anderen Top-3-Klubs YB und FC Basel?

    Da müssen Sie nur die Tabelle anschauen, sie lügt nicht. Wir sind Achter und noch in Abstiegsgefahr. Mich interessiert nicht, was letztes Jahr war. In dieser Saison lief vieles schief. Nun müssen wir den Abstieg verhindern, dann greifen wir wieder an. Wir wissen, wie schnell es nach oben gehen kann.

    Im Vergleich zu Basel und Bern fällt der Standortnachteil des FCZ auf. Zürich ist keine Fussballstadt, es fehlt sogar an einem anständigen Stadion.

    Dass Zürich keine Fussballstadt sein soll, stimmt nicht. Wir haben in Zürich sogar einen Standortvorteil. Zürich ist die Schweizer Stadt mit der grössten internationalen Ausstrahlung. Ich merke das alleine schon an den zahlreichen Interessenten aus dem Ausland, die den FCZ übernehmen möchten. Und die Menschen in der Region Zürich sind durchaus fussballverrückt, aber eben auch sehr verwöhnt, das kulturelle Angebot ist riesig. Gegen Real Madrid hatten wir 200 000 Ticket-Anfragen, gegen Bayern München im Champions-League-Play-off über 100 000, sogar gegen Napoli in der Europa League waren es 70 000. Solche Zahlen sind in der Schweiz einmalig. Auf der anderen Seite ist das fehlende Fussballstadion eine Hypothek, die uns grosse Sorgen bereitet und eine Weiterentwicklung massiv erschwert.

    Erleben Sie das neue Stadion noch als FCZ-Präsident?

    Wie lange lebe ich noch? Nein, ernsthaft: Es ist eine Schande, wie der Stadionbau immer wieder von Querulanten verzögert werden kann, die willkürlich und böswillig unsere demokratischen Prozesse missbrauchen. Mittlerweile ist 2026 zu optimistisch, vermutlich wird es 2028, bis wir endlich ein Fussballstadion in Zürich haben.

    Dann bleibt die Frage: Welche Wünsche haben Sie als FCZ-Präsident noch?

    Einige. Vielleicht sind es auch nur Träume. Eben: ein Fussballstadion. Regelmässig im Europacup spielen. Ein Kader mit vielen eigenen Nachwuchsspielern. Und Rückkehrer, die uns wie Blerim Dzemaili helfen wollen, erfolgreich zu sein.

    Sie betonen stets, nicht an einen Verkauf des FCZ zu denken. Lassen Sie uns die Frage so formulieren: Welchen Wert hat der FC Zürich?

    Heliane und ich sind motiviert und gesund, wir denken derzeit wirklich nicht an einen Verkauf. Interessenten gibt es wie erwähnt viele. Erst kürzlich offerierte man uns eine Summe im mittleren bis höheren zweistelligen Millionenbereich.

    Dann hätten Sie Ihre Investitionen wieder hereingeholt und sogar noch etwas verdient.

    Darum ging es uns nie. Wenn es am Schluss null auf null aufgeht, sind wir zufrieden. Es sind die schönen Emotionen, die bleiben.

    Von dem her isch de Sven L. und sin Staff jetzt würkli gforderet.

    Das heisst es doch jedes Jahr. Mir kommt es vor als darf SL noch ein ganzes Magazin an Patronen verschiessen da wird nichts passieren. Hauptsache der Gastronomieumsatz stimmt und die Zuschauerzahlen. Sportliche Erfolge sind zweitrangig.

    Der Traum der Alina Müller - Jetzt kann sie auch als Frau vom Eishockey leben

    Der Traum der Alina Müller – Jetzt kann sie auch als Frau vom Eishockey leben
    Die Schweizerin ist eine der weltbesten Spielerinnen. Dennoch schien eine Profikarriere mangels Alternativen lange Zeit unmöglich.
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    Jetzt kann sie auch als Frau vom Eishockey leben

    Die Schweizerin ist eine der weltbesten Spielerinnen. Dennoch schien eine Profikarriere für die 25-Jährige lange Zeit unmöglich.

    Plötzlich hält Alina Müller inne und bemerkt lachend, dass sie kaum glauben könne, was sie gerade gesagt habe. Es war ein simpler Satz, nichts Spezielles für viele Athletinnen auf Weltklasseniveau: «Ich kann meinen Traum erfüllen und als Profi spielen.» Für Eishockeyspielerinnen war das bislang in der Tat bloss ein Wunsch: mit dem Sport genug Geld zu verdienen, um davon leben zu können. Als Müller vor dreieinhalb Jahren mit dieser Zeitung im Eisbrecher-Podcast über ihre Passion sprach, sagte sie auch dies: Sie wisse, dass sie diesen Mädchentraum kaum verwirklichen werde.

