Nun macht Zürich sogar New York Konkurrenz
Jahrzehnte träumten die ZSC Lions vom eigenen Zuhause, heute weihen sie es mit ihrer Heimpremiere ein. Die Arena zum Schwärmen – für die Spieler, aber auch die Fans.
Die Stadt Zürich bewegt sich doch. Ihr Gesicht hat sich in den letzten 15 Jahren durch einige markante Bauten verändert. Der Prime Tower brachte Wolkenkratzer-Feeling an die Limmat, der neu gestaltete Sechseläutenplatz wurde zur Begegnungszone, beim Hauptbahnhof entstand mit der Europaallee gar ein neues Quartier, die Erweiterungsbauten des Kunsthauses und des Landesmuseums stechen ins Auge. Und nun wird an den Gleisen in Zürich-Altstetten tatsächlich ein Sportstadion eröffnet, das selbst europaweit Massstäbe setzt: die Swiss-Life-Arena, die neue Heimat der ZSC Lions.
Man mag sich darüber streiten, ob man die gewellte Betonfassade mit den Bullaugen als Fenstern schön findet. Aber ist man erst mal im Innern der Arena, gerät man schnell ins Schwärmen. Von den geräumigen Umgängen, an deren Wänden die Geschichte des Clubs nachgezeichnet ist. Und natürlich ganz drinnen, wo Eishockey gespielt wird und einem sofort der riesige Videowürfel auffällt – mit 420 Quadratmetern Gesamtfläche der grösste in Europa. Überhaupt sind die Dimensionen dieser Halle eindrücklich.
Bis zur Decke sind es 33 Meter», rechnet Bruno Vollmer vor. «Unser Volumen ist so gross wie das eines NHL-Stadions. Hätten wir den oberen Ring durchgehend genutzt, hätten wir über 20’000 Sitze reinbringen können.» Was indes nicht das Ziel war. Die Swiss-Life-Arena ist mit 12’000 Plätzen nicht das grösste Hockeystadion im Lande, das ist immer noch die Berner Postfinance-Arena (17’031). Aber Zürich hat nun die weitaus modernste und imposanteste Arena.
Vollmer war von 1994 bis 1997 Captain des alten ZSC, nun koordiniert er als operativer Leiter den Bau der Swiss-Life-Arena. Der 55-Jährige absolvierte zahlreiche Weiterbildungen und weiss als langjähriger Spieler, was ein gutes Stadion ausmacht. Er studierte in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche Arenen vor Ort, in Detroit, Montreal, London oder Mannheim.
Die Erkenntnisse flossen in den Bau der Swiss-Life-Arena ein. Unter anderem beim Videowürfel, der eine Sonderanfertigung ist – eine Kombination aus jenen in Detroit und New York. Er ist etwa so gross wie jener im Madison Square Garden im Herzen Manhattans.
Was waren die weiteren Erkenntnisse? «Innendrin sehen die meisten modernen Hockeyarenen ähnlich aus», sagt Vollmer. «Wichtig ist, dass es eine Kesselwirkung gibt. Was wir erreichen mit der Steilheit der Tribünen. Zudem sind die ersten Zuschauerreihen nur 1,5 Meter vom Eis entfernt. Und die Verpflegung ist essenziell. Die Leute sollen nicht lange anstehen müssen vor den Foodständen und den WCs, die Umgänge müssen genug Platz bieten.»
Waren die ZSC Lions im Hallenstadion Mieter, sind sie in der Swiss-Life-Arena die Hausherren. Das heisst, dass sie am Catering verdienen, das sie an die SV Group vergaben. Dass sie Namensrechte verkaufen konnten (an die Swiss Life), die 14 Logen à 12 Plätze selber vermieten, ihren Business-Clubs viel mehr bieten können. Und dass sie nun den Terminplan selber bestimmen. Was ihnen in der Summe erlauben soll, künftig rentabel zu wirtschaften und nicht mehr auf den finanziellen Zustupf von Präsident Walter Frey angewiesen zu sein.
Der Spielerrat mit Patrick Geering, Reto Schäppi und Chris Baltisberger wurde in die Ausgestaltung des Teambereichs mit einbezogen. «Wir wollten eine offene Lounge, in der man sich sofort wohlfühlt», sagt Geering. Das wurde umgesetzt. In Vancouver schauten die ZSC Lions die Idee mit der ovalen Team-Garderobe ab. Es gibt keine Ecken, jeder sieht jeden, das fördert die Kommunikation.
«Jetzt müssen wir uns keine Gedanken mehr machen, wann wir unsere Sachen von der Trainingsstätte ins Hallenstadion zügeln müssen.»
Captain Patrick Geering
Nur schon eine eigene Kabine zu haben und diese nicht jedes Mal räumen zu müssen wie im Hallenstadion, fühlt sich für langjährige ZSC-Spieler wie Geering wie ein Luxus an. «Jetzt müssen wir uns keine Gedanken mehr machen, wann wir unsere Sachen für den Match von unserer Trainingsstätte ins Hallenstadion zügeln müssen», sagt der Captain.
An diesem sonnigen Montag, am Tag vor dem heutigen Eröffnungsspiel gegen Fribourg, wird da und dort noch gewerkelt. Geering begibt sich nach dem Training in Badelatschen, Shorts und T-Shirt nochmals aufs Eis, macht einige Übungen mit dem Puck und saugt die Atmosphäre in der nigelnagelneuen Arena auf.
Obschon zwischen dem Hallenstadion und der Swiss-Life-Arena nur sieben Kilometer liegen, dürfte der Auszug der ZSC Lions aus Zürich-Nord für manchen Fan mit Wehmut verbunden sein. Stefan Wälchli, Leiter Spielbetrieb bei den ZSC Lions, verschrieb sich nach der 2016 gewonnenen Volksabstimmung der Emotionalisierung der neuen Arena. André Bernhardsgrütter, eingefleischter ZSC-Fan und früherer Fanbeauftragter, machte sich auf die Suche nach Stücken aus der Geschichte wie die weissen Schlittschuhe von Michel Zeiter, dem Stock von Ari Sulander oder diversen Shirts aus verschiedenen Zeiten.
Zeremonie um 18.55 Uhr
Anlässlich der Premiere gegen Fribourg werden die Trikots des vierfachen Meistergoalies Ari Sulander (Nummer 31) und des langjährigen Captains Mathias Seger (15) unter das Dach gezogen. Die Eröffnungszeremonie beginnt bereits um 18.55 Uhr. Zudem werden auch die Meisterbanner für die Jahre 1936, 1949, 1961, 2000, 2001, 2008, 2012, 2014 und 2018 gehisst. Zahlreiche Exponenten reisten an, die Meistercoachs Marc Crawford und Hans Kossmann eigens aus Kanada.
«Seit zwei Wochen trainieren wir nun in der grossen Halle», sagt Geering. «Es fühlt sich an wie an einer WM, wenn du in einer coolen Arena trainierst und spielst. Es macht mich stolz, dass wir in Zürich einen solchen Hockeytempel haben. Jetzt muss alles mit Leben gefüllt, müssen die Emotionen geweckt werden. Das liegt vor allem an uns. Jetzt müssen wir zeigen, wieso Zürich eine solche Halle gebraucht hat.»