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    ZSC - Gottéron: Die Lions siegen zum zweiten Mal mit 3:2 nach Verlängerung

    Die ZSC Lions müssen erneut Überstunden leisten und behalten dabei erneut die Nerven. Marcus Krüger erlöst die Zürcher in der 65. Minute. Sie führen nun in der Halbfinalserie gegen Gottéron mit 2:0.

    Matthias Müller (NZZ)


    Die Erlösung: Marcus Krüger jubelt nach seinem spielentscheidenden Tor zum 3:2 in der Overtime. Es ist sein erster Treffer in diesen Play-offs.

    Die Erlösung: Marcus Krüger jubelt nach seinem spielentscheidenden Tor zum 3:2 in der Overtime. Es ist sein erster Treffer in diesen Play-offs.

    Walter Bieri / KEYSTONE

    Die ZSC Lions tun es noch einmal: Nachdem sie am letzten Freitag noch bis in die 82. Minute spielen mussten, schafften sie es dieses Mal, das Spiel in der ersten Verlängerung zu entscheiden. Wieder gewannen sie mit 3:2. Der Schwede Marcus Krüger erzielte den Siegtreffer nach einem Fehler des ehemaligen ZSC-Verteidigers Dave Sutter. Es war sein erstes Tor in diesen Play-offs.

    Das Spiel bestätigte derweil den Eindruck, den man bereits zum Ende der vorangegangenen Partie gewonnen hatte: Wenn man den Zürchern Platz lässt, wird es schwierig sie im Zaum zu halten. Von Beginn weg drückten sie aufs Gaspedal, wobei sie sich einmal mehr auf ihre Paradelinie mit den drei Nationalstürmern Denis Malgin, Sven Andrighetto und Denis Hollenstein als offensive Lokomotive verlassen konnten.

    Chris Di Domenico als unermüdlicher Antreiber bei Gottéron

    Dank eines Powerplaytreffers von Sven Andrighetto und einer bemerkenswert feinen Koproduktion der beiden Powerstürmer Marco Pedretti und Chris Baltisberger führten sie zur Spielmitte mit 2:0 und schienen das Heft dank ihres aktiven Auftritts sicher in der Hand zu halten. Gottéron dagegen, das bis zu jenem Zeitpunkt vor allem von seinem Vorkämpfer Chris Di Domenico gelebt hatte, wirkte phasenweise überfordert.

    Umso rätselhafter mutete es an, dass die Zürcher plötzlich passiver wurden. Ein grober Fehler des finnischen Verteidiger Tommi Kivistö, der in der eigenen Zone eine vermeintlich einfach zu klärende Scheibe im Stolpern verpasste, ermöglichte Andrey Bykov den Anschlusstreffer und Gottéron eine Phase der Euphorie. Den Ausgleichstreffer erzielte Kilian Mottet im Überzahlspiel kurz vor der zweiten Drittelspause.

    Die Zürcher müssen sich vorwerfen lassen, Gottéron, das traditionell stark von Emotionen lebt, das Momentum geschenkt zu haben. Im Schlussabschnitt war die Begegnung ausgeglichen, dass die Zürcher optisch ein leichtes Übergewicht hatten, resultierte vor allem daraus, dass die Gäste sich mit zwei ärgerlichen Strafen selbst ausbremsten.

    ZSC-Goalie Waeber hielt einmal mehr stark

    Obschon die Partie zum Schluss auf beide Seiten hätte kippen können, geht der Sieg der Zürcher in Ordnung. Die Mannschaft von Trainer Rikard Grönborg rief phasenweise ihr grosses Potenzial ab und behielt zum Schluss einmal mehr die Nerven. Beruhigend ist überdies, dass Ludovic Waeber, der zum zweiten Mal den kranken Stammgoalie Jakub Kovar vertrat, erneut ein sicherer Rückhalt war. Das eröffnet dem Trainer Optionen für die kommenden Spiele.

    Für Gottéron gilt dagegen zum zweiten Mal: Knapp daneben ist auch vorbei. Das Team von Christian Dubé kann daraus Hoffnung schöpfen, doch es steht am Dienstag, wenn es die Zürcher in der eigenen Arena zum dritten Spiel empfängt, bereits unter Zugzwang. Gottéron braucht jetzt dringend ein Erfolgserlebnis.

    Noch 10 Spiele in der Regular Season und AM34 steht bei 58 Toren! Mit dem nächsten Goal holt er Pavel Bure ein der 00/01 59 Tore für die Panthers schoss. Aktive Spieler mit mehr Toren: Stamkos mit 60 (11/12) und Ovi mit 65 (07/08). Den Rekord hält (natürlich) Gretzky: 92 Tore (81/82).

    Turbulenzen bei den ZSC Lions

    Um 6.39 Uhr morgens kam die Message an den Coach

    Was für spektakulärer Auftakt in die Halbfinalserie: Die ZSC Lions zeigen beim 3:2 zu später Stunde in Freiburg, dass sie auch ohne Retter Jakub Kovar siegen können.

    Simon Graf
    Simon Graf

    Endlich konnte er zeigen, was er kann: ZSC-Goalie Ludovic Waeber und seine Kollegen feiern den Sieg.