    Das lag nicht am Können. Müller ist nicht nur die Beste ihres Landes. Die Stürmerin, die seit 2018 in Boston für die Northeastern Huskies spielte, war auch auf höchster Universitätsstufe (NCAA I) herausragend. Auch im Frauen-Eishockey gibt es Expertendebatten darüber, wer die Weltbeste sei. Neben den Topspielerinnen der dominanten Nationen Kanada und USA fällt oft auch der Name der 25-jährigen Winterthurerin.

    Das Timing ist perfekt

    Nun hat sich einiges getan. Zum einen wird Müller im August ihr Studium in Boston nach fünf Jahren abschliessen. Nach dem Bachelor in Biopsychologie und Neurowissenschaften wird sie den Master in Rehabilitationswissenschaften abschliessen. Sie ist fasziniert von den Einblicken auf die modernsten Roboter und Techniken, die Menschen in der Rehabilitation nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen helfen. Sie sieht sich einst in einem Rehazentrum, wo sie Patientinnen und Sportler auf ihrem Weg nach der Physiotherapie begleiten wird.

    Der Wechsel ins «normale» Berufsleben nach der Universitätssportkarriere ist aber auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Denn zum anderen hat sich eine nordamerikanische Profiliga für Frauen nach vielen Wirrungen, Fusionen, Zersplitterungen und Streiks ausgerechnet im Hinblick auf die Saison 2023/24 erstmals so weit entwickelt, dass es für Spielerinnen möglich sein wird, vom Sport zu leben.

    Premier Hockey Federation, kurz PHF, heisst die 2021 ins Leben gerufene Liga, die aus konkurrierenden Ligen in den USA und Kanada entstand und Jahr für Jahr höhere Löhne zahlt. Es waren bislang eher symbolische Zahlungen, die nicht ein Profileben hätten finanzieren können. Just auf nächste Saison hin wurde aber die Lohnobergrenze auf 1,5 Millionen US-Dollar verdoppelt – pro Team und nicht pro Spielerin wohlgemerkt.

    Die Zahlen sind nicht offiziell, doch jede Athletin dürfte nach Abzug der hohen Steuern pro Saison umgerechnet rund 40’000 bis 50’000 Franken verdienen. Davon lasse sich leben, sagt Müller. Natürlich ist es kein Vergleich zu den NHL-Profis, selbst wenn auch diese fast die Hälfte für Steuern ausgeben: Pro Saison ist in der stärksten Eishockeyliga ein Brutto-Mindestlohn von 750’000 Dollar (670’000 Franken) garantiert, die Topgagen liegen bei über 10 Millionen.

    Ein Verbleib in Boston ist möglich

    Dennoch: Zusammen mit den verbesserten Trainingsbedingungen und einem Leben als Profi mit Trainings am Mittag sind für Müller die Grundlagen geschaffen, um in den USA zu bleiben und Eishockey zu spielen. Der wissenschaftliche Masterabschluss erlaubt ihr, auch ohne Arbeitsvisum ein Jahr in den USA zu arbeiten. «Es wäre dumm, das nicht auszunützen», sagt Müller.

    Vorerst werde es wohl ein Jahr in der PHF, sagt Müller, danach schaue sie weiter. Denn es gibt noch ein Aber: Im Frauen-Eishockey Nordamerikas sind nicht nur die Löhne noch wie zu den Urzeiten bei den Männern. Auch bezüglich Strukturen erinnert der Kampf um eine Profiliga an die Siebziger, als die NHL sich mit der Konkurrenzliga WHA balgte, bis es 1979 schliesslich zur Fusion kam – erst so wurde Wayne Gretzky, der berühmteste und wohl beste Spieler aller Zeiten, zum NHL-Spieler. So hat auch die PHF eine Widersacherin: Professional Women’s Hockey Players Association heisst sie, kurz PWHPA.

    Die ist zwar noch nicht einmal so weit, eine reguläre Meisterschaft zu organisieren: 2022/23 wurden nur Showspiele ausgetragen mit vier Teams, die keine Heimatorte, dafür Sponsorennamen wie «Team Adidas» hatten. Noch ist offen, ob sich 2023/24 daran etwas ändern wird. Die PWHPA möchte einen noch professionelleren Start hinlegen als die PHF und lässt sich Zeit. Sie tüftelt analog der NHL an einem Gesamtarbeitsvertrag für die Spielerinnen, der würde Versicherungsfragen, Trainingsbedingungen und vieles mehr regeln.

    Und: In der PWHPA sind auch auf Druck ihrer Verbände fast alle Internationalen Kanadas und der USA vereint. «Und irgendwann möchte ich wirklich mit und gegen die spielen», sagt Müller. Sie wird vorerst aber die PHF vorziehen, nicht zuletzt auch, weil eines der sieben Teams in ihrer Lieblingsstadt beheimatet ist: Ein Engagement bei den Boston Pride ist möglich. Noch sammelt Müller aber Angebote – erstmals in ihrer Karriere via Agent.

    Die Pride tragen ihre Partien in der Warrior Ice Arena aus, das ist die Trainingshalle der Boston Bruins und bietet 700 Fans Platz. Letzte Saison war sie häufig voll, es waren im Vergleich mit anderen Teams gute Zuschauerzahlen. Auch hier ist die Diskrepanz zum Profi-Eishockey der Männer in der NHL riesig.

