Beiträge von Iceman

    Ganz so "digital" muss man ja nicht unterwegs sein. Zwischen "Vollgas alles nach vorne" und "herumstehen bis der Gegner das Tor macht" gäbe es ja schon noch die eine oder andere taktische Zwischenstufe. Man wird immer wieder Spiele haben, wo es nicht so läuft, und die üblichen Verdächtigen die Kiste nicht treffen. Dann muss man sich halt mit gutem Defensivspiel über Wasser halten und darauf hoffen, dass der Gegner auch mal Fehler macht. Beim CH-Team fällt man aber oft in ein Loch, wenn es nicht wie gewünscht läuft. Statt ein gut organisiertes Defensivspiel aufzuziehen verfällt man in Passivität. Die Defensivorganisation gehört zu den Basics des Hockeys und ist eines der Gebiete, wo der Trainer am meisten Einfluss nehmen kann. Als man noch bedeutend weniger Klasse im Team hatte blieb nicht viel anderes übrig, als mit einer disziplinierte Defensive und hervorragenden Goalileistungen die Chancen auf Punktgewinne zu wahren. Mittlerweile scheint man aber vor lauter Geschwurbel über unsere technische Augenhöhe mit den Grossen zu vergessen, dass es kein "Rückschritt" bedeutet, wenn man sich an die unter Krüger gepflegten Tugenden erinnert.

    Ist ja nicht so, dass eine Erfolgsgarantie erwartet würde. Nur geht mir das immer gleiche Gesülze auf den Geist, wonach wir läuferisch und technisch aber sowas von obenauf wären, um daraufhin immer dann Probleme zu bekommen, wenn der Gegner unseren Viel- und Schnellläufern nicht den nötigen Raum für die schönsten Hockeybögen zwischen Kampala und Basel gewährt. Das Silber kann dem Team niemand nehmen, das war ein sehenswerter Erfolg. Aber Spiele wie gestern sind da deutlich in der Überzahl.

    Zudem scheint das solide defensive Handwerk nicht mehr Mode zu sein, da wir ja dem krügerschen Defensivsystem entwachsen sind und uns nun darauf verlegen können, die Spiele mit offensiven Skills oder doch zumindest mit grossen Sprüchen darüber zu entscheiden. Das Gros der Hockeyjournalisten (...und "Chronisten"...) ist offenbar derart betriebsblind, dass die immer gleichen Probleme auf internationaler Ebene gar nicht wahrgenommen werden. Operettenligen haben in dieser Weltsicht immer nur die Anderen.

    Dass Fischer nicht in der Lage war, dem Team irgendwelche Impulse zu geben, nachdem es mit dem fröhlichen Vorwärtsstürmen je länger je weniger hinhaute, und die Deutschen (...auch schon bei numerischem Gleichstand...) Powerplay im Drittel der Schweiz spielten, überrascht mich hingegen nicht. Fischer ist es guter Verkäufer eines Hockeys, wie wir (...und die Spieler...) es gerne hätten. Wird dieses Bild gestört, ist fertig lustig.

    Aber was soll's, nächstes Jahr geht es mit den gleichen Sprüchen und im gleichen Stil wieder von vorne los.

    Die Nati darf die Laufarbeit nicht scheuen, tempomässig ist man besser. Lässt man sich aber auf den Infight ein, sieht es anders aus. Die Briten sind kampfstark. Das CH-Team kann vor allem dann glänzen, wenn der Gegner nicht zu nahe steht. Die Schweden und die Russen waren bisher die Gegner, welche schlittschuhläuferisch mindestens gleichwertig waren, und sich deshalb auch nicht scheuten, früh zu stören, und damit der Tempo-Taktik den Stecker zu ziehen....

    ....Ergänzung: Man lässt nichts anbrennen. Und die Befürchtung, man nehme das Spiel nicht so ernst und agiere überheblich, war (grösstenteils) unbegründet...

