Beiträge von Larry

    Ratlose Lions

    Das muss der letzte Weckruf sein für den ZSC

    In Davos kommen die Zürcher beim 1:4 unter die Räder wie noch nie in dieser Saison. So droht der freie Fall. Am Montag bietet sich bereits die nächste Chance.

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp

    Zürcher Ratlosigkeit und Enttäuschung: Dario Trutmann, Lionel Marchand, Enzo Guebey, Reto Schäppi, Chris Baltisberger und Denis Hollenstein (von links) nach dem 1:4 in Davos.


    Zürcher Ratlosigkeit und Enttäuschung: Dario Trutmann, Lionel Marchand, Enzo Guebey, Reto Schäppi, Chris Baltisberger und Denis Hollenstein (von links) nach dem 1:4 in Davos. Foto: Jürgen Staiger (Keystone)

    Es herrschte Ratlosigkeit bei den ZSC Lions nach dem Spiel in Davos. Ein 1:4 tönt im ersten Moment ja nicht ganz so schlimm. Erst recht nicht beim heimstärksten Team der Liga, das zu Hause in 12 Spielen 31 Punkte holte und bei 47 geschossenen Treffern erst 17 kassierte. Aber die Zürcher wussten: Sie waren mit diesem 1:4 gar nicht so schlecht bedient. Ihrem Torhüter Ludovic Waeber gelang ein grosses Spiel, er vereitelte schon im Startdrittel vier Davoser Solo-Chancen, darunter einen Penalty Enzo Corvis. «Wenn nach einem 1:4 dein Goalie zu Recht als bester Spieler ausgezeichnet wird, heisst das viel», sagte Captain Patrick Geering.

    Noch nie waren die Zürcher einem Gegner derart unterlegen gewesen in dieser Saison. Da gab es kürzlich zwar dieses 1:6 in Bern. «Das war auch eine Scheiss-Niederlage, aber ein anderes Spiel», sagte Geering. Beim SCB hatte der ZSC sehr stark angefangen, liess sich dann von einem Gegner, dem fast alles gelang und der fast jede Torchance nutzte, frustrieren. In Davos war nichts davon zu sehen, von der ersten Minute an kam der ZSC unter die Räder, Waeber war der einzige Grund, dass sich die Lions irgendwie mit einem 0:0 in die erste Pause retten konnten. Nein, er könne sich nicht an so einen inferioren Beginn seiner Mannschaft erinnern, sagte Geering. Und: «Ohne die Leistung von Ludo hätten wir einige Tore mehr kassiert.»

    Im Kollektiv untergegangen

    Zweierlei irritierte aus Zürcher Sicht besonders. Die ZSC Lions wurden vom Spiel des HC Davos nicht überrascht. Es ist allgemein bekannt und auch durch die Analytics belegt, dass die Bündner die mit Abstand beste Kontermannschaft der Liga sind. Schnell wie kein anderes Team schwärmen sie nach gegnerischen Puckverlusten in die Offensive aus. Exakt dies wurde vom Zürcher Coaching Staff vor dem Spiel thematisiert, «genau auf das haben wir uns auch eingestellt», sagte Mittelstürmer Reto Schäppi. Doch dann kreierte Davos Chance um Chance nach schnellen Gegenstössen und erzielte all seine drei 5-gegen-5-Treffer nach Kontern.

    Und das war das zweite Irritierende: Der ZSC ging im Kollektiv unter, es war nicht das Problem einer inferioren Linie, sondern ein grundsätzliches. Das Zürcher System kam jenem des HCD besonders entgegen. Wie sehr die Bündner ihr Spiel den Lions aufzwangen, zeigt auch eine irrwitzige Statistik aus den Analytics: Addierte man nach dem Expected-Goals-Modell alle Torgefahr nach Kontern, dann gingen 93 Prozent dieser Torgefahr vom HCD aus – ein Zürcher Umschaltspiel mit Chancen fand also gar nicht erst statt. Davos enteilt dem ZSC: Patrick Geering verfolgt Andres Ambühl.


    Davos enteilt dem ZSC: Patrick Geering verfolgt Andres Ambühl. Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)



    Geering fasste das so zusammen: «Die Davoser spielten sehr gut, das muss man auch festhalten. Sie hatten uns 60 Minuten im Griff. Wir haben schlicht zu wenig gemacht.» Dass ein Heimteam mit derart viel Tempo und Energie loslegt, könne ja vorkommen. Aber das sei keine Ausrede für den Zürcher Auftritt: «Wir müssen Wege finden, um auch solche Spiele irgendwie zu überleben.» So wurden bei HCD - ZSC Torchancen kreiert: Für 93,3 Prozent aller Chancen nach Kontern (Off the Rush) sorgte Davos, für 60,8 Prozent aller Chancen nach erfolgreichem Forechecking war ebenfalls der HCD zuständig. Nur bei Chancen nach Druckphasen (Offensive Zone Sustained Possession) hatte der ZSC mit 54 Prozent aller solchen Torgefahren ein leichtes Plus.


