Beiträge von Ouimet

    Konkurse, Prügeleien, Verschwörungstheorien – der Kultclub ist zurück

    Die Unterwalliser spielen nächste Saison wieder in der Swiss League. Der Verein ist so etwas wie der Wilde Westen im Schweizer Eishockey.

    Der HCV Martigny – gegen jede Logik schafft es dieser Verein, nicht von der Bildfläche zu verschwinden. 1999: freiwilliger Abstieg in die 1. Liga wegen Geldsorgen und Verschwörungstheorien. 2008: erster Konkurs. 2017: wieder Bankrott. Und jetzt? Sind die Unterwalliser abermals in die Swiss League aufgestiegen, das einst so stolze Arosa hatte im Direktduell das Nachsehen.

    Martigny, das ist so etwas wie der Wilde Westen im Schweizer Eishockey. Vor allem wegen René Grand, der vor der Jahrtausendwende über ein Jahrzehnt lang den Verein führte und dabei an Christian Constantin erinnerte. 22-mal wurde der Trainer entlassen, einer erhielt gar während einer Drittelspause den blauen Brief, trotz vorzüglichem Saisonstart, aber weil das Team in Lausanne 1:4 hinten lag. Grand übernahm das Kommando – die Partie endete 7:4. Auch Kent Ruhnke stand in Martigny einst an der Bande; er machte sich bei Nacht und Nebel aus dem Staub, der Legende nach liess er den vom Club zur Verfügung gestellten Wagen mit laufendem Motor am Flughafen stehen.

    Ein Tennisstar und ein Musiker

    Malermeister Grand träumte von der NLA und führte den Verein grandios grantig, er wütete wie einst Sonnenkönig Louis XIV in Frankreich. Es gab keinen Vorstand, keine Generalversammlung, oft auch keine Erfolgsrechnung. Da war nur er – und so wirbelte er nach eigenem Gutdünken. Grand beleidigte Schiedsrichter, prügelte sich mit ehemaligen Spielern, lieferte sich einen Boxkampf mit einem gegnerischen Trainer, warf den Deutschschweizer Clubs vor, Spiele zu kaufen. Und hatte verrückte Ideen: 1998 wollte er den zurückgetretenen Tennisstar Jakob Hlasek, der als Junior auch auf Kufen als Talent gegolten hatte, lizenzieren. Zu mehr als ein paar Probetrainings und einem Medien-Tamtam kam es jedoch nicht.

    Das Geld ging selbst unter seiner Führung aus, wie so oft im Kultverein. Dieser fand weit nach der Ära Grand auch mit einer unheiligen russischen Allianz sein Glück nicht, die Investoren suchten sich bald ein neues Spielzeug und zogen weiter. Nach dem letzten Zusammenbruch vor sechs Jahren dümpelte Martigny in der 2. Liga herum, einige Fusionen und ein Gastspiel des Musikers Bastian Baker später – er absolvierte 2020 vier Partien in der drittklassigen Myhockey League – ist der Club zurück im professionellen Schweizer Eishockey. Als einer von drei Walliser Vertretern neben Visp und Sierre.

    Stellt sich die Frage: Für wie lange?

    Aus der NZZ

    Morddrohungen und

    Schmähgesänge

    In den Play-offs fallen im Umgang mit Schiedsrichtern weitere Tabus. Die

    Eishockeywelt scheint in einer Zeitkapsel gefangen zu sein. Von Nicola Berger

    Die Entschädigung für einen

    Headschiedsrichter im Play-off

    beträgt 920 Franken. Übelste

    Beschimpfungen und Drohungen gibt es extra.

    Vor knapp zwei Wochen erreichte die Schiedsrichterabteilung von Swiss

    Ice Hockey eine E-Mail, in der unter anderem

    steht: «Euch sollte man nur noch in den Kopf

    schiessen.» Gegen den Verfasser ist inzwi-

    schen bei der Kantonspolizei Zürich Straf-

    anzeige erhoben worden.

    Die Morddrohung ist kein Einzelfall. In un-

    schöner Regelmässigkeit sehen sich Offizielle

    mit Nachrichten konfrontiert, die sprachlos

    machen; die Rede ist von vier bis fünf Fällen

    pro Monat. Vor drei Jahren nahmen die Behör-

    den Gewaltandrohungen gegen einen Berner

    Schiedsrichter so ernst, dass er an seinem

    Wohnsitz unter Polizeischutz gestellt wurde.

