Beiträge von Larry

    Wäre Zug 3:0 vorne gewesen, hätte das Hasta das mit Zug getestet..

    Lächerliche, aufgebauschte typische Blick Story.

    Natürlich müssen Medaillen bereitliegen, die T-Shirts und Caps sind auch schon gedruckt (im Fall ZSC nun für die Tonne!).

    Das man den Test macht wenn bereits Zuger in der Halle sind ist unglücklich aber sicher nicht Matchentscheidend.

    Ein schöner Bericht, da kommen viele Erinnerungen hoch 😍

    Aufstieg 1973 gegen Davos im seit einer Woche (!) ausverkauften Hallenstadion. War dabei, war der erste Erfolg mit dem ZSC den ich feiern konnte! Als Stift im 1. Lehrjahr. :baby:

    Zum ZSC-Abschied vom Hallenstadion

    Eine Ode an den Tempel

    Legendäre Konzerte, Sechstagerennen und Boxkämpfe – doch ihren Mythos verdankt die Halle in Oerlikon dem ZSC. Vier Protagonisten kramen noch einmal in ihren Erinnerungen.

    Kristian KappSimon GrafMarco Keller
    Marco Keller, Simon Graf, Kristian Kapp
    Publiziert heute um 06:30 Uhr

    Ein starkes Stück Schweizer und Zürcher Sportgeschichte: Das alte Hallenstadion in Oerlikon mit angrenzender Radrennbahn in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1971.


    Ein starkes Stück Schweizer und Zürcher Sportgeschichte: Das alte Hallenstadion in Oerlikon mit angrenzender Radrennbahn in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1971. Archivfoto: Fritz Grunder (Keystone/Photopress)


    Arno Del Curto: Das Hallenstadion war seine Wohnung


    «Ich wohnte einst im Hallenstadion. 1975 war das, ich war als junger Spieler aus St. Moritz zum ZSC gestossen und hatte vorerst keine Bleibe in Zürich. Die erste Nacht verbrachte ich in der Garderobe der Velofahrer beim Sechstagerennen, danach durfte ich ­einen Monat lang die Wohnung des Hausmeisters benützen. Das Beste daran: Ich konnte ein und aus, wann ich wollte. Ich bekam darum alles mit, was im Hallenstadion lief. Alle Konzerte, alle Soundchecks der Stars. Das Gleiche galt später, als ich zum ersten Mal ZSC-Trainer wurde und mein Büro in der Halle hatte.


    Darum verbinde ich das ­Hallenstadion nicht nur mit Eis­hockey, sondern vor allem mit guter Musik und unglaublichen Begegnungen mit Stars. Ich sah viele grosse Künstler: Led Zeppelin, Tina Turner. Oder Prince, den ich im Gang traf und mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte. Ich kannte seine Musik damals noch nicht wirklich, doch dann schaute ich bei seinen Proben zu und wurde erst so zu einem Fan. Klare Ansage: Die ZSC-Fans erinnern im Playoff 2022 nochmals daran, dass die Halle vor allem dank ihnen Legendenstatus hat.


    Klare Ansage: Die ZSC-Fans erinnern im Playoff 2022 nochmals daran, dass die Halle vor allem dank ihnen Legendenstatus hat. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

    Solche Erlebnisse sind der Traum jedes Musikfans, das ist unbezahlbar! Ich gehe bis heute an Konzerte in der Halle. Nach dem Rammstein-Konzert lernte ich die Band kennen, Schlagzeuger Christoph Schneider besuchte mich danach am Spengler-Cup, stand bei unseren Spielen an der Bande.

    Natürlich gibt es auch die unvergessenen Eishockey-Erlebnisse im Hallenstadion. Den Playoff-Sieg gegen Lugano. Es waren so viele Leute da, ich schaffte es kaum in die Garderobe, alles war voller Zuschauer. Später, mit ­Davos, spielte ich zunächst nicht so gerne in Zürich, es war komisch, als Gegner dort anzutreten. Doch natürlich ist auch die Erinnerung an den ersten Titel 2002 wunderbar. Die ZSC-Fans hatten mich in ihr Herz geschlossen, es gab auch für mich eine Standing Ovation, für den Coach des Gegners.»