    So wurden bei HCD - ZSC Torchancen kreiert: Für 93,3 Prozent aller Chancen nach Kontern (Off the Rush) sorgte Davos, für 60,8 Prozent aller Chancen nach erfolgreichem Forechecking war ebenfalls der HCD zuständig. Nur bei Chancen nach Druckphasen (Offensive Zone Sustained Possession) hatte der ZSC mit 54 Prozent aller solchen Torgefahren ein leichtes Plus. Grafik: 49ing

    Mildernde Umstände gab es für die Lions wegen ihrer personellen Situation. Mit Garrett Roe, Justin Azevedo und John Quenneville fehlten gleich drei Import-Stürmer. Weder Geering noch Schäppi wollten aber davon hören. Geering: «Wenn du die beiden Aufstellungen anschaust, war es immer noch ausgeglichen.» Schäppi: «Natürlich merkst du das. Aber wir waren immer noch gut genug besetzt, um zumindest dagegenhalten zu können. In der Champions League gelang uns bei Rögle ein sehr guter Match mit noch mehr Ausfällen.»

    WEITER NACH DER WERBUNG

    Nun kommt zweimal Fribourg-Gottéron

    Wie diese Niederlage zustande kam, kombiniert mit dem ständigen Auf und Ab in dieser Saison, das auch durch die 12:11 Sieg-Niederlage-Bilanz nach 23 Spielen dokumentiert wird: All das muss für die Lions eine wirklich letzte Warnung sein, dass es so nicht geht. Dass so auch Rang 6 und die direkte Qualifikation fürs Playoff in Gefahr sind. Dass solche Leistungen und Resultate irgendwann Konsequenzen haben müssen. Einfacher wird es nicht, es geht Schlag auf Schlag: Am Montag reisen die Zürcher nach Freiburg zum zweitbesten Heimteam der Liga, am Dienstag kommt es zur Revanche im Hallenstadion.

    Die Quali ist für den Fan doch Brot & Butter, die Playoffs das Dessert. Der Fan der an jedes Heimspiel geht will Siege und attraktives Hockey, ansonsten kann er ja zu Hause bleiben und die Saisonkarte sich irgendwann auch sparen.

    Die Hoffnung dass es dann in den PO's passt haben alle Teams/Fans, aber am Ende gucken bis auf ein Team alle in die Röhre!

    Wir vernichten massiv Kohle mit diesem Scheiss Hockey denn Einzeltickets werden kaum noch verkauft. Die Anzahl Saisonkarten ist rückläufig und diejenigen die eine haben bleiben zu Hause.

    Wie schon mal gesagt: Müssen sie halt nächste Saison Freikarten im Shoppi Spreitenbach verteilen um die Halle zu füllen....

    Kann mir evtl. jemand von den "Amis" (Larry/Rangersfan) erklären warum die Übertragung von CBS keine 1st Down Line einblendet? Ist das in den Staaten auch so? Nehme an RAN übernimmt ja das TV Bild 1-1. Ich glaube bei den Fox Sports Übertragungen hats die jeweils. Sowohl auch Line of Scrimmage, Field Goal Target Line, etc.

    Falls jemand den Game Pass hat: ist die dort zu sehen? Dann würde ich mir wohl mal einen leisten.

    Bei Fox hatte es definitiv eine, und ich denke bei jedem Sender, muss mich dies mal achten. Würde aber fast wetten es hat IMMER eine! Dito Line of Scrimmage und FGTL.

    wurde nochmals eng nach dem Kickoff retunrn, Fournette mit 4 TD 😳

    Die TV Schnurris hier quasseln das ganze Spiel über RB Taylor von den Colts aber RB Fournette von den Bucs erläuft 4 TD's und ist auch sonst in jeder Statistik heute besser als Taylor! Ganz grosses Spiel! :geil:

    ich sehe den fcz aber nach wie vor bestenfalls in einer ähnlichen rolle, wie sie san galle vor 2 jahren spielte. die konnten yb bis fast ende saison ärgern, bis ihnen dann die luft ausging.

    Denke für Ebay ist es gelaufen, der Trainer war ein Griff ins Klo. Wir werden vermutlich Basel zum Titel verhelfen falls die Cabral nicht abgeben. Aber Platz 2 wäre ja auch gut!:mrgreen:

    Rikard Grönborg kommt mit den ZSC Lions einfach nicht vom Fleck – allmählich gerät sein Karriere-Masterplan ins Wanken

    Bald ist die Hälfte der Qualifikation gespielt, doch das prominent besetzte Zürcher Team produziert weiterhin nur Mittelmass. Zwar wirkt der Trainer nicht überfordert, aber er bietet Angriffsflächen in zweierlei Hinsicht, die für ihn ohne baldige Trendwende gefährlich werden dürften.

    Ulrich Pickel (NZZ)


    Am Sonntag vor einer Woche: Rikard Grönborg verliert die Fassung und gestikuliert in Richtung John Fusts.

    Am Sonntag vor einer Woche: Rikard Grönborg verliert die Fassung und gestikuliert in Richtung John Fusts.

    Claudio Thoma / Freshfocus

    Es sind keine Bilder, wie er sie sich wünscht. Am Sonntag vor einer Woche legte sich Rikard Grönborg, der Trainer der ZSC Lions, mit dem Kontrahenten aus Lausanne an. Er, der Schweden zweimal zum Weltmeistertitel gecoacht hat, geriet in Rage wegen John Fust, der im internationalen Eishockey fast ein Niemand ist. Es ging um ein nicht geahndetes Foul des Lausanne-Captains Mark Barberio an Garrett Roe, der sich einen Kieferbruch zuzog. Und ebenso ging es um die Vorgeschichte aus dem letztjährigen Viertelfinal, der ebenfalls hässliche Züge getragen hatte.