    Ein Schiedsrichter sagt: «So schlimm wie in

    letzter Zeit war es noch nie.»

    Die National League zieht pro Saison mehr

    als zwei Millionen Zuschauer an, sie ist ein

    Schweizer Kulturgut, das in den urbanen Zen-

    tren von Zürich und Genf ebenso funktioniert

    wie in der Peripherie, in Ambri, Pruntrut und

    Langnau. Sie ist ein verbindendes Element für

    eine weisse Mittelschicht im Land.

    Es gibt kein nennenswertes Gewaltprob-

    lem, Ausschreitungen sind selten. Exzesse

    wie die «Schande von Lugano» 2001, als ein

    Mob eine geordnete Pokalübergabe an die ZSC

    Lions in der Resega verhinderte, wirken wie

    Reminiszenzen aus einem anderen Leben. Of-

    fenkundig mangelt es im Dunstkreis der Liga

    aber trotzdem nicht an hochproblematischem

    Verhalten. Und regelmässig sind es die

    Schiedsrichter, die darunter leiden.

    Krudeste Verschwörungstheorien

    Die Frage ist, wo man die Grenze ziehen will.

    Ob erst bei Morddrohungen oder bei all den

    anderen, vielfältigen verbalen Attacken. Das

    beginnt bei Funktionären, welche die Schieds-

    richter im Stadionumfeld mit Verbalinjurien

    eindecken, im nächsten Atemzug aber von

    «Werten» fabulieren, von Anstand und

    Respekt. Beim Verhalten von Spielern wie

    Benjamin Antonietti, einem Stürmer von

    Genf/Servette, der am Freitag mit Gestik sug-

    gerierte, die Referees seien blind. Antoniettis

    Team führte zu diesem Zeitpunkt 5:1, es blie-

    ben drei Minuten zu spielen.

    Es gibt Trainer, die sich teilweise in krudes-

    te Verschwörungstheorien verstricken, um

    von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzu-

    lenken. Oder Schiedsrichter weit unter der

    Gürtellinie beschimpfen, so wie das der ZSC-

    Trainer Marc Crawford im Februar getan hat,

    der den finnischen Referee Mikko Kaukokari

    «Schwanzlutscher» nannte. Und es geht wei-

    ter bei der Wortwahl auf den Rängen.

    Am Donnerstag läuft das erste Drittel zwi-

    schen dem HC Davos und den ZSC Lions, Play-

    off-Viertelfinal, als die Davoser Ostkurve nach

    einem ihr nicht genehmen Schiedsrichterent-

    scheid skandiert: «Am Schiri sini Mueter isch

    e Maa», aus Hunderten Kehlen. Es ist ein Ge-

    sang, der im Schweizer Eishockey Tradition

    hat, in Zug etwa wurde jahrelang eine abgeän-

    derte Version an den ZSC-Captain Mathias

    Seger gerichtet. Es ist verblüffend, dass sich

    bis heute, im Jahr 2023, nichts geändert hat.

    Unter dem Deckmantel der Konvention wird

    auf auffallend unoriginelle Weise Homopho-

    bie zum Ausdruck gebracht. Man kann das

    bagatellisieren und kleinreden, was die Vor-

    fälle aber nicht appetitlicher macht.

    Crawford ist für seine Entgleisung richtiger-

    weise gesperrt und gebüsst worden. Die Frage

    ist, wieso die Liga die Klubs in solchen Fällen

    für das Verhalten ihres Anhangs nicht eben-

    falls bestraft. Der Liga-Manager Denis Vaucher

    wiegelt ab. Er sagt: «Bei vulgären Gesängen ist

    es nicht möglich, die Anstifter eindeutig aus-

    findig zu machen. Es wäre unverhältnismäs-

    sig, für alle Beteiligten Kollektivstrafen auszu-

    sprechen.»

    Dann ergänzt er: «Wir greifen bei Gewalt,

    Pyromanie, Sachbeschädigungen und Bier-

    würfen konsequent durch und verhängen in

    Zusammenarbeit mit den Klubs sofort Sta-

    dionverbote. Allein in dieser Saison sind 92

    Stadionverbote ausgesprochen worden. Die

    Vereine sind zudem angehalten, gemeinsam

    mit ihren Fan-Delegierten darauf hinzuwir-

    ken, dass diskriminierende Gesänge mög-

    lichst verhindert werden.»