    Im Zusammenhang mit dem Reformen wurde genau dieses Thema angesprochen: Dass einerseits viele Nachwuchsspieler, welche "früher" den Sprung vom Nachwuchs in die 1e Mannschaft schafften, heute im Ausland ihre Ausbildung absolvieren. Und andererseits aus verschiedenen Gründen die Konkurrenz im Nachwuchsbereich nur schwach sei (z.B. infolge Verzettelung auf zu viele Teams und Meisterschaften) und die Spieler deshalb zu wenig gefordert und zu wenig "ausgesiebt" würden. Und so stehen dann eben diese Spieler an der Schwelle zur NLA, und sind nicht wirklich bereit dafür. Und dann soll der zum Erfolg verdammte Trainer der 1en Mannschaft die Jungs spielen lassen nach dem Motto "wenn wir ihm nur genug Eiszeit neben den richtigen Leuten geben, erreicht der ja vielleicht irgendwann einmal "Platzreife".

    Das funktioniert so nicht, und die Diagnose vieler Sportjournalisten, das Problem bestehe primär in verkalkten Trainern, welche nicht mit Jungen wollten und könnten, setzt zu spät im ganzen Prozess an. Christian Knapp hat als einer der wenigen neben German nicht einfach in die Polemik von Klaus Zaugg, Dino Kessler und Co. eingestimmt, sondern die Probleme im Nachwuchsbereich recherchiert und aufgelistet. Braucht halt etwas mehr Zeit als etwas zu polemisieren.

    Da hast Du natürlich Recht - ich wollte nicht mit dem Geld kommen, weil das ja sowieso klar ist. Beim EVZ tut man sich einfach noch schwer damit, das auch zuzugeben. Dafür tut man so, als ob man ein solches Team mit einem Zuschauerschnitt finanzieren könne, der in der Gegend von Langnau liegt, plus noch etwas Stadionbeizen. Natürlich kommt von den Sponsoren im steuergünstigen Kanton Zug mehr Geld zusammen, als es die Gewerbler im Emmental vermögen, aber ob das die Differenz erklären kann, na ja.. Kurz und gut, mit "darauf hinarbeiten" sind natürlich auch die "Investitionen" ins Team gemeint, wo man seit ein paar Jahren zuvorderst mitmischt.

    Tja, die Zuger verdient Meister. Die anderen hochgehandelten Teams haben es ihnen aber auch nicht allzu schwer gemacht. Wenn der nachmalige Meister im Play-off Halbfinal gegen Rappi ran muss, sagt das schon einiges aus. Und den Final hätten die Zuger auch mit einem Sweep gewonnen, wenn es über 7 oder 10 Runden gegangen wäre. Servette sicher nicht desolat, aber die wesentlichen Trümpfe während der Quali waren schon etwas die Ausländer, insbesondere Tömmernes mit seinen Eiszeiten. In deren Windschatten liefen auch die CH-Spieler zu guter Form auf - nur geht das mit dem Forcieren in den Play-off's dann halt nicht mehr so gut. Darüber, was die (ebenfalls) hochbezahlten Vermin, Moy & Co. als Vertreter der hochbezahlten "Business-Class" der CH-Spieler für einen Einfluss gehabt haben, könnte man auch noch diskutieren. Aber eben, der EVZ hat seit einigen Jahren auf diesen Meister hingearbeitet, und nach 2 Finalniederlagen haben sie nun verdientermassen den Kübel.

    Die finnischen Goalis, die der SCB in den letzten Jahren beschäftigte waren aus meiner Sicht auf einem relativ hohen Niveau. Mit Stepanek wurde man Meister, obwohl das Team seine besten Zeiten längst hinter sich hatte und schon damals offensiv schwächelte, bzw. man auf einen Goali angewiesen war, der fast alles hält. Und Karhunen hat letzte und diese Saison praktisch immer sehr gute Leistungen gezeigt, obwohl er wegen der Chaotentruppe vor ihm unter Dauerbeschuss stand. Nachwuchsmann Wüthrich machte es angesichts der schwierigen Umstände erstaunlich gut für seine erste NLA-Saison, aber er wäre dem Dauerdruck während des "Aufholprogramms" mit Einsätzen jeden 2en Tag kaum gewachsen gewesen. Ohne Karhunen hätte man die Pre-Play-off's nicht erreicht. Und Karhunen war der Hauptgrund dafür, dass die Daffoser - trotz permanentem Angriffswirbel - die Pre-Play-off's gegen den SCB nicht überlebten. Fazit: Karhunen hat unter widrigsten Umständen praktisch immer auf sehr hohem Niveau gespielt und ist der einzige Ausländer, der beim SCB sein Geld wert gewesen ist. Dass er in Bern keinen neuen Vertrag mehr erhält ist darauf zurückzuführen, dass man mit Wüthrich eine valable Alternative hat, welcher man zutraut, zur #1 zu werden. Und dass man bei den Feldspielern noch grössere Probleme hat, Qualität ins Team zu holen, und deshalb auf keinen Ausländer verzichten kann.