    Patrick Geering: Holzsplitter im Hintern und süsse Verlockung


    «In der Nähe des Schwamendingerplatzes aufgewachsen, verbinde ich das Hallenstadion seit je mit Eishockey und dem ZSC. In der Halle schnürte ich auch erstmals die Schlittschuhe.

    Meine Eltern nahmen mich schon früh an die Spiele mit, das Geschehen auf dem Eis interessierte mich zunächst aber nicht gross. Lieber spielte ich mit meinen Kollegen mit den Deckeln der PET-Flaschen Fussball. Und wenn die Security nicht aufpasste, rutschten wir die Rennbahn hinunter und fingen uns Holzsplitter am Hintern ein. Steile Sache: Arbeiter präparieren in den Sechzigerjahren die alte Rennbahn um das Eisfeld herum.


    Steile Sache: Arbeiter präparieren in den Sechzigerjahren die alte Rennbahn um das Eisfeld herum. Archivfoto: Vogt/Keystone

    Allmählich begann ich, mit dem Team mitzufiebern. Ich glaube, ich war im Hallenstadion, als Plavsic die ZSC Lions 2000 zum Titel schoss. Sicher erlebte ich 2001 im Stadion. Mein Vater nahm mich zum Public Viewing im Hallenstadion mit. Wir harrten aus bis in die frühen Morgenstunden, bis das Team aus Lugano zurückgekehrt war. Ich war elf, mein Vater drückte beide Augen zu. Es war zum Glück Samstag. Der Spielbesuch hatte bei uns Tradition: Schon mein Grossvater hatte meinen Vater mitgenommen.


    Im alten Hallenstadion hatte der ZSC ja noch seine Homebase, wir Junioren waren oft dort. Manchmal schlichen wir uns in die Garderobe der ersten Mannschaft und liessen beim Wasserspender isotonische Getränke heraus. Die schmeckten so süss! Wenn uns Peter Schrag (der Materialwart) erwischte, gab es einen Rüffel. Ich hatte noch Angst vor Schrag, als ich in die erste Mannschaft kam. Ich tat alles, um mir seine Gunst zu verdienen. Ich half ihm, wo ich konnte. Schon bald schloss er mich in sein Herz.

    Ich kann nicht leugnen, dass mein Herz etwas schmerzt, weil wir das Hallenstadion verlassen. Ich hoffe, viele Fans werden den Weg von Zürich-Nord nach Alt­stetten auf sich nehmen. Das ist ja keine Weltreise. Und wir werden entschädigt mit unserer neuen Arena.»


    Heinz Hinterkircher: Als alle im Stadion zum Doktorat gratulierten


    «Die Vorfreude auf unser erstes Spiel im Hallenstadion war riesig. Am 18. November 1950 war es so weit, wir bestritten gegen das Spitzenteam Arosa ein sogenanntes Propagandaspiel und trennten uns 5:5. Wir hatten vorher gerätselt, wie viele kommen würden, aber das Interesse war gross, rund 8000 waren da.

    Wir waren froh über den Wechsel vom Dolder in die Halle. Die Bedingungen waren nun regelmässiger und fairer. Wir mussten im März nicht mehr bis zu zwei Stunden warten, bis die Sonneneinstrahlung nachliess, um beginnen zu können, und auch nicht den Puck mit mehr Kraft spielen, wenn es regnete, oder ihn lupfen, wenn es schneite. Das Hallenstadion, aufgenommen im Jahr 1951. 


    Das Hallenstadion, aufgenommen im Jahr 1951. Foto: Keystone

    Bis wir endlich indoor spielen durften, gab es vom Verband ­Widerstand. Präsident Raymond Gafner sagte, Eishockey sei ein Freiluftsport und werde es immer bleiben. Er hat sich getäuscht. Lange waren wir das einzige Team mit einer Halle, aber auch die Gegner kamen gerne zu uns.

    Zwei Dinge sind mir neben den Spielen besonders in Erinnerung geblieben. Während wir unten auf dem Eis trainierten, drehten oben die Velofahrer ihre Runden. Und als ich meine letzten mündlichen Doktoratsprüfungen in Ökonomie abgelegt und bestanden hatte, es war der 21. Januar 1951, hatten wir am nächsten Tag ein Heimspiel. Der Speaker erfuhr irgendwie davon, und als ich wieder einmal aufs Eis fuhr, verkündete er das Resultat den Zuschauern – das ganze Stadion applaudierte.