    Im Sommer werde das Thema im Rahmen

    des jährlichen Weiterbildungskurses mit den

    Fan-Delegierten und den Sicherheitsverant-

    wortlichen behandelt, so Vaucher. Zielsetzung

    im Sinne der Prävention sei es, eine noch hö-

    here Sensibilisierung bei allen Beteiligten her-

    beizuführen.

    Es ist bemerkenswert, dass das nicht längst

    geschehen ist. Doch der Davoser Klubpräsi-

    dent Gaudenz Domenig hat eine entwaffnend

    einleuchtende Erklärung dafür, er sagt: «Wir

    wollen solche Äusserungen nicht tolerieren.

    Aber bisher war die Haltung ein bisschen so,

    dass die Klubs nicht so genau hinhören, was

    eigentlich gesungen wird. Hauptsache, die

    Stimmung ist gut.»

    Der nächste Eklat ist nicht weit

    Ein Teil des Reizes eines Stadionbesuchs be-

    steht darin, Emotionen zu erleben, zu feiern

    und zu fluchen. Man kann auf den Tribünen

    Worte benutzen, die zu Hause nie fallen wür-

    den. Aber es ist erstaunlich, wie viele Men-

    schen vergessen, worum es sich beim Eisho-

    ckey handelt: einen Sport, Showbusiness. Und

    keine Angelegenheit, in der es um Leben und

    Tod geht. Um Ruhm und Ehre vielleicht, um

    Geld und Jobs. Doch es hat etwas Unwürdiges,

    was sich in diesen Wochen abspielt.

    Die Morddrohungen sind eine hässliche

    Fratze, das nicht zu entschuldigende Ende der

    Spirale. Aber wer mit verbalen Entgleisungen

    stetig die Grenzen des Sagbaren verschiebt,

    trägt eine Mitschuld. Ein Referee sagt: «Wir

    führen jeden Sommer die gleichen Diskussio-

    nen. Alle zeigen Einsicht und geloben Besse-

    rung. Und am ersten Spieltag ist alles wieder

    vergessen.» Das Play-off dauert noch knapp

    einen Monat. Es wird einen Meister geben und

    viele Enttäuschungen. Für die Schiedsrichter

    bedeutet das die Gewissheit, dass der nächste Eklat nicht weit weg ist.

    Merci für die Nummer, gemäss Auskunft haben sie bis 15 Minuten vor Spielbeginn geöffnet.

    Gehört halt für mich für die 2 Sachen die im Hasta wesentlich besser waren….

    Fanshop (wenn auch klein) im Stadion

    Bar im Stadion und man konnte um 19:50 zu seinem Platz. Klar die 1930 ist um Welten besser aber da muss ich um 19:30 (lustige Verdoppelung) raus da ich nicht weiss wie lange ich anstehen muss beim Eingang.

    Ich meine das auch ernst. Natürlich ist auch bisschen sowas wie Aberglaube dabei, weil er DER Oberklöti ist und das Pech bringt. Aber jeder der schon mal Teamsport betrieben hat, weiss dass es Spieler gibt die wenns zählt psychisch nichts „reissen“. Und ich glaube so einer ist er. Ein Charakterschwacher.

    Fun Fact: Wenn Wick noch eine Saison angehängt hätte, würden 50% der Leibchen von Spielern an der Decke in der SLA hängen die eine Kloten Vergangenheit haben.

    Und die Spieler wollen halt in der Gegend bleiben, haben evtl ein Haus oder und Familie in der Gegend. Da bleibt nur Zürich oder Zug.

    Verewige Dich! 🤩 🦁

    Auf der Terrasse der Swiss Life Arena stehen rund 50 in den Boden eingegossene Ringe. Bereits über 1500 Fans sind mit Namen eingraviert, unter anderem auch Sven Andrighetto, Chris Baltisberger und der ZSC-Fanclub Sealions. Kosten für Privatpersonen 400 Franken und für Firmen 1000 Franken. Erwerbe jetzt Deine Namensgravur online und lass Dich auf den Bodenplatten für alle Zeiten verewigen!

    → swisslifearena.ch/homeofyou

    #deZischmeh #mirsindzüri

    Stürmer Denis Hollenstein hat sich im dritten Viertelfinal-Spiel gegen Davos einen doppelten Sehnenriss zugezogen. Der 33-Jährige ist bereits operiert worden und fällt für den Rest der Saison aus

    Denis Hollenstein bestritt in der Saison 2022/23 total 45 Meisterschaftsspiele für die ZSC Lions und erzielte dabei 24 Skorerpunkte (zwölf Tore, zwölf Assists).