    Viel hat sich angestaut. Grönborg bereut sein Verhalten nicht, er sagt: «Ein Spieler ist wie ein Familienmitglied. Wenn einer angegriffen wird, wehre ich mich.» Doch die Bilder des tobenden Schweden mit US-Pass zeigten nicht bloss den Beschützerinstinkt eines Trainers, sondern vielmehr: Hier ist jemand in den Niederungen des Alltags gelandet. Und dieser Jemand kämpft um seine Position.

    Der Nachwuchs bleibt auf der Strecke

    Bald ist die Hälfte der Qualifikation gespielt, und es wäre vermessen zu behaupten, irgendjemand sei glücklich in Zürich. Das Starensemble will und will nicht in Fahrt kommen, Spielkultur und Unterhaltungswert sind höchst bescheiden. Der renommierte Coach findet keine Lösung, um das Potenzial seines Teams zur Entfaltung zu bringen.

    Die Suche nach den Ursachen ist komplexer als in früheren Fällen. Grönborg ist kein abgehobener System-Prediger wie einst Hans Wallson. Und ein Chaos wie bei Arno Del Curtos Gastspiel im Frühling 2019 herrscht auch nicht. Grönborg ist nicht grundsätzlich überfordert. Auch gibt es keine Anzeichen, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern nicht intakt ist. Er ist nicht der grosse Alleinschuldige – und bietet dennoch Angriffsflächen.

    Grönborg wurde als Ausbildner angekündigt, aber auch in seiner dritten Saison ist seine Nachwuchsförderung rudimentär – und fragwürdig. Beim letzten Auswärtsspiel in Lugano etwa war der 19-jährige Verteidiger Noah Meier aufgeboten, weil Yannick Weber verletzt ausfiel. Grönborg aber liess mit fünf Verteidigern durchspielen, Meier bekam keinen einzigen Einsatz. Und wenn der 22-jährige Enzo Guebey einen Fehler macht, muss er mit Konsequenzen rechnen, während sich Maxim Noreau Fehlpässe leisten kann, ohne dass dies seine Präsenzzeit auf dem Eis schmälert.

    Die mangelnde Förderung der Jungen, auf welche der ZSC stolz ist, spiegelt sich in einem auffallenden Wesenszug des Trainers: Er hat eine Aversion gegen alles, was nach Risiko aussehen könnte. Der 53-Jährige ist in seinem Personalmanagement sehr konservativ. Lieber geht er auf Nummer sicher, was bedeutet: Die Routiniers geniessen stets Vorrang. Sie können sich unangefochten fühlen. Doch die gewünschte Dynamik wird dadurch auch nicht freigesetzt. Der ZSC wirkt schablonenhaft und durchschaubar, keine der vier Linien sticht hervor.

    Zu nett mit den Spielern?

    Als langjähriger Nationaltrainer ist es Grönborg gewohnt, dass er bei den Spielern sehr viel voraussetzen darf. Das Ausrasten nach dem Lausanne-Spiel täuscht: Er ist kein Peitschenknaller, der die Zügel straff in den Händen hält. Mittels Kommunikation will er die Spieler überzeugen, anders als die autoritären Vorgänger Bob Hartley und Marc Crawford bezieht er das Team in die Problemlösungen ein. Lief etwas schief, grätschten die Kanadier sofort dazwischen. Grönborgs gutes Zureden allein aber stösst an Grenzen. Die Lions sind nicht auf der Flughöhe des mit Weltstars gespickten schwedischen Nationalteams. Gut möglich, dass Grönborgs Verständnis der eigenen Rolle zu wenig auf den ZSC zugeschnitten ist und er den Löwen zu viel zutraut, was diese überfordert.

    Grönborg hat das Ziel, als dritter europäischer Coach nach Ivan Hlinka und Alpo Suhonen eine Mannschaft in der National Hockey League (NHL) zu betreuen. Die ZSC Lions sind sein erstes professionelles Klubteam. Ein Titelgewinn würde sich gut machen im Lebenslauf – aber der NHL-Masterplan gerät zunehmend in Gefahr, je länger Grönborg die Erwartungen nicht erfüllt.

    Auch die ZSC Lions haben einen Masterplan: Sie haben das Team aufgerüstet, um möglichst gute Laune im Hinblick auf den Umzug in die neue Arena in Altstetten zu erzeugen. Aber mit jeder Niederlage nähert sich die Stimmung mehr dem Gefrierpunkt. Die Folge: zunehmende Nervosität; in der Klubführung, im Team und beim Trainer – Mittelmass ist im ZSC-Kosmos unerträglich.

    Jetzt geht es Schlag auf Schlag

    Grönborg weiss, dass er angezählt ist. Am letzten Freitag verwies er noch darauf, dass nicht alles so schlecht laufe: «Wir haben in den letzten 8 Spielen 16 Punkte gewonnen.» Am Samstag kam der nächste Rückschlag: 1:4 in Davos. Nun geht es mit 7 Spielen in den nächsten zwei Wochen Schlag auf Schlag. Dringender denn je braucht Grönborg eine klare Trendwende. Sonst ist sein Masterplan bald Makulatur.

    20'000 werden es nie sein. YB bringt auswärts weniger Leute als Basel und zudem soll es sogar noch schneien ab Freitag. Hoffe auf 13'000 - 14'000.