    Es ist klar, dass die Farmteams bzw. die dazugehörenden NLA-Klubs dieses Vehikel möglichst weiterführen wollen. Solange man den Nachwuchs dort ausbilden kann, werden die Verantwortlichen noch manche Absichtserklärung abgeben. Dass man sich "voll einbringen" will und die Ziele der Liga mit trägt, frisst ja erst einmal kein Heu. Wie lange es dauern wird, bis solche Klubs eine echte Fanbasis haben und für die anderen Klubs einigermassen attraktive Gegner darstellen, steht hingegen in den Sternen. Und genau das ist bzw. war ja der springende Punkt, weshalb sich die "echten" NLB-Teams gegen die zunehmende "academy-sierung" ihrer Liga gewehrt haben. Weil die eben Null Emotionen wecken und sich ihre Fanbasis bestenfalls auf Eltern, Freundinnen und Verwandte der eingesetzten Nachwuchsspieler beschränkt.

    Welche Faktoren nun zu einem Umdenken geführt haben, ist nicht völlig klar. Allenfalls braucht man halt einfach noch ein paar Aktionäre, oder man sieht Nachteile für die Vermarktung, wenn Regionen wie das Tessin gar nicht mehr vertreten wären. Ob sich allerdings im Tessin - neben Ambri und Lugano - noch eine Fanbasis für ein weiteres Team findet, welches erst noch in der Swiss League spielt, ist eher zweifelhaft. Denn die Ziele eines solchen Ausbildungsklubs sind nicht sportliche Erfolge im Sinne von Meister, Aufstieg etc., sondern den Geldgebern in der NLA möglichst viele gute Nachwuchsspieler auszubilden.

    Feste Absichten hin oder her, die Wahrheit liegt da für einmal nicht auf dem Eis, sondern auf den Zuschauerrängen. Wenn sich in Olten, Chaux-de-Fonds oder in Mostindien die Zuschauer nicht für die Spiele gegen Farmteams interessieren, kommt das Problem innert Kürze wieder hoch.

    Mit Andrighetto, Hollenstein & Malgin (...daneben gibt es ja auch sonst noch den einen oder anderen, der nicht gerade der Stolperfraktion zuzurechnen ist...) könnten die ZSC-Oberen zumindest die Kritik kontern, durch ihre Batzenklemmerei sei offenbar geworden, dass sie nicht alles für den Erfolg tun würden...

    Ironie off: Walti Frey dürfte mindestens ob dieser "offiziellen" Kritik in den Medien den Kopf schütteln, wenn er an sein Portemonnaie denkt.

    Die Serie gegen Lausanne hat vermutlich zu viel "Gesundheit" gekostet, insbesondere bei gewissen Schlüsselspielern wie eben Andrighetto. Der "Z" hätte nach einer (für seine Verhältnisse) durchwachsenen Saison zwar eine emotionale Serie gebraucht, um so richtig in Schuss zu kommen und damit die eine oder andere Unzulänglichkeit auszubügeln. Gegen Lausanne gab es zwar die Emotionen, aber wegen diverser rücksichtsloser Attacken eben auch einen entsprechenden "Blutzoll". Natürlich kann man die Forderung erheben, man hätte eben personell besser ausgestattet sein sollen, um solche Verluste verkraften zu können, z.B. in dem man statt der GCK-Ausländer hochkarätigere Söldner geholt hätte. Ob während der Saison solche Top-Leute verfügbar sind, ist die andere Frage. Zudem überwiegt bei den CH-Spielern die Mitläufer- & Stolperfraktion ja nicht gerade, dennoch liess der teure CH-Kader (neben Andrighetto) während der Spielzeit nur sporadisch Glanzlichter aufblitzen.

    In den Play-off's ist der Erfolg nicht exklusiv den Teams vorbehalten, welche ihn nach Rechenschieber haben müssten. Emotionen, Dynamik und natürlich das "Momentum" (...damit das auch wieder mal gesagt ist...) kompensieren vieles und können zu ungeahnten Höhenflügen führen. Den Schalter zur Zündung dieses "Boosters" hat man aber irgendwie nicht gefunden, oder aber er wurde in der ruppigen Serie gegen Lausanne abgebrochen.