    Us de hütige NZZ

    Der ewige Aussenseiter
    Kein Verein im Schweizer Eishockey holt so viel aus seinen Möglichkeiten heraus wie die Rapperswil-Jona Lakers. Doch der finale Sprung an die nationale Spitze ist schwierig. Von Nicola Berger, Zug

    Als die Rapperswil-Jona Lakers am Freitagabend im Play-off-Viertelfinal den Meister Zug herausfordern, steht kein Schweizer Verteidiger der Lakers länger auf dem Eis als Fabian Maier. Und eigentlich ist damit alles darüber gesagt, wo dieser Klub herkommt. Und wo er heute steht. Maier, 31, ist 2016 zu den Lakers gestossen. Mit 22 war er noch in die 1. Liga zurückgestuft worden. Und bis 25 verdiente er in der Swiss League bei Thurgau so wenig, dass er daneben als Polymechaniker arbeitete, um irgendwie über die Runden zu kommen. Sein Vater Roger, damals bei den Lakers für die Kaderzusammenstellung zuständig, holte ihn nach Rapperswil. Die Hoffnung war, dass aus ihm ein Ergänzungsspieler werden kann, ein Abräumer, der wenig kostet und nicht murrt, wenn er kaum spielt.

    Unerschrocken und selbstlos

    Sieben Jahre später ist aus Maier einer der härtesten, zuverlässigsten Defensivverteidiger im Schweizer Eishockey erwachsen. Bestimmt gibt es Spieler mit mehr Raffinement, mit schnelleren Beinen. Aber Maier, 185 Zentimeter gross und 94 Kilogramm schwer, ist ein Turm von Mann, einer, der sich mit Beharrlichkeit nach oben gearbeitet hat. Jeff Tomlinson, der ehemalige Lakers-Trainer, sagt über Maier, er sei «ein Krieger». Es ist eine unglückliche Wortwahl für jemanden, der für Geld einem Puck hinterherrennt und nicht auf einem Schlachtfeld mordet. Aber was der Kanadier damit meint, sind Maiers Tugenden: Unerschrockenheit, Selbstlosigkeit, eine hohe Schmerztoleranz.

    Es ist selten, dass es einer von der Resterampe der Swiss League nach ganz oben schafft, bei den Lakers ist er einer von nur vier Spielern, die aus dem Team von 2016/17 noch übriggeblieben sind. Nach der 3:4-Niederlage in Zug steht Maier im Kabinengang und sagt: «Ich hätte mir das eigentlich selber nicht zugetraut. Aber es gibt eine ansteckende Dynamik im Klub. Von der Garderobe bis zur Geschäftsstelle wollen alle besser werden und ziehen an einem Strang.» Schon ein paar Mal wähnte man Maiers Zenit erreicht, stets erwies sich das als Trugschluss. Er ist so etwas wie die Antithese zum Peter-Prinzip, einer These aus der Wirtschaft, die besagt, dass man in einem Unternehmen so lange aufsteigt, dass man unweigerlich irgendwann das Level der Inkompetenz erreicht. Was Maier zur perfekten Symbolfigur für diese Lakers macht. Ein Team, das als Saisonziel das Erreichen der Pre-Play-offs ausgab, Platz 10, und auf den dritten Rang stürmte. Neben dem EHC Kloten und Biel war Rapperswil die positive Überraschung dieser Qualifikation.

    Die Lakers waren das schon 2021/22, nach dem Einzug in den Play-off-Halbfinal von 2021 haben sie im dritten Jahr in Folge alle Erwartungen übertroffen. Es wird exzellent gearbeitet am Obersee, die Finanzen sind im Lot, und der junge Sportchef Janick Steinmann hat geschickt einen Schwall an Juniorennationalspielern verpflichtet und damit für kleines Geld die Kaderqualität substanziell erhöht. Das Aushängeschild Roman Cervenka, ein ehemaliger NHL-Profi, ist im stattlichen Alter von 37 gerade zum zweiten Mal in Folge Liga-Topskorer geworden. Und der riskante Trainerwechsel von Tomlinson zum Schweden Stefan Hedlund vom Sommer 2021 hat sich als richtiger Entscheid entpuppt. Auch Hedlund ist einer, der sich aus den Niederungen emporgearbeitet hat: Er startete als Coach im Nachwuchshockey und jobbte nebenbei als Sportlehrer an einem Gymnasium.