    Wir waren beide zu tief, aber Du hast gewonnen! Ich staune, und das bei dem Wetter. Ich staune auch über den FCZ und bin geneigt zu sagen "Bye bye Ebay!" :mrgreen:

    Der Trainer ist verantwortlich das er mit dem ihm zur Verfügung gestellten Material das Optimum herausholt. Hansi Flick war bei den Bayern auch nicht immer glücklich was ihm der Brazzo da hingestellt hat aber er wusste wie der Hase läuft. Und so läuft es Weltweit! Grönborg krieg es nicht auf die Reihe, er muss gehen!

    Natürlich kommt auch SL unter Druck, nur gibt es auch dort Regeln, er kann sich noch das eine oder andere erlauben. Wallson wurde ihm aufs Auge gedrückt, das hatte noch Salis zu verantworten. SL verpflichtete Kossmann und wurde Meister. Dann verpflichtete er Aubin und musste wohl auf Druck von Zahner (Vermutung) ADC verpflichten, was in die Hose ging. Grönborg hat er verpflichtet, sein Bock! Bitte umgehend korrigieren!

    Der ZSC aber bleibt ein Sorgenkind, das nicht in die Gänge kommen will. Die Frage stellt sich: Wie lange wird sich der Zürcher Trainer angesichts des enttäuschenden Saisonverlaufs noch halten können? (U. Pickel/NZZ)

    International überholt

    Die Schweizer gehen erstaunlich früh k. o.

    Schon wieder scheiden die Schweizer Clubs in der Champions Hockey League früh aus. Zudem sorgt die Organisation für ein kurioses Forfait.

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp (TA)

    Ernüchternd: Fribourg-Gottéron (Jérémie Kamerzin) ist geschlagen, Red Bull München (Yasin Ehliz, Zach Redmond und Maximilian Kastner, von links) jubelt.


    Ernüchternd: Fribourg-Gottéron (Jérémie Kamerzin) ist geschlagen, Red Bull München (Yasin Ehliz, Zach Redmond und Maximilian Kastner, von links) jubelt. Foto: Matthias Balk (Keystone)

    Die seit 2014 ausgetragene Champions Hockey League ist grundsätzlich ein feines Produkt. Der vierfache Champion Frölunda Göteborg war in fünf von sechs Finalspielen vertreten, das mag Langeweile suggerieren. Doch der Eindruck täuscht, Duelle zwischen Teams der grossen europäischen Hockeynationen bieten regelmässig Sport auf hohem Niveau. Das Hinspiel beim ZSC-Out gegen Rögle zum Beispiel dürfte etwas vom Besten gewesen sein, was es diese Saison an einem Spiel mit Schweizer Beteiligung zu sehen gab.

    Das Publikum lässt sich nach wie vor nur in wenigen Nationen für die CHL begeistern, auch die Schweiz sorgt für schlechte Beispiele. Bis zu 13 Spiele gegen denselben nationalen Gegner ziehen klar besser als einmalige Vergleiche mit europäischer Konkurrenz.

    Gerade schwedische, aber immer häufiger auch deutsche Teams zeigen unseren Clubs die Grenzen auf. Und dies, obwohl wir gerne von der NL als drittbeste Liga ausserhalb der NHL und der KHL fabulieren.

    Irritierend ist auch die mässige sportliche Bilanz. In der Gruppenphase schlagen sich die NL-Teams zwar regelmässig wacker, die Schweiz belegt in der Allzeit-Wertung Rang 2 hinter Schweden. Doch in den K.-o.-Runden ist regelmässig früh Schluss. Davos (2016) und Fribourg (2017) sind die einzigen Halbfinalisten, heuer war bereits für alle Schweizer nach dem Achtelfinal Schluss. Gerade schwedische, aber immer häufiger auch deutsche Teams zeigen unseren Clubs die Grenzen auf. Und dies, obwohl wir gerne von der NL als drittbeste Liga ausserhalb der NHL und der KHL, ergo von der besten CHL-Nation fabulieren. Dies trifft aber je länger, desto mehr nur auf die Höhe der Durchschnittslöhne zu.

    Tadeln muss man dieses Jahr auch die CHL als Ganzes für etwas gar nicht Champion-würdiges. Diese Woche fällte sie einen Entscheid, der an der Seriosität des Wettbewerbs zweifeln lässt und nicht dafür sorgen wird, dass künftig mehr Fans in die Hallen strömen. Das Rückspiel zwischen Rauman Lukko und Bolzano konnte wegen Covid-Fällen bei den Finnen nicht gespielt werden. Verschieben? Nein, nicht genug Termine. Ein Forfait-Sieg? Ja, für … Rauma. Weil die Finnen das Hinspiel 3:1 gewonnen hatten. Auf so etwas muss man zuerst kommen. Kein Wunder, fühlen sich die Italiener betrogen und sorgt die CHL in Hockey-Kreisen für europaweites Kopfschütteln.

    Ja Davos überrascht mich auch, Rappi aber noch mehr. Fribourg bleibt stark, für mich mit Berra ein heisser (mit) Favorit auf den Titel.

    Davos liegt uns, und wir brauchen die Punkte! Nach Verlustpunkten sieht es zwar nicht soo schlecht aus, aber eben, die muss man erst holen.