    Wann immer ich eine Ein­ladung hatte, bin ich auch später immer wieder gerne als Zuschauer ins Hallenstadion gekommen. Gerade in den letzten Jahren waren die Oldies Days ­besonders schön. Jetzt freue ich mich aber enorm auf die neue Arena in Altstetten. Ich hoffe fest, dass ich das Eröffnungsspiel noch erlebe und live im Stadion dabei sein kann.» Festhütte 1973: Die ZSC-Fans feiern Aufstiegstrainer Stu Robertson.


    Festhütte 1973: Die ZSC-Fans feiern Aufstiegstrainer Stu Robertson. Foto: Keystone


    Michel Zeiter: In guten wie in schlechten Zeiten


    «Ich werde mit dem Hallenstadion ewig verbunden sein, mein Helm ist ja unter der Halle vergraben. Das passierte 2004 beim Spatenstich für den Umbau, eine CD von DJ Bobo ist auch unten.

    Ich habe im Hallenstadion von 1992 bis 2007 wirklich alles erlebt. Zuerst waren wir eine Liftmannschaft und hatten trotzdem 9000 Zuschauer, wir wurden ein Spitzenteam und gewannen zwei Titel.

    Für mich war die alte Halle wie ein zweites Zuhause. Die Sechstagerennen, Risi/Betschart, all die Konzerte, die Knockout-Bar, der Rauch. Das Hallenstadion war weit mehr als eine Hockeyarena, es war der ­Place-to-be in Zürich.

    Ich spielte als 17-Jähriger bei GC, als mich Arno Del Curto sah und zum ZSC holte. Er wollte die Jungen fördern, sagte er und hielt Wort. Ich durfte mich entwickeln im Hallenstadion, durchsetzen, wachsen bis zum Titel. 2000 war die Zeit reif. Wir waren eine extrem coole Truppe. Micheli, Salis, Seger oder Zehnder, mit allen habe ich heute noch Kontakt. Was wir erlebten, verbindet. Nach dem Titel waren wir unterwegs bis am Montagmorgen, wir gaben Gas. Am Sonntag hiess es plötzlich, wir müssten ins Fernsehstudio. Wir gingen gleich direkt vorbei. Volksfest zum Meistertitel 2001: Michel Zeiter präsentiert den Pokal. 


    Volksfest zum Meistertitel 2001: Michel Zeiter präsentiert den Pokal. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

    Wie wir 2001 nachdoppelten, ist unvergesslich. Jener Final ­gegen Lugano bot alles, was das Sportlerherz begehrt. Wir waren 1:3 zurück und wendeten es in ­extremis. Zwei Titel in Folge, wir waren selber überfordert.


    Dann kam der Unfall. Der 15. November ist für mich noch heute ein spezielles Datum, wenn ich auf den Kalender schaue. Dann geht mir jeweils durch den Kopf, wie viel Glück ich damals hatte. Ich wurde von einer Kufe am Hals getroffen und verlor viel Blut. Ich kämpfte um mein ­Leben, bis ich im Universitätsspital war. Es zählte jede Minute.

    Ich habe wirklich alles erlebt im Hallenstadion – im Guten wie im Schlechten.»

    Wie verändert sich das Gesicht des Teams auf nächste Saison? Kommen vier neue Ausländer dazu?

    Drei oder vier neue Ausländer, ja. Wir müssen intern noch besprechen, ob wir mit fünf oder sechs Ausländern starten. Azevedo und Roe haben ja noch einen Vertrag, und ich gehe davon aus, dass sie bleiben.

    Ist einer der neuen Ausländer ein Goalie?

    Ziemlich sicher, ja.

    (Ausschnitt aus dem Interview mit Sven Leuenberger, Spiel 7 Fred)

    Nach der Finalniederlage stellt sich den ZSC Lions erneut die Grönborg-Frage

    Rikard Grönborg kam als Weltmeistertrainer nach Zürich, hat die Erwartungen bisher aber nicht erfüllt. Will er bleiben, muss er sich wohl wandeln.