    Man kann die NL auch auf 20 Teams aufstocken, mehr wirklich "A-taugliche" Spieler gibt's deswegen nicht. Irgendwo zwischen dem 6en und 12en Platz tut sich dann ab Zeitpunkt X einfach ein "Punktegraben" auf. Wo genau hängt davon ab, wo und wie sich die A-tauglichen Spieler (bzw. die finanziellen Mittel...) konzentrieren. Man spielt dann nicht mehr so oft gegen die gleichen Klubs, dafür wird das Niveau sinken. Nicht dass die Spitzenklubs deswegen alles gewinnen, aber es gibt dann einfach noch häufiger ein Gelauer auf dem Eis, weil sich die personell gut ausgestatteten Teams dem Niveau angleichen und nicht mehr tun als nötig, um Blamagen zu verhindern. Die wird es ob dem Gelauer zum Gaudi des Publikums und von Klaus natürlich trotzdem geben - Operetten-Liga eben.

    Verfüge nicht über viel Insider-Informationen, aber das braucht es angesichts der Sachlage auch nicht.

    Im SCB wurde die Wichtigkeit der sportlichen Führung seit dem unnötigen Abgang von Sven Leuenberger völlig unterschätzt, und der damals aus dem Hut gezauberte Chatelain war dem Job eigentlich nicht gewachsen. Fairerweise muss man aber auch anmerken, dass bereits Chatelain nicht mehr das Geld zur Verfügung hatte, wie es noch bei Leuenberger der Fall war, und dies bei gleichzeitig immer weiter steigenden Spielerlöhnen.

    Jalonen hat dann trotz stetig abnehmender Qualität im Team noch einiges rausgeholt und die SCB-Führung im Glauben bestärkt, es würde schon irgendwie gehen. Die Folge davon: Statt nach dem Abgang von Jalonen die Notbremse zu ziehen und dem Posten des Sportchefs höchste Priorität einzuräumen, kam der Marketing-Gag mit Flo Schelling, an dem nur die Fraktionen der GenderhysterikerInnen und der Journalisten Freude hatten. Bei Lichte besehen sollte nun also eine Person mit Null Erfahrung einen der schwierigsten Jobs in einem Hockeyunternehmen bekleiden, und dies bei einem Klub, der in einer der schwierigsten Phasen seit dem Beinahe-Konkurs steckt. Oder mit anderen Worten: Eine komplette Fehlentscheidung.

    Erst spät erkannte man die Dramatik der Lage, was zum Anwerben von Raffainer führte, der nun das Schlimmste verhindern muss. Zumindest dasjenige, welches noch zu verhindern ist. Es würde mich nicht wundern, wenn Raffainer M. Lüthi ziemlich klar gesagt hätte, dass es so nicht weitergeht. Zumal es nicht nur das Problem war, dass die internen Ansprechpartner von Schelling mit der Krisenbewältigung an anderen Fronten beschäftigt waren, sondern auch, dass Schelling auch nicht gross auf diese hörte. Dazu kamen Fehleinschätzungen und Abgänge, die - wie seitens der betroffenen Spieler (Heim, Sopa etc.) zu vernehmen war - durchaus nicht zwingend waren. Flo Schelling ist also nicht einfach nur gerade ein Opfer der Umstände, sondern hat auch selber viel dazu beigetragen, dass sie nicht mehr zu halten war. Aber in einer Pressemitteilung kann man so etwas natürlich nicht schreiben...

    Fazit: Zumindest eine Baustelle ist geräumt, und als SCB-Anhänger kann man nur hoffen, dass nach einem erfolgreichen Jahrzehnt mit diversen Titeln, welche offensichtlich zu einem Realitätsverlust geführt hatten, alle Verantwortlichen nun wieder Bodenkontakt haben. Ausgestanden sind die Probleme damit nicht, und nächste Saison könnte nach dem erneuten Substanzverlust noch bitterer werden als diese.