    Alles in allem ist Rang 6 einfach viel zu wenig für dieses Team und es muss endlich (!) vorwärts gehen!

    Weshalb der Schweizer Klubfussball dem FCZ-Präsidenten Ancillo Canepa das Vertrauen entzogen hat

    Die Generalversammlung der Swiss Football League gebar letzte Woche eine Überraschung: Der Chef des FC Zürich erhielt nur 6 von 20 Klubstimmen und muss die Ligaführung verlassen. Canepas Nähe zum früheren Liga-Präsidenten Heinrich Schifferle wurde am Ende zur Last.

    Peter B. Birrer (NZZ) Das Vertrauen wurde ihm entzogen – Ancillo Canepa ist nicht länger Teil der Ligaführung.

    Das Vertrauen wurde ihm entzogen – Ancillo Canepa ist nicht länger Teil der Ligaführung.

    Ennio Leanza / Keystone

    Endlich eine Frau? Nein, der Schweizer Klubfussball stellt sich quer. Also weiterhin keine Frau in der geschlossenen Männerwelt.

    Die Unternehmerin und frühere Fussballerin Kathrin Lehmann sollte letzte Woche ins Führungskomitee der Swiss Football League gewählt werden, als neutrale Person, die mit keinem Klub verbandelt ist. Doch sie unterlag dem Zürcher FDP-Politiker Urs Egger mit 9 zu 11 Stimmen. Für Egger hatte sich GC starkgemacht, für Lehmann das Komitee, was in der aktuellen Stimmungslage sogar ein Nachteil gewesen sein könnte. Denn die knappe Nichtwahl Lehmanns blieb nicht die einzige Überraschung an der Liga-Versammlung, an der die 20 Klubs der höchsten beiden Fussballligen Weichen stellen.

    Am Ende des Wahlreigens erhielt Ancillo Canepa, seit 2008 im Komitee und für die Finanzen zuständig, lediglich 6 von 20 Stimmen – der langjährige Präsident und Geldgeber des FC Zürich wurde krachend abgewählt. Der YB-CEO Wanja Greuel holte 17 Stimmen, Matthias Hüppi, der Präsident des FC St. Gallen, deren 16, und der FC Basel brachte seinen neuen Besitzer und Vizepräsidenten David Degen mit 12 Voten durch. Degen polarisiert und muss sich als Funktionär erst beweisen. Trotzdem wird er Canepa vorgezogen, in einem Ausmass, das viele nicht für möglich gehalten haben.

    Etwas ist aus der Sicht Canepas schiefgelaufen. Die Generalversammlung der Swiss Football League wurde zum Misstrauensvotum gegen ihn, gegen «Cillo», wie er von vielen genannt wird.

    Lobrede auf Schifferle

    Bände spricht, dass Ancillo Canepa an besagter Liga-Versammlung – vor seiner Abwahl – die Laudatio auf den nach zehn Jahren abtretenden Liga-Präsidenten Heinrich Schifferle hielt. Das Duo steuerte das Komitee nach Belieben. Canepa ist auch der erste Lobbyist, wenn es darum geht, den Rechtsfall schönzureden, mit dem Schifferle wegen eines seit Jahren dauernden Konflikts mit einem früheren Arbeitgeber konfrontiert ist.

    Pikant daran ist, dass es auch in zweiter Instanz um ein Urteil wegen «mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung» geht. Schifferle vermochte sich im Amt zu halten, als wäre nichts geschehen. Er hätte sogar weitergemacht und zog sich erst zurück, als er merkte, wie viel Gegenwind ihm um die Ohren pfeift.

    Zur bemerkenswerten Ausdauer Schifferles trug auch das Klima der Verharmlosung bei, von dem das Komitee erfasst war. Augen schliessen, durchwinken, Gerichtsurteile nicht beachten. Nicht einmal den Ausstand in Erwägung ziehen. Die Funktionärskaste des Fussballs funktioniert nach eigenen Regeln. Schifferle wurde von der Liga zum Ehrenpräsidenten ernannt.

    Die Akte Schifferle ist auch darum komplex, weil Medienhäuser wie Ringier oder Tamedia aus unterschiedlichen (Abhängigkeits-)Gründen wegschauten. Doch sein Rücktritt wurde unausweichlich, nachdem er 2019 mit 18 von 20 Stimmen (2 Enthaltungen) wiedergewählt worden war. Zu jenem Zeitpunkt lag ein erstinstanzliches Urteil vor. Schifferle ist ein exzellenter Netzwerker, er weiss, wie man sich neu ausrichtet, wie man Macht zementiert. Canepa war der Betonmischer. Heinrich Schifferle führte das Liga-Komitee ein Jahrzehnt lang nach Belieben.

    Heinrich Schifferle führte das Liga-Komitee ein Jahrzehnt lang nach Belieben.

    Alessandro Della Valle / Keystone

    Canepa ist die Nähe zu Schifferle zum Verhängnis geworden. Solches vermuten selbst Stimmen, die ihn gewählt haben und den Abgang «als grossen Kompetenzverlust für den Schweizer Fussball» werten. Canepa habe «grösste Verdienste» um den FC Zürich, man könne nicht hoch genug wertschätzen, was er für den FCZ investiere, emotional, ökonomisch. So äussern sich viele Personen im Schweizer Fussball, bevor sie zum «Aber» übergehen. Aber Canepa lebe «in seiner FCZ-Welt», habe Schifferle im Komitee «aus der Hand gefressen» und sei schliesslich ein Finanz-, aber kein Fussballfachmann.