    Daniel Germann (NZZ)


    In Zürich recht einsam unterwegs: der schwedische Trainer Rikard Grönborg.

    In Zürich recht einsam unterwegs: der schwedische Trainer Rikard Grönborg.

    Ennio Leanza / Keystone

    Als erstes Team in der Geschichte der Schweizer Play-offs verspielten die ZSC Lions im Final gegen den EV Zug eine 3:0-Führung. Doch wenn man diesen Schock differenzierter anschaut, schwächt er sich etwas ab. Erstens wussten nicht einmal die Lions selber genau, weshalb sie nach drei Finalspielen 3:0 vorne lagen. Sämtliche sieben Partien waren ausgeglichen und hätten auf beide Seiten kippen können. Und letztlich scheiterten die ZSC Lions nicht im Viertelfinal gegen Biel, sondern im siebenten Spiel des Finals gegen das momentan beste Schweizer Team.

    Doch wie immer schreien Enttäuschungen nach einem Verantwortlichen. Und der liegt auf der Hand: der Coach Rikard Grönborg. Der 53-jährige Schwede kam vor drei Jahren als zweifacher Weltmeister nach Zürich. Doch bisher hat er die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Die Lions gewannen mit ihm weder einen Titel, noch entwickelte sich ein Nachwuchsspieler spektakulär. Dabei besitzt Grönborg durchaus Erfahrung in der Arbeit mit jungen Spielern. Bevor er in Schweden Headcoach der A-Nationalmannschaft wurde, hatte er die U-18- und U-20-Auswahl der Eishockey-Nation betreut.

    Grönborg ist es gewohnt, mit erstklassigen Spielern zusammenzuarbeiten, und liess gewisse Spieler in Zürich spüren, dass er ihnen nicht restlos vertraut. Das spiegelt sich in seinem konservativen Coaching. Dieses fehlende Vertrauen spüren auch die Spieler, und das war möglicherweise ein Faktor in der Wende.

    Weder der CEO Peter Zahner noch der Sportchef Sven Leuenberger äusserten sich am Montag zur Trainerpersonalie. Klar aber ist, dass die Position des Coachs und vor allem die Art und Weise, wie er diese interpretiert, in den kommenden Wochen Teil der Saisonanalyse sein werden. Der Vertrag des Schweden läuft noch ein Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihn ein Klub aus der NHL abwirbt, ist gering.

    Offensichtlich hat Rikard Grönborg der Qualität im Kader nicht restlos vertraut. Gross verändern wird sich das Team aber nicht. Als einziger Zuzug steht Jérome Bachofner aus Zug fest. Markante Wechsel wird es einzig auf den Ausländerpositionen geben. Nur Justin Azevedo und Garrett Roe haben weiterlaufende Verträge.

    Vier Ausländerpositionen sind damit noch zu besetzen. Eine wird an einen ausländischen Torhüter gehen, der den zurückgetretenen Lukas Flüeler ersetzen soll. Grönborg gewährte dem Goalie, der 14 Jahre lang für die Organisation spielte, in diesem Jahr keinen Einsatz mehr. Den letzten Match bestritt Flüeler am 7. Dezember gegen Rapperswil-Jona. Auch das legen ihm einige als mangelnden Respekt aus.

    Interview mit dem ZSC-Sportchef

    «Als ich das sah, tat mir alles noch viel mehr weh»

    Sven Leuenberger sagt nach dem verspielten 3:0 im Playoff-Final gegen den EV Zug, was ihn am meisten ärgerte. Und ob er mit Coach Rikard Grönborg und Topskorer Denis Malgin plant.

    Simon Graf
    Simon Graf
    Publiziert heute um 20:00 Uhr

    Schwer enttäuscht: ZSC-Stürmer Sven Andrighetto nach dem verlorenen Spiel 7 in Zug.


    Schwer enttäuscht: ZSC-Stürmer Sven Andrighetto nach dem verlorenen Spiel 7 in Zug. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)


    Haben Sie die Finalniederlage schon verdaut?