    All das stört Müller nicht. Sie hat letzte Saison PHF-Spiele in Boston besucht und war von der Stimmung angetan. Die Aussicht auf Entlöhnung und professionelle Strukturen, die TV-Übertragungen der Partien, der Agent – all das tönt bereits mehr nach Profisport, als sie es sich je hätte erträumen lassen. Die Rückkehr in die Schweiz ist vorerst aufgeschoben.

    Müller verfolgt dennoch die Entwicklung in ihrer Heimat: «Nach Zürich schreitet nun auch in Zug, Bern oder Davos die Professionalisierung voran.» Sollte dieser Weg fortgeführt werden, könnte sie sich vorstellen, dereinst in die NLA zurückzukehren. Bis 2026 will sie so oder so spielen, um in Mailand ein viertes Mal an Olympischen Spielen teilzunehmen. «Das wäre ein weiterer erfüllter Traum», sagt Müller. «Ich habe italienische Wurzeln, und erstmals könnten mich meine Eltern bei Olympia live spielen sehen.» Vorerst soll aber der Traum vom Profisport in Erfüllung gehen. Wieder lacht Müller und sagt: «Ich glaube es erst, wenn es so weit ist …»

    und ein Houscleaning mit Abgang von einer der 3 Personen Leuenberger/Zahner/Crawford wird es nicht geben das wäre schon längst verkündet worden.

    Nun ja da spielt die Partei von Frey, Spuhler und Dörig ganz gross mit… sobald es um Geld geht spielt die ausländische Herkunft keine

    Rolle mehr. Ob bei der Fifa, beim Bürgenstock, in Andermatt oder in Gstaad… Doppelmoral vom feinsten.

    Die Grasshoppers erinnern an ein Orchester von Desperados, die auf einem sinkenden Schiff einfach weiterspielen, bis der Kahn untergegangen ist

    GC: Wie Desperados auf einem sinkenden Schiff
    GC ist gefangen in der Abhängigkeit von seinen irritierenden Besitzern. Der Klub erlebt stürmische Zeiten, zwischen europäischen Träumen und chinesischen…
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    Die Grasshoppers erinnern an ein Orchester von Desperados, die auf einem sinkenden Schiff einfach weiterspielen, bis der Kahn untergegangen ist

    GC ist gefangen in der Abhängigkeit von seinen irritierenden Besitzern. Der Klub erlebt stürmische Zeiten, zwischen europäischen Träumen und chinesischen Albträumen. Und hat in Bernt Haas einen Sportchef, dem oft die Hände gebunden sind. Wie soll das nur weitergehen?

    Noch ist unklar, wie das Kader der Grasshoppers in der nächsten Saison aussehen wird – viele Verträge laufen aus, dem Sportchef Bernt Haas sind oft die Hände gebunden. Haas ist seit letztem Sommer bei GC, äussert sich aber kaum öffentlich, er macht sich rar.

    Bei einem längeren Treffen im April auf dem GC-Campus spricht Haas eine Stunde freundlich, aber zurückhaltend über seine Arbeit, ehe er sich im Hintergrundgespräch während rund zwei Stunden öffnet und seine Ideen und Pläne präsentiert. Vieles hört sich plausibel an.

    Die Crux ist: Haas ist abhängig von Personen, die sich in der Schweiz und in der Super League nicht auskennen. Man fragt sich, warum er sich nicht mehr wehrt, sein Profil schärft, auch einmal kritisiert, dass es so nicht weitergehen könne. Das sei nicht seine Art, antwortet Haas. Er fragt zurück: «Was habe ich davon?» Und: «Was würde es ändern?»

    In der Winterpause hätte der Sportchef Haas mit gutem Grund gerne einen Stürmer verpflichtet

    Vielleicht ist Bernt Haas manchmal zu lieb. Er trägt eine grosse Verantwortung, weil er im sportlichen Bereich auf der Geschäftsstelle ziemlich alleine ist – und weil es auch viele administrative Dinge zu regeln gibt. Bezüglich Planung steht Haas im Austausch mit den Kadergestaltern des Partnerklubs Wolverhampton Wanderers sowie mit Vertretern des Fosun-Konglomerats in China, denen es an Fussballkompetenz mangelt.

    In der Winterpause hätte Haas mit gutem Grund gerne einen Stürmer verpflichtet, es gab spannende Kontakte, am Ende kam einzig der japanische Aussenverteidiger Teruki Hara. Aber weil es dem auf dem Rasen bemerkenswert soliden GC mit dem Trainer Giorgio Contini, diesem pragmatischen Entfesselungskünstler, immer wieder gelingt, sich aus heiklen Situationen zu befreien, darf Haas feststellen: «Die Resultate sind insgesamt gut. Alles machen wir nicht falsch.»