    Es kursiert eine Schilderung, wonach Canepa vor ein paar Wochen wie ein trotziger Bub aus einer Komitee-Sitzung gelaufen sei, weil er sich übergangen gefühlt habe, als Neuerungen diskutiert worden seien. Neue Freunde schaffte er sich damit nicht, prompt folgten Anspielungen auf Napoleon. Am Ende verliess den von Emotionen geleiteten Canepa der Instinkt dafür, wie sich die Kräfteverhältnisse entwickelten, wie sie zu kippen begannen.

    Sechs Stimmen kommen für Canepa einer Abstrafung gleich. In einer kurzen Verlautbarung nimmt Canepa das Abstimmungsresultat «auch mit einem lachenden Auge zur Kenntnis», weil ihm jetzt wieder mehr Zeit für den FCZ zur Verfügung stehe. Natürlich ist der Abgang für Canepa kein Untergang, aber das ihm entgegenschlagende Misstrauen schmerzt ihn gleichwohl.

    Auch Collet abgewählt

    Dass ein neues Kapitel aufgeschlagen und eine Seilschaft zerschlagen wurde, zeigt die Tatsache, dass neben Canepa auch Jean-François Collet abgewählt wurde. Der Xamax-Besitzer kandidierte 2019 als Vertreter der Liga erfolglos für das Präsidium des Schweizerischen Fussballverbands (SFV). Collet sagt: «Die Liga hatte Lust auf etwas Neues, wollte neue Köpfe. Solche Wahlen sind immer auch Politik mit wechselnden Allianzen.» Zum Verhängnis wurde auch ihm die Nähe zu Schifferle, dessen ist sich Collet bewusst.

    Schifferle weg, Canepa, Collet ebenfalls. Wer bleibt und noch mehr in die exekutive Verantwortung rücken wird, ist der CEO Claudius Schäfer.

    In der Ära Schifferle rankten auch Gerüchte um die Entschädigung des Präsidenten. Für Schäfer und Schifferle muss die verhältnismässig kleine Liga dem Vernehmen nach jährlich 500 000 Franken aufbringen. Vor Schifferle lag die (Teilzeit-)Entschädigung des Präsidenten bei ungefähr 150 000 Franken. Der neue Liga-Präsident Philipp Studhalter wird weniger ins operative Geschäft eingreifen, weil das Komitee künftig mehr kontrollierend tätig ist – einem Verwaltungsrat gleich. Doch weil ein anforderungsreiches Halbjahr ansteht, in dem die Erweiterung der obersten Spielklasse umgesetzt werden soll, wird der Präsidentenlohn zunächst nicht reduziert.

    Corona setzt die Swiss Football League einem Stresstest aus, den Schifferle, Schäfer und Canepa vorzüglich bestanden haben. Dennoch ist die ökonomische Lage quer durch die Liga mit ihren zuvor schon meist defizitären Klubs angespannt. Der neue Vermarktungsvertrag (Urheberrechte TV und Marketing) geht von 39,6 auf 35,8 Millionen Franken pro Jahr zurück, wie dem SFL-Jahresbericht zu entnehmen ist. Minus 10 Prozent. Der Verlust hat sinkende Rangprämien in den obersten beiden Ligen zur Folge.

    Die (Corona-)Zeiten sind steinig. Weniger Erlöse aus dem Billettverkauf, weniger Transfergelder, weniger Rangprämien. Die Liga ist gefordert, mit welcher Führung auch immer.

    Vor dem Spitzenspiel gegen YB

    Warum der FCZ Meister werden kann

    Obwohl er die Liga anführt, tritt der sonst so schnell berauschte FC Zürich auf die Euphoriebremse. Also liefern wir sechs Gründe, warum die Zürcher in dieser Saison alle Voraussagen Lügen strafen könnten.

    Florian RazThomas Schifferle
    Thomas Schifferle, Florian Raz

    Sieht alles plötzlich so erfolgreich aus hier. Die Spieler des FC Zürich bejubeln eines ihrer bislang 32 Ligatore.


    Sieht alles plötzlich so erfolgreich aus hier. Die Spieler des FC Zürich bejubeln eines ihrer bislang 32 Ligatore. Foto: Michael Buholzer (Keystone)

    Der FCZ ist so gut wie seit 2014 nicht mehr

    Eine Frage reizte den Präsidenten Ancillo Canepa in der Vergangenheit: ob der FCZ ein Spitzenteam sei. Seine Antwort fiel entsprechend aus: wo man denn die letzten Jahre gelebt habe. Zur Erklärung zählte er dann die Erfolge der letzten 15 Jahre auf: dreimal Meister, dreimal Cupsieger, einmal Champions League.


    Die Frage nach dem Spitzenteam muss er diese Saison vorderhand nicht fürchten. Sein FCZ ist Leader, das schon eine ganze Woche lang. Natürlich half, dass das Spiel von Basel bei YB ausfiel. Und doch ist es eine gute Woche gewesen beim FCZ. Bereits am Tag nach dem 1:0 bei Sion ist Darius Scholtysik die positive Körpersprache im Training aufgefallen: «Brust raus, Kopf hoch, jeder will jeden Ball gewinnen und keinen Zweikampf verlieren.» Scholtysik ist der Assistenztrainer, der am Pressetermin rapportiert, weil sich André Breitenreiter am Freitagmorgen kränklich gefühlt hat und darum vorsichtshalber daheimgeblieben ist.