    So schnell geht das nicht. Am Tag des letzten Finalspiels stand ich morgens auf und freute mich extrem darauf. Das Aufstehen nach Spiel 7 fiel mir weitaus schwerer. Jetzt brauche ich schon etwas Zeit zur Verarbeitung.


    Sie haben schon vieles erlebt als Sportchef, auch das Verpassen des Playoff als Meister. Ist der verlorene Final nach einer 3:0-Führung das Bitterste?


    Das 3:0 steht für mich nicht im Vordergrund. Es hat sich einfach so ergeben. Ich rege mich einfach darüber auf, dass wir es in den Spielen 5 und 6 nicht schafften, den Sack zuzumachen. In Spiel 5 in Zug läuft alles nach Drehbuch, wir gehen in Führung, später bekommen wir den dummen Shorthander zum 1:2. Wenn du solche Fehler machst, musst du dich nicht wundern, wenn du verlierst. Im Hallenstadion in Spiel 6 zeigten wir unsere beste Leistung, aber schossen die Tore nicht. Es wäre etwas anderes, wenn wir viermal chancenlos gewesen wären. Aber wir hatten zwei gute Möglichkeiten und waren nicht fähig, sie zu nutzen. Das nervt mich.


    Auch in Spiel 7 führten die ZSC Lions noch.


    Ja, richtig. Und dann bekommen wir zwei Unterzahltore wegen Strafen, die nicht sein müssten. Wir waren zu wenig abgeklärt. Das haben die Zuger perfekt gemacht. Wenn sie in Führung waren, kontrollierten sie das Spiel. Das schafften wir nicht.


    Sie sprechen die Strafen an: Wie kann es passieren, dass sich ein Routinier wie Yannick Weber in einem solch kapitalen Spiel zu einem Ellbogencheck hinreissen lässt, als der Puck längst weg ist?


    Er war wohl übermotiviert. Aber wir müssen nicht diskutieren, das darf nicht passieren.

    Sven Leuenberger.


    Trotz des verlorenen Spiels fuhr das Team am Sonntag spät noch ins Hallenstadion, um sich von den Fans zu verabschieden. Waren Sie da auch dabei?


    Ja, ich war dabei. Wir sagten von Anfang an: Unsere Fans waren in diesem Playoff so genial, egal, was passiert, wir gehen vorbei, um ihnen zu danken. Wir trafen nach Mitternacht im Hallenstadion ein, und es waren immer noch rund 1000 Leute dort. Sie hätten auch Trübsal blasen können, aber sie machten Stimmung, sangen und verabschiedeten die Spieler, die uns verlassen. Schlichtweg grossartig! Als ich das sah, tat mir alles noch viel mehr weh. Beim Public Viewing waren ja gegen 8000 Leute im Hallenstadion gewesen.


    Ab Spiel 4 schossen die ZSC Lions nur noch drei Tore. Woran lag es?


    Wir hatten genügend Chancen, um die Serie abzuschliessen. Aber uns fehlte im Final die Breite in der Offensive, so kam eine gewisse Anspannung auf. Die Malgin-Linie spürte, sie muss es richten. Der Ausländersturm wusste: Wir müssen auch einmal skoren. Die dritte und vierte Linie schoss kein Tor im Final.

    Zitat
    «Unser Kampfgeist gefiel mir sehr im Playoff. Wir gaben nie auf. Es war mehr die Schlauheit, die uns fehlte.»


    Zuletzt waren dann auch Malgin und Andrighetto müde.


    Nicht nur sie. Die ersten 40 Minuten von Spiel 7 hatten wir noch recht Schwung, danach konnten wir praktisch keinen Druck mehr erzeugen. Aber ich kann der Mannschaft nicht vorwerfen, sie habe nicht alles gegeben. Da muss ich dem Team ein Kränzchen winden. Es heisst ja immer, wir hätten nur Techniker und Schönwetterspieler. Aber das stimmt überhaupt nicht. Unser Kampfgeist gefiel mir sehr im Playoff. Wir gaben nie auf. Es war mehr die Schlauheit, die uns fehlte.

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    Waren Sie beeindruckt, wie cool die Zuger nach dem 0:3 blieben?


