Geld, ein Stadion und Know-how: Der Lausanne HC hätte alles, um Erfolg zu haben – nur die Ruhe will er nicht finden
Seit der ehemalige NHL-Profi und Spieleragent Petr Svoboda in Lausanne das Sagen hat, geht es wie auf dem Basar zu und her. Spieler werden in der Liga herumgeboten. Das führt zu Verunsicherung und Vertrauensverlust – ob das der Nährboden ist für den ersehnten Titelgewinn?
Ulrich Pickel (NZZ)
John Fust ist der dritte Lausanne-Trainer in drei Jahren – der Klub bewegt sich weit weg von seinen Ansprüchen.
Michael Buholzer / Keystone
Seit Ende Mai 2020 ist in Lausanne alles auf Erfolg getrimmt. Mit dem russisch-amerikanischen Geschäftsmann Gregory Finger und den Tschechen Zdenek Bakala und Petr Svoboda übernahm ein finanziell potentes Trio den ambitionierten Klub, um im nagelneuen Stadion den Traum vom Meistertitel zu realisieren. Finger und Bakala bleiben im Hintergrund. Nach aussen sichtbar ist nur Svoboda.
Und dieser hat es geschafft, zu einer Reizfigur zu werden. Zweifel an der Kompetenz gibt es keine, bringt er doch als langjähriger NHL-Spieler und erfolgreicher Spieleragent massenhaft Erfahrung mit. Aber fragwürdig ist der Führungsstil des 55-Jährigen.
Joel Genazzi: ein typischer Fall
In bester NHL-Manier bietet er Spieler anderen Klubs an, in der Absicht, Tauschgeschäfte abzuwickeln. Doch anders als in der NHL gilt hierzulande das Schweizer Arbeitsgesetz, und das erlaubt keinen Stellenwechsel ohne Plazet des Arbeitnehmers. Seit Svoboda das Sagen hat, wurden wahrscheinlich trotzdem etwa drei Viertel der Mannschaft in der Liga anderen Klubs offeriert.
Das jüngste Beispiel: Joel Genazzi, 33-jähriger Verteidiger, Gewinner von WM-Silber 2018, ein Mann, der in jedem Kader der Liga einen Platz auf sicher hätte. Im Herbst fiel er in Ungnade, er war zeitweise überzählig. Genazzi wurde anderen Klubs angeboten, dann erhielt er einen Anruf von Svoboda – und was geschah? Ihm wurde nicht wie erwartet der Abschied mitgeteilt. Stattdessen erhielt er wie aus dem Nichts einen Dreijahresvertrag, den er unterschrieb.

Ein nagelneues Stadion, doch der Erfolg fehlt: die Vaudoise aréna wurde 2019 eröffnet.
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Die Kehrtwende zeigt, wie Lausanne mit Svoboda funktioniert. Es geht um Kommunikation, Wertschätzung und Wankelmütigkeit – Ruhe kommt so keine auf. Wird einem Spieler mitgeteilt, dass man ihn loswerden will, erzeugt dies Verunsicherung. Kommt dann kein Deal zustande, ist die Folge ein Vertrauensverlust. Ein solcher kann mit einem neuen und gut dotierten Kontrakt vielleicht übertüncht werden – aber ob dies der Nährboden für Erfolg ist?
Chaotisch ging es Ende Oktober auch auf dem Lausanner Eis zu und her. Der EVZ-Stürmer Dario Simion wurde von einer Schlittschuhkufe am Unterschenkel getroffen und zog sich eine Schnittwunde zu. Für solche Fälle gibt die Liga klare Regeln vor, für die Umsetzung ist der Platzklub zuständig. Doch bis Simion medizinisch betreut wurde, verstrichen Minuten, weil Lausannes Arzt zunächst nicht erreichbar war. Schliesslich wurde Simion mit einem Material-Bus ins Spital gefahren. Der EV Zug protestierte, die Liga-Führung forderte Lausanne auf, das Konzept anzupassen.

Petr Svoboda, Mitbesitzer und der starke Mann des Lausanne HC.
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Vorfälle wie jene mit Genazzi und Simion kontrastieren mit den Ambitionen der Westschweizer. Auf die Frage, wie er sich nach einem Jahr in der hiesigen Liga zurechtfinde, sagte Svoboda in einem NZZ-Interview Mitte April selbstsicher: «Wir sind relativ neu hier. Es ist ein Lernprozess. Manche Dinge versteht man, manche nicht. Aber wir hören zu und finden uns immer besser zurecht.»
John Fust: wie lange noch?
Da sind Zweifel angebracht, auch den Trainer betreffend. Er heisst John Fust und ist nach Ville Peltonen und Craig MacTavish der dritte Coach innert drei Jahren. Fust, 49, wirkt in Lausanne seit vier Jahren in diversen Funktionen und kennt die Verhältnisse. Ob er der richtige Mann ist, um die Meisterträume zu verwirklichen, steht hingegen auf einem anderen Blatt. Als grösster Erfolg in seinem Trainer-Palmarès steht die erstmalige Play-off-Qualifikation mit den SCL Tigers 2011.
Der Erfolg im bisherigen Meisterschaftsverlauf fällt bescheiden aus, in der letzten Saison war schon im Viertelfinal gegen die ZSC Lions Schluss – eine Enttäuschung. Bringt Fust die Equipe nicht weiter, dürfte auch seine Ära von kurzer Dauer sein.
Am Sonntag spielte Lausanne im Hallenstadion. Die gehässige Partie gegen den ZSC zeigte, wie sehr da wie dort die Nerven angespannt sind – vom eigenen Anspruch ist man in Zürich genauso weit entfernt wie in Lausanne. Die Lions gewannen 1:0; Fust ist mit sechs Niederlagen in den letzten zehn Spielen im Elend. Der ZSC-Coach Rikard Grönborg kann kurz durchatmen. Aber das ist eine andere Geschichte.