    Und so erinnern die Grasshoppers an ein Orchester von Desperados, die auf einem sinkenden Schiff einfach weiterspielen, bis der Kahn untergegangen ist. Der Sportchef Haas betont, dass GC eine Marke sei, die Kraft ausstrahle, mit einer starken Nachwuchsbewegung, mit dem schönen Campus, mit treuen Fans. Und behauptet, im Rahmen des Budgets selbständig Entscheide treffen zu dürfen.


    Noch ist der Kahn nicht untergegangen. Vielleicht verkaufen (oder verschenken) die Chinesen den Klub bald. Vielleicht werden Leute im oberen Management eingestellt, die Land und Liga und Leute kennen. Vielleicht kehrt der frühere Sportchef Fredy Bickel als Berater zurück. Vielleicht gelingt es GC, einen Trainer wie Winterthurs Bruno Berner zu engagieren. Vielleicht werden bald mehr eigene Nachwuchsspieler gefördert. Vielleicht glücken dem Klub ein paar sinnvolle Transfers. Und vielleicht wird bald alles viel leichter.

    Aber das sind etwas gar viele Unwägbarkeiten. Und jeder weitere Tag unter den chinesischen Besitzern könnte für GC ein verlorener Tag sein.

    Auf einmal eine realistische Chance, nächste Saison im Europacup dabei zu sein

    Womöglich schreibt GC die seltsamste Geschichte in dieser seltsamen Super-League-Saison. Am letzten Samstag trat die Mannschaft in Winterthur zu einer Begegnung an, in der es für sie darum ging, nicht noch stärker in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Drei Tage nach dem 2:1-Sieg auf der Schützenwiese folgte dann der unerwartete 4:1-Erfolg gegen den souveränen Leader YB. Und an diesem Samstag geht es für GC in Lugano, wenige Spieltage vor dem Saisonende, auf einmal um die realistische Chance, nächste Saison im Europacup dabei zu sein.

    Deshalb sagt Andras Gurovits, der Interimspräsident des Vereins: «GC lebt. Bei GC funktioniert der Betrieb, jeden Tag arbeiten rund hundert Leute für den Klub. Die Löhne werden pünktlich überwiesen.» Er fügt aber auch an: «Natürlich sind es komplizierte Zeiten.»

    Gurovits sitzt im Verwaltungsrat, ist ein angesehener Anwalt und eine Art Gewissen in einem Klub, der nicht zur Ruhe kommt. In den letzten Wochen, seit dem Abgang des CEO Sky Sun, profilierte sich Gurovits in den Medien, er gab Interviews, trat im Fernsehen auf, vertrat die Interessen des Rekordmeisters, der im stillen Chaos versinkt. Gurovits ist zum Gesicht von GC geworden – und zum Vertreter, der irgendwie den Kontakt mit den Besitzern in China hält.

    Im Grunde genommen sind die Investoren aus dem Konstrukt von Fosun bei den Grasshoppers gescheitert. Über 30 Millionen Franken haben sie seit 2020 verloren, allein letztes Jahr betrug das Defizit 14 Millionen. Und für nächste Saison haben sich die Besitzer erneut verpflichtet, das Defizit zu decken.

    Doch GC fehlt es an Zuschauern und Sponsoren, an Glaubwürdigkeit und funktionierenden Strukturen, an kompetenten Führungskräften, die Land und Liga und Leute kennen. Der Trainer Contini hat die Kündigung eingereicht; er wird GC im Sommer verlassen. Die Berichterstattung in den Medien ist vernichtend. «Auf uns wird nur eingeprügelt», sagt Gurovits, «wir halten dagegen.»

    Was hat GC zu bieten ausser einem Liebhaberwert?

    Es gibt bei den Grasshoppers derart viele Baustellen, dass man gar nicht weiss, wo man mit Aufräumen anfangen müsste. Viele Fehler sind hausgemacht, weil es klar erscheint, dass man einen Fussballklub in der Schweiz genau so nie führen dürfte, wie es die chinesischen Besitzer tun. Wenn man sich mit Personen unterhält, die Einblick in die Vorgänge haben, ist zu befürchten, dass bald schon wieder ein CEO aus China eingestellt wird, der Land und Liga und Leute nicht einmal vom Hörensagen kennt.

    Und wenn ausländische Trainer wie der Deutsche Miroslav Klose gehandelt werden, lässt das wenig Gutes erahnen. Gurovits wägt seine Worte ab, die er für zitierfähig hält. Im Gespräch mit ihm erkennt man seinen Willen, die Besitzer in China davon zu überzeugen, endlich mehr Swissness im Unternehmen zu installieren.

    Eigentlich müsste jetzt die nächste Saison vorbereitet werden. Aber eben: Wer entscheidet über die Kaderplanung? Wer bestimmt den neuen CEO und den nächsten Trainer? Bill Pan, der als Fosun-Abgesandter ein paar Wochen in Zürich weilte, ist abgetaucht. Sky Sun soll nicht mehr für Fosun tätig sein.