    Die meisten bekommen von dieser möglichen Folgeerkrankung einer (nicht auskurierten...) Grippe gar nichts mit. Ich hatte es damals allerdings schon gespürt, konnte kurzfristig zum Arzt, Bluttest gemacht, und 40 Minuten später bekam ich ein Telefon, ich solle sofort ins nächstgelegene Spital - Verdacht auf Herzinfarkt. Wobei man offenbar im Blut abgestorbene "Herz-Zellen" feststellen aber daraus nicht schliessen kann, ob diese durch einen Infarkt oder etwas anderes dorthin gelangt sind. Deshalb geht man vorsichtigerweise vom schlimmsten aus. Glücklicherweise hatte sich dann herausgestellt, dass es sich "nur" um eine Herzmuskelentzündung handelte. Wichtig ist vor allem, dass der entzündete Muskel nicht beansprucht wird, d.h. kein Sport, keine Treppen hoch rennen und so. Nach etwas mehr als 2 Wochen "Schongang" war die Sache vorüber. Die andere Variante einer nicht auskurierten Grippe wäre dann die Lungenentzündung - die ist dann aber kaum zu übersehen.

    Und die Moral von der Geschichte: Wer den Nerv nicht hat, eine Grippe auszukurieren, sollte sich Impfen lassen, um das Risiko einer Infektion möglichst tief zu halten. Und wenn es einem trotzdem erwischt sollte man schlauer sein als ich es damals war und nicht glauben, Arbeit und Kunden und dies und jenes sei alles wichtiger, und mit einer Ladung Pharmazie gehe es dann schon...

    Die Genfer flogen allgemein etwas unter dem Radar - man konzentrierte sich lange auf die Kapriolen um McSorley (...der das aktuelle Team zu einem grossen Teil zusammengestellt hat...) und anderes. Dass nach dem beinahe-Kollaps der Ära Hugh Quennec die Uhren-Stiftung das Kommando übernahm, und insbesondere für das nötige Spielgeld besorgt war, wurde hingegen von den "Experten" in den Medien nicht gross wahrgenommen. Dass man beispielsweise zu Saisonbeginn noch so schnell schnell Spieler wie Vermin und Tyler Moy unter Vertrag nehmen konnte (...im Tausch gegen weitaus weniger valable Spieler...) ist zwar einerseits auf die speziellen Verhältnisse in Lausanne zurückzuführen, dennoch ist auch dieser Spass nicht billig - Vermin und Moy gehörten beide zu den Top-Verdienern beim LHC, und das will etwas heissen dort. Diese werden kaum wesentliche Saläreinbussen akzeptiert haben bei ihrem nicht ganz freiwilligen Ortswechsel. Anders gesagt: Servette ist nicht mehr mit dem Klub zu vergleichen, den McSorley lange Jahre führte, und wo man - ausser ein russischer Rohstoff-Oligarch spendete vorübergehend Kohle, bis er vor der Justiz Reissaus nehmen musste - finanziell stets ein enges Korsett hatte.

    Dass nun trotz des Ausfalls von Descloux keine Schwächung eintritt, sondern dies evtl. sogar zu mehr defensiver Disziplin führt, und Manzato deshalb zu ungeahnten Fangquoten kommt, hatte ich nicht unbedingt erwartet. Denn der ZSC hat mit Andrighetto, Hollenstein, Lasch, Noreau & Co. bewährte Sniper in seinen Reihen, die alle ihre Fähigkeiten schon unter verschiedensten Bedingungen unter Beweis gestellt haben. Aber bei einem nordländischen Trainer ist bei Klaus die Analyse bereits geschrieben, sollte der ZSC gegen Servette den kürzeren ziehen. Den mit der Schablone hat er schon an Jalonen "vergeben", ergo muss er einen anderen Textbaustein hervorholen. Das wird irgendwas mit "schwedischem Taktikschach" zu tun haben, plus eine Prise "risikoscheu".... dass die zu starren taktischen Fesseln die Ovechkins des nicht so armen Mannes zu stark an der Entfaltung ihres Genies gehindert haben sollen, kann Klaus dann hingegen wieder aus seinem Jalonen-Textbaustein kopieren. Aber soweit ist es noch nicht, und in den nun anstehenden "alles-oder-nichts" Spielen traue ich dem "Z" schon noch etwas zu.

    Im Gegensatz zu Rappi mit Tomlinson scheint es nicht so, als wollten die LugaNO-Spieler ihrem (vermutlich) scheidenden Trainer ein letztes "Hurra" ermöglichen. Dabei hat man ja in Lugano einiges an Aufwand betrieben, auch auf den Ausländerpositionen. 3 Siege in Folge sind zwar möglich, aber Nyffeler scheint im Hoch und die Rappen verteidigen aufopferungsvoll. Und eben, vorne haben sie auch ein paar Spieler, die jederzeit für ein Tor gut sind.