    Endlich konnte er zeigen, was er kann: ZSC-Goalie Ludovic Waeber und seine Kollegen feiern den Sieg. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

    Es war 6.39 Uhr am Freitagmorgen, als ZSC-Coach Rikard Grönborg die Message auf sein Telefon erhielt. Teamarzt Gery Büsser schrieb, Jakub Kovar sei krank und könne nicht spielen. Ausgerechnet der Tscheche, der in der Biel-Serie so überragend gehalten hatte. Immerhin wurde Grönborg nicht von der Nachricht geweckt, er pflegt um 6 Uhr morgens aufzustehen. Und bis das Team um 9 Uhr in der Trainingsbasis eintraf, hatte er noch Zeit, ein zwei Kaffee zu trinken und die News zu verdauen.


    So bedauerlich die Absenz Kovars war, Ludovic Waeber eröffnete sie die Chance, endlich auch zu zeigen, was er kann. Der Freiburger, der 2021 in seinem ersten Playoff mit den ZSC Lions gut gespielt und seine erste Serie (gegen Lausanne) gewonnen hatte, war in den vergangenen Monaten trotz seines Vertrags bis 2025 zur Nummer 2 degradiert worden. «Ich war schon frustriert, als das Playoff anfing und ich nicht spielte», gab er nun zu. «Aber ich machte keinen Aufstand.»

    Zitat
    «Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Das ist ein guter Charakterzug. Vor allem bei jemandem, der zuletzt nicht mehr oft gespielt hat.»
    Grönborg über Waeber

    Von Teamkollegen wie von Chris Baltisberger erhielt er viel Lob, wie er sich in seine Rolle als Ersatzmann schickte. «Er gibt dem Team Energie, hat immer ein Lächeln auf den Lippen», sagt Grönborg. «Das ist ein guter Charakterzug. Vor allem bei jemandem, der zuletzt nicht mehr so oft gespielt hat.» Und Waebers Lächeln war am Freitagmorgen noch etwas breiter, als ihm der Coach mitteilte, er werde zu Beginn der Serie gegen Gottéron spielen. Ausgerechnet gegen den Club, bei dem er gross wurde. Wo er so viele bekannte Gesichter sieht, wenn er in die Ränge blickt.

    Er habe Kovar vor einigen Tagen gesagt, die Atmosphäre in der BCF Arena werde elekrisierend sein, erzählte Waeber. Nun war er es, der plötzlich im Mittelpunkt stand. Er bereite sich am Abend zuvor auf jedes Spiel so vor, als würde er spielen, sagt Waeber. «Als ich erfuhr, dass ich in Freiburg im Tor sein würde, freute ich mich. Aber ich wurde auch kurz nervös.»


    Das war ihm indes nicht anzusehen. Waeber blieb ruhig, wie es seine Art ist, spielte einen soliden Match und durfte sich über den 3:2-Overtimesieg freuen. «Ludo war exzellent. Er machte die Paraden, die er machen musste», sagte Grönborg. «Unsere Spieler vertrauen ihm, wir vertrauen ihm, und er vertraut sich auch.» Und inzwischen spielen die ZSC Lions defensiv auch deutlich solider als noch zu Beginn des Playoff.

    Waren sie im Viertelfinal gegen Biel sofort unter Druck gewesen, weil sie die ersten zwei Spiele verloren, sind sie nun mit einem Break gegen Gottéron gestartet. Sie wirkten zu Beginnn des Halbfinals weniger verkrampft als gegen die Bieler. «Jetzt sind wir im Playoff-Modus», sagt Grönborg. «Im ersten Spiel gegen Biel spielten wir, als sei es noch Qualifikation. Aber als wir in die Biel-Serie hineinkamen, trafen wir smartere Entscheidungen. Jetzt sind wir drin. Das ist ein grosser Unterschied.»


    Wenn sich Kovar schon vor sieben Uhr morgens abmeldete von Spiel 1, muss er eine kurze Nacht gehabt haben. «Ich hoffe, es geht ihm bald besser», sagt Grönborg. «Er ist ein Wettkämpfer. Aber wenn er sich nicht 100-prozentig wohl fühlt, macht es keinen Sinn, ihn spielen zu lassen.» Am Sonntagabend folgt im Hallenstadion Spiel 2. Mit wem im Tor? Fällt Kovar vielleicht sogar länger aus? Hat er Corona?

    Waeber zuckt mit den Schultern und sagt: «Ich bin auf jeden Fall bereit.»

    Einmal mehr wurde das Spiel bei ausgeglichener Defence von der besseren Offence gewonnen, wie schon gegen Biel. Mit 0:0 werden keine Spiele gewonnen, es gewinnt der der das entscheidende Tor schiesst. Unsere hochkarätige Offensive könnte auch gegen Zug (ich schaue vorwärts :mrgreen: ) den Unterschied ausmachen! Der Spruch von der Defence wird mehr und mehr zur Makulatur.

    Für mich kommt der Sieg nicht so überraschend, habe ja schon vor der Serie gesagt sehe uns auf Augenhöhe und die 4 Spiele in der Quali endeten 2:2.

    Was mich aber überraschte: Der Z wollte in der OT den Sieg mehr während Fribourg eher abgewartet hat. Somit verdienter Sieg und Break!

    Weiter so!