    Längst haben die Besitzer eine Investmentbank damit beauftragt, mögliche Käufer zu suchen. Aber es ist pure Phantasie, wenn sie 30 bis 35 Millionen Franken als Kaufsumme aufrufen. Die GC-Stiftung rund um Gurovits besitzt ein Vorkaufsrecht.

    Eine Frage ist, was der Grasshopper Club überhaupt zu bieten hat. Der Verein hat einen Liebhaberwert, viel mehr nicht in der derzeitigen Verfassung. Doch es soll ernsthafte Interessenten geben, die einen Reiz darin sehen, den einstmals erfolgreichsten Klub des Landes zu alter Grösse zu führen. Vorerst aber hat die Abhängigkeit von Fosun und vom Partnerklub Wolverhampton vor allem dazu geführt, dass GC führungslos wirkt.


    Sie wurden vom Schicksal geprüft, nun jubeln sie als Meister

    Drei Menschen, drei Geschichten, drei Schicksale: Robert Mayer, Vincent Praplan und Tanner Richard machten schwierige Zeiten durch. Nun sind sie erstmals Meister.

    Angelo Rocchinotti

    Publiziert heute um 06:00 Uhr

    Und plötzlich wurden sie alle von ihren Emotionen übermannt: Robert Mayer stösst erst einen Schrei der Erleichterung aus, küsst dann seine Frau innig auf den Mund und legt seinen rechten Arm um ihre Schultern. Hin und wieder nimmt er einen Zug an seiner Zigarre und entschuldigt sich, wenn er seinem Gegenüber den Rauch ins Gesicht bläst.

    Ein paar Meter weiter entfernt verlangt Tanner Richard nach einer Dose Bier, um seiner trockenen Kehle Abhilfe zu schaffen. Und Vincent Praplan kämpft mit den Tränen. Dies ist die Geschichte von drei Menschen, drei Schicksalen – drei frischgebackenen Schweizer Eishockey-Meistern.

    Vincent Praplan: In Gedanken beim verstorbenen Vater

    Vor einem Jahr, damals war Praplan noch in Diensten des SCB, brach sein Vater Gérard, nur wenige Minuten nachdem er seinem Sohn von der Tribüne aus zugewunken hatte, auf dem Weg in die Tiefgarage zusammen. Er erlitt einen Hirnschlag und einen Herzinfarkt, war nicht mehr ansprechbar und verstarb fünf Tage später im Spital. Gérard Praplan war Vincents grösster Fan. Er sammelte Zeitungsartikel, schrieb nach jeder Partie Nachrichten, gratulierte oder versuchte aufzumuntern. Nun kommt im Moment des Triumphs alles wieder hoch.

    «Ich weiss, wie gern er das miterlebt hätte. Ich bin sicher, er schaut von irgendwoher zu und ist stolz auf uns», sagt der 28-Jährige mit gedrückter Stimme und feuchten Augen. «Ich habe mir vor dem Spiel sein Bild angesehen. Es ist schwierig, zu behaupten, man wisse, dass man gewinnen werde. Doch genau dieses Gefühl verspürte ich. Ich liebe ihn.»


    Der Walliser, der so viel durchmachen musste, mit Kloten abgestiegen war, sich danach in Übersee nicht durchzusetzen vermochte und in Bern nie glücklich wurde, war in der Qualifikation der stärkste Schweizer im Team. Praplan fand in Genf sein Glück. Und feiert den Moment mit seinen Liebsten auf dem Eis. Auch sein Bruder Philippe ist gekommen. «Ihn traf es am härtesten. Er war dabei, als mein Vater zusammengebrochen war. Wir stehen uns sehr nahe, haben viel darüber gesprochen.»

    Robert Mayer: Knochenbrüche, Sündenbock, Meister

    Emotionen zeigt auch Robert Mayer. Er lässt die Journalisten auflaufen, zieht sich in die Kabine zurück, sagt später entschuldigend: «Es war zu viel für mich. Ich brauchte einen Moment und musste meine Gedanken sammeln. Ich war wie in einem Tunnel.» Auch Mayers Geschichte bewegt.

    Mit vier Jahren kam der Torhüter als Einwandererkind aus Tschechien in die Schweiz. Er sprach kein Wort Deutsch, kehrte später noch einmal für zwei Jahre in seine Heimat zurück. Mayer fühlte sich nirgends richtig zu Hause, war ein Aussenseiter, wurde in der Schule gehänselt. «Scheiss-Tscheche», hörte er immer wieder. Halt fand er im Eishockey.

    Sein Grossvater arbeitete in Havirov als Eismeister, schickte ihn, um die Arbeit erledigen zu können, aufs Feld. So kam Mayer zum Sport. Der Keeper beschreibt sich als introvertiert, auf dem Eis aber stehe er gern im Mittelpunkt. Kommen in Ambri Gegenstände geflogen, schaut Mayer auch mal vergnügt ins Publikum. «Ich kann ein Showman sein», sagt der 33-Jährige. «Emotionen sind etwas Schönes. Und schliesslich sind wir doch im Showbusiness tätig.» Seine Frau lächelt. Und ergänzt: «Zu Hause aber bin ich der Showman.»