    Sie haben es gut analysiert. Sie wussten, sie hätten von den ersten drei Spielen auch zwei gewinnen können. Sie sagten sich: Wir wissen, was wir können, die Zürcher haben auch ein bisschen Puckglück gehabt. Ja, diese Abgeklärtheit war eindrücklich. Und ich war überrascht, dass es nicht mehr Rummel gab, nachdem Dan Tangnes in Spiel 1 bei der Coach’s Challenge die falsche Szene hatte analysieren lassen.


    Apropos Dan Tangnes: Mit seinen Umstellungen nach Spiel 3 und kleinen Veränderungen im Powerplay sorgte er für eine neue Dynamik. Wurde Rikard Grönborg ausgecoacht?


    Ausgecoacht würde ich nicht sagen. Dass Tangnes Herzog und Hofmann tauschte, hatte den gewünschten Effekt. Da hatte er ein glückliches Händchen. Wir wechselten auch Diem und Baltisberger, weil wir dachten, Chris haut den Puck vielleicht noch rein. Was die Zuger Tore im Powerplay betrifft: Wir wussten, dass sie immer die Mitte suchen, das war keine Überraschung. Aber unsere Umsetzung war zu wenig gut. Rund 1000 ZSC-Fans empfingen das Team im Hallenstadion nach Mitternacht.


    Rund 1000 ZSC-Fans empfingen das Team im Hallenstadion nach Mitternacht. Foto: Instagram Denis Malgin


    Anders gefragt: Wurde Grönborg durch das 3:0 in der Serie nicht zu sehr zu einem Verwalter?


    Ich finde, er hat durchaus einiges versucht. So stellten wir in Spiel 6 beispielsweise um auf ein Zweimannforechecking. Es ging eigentlich auf, nur schossen wir die Tore nicht.


    Was nehmen Sie mit aus diesem Playoff?


    Wir dürfen nicht vergessen: Gegen Biel (im Viertelfinal) standen wir sieben Minuten vor dem Aus. Wenn da Hollenstein nicht zweimal trifft, herrscht Katzenjammer. Hätten wir gegen Zug gewonnen, wäre alles wunderbar. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Wir müssen uns schon Gedanken machen, wie wir diese Mannschaft weiter gestalten wollen.

    Zitat
    «Können wir vermehrt mit Jungen spielen mit dem Risiko, dass wir auf dem sechsten oder siebten Platz landen? Wie reagiert das Umfeld?»


    Sie meinen verjüngen? Der jüngste Spieler, der im Playoff regelmässig zum Einsatz kam, war der 23-jährige Justin Sigrist. Kann sich das der Club mit der grössten Nachwuchsorganisation leisten?


    Das ist eine sehr gute Frage. Der einzige U-20-Spieler, der im Halbfinal regelmässig zum Einsatz kam, war der Davoser Simon Knak. Und der HCD schied in hohem Bogen aus. Es ist ein Spagat. Wie viel Raum hat man? Können wir vermehrt mit Jungen spielen mit dem Risiko, dass wir auf dem sechsten oder siebten Platz landen? Wie reagiert das Umfeld? Oder sind wir zum Erfolg verdammt? Kommt dazu: Haben wir zurzeit diese jungen Spieler, auf die wir setzen könnten? Momentan haben wir in der U-18- und der U-20-Nationalmannschaft keinen einzigen Spieler. Biel liess Noah Delémont im Playoff spielen und schied im Viertelfinal aus. Zürich ist nicht Biel. Aber die Frage ist berechtigt, wir werden sie diskutieren müssen.


    Es war lange eine sehr unbefriedigende Saison…


    (unterbricht) … zwei Monate waren unbefriedigend. Ab Weihnachten spielten wir hervorragend.


    Okay, danach wurde es besser. Aber die Frage ist: Wie beurteilen Sie die Leistung von Rikard Grönborg? Er zog seine Ausstiegsklausel ja nicht. Bleibt er?


    Ich gehe heute davon aus, dass Grönborg nächste Saison bei uns an der Bande steht.


    Grönborg hat weniger die langfristige Entwicklung im Auge, vielmehr coacht er auch bei den ZSC Lions wie ein Nationaltrainer, primär darauf bedacht, das nächste Spiel zu gewinnen. So gesehen, hat er mit der Finalniederlage nicht erfüllt.