    Er sagt, es habe ihn überrascht, dass die Lakers ihm einen Vertrag angeboten hätten: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei einem National-League-Team ernsthaft ein Thema sein könnte. Es gibt so viele gute Trainer auf der Welt.» Er krempelte die Trainingsgestaltung radikal um, damit die Spieler fit genug für seine sehr aggressive Spielweise werden. Gerade hat er die inoffizielle Wahl zum «Coach des Jahres» gewonnen. Die grosse Frage ist nur, wie die Lakers den nächsten Schritt machen wollen. Der Selbstoptimierungsprozess ist abgeschlossen, es ist kaum vorstellbar, dass sich aus dieser Mannschaft noch mehr herauspressen lässt. In der Play-off-Serie gegen Zug tritt das Team zwar als Drittplatzierter gegen den Sechsten an, ist aber klarer Aussenseiter. Es wirkt wie das ungleiche Duell gegen den eigenen grossen Bruder, was als Analogie auch darum Sinn ergibt, weil Hedlund und der Sportchef Steinmann beide Teile ihrer Ausbildung in Zug absolvierten.

    Eine Strategie der Vernunft

    Aber es geht voran im Verein, die Lakers haben ihren Zuschauerschnitt in diesem Winter um fast tausend Besucher gesteigert. Das Budget für die erste Mannschaft bleibt nach heutigem Stand in der kommenden Saison gleich, der Klub will in den Unterbau investieren. «Wir wollen organisch wachsen und Schritt für Schritt nehmen», sagt der langjährige Präsident und heutige Verwaltungsrat Konrad Müller. Es ist eine Strategie der Vernunft, aber sie bedeutet auch, dass die Lakers dem Pre-Play-off näher sind als einer Finalqualifikation. Sie müssen aufpassen, nicht Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden. Sie wären nicht der erste Klub, in dem die Erwartungshaltung nach fetten Jahren ins Unermessliche steigt. Müller jedoch sagt: «Wir haben eine gute Community mit Leuten, die realistisch sehen, wo wir stehen.»

    Budgettechnisch dürfte das ziemlich exakt Platz 10 sein. Was zur Konsequenz hat, dass der Klub auf dem Transfermarkt Tauziehen gegen zahlungskräftigere Klubs verliert, bei Dominik Egli (zu Davos) und Marco Lehmann (nach Bern) war das so. Die Vertragsverlängerung mit dem erst im Spätsommer 2022 zu den Lakers gestossenen Tyler Moy, jenem Schweizer Spieler, der 2022/23 ligaweit die meisten Punkte sammelte, war ein Achtungserfolg. Das überschaubare Budget bedeutet auch, dass in entscheidenden Momenten Fabian Maier auf dem Eis steht. Und nicht ein gestandener Nationalspieler mit einem Salär von mehr als 700 000 Franken wie Raphael Diaz bei Gottéron, Mirco Müller bei Lugano oder Dean Kukan beim ZSC. Maiers jüngerer Bruder führt in einem Dorf im tiefsten Thurgau seit 2016 einen Bauernhof, der Verteidiger hilft dort immer mal wieder im Stall aus und besitzt eine kleine Kuhherde. Was die Symbolik verschärft: dass in diesem Play-off kein Kollektiv so geerdet ist wie das der Lakers.

    Muess Credit Suisse Super League - bald ein neue Sponsor sueche?

    Us de NZZ a/S

    Den Partnern im Sport droht ein Kahlschlag
    Von Roger Federer über die Fussballnati bis zur Sporthilfe: Die Credit Suisse ist mit ihrem breiten Engagement ein wichtiger Partner des Schweizer Sports. Doch dessen Ansprüche stehen nun weit unten auf der Prioritätenliste. Von Sebastian Bräuer

    So sprunghaft die Credit Suisse in den vergangenen Jahren Geschäftsstrategien über den Haufen warf, so unkontrolliert sie sich in Skandale verstrickte, so aktionistisch sie sich zuletzt gegen das Abwandern ihrer Kunden stemmte – auf eines war stets Verlass. Immer war die Bank ein verlässlicher Partner des Sports. Millionensummen kamen Jahr für Jahr Veranstaltern, Athleten und Verbänden zugute, gerade auch in schwierigen Zeiten. Ein Beispiel: Ausgerechnet im November 2020, als der Sport wegen der Covid-Pandemie vor einer ungewissen Zukunft stand, wurde die CS zur Titelsponsorin und Namensgeberin der Super League.