    Auch Mayers Karriere war immer wieder von Rückschlägen geprägt. Mangels Perspektiven wechselte er mit 17 Jahren nach Kanada, ohne Ausbildung, aber mit dem Ziel, sich als Profi durchzusetzen. Zwei Jahre später wurde er ungewollt Vater, hatte den Druck, es im Sport schaffen zu müssen, und fiel in eine Art Depression. Der Tiefpunkt: Im Sommer 2017 krachte er mit einem Quad mit 80 km/h gegen einen Baum, sechs Rippen brachen, dazu der Ansatz von zwei Rückenwirbeln und das Schulterblatt. Hinzu kamen ein Loch in der Lunge und Quetschungen im Magen. Statt sich sofort ins Spital zu begeben, ging er zuerst nach Hause und duschte. Hätte er eine Stunde länger gewartet, so sagen die Ärzte, wäre er innerlich verblutet.

    «Hätte ich zehn Partien mehr bestritten, wäre ich auf gleicher Ebene wie Simon Hrubec und Harri Säteri gestanden.»
    Robert Mayer

    Die sportliche Talsohle erlebte Mayer 2021, als er in Davos trotz eines Vierjahresvertrags nach dem Out im Pre-Playoff gegen Bern zum Sündenbock gestempelt wurde. «Vielleicht war es Schicksal», mutmasst Mayer heute. «Ich bin froh, habe ich in Genf noch einmal eine Chance erhalten.» Bereits zwischen 2014 und 2020 lief der Keeper für die Grenats auf. Genf ist sein Zuhause geworden. Hier lernte er seine Frau kennen. Hier kam sein zweiter Sohn Gabriel (2) zur Welt.

    Auch sportlich fand Mayer den Tritt wieder. Die ersten drei Playoff-Partien wurde ihm noch Gauthier Descloux vorgezogen, doch dann kam Mayer, wuchs über sich hinaus und gab seinen Platz nicht mehr her.

    Den Schlusspunkt im Viertelfinal gegen Lugano setzte er mit einem Schuss ins verlassene Gehäuse gleich selbst. «Ich habe die ganze Saison über gut gespielt», sagt der Goalie selbstbewusst. «Hätte ich zehn Partien mehr bestritten, wäre ich auf gleicher Ebene wie Simon Hrubec und Harri Säteri gestanden. Ich wusste, dass ich alle schlagen kann.»

    Tanner Richard: Er will wieder auf dem Tresen tanzen

    Mit wem man auch spricht, alle loben beim Meister den Teamgeist. Es habe nie eine Rolle gespielt, wer zu wie vielen Einsätzen gekommen sei. Alle hätten nur auf dieses eine Ziel hingearbeitet. Jeder Einzelne sei ein Leader. Praplan, der neu dazu stiess, sagt, er habe sich vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt. «Wir stehen uns nah, verbrachten auch die freien Tage zusammen. Wir lieben uns.»

    Tanner Richard, der bis auf acht Einsätze bei den Lakers hierzulande ausschliesslich für die Genfer spielte, mag keine Vergleiche mit anderen Teams ziehen. Eishockeyspieler seien von Natur aus «gute Typen». Und dennoch gibt er zu verstehen: «Ich kenne so viele Spieler, die uns verlassen haben und hinterher sagten, es sei nicht mehr dasselbe.»

    Auch für Richard, der einst von der Sportschule flog, weil er alles besser zu wissen glaubte und morgens zu spät zum Unterricht erschien, ist es der erste Meistertitel. Abermals kommt er auf den Beginn des Sommertrainings, just am Tag des Finalauftakts vor einem Jahr, zu sprechen. Er sagt: «Ich spiele nicht Eishockey, um im Kraftraum zu sitzen. Ich spiele Eishockey, um Momente wie diese erleben zu können. Es stank uns, morgens im Kraftraum zu schuften und abends den Final zu verfolgen. Also sagten wir uns: ‹Nächste Saison sollen die anderen uns zuschauen.›»

    Intern habe man immer vom Meistertitel gesprochen. Doch um sich nicht unnötig Druck aufsetzen zu lassen, habe man darauf verzichtet, dies nach aussen zu tragen, verrät der ehemalige ZSC-Verteidiger Roger Karrer. «Wir wollten etwas Grosses schaffen. Pour Genève, pour l’histoire», so der Zürcher. «Als ich vor vier Jahren bei Servette unterschrieben habe, wusste ich nicht, was mich erwartet. So viele Leute haben mir gesagt: ‹In Genf gewinnst du sowieso nie einen Titel.›» Er spricht von der Euphorie, von Nachbarn, die mit den Spielern reden und ihnen Glück wünschen wollten. Von den Trams, die mit Servette-Flaggen geschmückt waren.