    Der FCZ ist seit 2014 nach 14 Runden nie mehr so gut dagestanden wie jetzt. Damals, noch mit Urs Meier als Trainer, mit Alain Nef, Nico Elvedi und Yassine Chikhaoui im Team, lag er drei Punkte hinter Basel auf Platz 2. Jetzt sagt Canepa: «Die Entwicklung der Mannschaft bereitet mir Freude. Was Mentalität, Spielphilosophie und Dynamik angeht, haben wir uns verbessert.» Er könnte auch sagen: stark verbessert.

    Breitenreiters Beweis, dass er ein Toptrainer ist

    Reichlich Grund für Jubel: André Breitenreiter, bislang äusserst erfolgreicher Trainer des FCZ.


    Reichlich Grund für Jubel: André Breitenreiter, bislang äusserst erfolgreicher Trainer des FCZ. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

    André Breitenreiter ist der Trainer, der nicht aus der Kälte kam, aber von aussen, er fing unbelastet von irgendwelchen Abhängigkeiten im Schweizer Fussball an. Mit ihm ist ein anderes Denken gekommen, eine klare Ansprache an die Spieler, eine eindeutige Ausrichtung und eine gute Kommunikation, wunde Punkte geschickt zu verpacken. Natürlich fällt die Kritik im Erfolg leichter als im Misserfolg, Breitenreiters Weg heisst: «Lobend kritisieren.» Canepa sagt: «Dass er in vielerlei Hinsicht ein Toptrainer ist, hat er hinlänglich bewiesen.»

    Mit dem 48-jährigen Deutschen hat viel zu tun, dass die Mannschaft heute eines speziell auszeichnet: ihre Widerstandskraft. Das erlaubt es ihr, immer wieder auf Rückstände zu reagieren oder auch enge Spiele zu gewinnen wie zuletzt bei Servette oder Sion. Nach vier Siegen zum Saisonstart mit nur drei Gegentoren folgten vier Spiele mit nur zwei Punkten, aber zwölf Gegentreffern. Die Antwort auf diese Delle: sechs Spiele, vierzehn Punkte. Wer das zu bieten hat, dem ist einiges zuzutrauen, sogar der Titel.

    «Demütig bleiben», hält Breitenreiter gerne dagegen. Nicht vergessen, woher man kommt. Und der FCZ kommt aus drei Saisons mit den Plätzen 7, 7 und 8, als er sich, so Canepa, «öfters in einem nervenaufreibenden Abstiegsstrudel» befand. Dazu passt, was Canepa zuhanden der Öffentlichkeit auch noch sagt: «Ich gehe einmal davon aus, dass wir dieses Jahr nicht absteigen werden. Diese Prognose ist für mich momentan die wichtigste.» Den FCZ ehrt es, dass er nicht gleich den Kopf verliert. Das ist auch schon anders gewesen.

    Der FCZ hat plötzlich einen Stürmer

    Das Lob kommt vor dem Cupspiel in Yverdon von einem ehemaligen FCZ-Trainer. Uli Forte sagt: «Was André Breitenreiter mit Assan Ceesay gemacht hat, das würde ich schon gerne wissen.»

    Faszinierend an Ceesays Aufblühen ist, dass der Gambier gar nicht so viel anders spielt als noch letzte Saison. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Er verwertet neuerdings seine Chancen.

    Bekannt ist, dass Breitenreiter Ceesay vehement dazu auffordert, weniger stark und dafür gezielter mit dem Innenrist zu schiessen. Ob das bereits gereicht hat, um Ceesays mentale Torblockade zu lösen, oder ob Breitenreiter noch etwas Seelenmassage beigegeben hat? Kann dem FCZ schlussendlich egal sein. Entscheidend ist, dass Zürich plötzlich einen richtigen Stürmer hat, Ceesay hat in dreizehn Meisterschaftspartien zehn Treffer erzielt. Tore vereinfachen im Fussball fast alles.

    Blerim Dzemaili hat seine Rolle gefunden

    Der Beweis, dass Blerim Dzemaili (Nr. 21) nicht nur für Reklamieren Gelb sehen kann – sondern auch für Unsportlichkeit.


    Der Beweis, dass Blerim Dzemaili (Nr. 21) nicht nur für Reklamieren Gelb sehen kann – sondern auch für Unsportlichkeit. Foto: Michael Buholzer (Keystone)

    Als er im Winter vor einem Jahr zum FCZ zurückfand, verströmte er viel Aufbruchstimmung. Aber dann wurde alles irgendwie zu viel für Blerim Dzemaili. Die Sehnsucht von Fans und Präsidentenpaar nach alter Grösse, eine Mannschaft in Schieflage, ein Trainer, dem alles über den Kopf zu wachsen schien: Dzemaili packte sich das alles auf die Schultern, ohne körperlich für die Aufgabe bereit zu sein.

    Die Folge war eine Abfolge von Verletzungen und völlig übermotivierten Auftritten. Dzemaili forderte jeden Ball, er passte, schoss, dribbelte und grätschte. Irgendwie wirkte er wie ein Kapitän, der auf einem leckgeschlagenen Boot Wasser schöpft, am Steuer steht, Kohlen in den Ofen schaufelt und die Rettungsboote bereit macht – alles gleichzeitig natürlich.