    Gemäss Insidern will sich die Bank das Engagement in der obersten Schweizer Fussballliga in den vier Saisons von 2021 bis 2025 insgesamt 30 Mio. Fr. kosten lassen. Das ist mehr, als die Vorgängerin Raiffeisen in Zeiten vollerer Stadien investiert hat. Die Kooperationen mit individuellen Athleten überdauern unterdessen den kurzen Zeitraum, in dem diese ihren Zenit erreichen. Als der Tennisspieler Roger Federer 2021 vor dem Rücktritt stand, versicherte eine CS-Sprecherin auf Anfrage der «NZZ am Sonntag», dieser werde auch künftig unterstützt.

    «Langjährige und nachhaltige Engagements stehen bei uns im Vordergrund», sagte die Sprecherin. «Die Partnerschaft zwischen Roger Federer und der Credit Suisse ist langfristig ausgelegt und wird über seine Tenniskarriere hinaus bestehen.»

    Auch der Nachwuchs profitiert

    Die Sponsorings beschränkten sich zudem nie auf den Spitzensport. Davon zeugen die Wollmützen des Vorgängerinstituts Schweizerische Kreditanstalt, welche im ganzen Land zum Kulturgut wurden, weil unzählige Kinder mit dem wärmenden Kleidungsstück in ihre Skilager reisten. Auch heute unterstützt die CS nicht nur Stars, sondern mit der Stiftung Schweizer Sporthilfe auch Talente in Randsportarten, etwa die Orientierungsläuferin Simona Aebersold, den Eisschnellläufer Livio Wenger und die Karateka Elena Quirici. Im Vertrag mit dem Schweizerischen Fussballverband, der das Sponsoring sämtlicher Nationalteams der Frauen und Männer einschliesst, ist explizit festgehalten, dass die Hälfte des Geldes in den Nachwuchs fliessen soll.

    Die Aktivitäten sind breit gestreut. Im Golf engagiert sich die CS am European Masters in Crans-Montana, im Reitsport ist sie eine Hauptsponsorin des CHI Genf und des White Turf in St. Moritz. Diese Strategie lässt nur einen Schluss zu: Im Sport fühlte sich die Bank so sehr dem Allgemeingut verpflichtet, wie das von einem Geldhaus in allen Geschäftsbereichen zu erwarten gewesen wäre. In dieser Nische versprach die CS nicht nur in Sonntagsreden, solide zu sein. Sie war es auch.

    Mehrere Zeitenwenden überdauerte die Allianz – doch nun drohen den Partnern im Sport schmerzhafte Einschnitte. Davon ist Perica Mihajlovic überzeugt, der Finanzchef des Zuger Sportvermarkters Infront. Er äussert sich basierend auf seiner Branchen-Expertise, exklusive Informationen über Vertragsdetails besitzt er im konkreten Fall nicht. Mihajlovic warnt: «Im Falle einer Insolvenz der Credit Suisse wäre davon auszugehen, dass deren Sponsoring-Vereinbarungen im Sport sehr abrupt enden.» Rechtehalter würden dann kaum noch mit Geldern rechnen können, sagt der Experte. «Ihre Ansprüche stünden bei einer Abwicklung weit unten in der Liste.»

    Alle Engagements werden geprüft

    Etwas vorteilhafter wäre für die Betroffenen, wenn ein anderes Institut die CS schluckte. «Bei einer Übernahme der Bank könnte es für Partner im Sport etwas günstiger aussehen und mehr Zeit geben», sagt er. «Bestehende Sponsoringverträge könnten an den Käufer übergehen und zunächst weiterlaufen.» Eine Entwarnung wäre das nicht. Mihajlovic geht davon aus, dass der neu zusammengesetzte Konzern die Markenstrategie und damit alle Partnerschaften prüfen würde. Er sagt: «Auch in diesem Fall dürften die betroffenen Sportrechtehalter und Athleten mittelfristig kaum darum herumkommen, sich neu zu orientieren.» – Zumindest die Wollmütze, die einst in Skilagern getragen wurde, dürfte sämtliche Turbulenzen überstehen. Auf Plattformen wie Ricardo und Ebay wechselten manche Exemplare des Kultobjekts bereits für mehr als 100 Fr. die Besitzer. Am Freitagabend entsprach diese Summe dem Wert von mehr als 50 Aktien der Credit Suisse.

    Nach dem erneuten Sieg von Zug wurde zumindest diese Quote angepasst.