    «Als ich bei Servette unterschrieben habe, wusste ich nicht, was mich erwartet. So viele Leute haben mir gesagt: ‹In Genf gewinnst du sowieso nie einen Titel.›»
    Roger Karrer

    «Wir verfügen über viel Talent, doch wir haben noch viel mehr Herz und Eier. Jetzt weiss es die ganze Schweiz. Es hiess, wir seien Welsche, wir seien weich und könnten es nicht. Nun haben wir die Antwort geliefert», meint Richard.

    Vor fünf Jahren gab der 30-Jährige nach dem einzigen Sieg im Viertelfinal gegen Bern auf dem Tresen der Supporter-Bar seine Tanzkünste zum Besten. Ein Video der Szene landete beim Boulevard und wurde genüsslich ausgeschlachtet. Nun sagt Richard keck: «Sie können sicher sein, dass Sie mich nun auf derselben Bar wieder sehen werden. Damals war es nicht der richtige Moment. Nun gibt es viel bessere Gründe.»

    In Genf dürften die Feierlichkeiten noch lange andauern. 118 Jahre musste sich die Stadt bis zum ersten Titel gedulden. Nun soll der Moment voll ausgekostet werden.

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    Ahhh hier noch der rest vom Tect, sorry

    Es hat im Schweizer Eishockey schon Zufallsmeister gegeben, das ist Teil des Reizes des Play-off-Modus. Der Titel von Servette aber hat nichts Beliebiges. Niemand sonst hatte bessere Ausländer. Und es war eindrücklich, wie weit das Sextett diese Mannschaft tragen konnte. Servette stellte die beste Offensive der Liga, das beste Powerplay, es gewann am meisten Bullys und war das erfolgreichste Auswärtsteam. Der Lohn war der Qualifikationssieg. Und dann der Meistertitel, der erste in der 118-jährigen Klubgeschichte.

    Der Titel wird etwas auslösen in Genf, in der Romandie, dieser in den grossen Schweizer Publikumssportarten im 21. Jahrhundert fast vergessenen Region. Es mussten fünf Jahrzehnte ins Land ziehen, bis nach La Chaux-de-Fonds wieder ein welsches Team Meister wurde. Im Fussball liegt der letzte Titel für die Romandie 24 Jahre zurück. Ein Gewinn der Meisterschaft hat das Potenzial, eine ganze Generation nachhaltig zu beeinflussen, er kann dem Sport neues Publikum zuführen, auf den Rängen und in den Juniorenteams. Für den Genfer Nachwuchs, dank seiner Anziehungskraft bis hinüber nach Frankreich schon jetzt einer der besten im Land, sind das verheissungsvolle Perspektiven.

    Die Vision von sieben verschiedenen Meistern innerhalb der nächsten 20 Jahre kann wahr werden

    Der Erfolg von Servette dürfte Nachahmer auf den Plan rufen. Jetzt, wo offiziell klar ist, dass kein Grund mehr zur Ehrfurcht vor den Dominatoren der letzten zwei Dezennien besteht. Besonders Gottéron muss es ermutigen, dass man auch dann Meister werden kann, wenn man mehr als 100 Jahre lang nichts gewonnen hat.

    Patrick Lengwiler, der CEO des EV Zug, hat im Jahr 2020, vor den zwei Meistertiteln seines Klubs, im Rahmen einer Liga-Reform unter anderem für eine Lohnobergrenze geweibelt. Sie scheiterte am Widerstand des ZSC, in dem die Verantwortlichen Transparenz offenbar scheuen, weil sie womöglich in Erklärungsnot geraten würden, wären alle Ausgaben offengelegt. Lengwiler sagte damals: «Das Beste, was dieser Liga passieren kann, wären in den nächsten 20 Jahren sieben verschiedene Meister.»

    Nun haben es mit Zug und Genf innert dreier Jahre zwei Teams ganz nach oben geschafft, die diesen Moment sehr lange herbeigesehnt hatten. Es ist ein guter Anfang, der Nachweis, dass diese Liga nicht nur in Bern und Zürich funktioniert. Sondern in allen Landesteilen, in Dörfern, Bergtälern und eben auch in Genf, dieser mondänen Metropole, die jahrzehntelang ein bisschen vergessen hatte, dass sie überhaupt einen Eishockeyklub beherbergt. Nun war sie es, die einen rauschhaften Play-off-Frühling erlebte, der am Donnerstag in einer einseitigen Belle sein Ende fand. 4:1 siegte Servette, die Ausländer erzielten sämtliche Treffer – natürlich sie. Womöglich waren diese Play-offs nicht weniger als die Geburtsstunde eines neuen Selbstbewusstseins von Genf als Sportstadt.

    Der Parität sei Dank, diesem im modernen Sport so raren und flüchtigen, gerade deshalb aber unendlich kostbaren Gut.