    Es ist das Glück des 35-Jährigen, dass ein Trainer übernommen hat, der das nötige Gewicht im Club hat, um Dzemaili wirklich nur noch dann einzusetzen, wenn es Sinn macht. Breitenreiter schätzt den Einfluss, den Dzemaili als Führungsspieler im Training und in der Garderobe auf die Mannschaft hat. Aber er wechselt ihn auch mal aus, wenn er spürt, dass die Kraft nicht mehr reicht.

    Die Folge: Dzemaili macht weniger – dafür mehr richtig. Heisst: weniger Dribblings, weniger Tacklings und weniger Ballverluste, dafür mehr angekommene Pässe und erwartbare Assists.

    Nicht zuletzt zeigen folgende Zahlen die neue Ruhe, die über Dzemaili gekommen ist: Letzte Saison hatte er nach neun Einsätzen schon fünf Gelbe Karten gesammelt. Alle für Reklamieren. In dieser Saison sind es erst zwei Verwarnungen in neun Spielen. Und eine davon sogar für etwas anderes als Meckern: Dzemaili sah sie in Basel für eine Rangelei mit dem Gegenspieler.

    Die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie

    Sorgt dafür, dass der FCZ gegen die «Kleinen» der Liga gewinnt: Stürmer Assan Ceesay.


    Sorgt dafür, dass der FCZ gegen die «Kleinen» der Liga gewinnt: Stürmer Assan Ceesay. Foto: Michael Buholzer (Keystone)

    Die aktuelle Tabelle der Super League ist nicht ganz einfach zu lesen, Nachholspiele der Young Boys sei Dank. Wie eng die vier Spitzenteams aus Basel, Bern, Lugano und Zürich beisammen sind, zeigt der Blick auf die verlorenen Punkte besser als der Punktestand. FCZ, YB und Lugano haben 14 Verlustpunkte, virtueller Leader ist der FCB mit 13 Verlustpunkten.

    So dicht war die Ligaspitze zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft seit der Einführung der Super League 2003 noch nie. Zugleich hat der Leader einen so tiefen Punkteschnitt (2 pro Spiel) wie seit 2013 nicht mehr.

    Gerade Letzteres erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Überraschungsmeister. Als Leicester 2016 spektakulär unerwartet die Premier League gewann, geschah das mit der zweittiefsten Punktezahl eines englischen Meisters seit der Jahrtausendwende.

    Das Beispiel Leicester zeigt auch, dass die grossen Teams in einer Liga Probleme haben müssen, damit ein weniger finanzkräftiger Kontrahent triumphieren kann. Was in der Schweiz derzeit der Fall ist.

    Der FCB schafft es nicht, sich in der Offensive von Arthur Cabral zu emanzipieren. Und ob der brasilianische Torjäger nach der Winterpause noch für Basel spielt, scheint mit Blick auf die vielen Transfergerüchte (Stichwort Barcelona) unwahrscheinlich.

    Und die Young Boys halten sich derzeit nicht an die goldene Regel der letzten Jahre: Die Schweizer Meisterschaft wird fast immer gegen die kleineren Teams der Liga gewonnen. Den Pokal holt, wer gegen die Teams der Ränge fünf und abwärts keine Punkte verschenkt. Und da ist der FCZ derzeit deutlich besser als YB. Die Zürcher haben hier erst sechs Zähler liegen gelassen, die Berner schon deren zwölf.

    Das ganze Repertoire und die Luft nach oben

    Der FCZ bietet Unterhaltung, langweilig ist es bei ihm kaum einmal. Dafür stehen zum einen die 32 erzielten Tore, was so viele sind wie bei keinem anderen Team; aber zum anderen auch die 24 Gegentreffer, was auf Dauer viel zu viele sind, um sich auf Platz 1 halten zu können.

    In seinem Repertoire findet sich die ganze Bandbreite vom 6:2 gegen Sion bis zum 0:4 in Bern, spektakuläre 3:3 gegen GC und Basel wie auch dröge Siege gegen Lugano. Was ihn neben der Mentalität und neben der Laufbereitschaft auszeichnet, ist seine Systemfestigkeit. Breitenreiter hat mit einem 3-4-1-2 die Grundordnung gefunden, die zum aktuellen Personal passt. Er fragt sich nicht: Was ist das Beste für mich? Sondern: Was ist das Beste für die Mannschaft?

    Breitenreiter hat das Leistungsvermögen seiner Spieler auch schon als «ausserordentlich gut» bezeichnet. Gleichzeitig sagt er gerne: «Wir haben noch viel Luft nach oben.» Das tönt nicht unbedingt so, als müsste der Höhenflug des FCZ gleich wieder zu Ende sein.

    Wie beim Hockey (oder Fussball) verursacht die schwächere Mannschaft halt mehr Fouls weil man das bessere Team oft nur mit Fouls stoppen kann. Habe mich früher auch oft genervt wenn die Bucs gegen das Pack oder die Pats gespielt haben und immer Flaggen flogen. Heute fliegen sie wenn überhaupt mehrheitlich für uns, und das ist auch gut so. Das Spiel war aber kein Gradmesser, es flogen tatsächlich überdurchschnittlich viele Flaggen.