    Ja, der letzte Schritt fehlte.


    Wie können Sie das Team verjüngen?


    Es ist ein laufender Prozess. Wir haben mit Geering, Weber, Hollenstein und Bodenmann einige Leistungsträger jenseits der 30. Aber wir haben jüngst auch mit Andrighetto und Malgin zwei Topspieler im besten Alter zurückgeholt, Sigrist hat sich etabliert, Bachofner kommt retour. Der Umbruch ist noch nicht abgeschlossen. Und schade für uns, haben wir mit Siegenthaler oder Kukan eigene Spieler, die in Nordamerika spielen.


    Apropos Nordamerika: Bleibt Denis Malgin?


    Das müssen Sie ihn fragen. Zuerst müsste er einmal ein Angebot aus der NHL haben.


    Wie verändert sich das Gesicht des Teams auf nächste Saison? Kommen vier neue Ausländer dazu?


    Drei oder vier neue Ausländer, ja. Wir müssen intern noch besprechen, ob wir mit fünf oder sechs Ausländern starten. Azevedo und Roe haben ja noch einen Vertrag, und ich gehe davon aus, dass sie bleiben.


    Ist einer der neuen Ausländer ein Goalie?


    Ziemlich sicher, ja.


    Die ehemaligen NHL-Stürmer Lucas Wallmark und Markus Granlund sollen schon unterschrieben haben. Stimmt das?


    Dazu werde ich mich zu gegebener Zeit äussern. Jetzt müssen wir zuerst einmal die Nachbearbeitung des Playoff abschliessen.

    Zitat
    «Ich glaube, es wird mit sechs Ausländern schwieriger, Tore zu schiessen. Die Liga entwickelt sich in die skandinavische Richtung.»


    Wie wird sich die Erhöhung der Ausländer von vier auf sechs auswirken?


    Ich glaube, es wird schwieriger, Tore zu schiessen. Etwa fünf Teams werden auf einen ausländischen Goalie setzen, viele werden in der Abwehr zwei Ausländer haben. Ich glaube, die Liga entwickelt sich in die skandinavische Richtung, mit einer grundsoliden Verteidigung. Und wir Schweizer sind ja nicht dafür bekannt, Tore en masse zu schiessen.


    Was ändert für die ZSC Lions mit dem Umzug in die Swiss-Life-Arena?


    Dass wir endlich ein eigenes Zuhause haben werden. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das beginnt beim Nachwuchs. Unsere Junioren müssen nicht mehr von Eisbahn zu Eisbahn tingeln. Und auch die erste Mannschaft muss nicht immer wieder packen wie im Hallenstadion. Das sollte der ganzen Organisation helfen. Und natürlich ist es finanziell von grossem Vorteil.


    Allerdings werden die ZSC Lions wegen Bauverzögerungen erst Mitte November ihre ersten Heimspiele austragen können.


    Voraussichtlich, ja. Das ist nicht ideal. Aber wir müssen es akzeptieren.


    Und wie gelingt es, den EV Zug zu entthronen?


    Unsere Erfahrungen aus dem Final werden uns sicher helfen. Punkto Cleverness und Abgeklärtheit können wir uns sicher noch steigern.

    Die Niederlage steckt mir auch einen Tag später noch in den Knochen, doch im Vergleich zu früher wo wir entweder Ab- oder nicht Aufgestiegen sind ist das Nasenwasser.

    Wir können nächste Saison wieder angreifen, wieder um den Titel spielen.

    Früher fanden wir uns ein weiters Jahr in der NLB wieder. Und das war wirklich bitter!

    Mir stellt sich die Frage(n) schon seit langem: für was für einen Spielstil stehen wir? Was ist unserer (offensives) Konzept (Spielaufbau vs. dump‘n‘chase vs. ?).

    Ok, du sprichst vom Spielkonzept. Dachte ein Konzept/Vision für die Firma ZSC Lions. Das Spielkonzept richtet sich aber nach dem Coach, da ist jeder wieder anders. Und das werden sie dir nicht erzählen!

    Ist aber auch ein Forumsklassiker: "Ich sehe kein System, kein Konzept......."!