    Die Experten ringen noch immer um Fassung und Worte, wie ein solcher SCB den HCD eliminieren konnte. Schon rein nach der Wahrscheinlichkeit hätte die eine oder andere hochkarätige Davoser-Chance reinfallen müssen, auch wenn die wirklich guten Gelegenheiten weitaus weniger waren als die total 53 Schüsse in 60 Minuten. Beim SCB ist nichts mehr zu sehen von der leichten Aufwärtstendenz, die sich während des "Aufholprogramms" abzeichnete. Am Einsatz gibt es nichts zu kritisieren, aber spielerisch ist es mehr als nur stockfinster. Karhunen ist schon die ganze Saison bester Spieler auf dem Platz, auch Wüthrich in seiner ersten NLA-Saison schlägt sich jeweils tapfer angesichts des Chaotentums, welches im SCB-Drittel üblicherweise herrscht. Um den EVZ auch nur in die Nähe der Nervosität zu bringen, müsste beim SCB noch eine wundersame Wandlung vonstatten gehen. Einfach so mit etwas Unbeschwertheit und Glück wie 2016 können die spielerischen Mängel nicht mehr überbrückt werden, auch wenn gewisse Journalisten solche Assoziationen herbeischreiben. Aber entweder haben die schon lange kein Spiel mit SCB-Beteiligung mehr gesehen, oder sie wollen künstlich Spannung aufbauen.

    Play-off's waren schon immer ein schmaler Grat zwischen den Fragen "wie bleibt die Quali attraktiv?" und "wie macht man die Sache möglichst bis zum Schluss spannend bzw. attraktiv für das Publikum?". An den Pre-Play-off's in der heutigen Form kann kritisiert werden, dass bei nur 3 Spielen Glück und Pech mehr Einfluss haben als bei 7 Partien. Wer halt grad' in diesem Moment Verletzte zu beklagen hat oder mit Corona-Rost in den Knochen von 0 auf 100 kommen muss, hat Pech gehabt und wird allenfalls schlecht belohnt dafür, dass er insgesamt gesehen eine bessere Saison gespielt hat als sein möglicherweise schlechter klassierter Konkurrent. Das ist dann halt der Preis dafür, das Spektakel möglichst für viele Klubs möglichst bis zum Schluss irgendwie zu ermöglichen.

    Zum Zuschauen ein Graus, Karhunen und der Daffoser Ineffizienz sei Dank murkst sich der SCB noch in die Play-off‘s. Das heisst noch mindestens 2x Gespensterspiele mit Heimspiel-Entschädigung. Das ist mehr, als man aufgrund dieser Saison erwarten durfte.

    Natürlich ist der ZSC auch "unter Druck", denn selbst wenn z.B. Lausanne wohl mehr Geld aufgeworfen hat, so ist der "Z" keineswegs eine günstige Mannschaft. Dennoch, primär unter Druck sind der EVZ und Lausanne, bei welchen nach den Grossinvestitionen der letzten paar Jahre nur der Titel gut genug ist. Der Unterschied besteht höchstens darin, dass man in Lausanne keine Scheu vor dem öffentlichen "klotzen statt kleckern" hat, wogegen der EVZ verschämt den Eindruck zu erwecken versucht, ausser für die verstärkte Jugendförderung werde eigentlich nicht mehr Geld ausgegeben als "früher".

    Wenn es um den "Kohle/Meistertitel-Ratio" geht, müsste man den HC LugaNO eigentlich auch noch erwähnen, da dort ebenfalls mit einer Kelle angerichtet wird, welche zwar nicht mehr ganz so gross ist wie zu den extremsten Zeiten, aber immer noch sehr viel Geld in den Klub schaufelt. Ein Titel wäre auch dort mehr als überfällig, trotzdem habe ich die Luganesi nicht auf dem "Meisterradar".

    Bei den neu bekannten Ansteckungen dürfte es kaum bleiben, und wenn sich das (mittlerweile infektiösere) Virus innerhalb einer Mannschaft ausbreitet, ist man selbst mit der von der Liga bei den Gesundheitsdirektoren beantragten neuen Strategie irgendwann am Ende. Rechne damit, dass die (Pre-) Play-off's früher oder später abgebrochen werden.