    Der Reiz der Parität: Wieso der Meistertitel von Genf/Servette ein Segen für das Schweizer Eishockey ist

    Genf/Servette ist erstmals Schweizer Eishockey-Meister
    Genf/Servette gewinnt die Belle gegen den EHC Biel mühelos 4:1 und ist erstmals Schweizer Meister. Der Titelgewinn der Genfer zeigt exemplarisch, wieso die…
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    Der Reiz der Parität: Wieso der Meistertitel von Genf/Servette ein Segen für das Schweizer Eishockey ist

    Genf/Servette gewinnt die Belle gegen den EHC Biel mühelos 4:1 und ist erstmals Schweizer Meister. Der Titelgewinn der Genfer zeigt exemplarisch, wieso die Chancengleichheit im Sport das kostbarste Gut bleibt.

    Genf/Servette ist Meister. Ein würdiger, logischer Champion. Und am Ende dieser möglicherweise gehaltvollsten Meisterschaft in der Geschichte des Schweizer Eishockeys lässt sich festhalten: Das Produkt National League ist besser denn je; ein wichtiger Teil seiner Anziehungskraft ist die Parität.

    Man hätte sich in diesem Jahr mit Genf, Biel, Davos, Zürich, Gottéron und vor der Saison sogar noch Lugano, Lausanne und Bern acht Teams als Meister vorstellen können, ohne dafür einen Grad an Selbstverleugnung zu betreiben, der einen nicht mehr in den Spiegel blicken lässt. Die Aufstockung auf 14 Teams und sechs Ausländer hat die besten Teams des Landes näher zusammenrücken lassen. Die Budget-Unterschiede bei den Titelkandidaten liegen bei knapp einer Million Franken. Und nicht bei 25 wie im Fussball.

    Die Konsequenz war eine Meisterschaft, in der sich die Rivalen auf Augenhöhe begegneten, ein Winter, in dem vielerorts sanft geträumt werden durfte. Es wäre töricht, zu unterschätzen, wie essenziell das ist. Gerade im Vergleich zum Fussball, in dem die Young Boys schon mit verbundenen Augen hätten auflaufen müssen, um angesichts der durch Europacup- und Transfereinnahmen erspielten erdrückenden finanziellen Überlegenheit halbwegs in Gefahr zu geraten, nicht Meister zu werden.

    Die National League ist ein attraktiver Arbeitgeber für Spieler von herausragendem internationalem Format

    Die Spiele der National League zogen 2,55 Millionen Menschen an, durchschnittlich mehr als 7000 Zuschauer pro Partie. Das Niveau war hoch, das Tempo enorm, es gab Weltmeister und Olympiasieger zu bestaunen, Akteure von internationalem Format. Das ist noch ein Vorteil des Eishockeys, das global gesehen ein Nischenprodukt darstellt.

    Deshalb kann man in der Schweiz Teemu Hartikainen tanzen, Jan Kovar skoren und Harri Säteri hexen sehen. Die National League ist für solche Spieler nach der NHL die zweitattraktivste Liga der Welt, das ist einer der Nebeneffekte des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine: Im Gegensatz zur KHL bieten die Schweizer Klubs neben üppigen Salären auch sichere Arbeitsplätze und familienfreundliche Bedingungen. In der Super League im Schweizer Fussball hingegen zahlt man auf der Haupttribüne teilweise 80 Franken Eintritt. Und dann spielen Moritz Bauer und Kevin Fickentscher.

    Die Parität in der National League war lange eine Propagandalüge. Landauf, landab sprachen die Manager davon. Aber am Ende hiess der Meister nach der Jahrtausendwende doch immer ZSC, Bern oder Davos. In Zürich war Geld dank dem grosszügigen Mäzen Walter Frey nie ein Problem, Bern finanzierte etliche Meisterteams mit seinem Publikumszuspruch und einem über Jahre aufgebauten Gastronomie-Imperium. Davos hat den Spengler-Cup und solvente Gönner aus dem Unterland.

    Servette geht eine teure Wette ein – und holt den Jackpot

    Längst aber haben andere Teams den Anschluss hergestellt. In Freiburg, Lausanne, Ambri und Biel stehen neue Arenen, die die finanziellen Realitäten dieser Teams verschoben und den Rückstand kleiner gemacht haben. Die Denkfabrik EV Zug hat sich unter dem Milliardär Hans-Peter Strebel als eine der Vorzeigeorganisationen Europas etabliert. Und Genf/Servette hat das Portemonnaie von Rolex und die Gunst der Stunde genutzt.

    Der Sportchef Marc Gautschi, ein zurückhaltender, fast unscheinbarer Berner, hat besser als alle anderen Entscheidungsträger in der Branche erkannt, wie wichtig die zwei zusätzlich erlaubten Ausländer sein werden. Er engagierte den Finnen Hartikainen und den Schweden Omark, zwei beste Freunde, die sich im Herbst der Karriere fast nach Belieben durch die gegnerischen Abwehrreihen kombinierten. Sie komplettierten ein Kontingent, zu dem bereits Henrik Tömmernes, Sami Vatanen, Daniel Winnik und Valtteri Filppula gezählt hatten, Spieler erster Güte. Es war eine teure Wette, die Servette eingegangen ist. Aber sie brachte den Jackpot.