Beiträge von Larry

    FC Basel – FC Zürich

    Wie gut wird dieser Dzemaili denn erst, wenn er mal fit ist?

    Blerim Dzemaili ist der überragende Mann beim 4:1-Sieg des FCZ in Basel. Und er lässt den Blick in der Tabelle schon einmal nach oben schweifen.


    Florian Raz (TA)

    «Ich bin stolz», sagte Ancillo Canepa als letztes, ehe ihm ein netter Basler Ordner «trotz allem» eine gute Heimreise wünschte. Worauf der Präsident des FC Zürich stolz war, blieb im Ungefähren. War es der erste FCZ-Sieg in Basel seit 2013? War es die Leistung seines Neuzugangs Blerim Dzemaili? Oder war es der Stolz darauf, dass es ihm gelungen ist, den verlorenen Sohn wieder nach Hause gebracht zu haben?


    Vermutlich war es eine Mischung aus all dem. Und das hing damit zusammen, wie dieser Dzemaili an diesem nasskalten Januarabend im St.-Jakob-Park aufgetreten war. Natürlich, in gewissen Szenen war ihm anzusehen, dass er im April auch schon 35 Jahre alt wird. Und vor allem, dass er unter der Woche wegen Knieproblemen bloss zweimal hatte trainieren können.

    Ja, Goalie und Captain Yanick Brecher wagte sogar eine kleine, freundschaftliche Spitze, als er feststellte: «Ihm fehlt noch der Rhythmus. Das sieht man.» Aber da war der Beobachter spontan geneigt zu fragen: Wie gut wird denn bitte Blerim Dzemaili, wenn er erst mal richtig fit ist?

    13 Jahre, 9 Monate und 14 Tage später

    Am 9. April 2007 hatte Dzemaili letztmals ein FCZ-Dress in einem Ligaspiel getragen. Damals verloren seine Zürcher das Spitzenspiel zu Hause gegen Basel – wurden danach aber trotzdem Meister. 13 Jahre, 9 Monate und 14 Tage später wirkte es, als sei Dzemaili immer schon Teil der aktuellen Zürcher Mannschaft gewesen. So sehr dominierte er bereits den Rhythmus, so sehr tat er sich auch akustisch als Leader hervor.

    Vor allem brachte Dzemaili eine Körperhaltung auf den Platz, eine Präsenz, wie kein anderer in diesem Spiel. Er wirkte wie eine unverhofft auftauchende Erinnerung an fast vergessene Tage. An Zeiten, in denen im Klassiker noch Feuer und Dramatik lagen. Als es noch um reale Titelchancen ging – und nicht um rein theoretische, wie sie die Basler im Duell für YB für sich reklamieren.

    Einmal, es stand nach einer Stunde noch immer 0:0, warf sich Dzemaili in einen Freistoss Eray Cömerts, als sei er ein Bodyguard mit dem Auftrag, die Queen zu beschützen. Nach dem abgewehrten Schuss sprang er auf. Die Brust nach vorne, den Rücken durchgestreckt, das Kinn hoch. Sein ganzer Körper als klare Ansage: «Ist das alles, was ihr habt? Kommt nur, wenn ihr wollt!»

    Aber da kam kein Basler

    Spätestens in dem Moment muss er realisiert haben, wie sehr sich die Duelle zwischen FCZ und FCB seit seinem Weggang verändert haben. Denn da kam kein Basler. Die Zeiten, in denen bei Basel gegen Zürich immer die latente Spannung eines Strassenkicks zwischen zwei verfeindeten Quartierteams mitknisterte, sind vorbei.

    Also drehte Dzemaili in der Folge erst so richtig auf. Erst sein öffnender Pass auf Antonio Marchesano, der Cömerts Eigentor zum Zürcher 1:0 einleitete. Dann ein Freistoss der gehobenen Güteklasse auf den Kopf von Lasse Sobiech zum 2:0.

    Es waren die entscheidenden Bälle dieser Partie. Auch wenn Cabral zwischenzeitlich noch der Anschlusstreffer gelang. Dzemaili hatte die Basler derart angeknockt, dass die Zürcher das Ding ab der 80. Minute auch ohne Dzemaili über die Runden schaukeln konnten.

    Noch einmal provozierte Marchesano ein Basler Eigentor, diesmal durch Fabian Frei (81. Minute). Und als dieser Frei dann auch noch den eingwechselten Wilfried Gnonto im Frust von den Beinen holte, verwandelte wieder Marchesano den Elfmeter zum Schlussresultat von 4:1 für die Zürcher.

    So etwas wie eine Jubelarie von Massimo Rizzo

    Massimo Rizzo ist keiner, der sich gerne über einzelne Spieler auslässt. Aber nach diesem Debüt kam dann auch der so besonnene FCZ-Trainer nicht um diese Aussage herum: «Die zweite Halbzeit spricht stark für Blerim.» Auf der nach unten offenen Rizzo-Aufregungsskala kommt das schon fast einer Jubelarie gleich.

    Und Dzemaili selbst? War auch nach der Partie ganz Vorzeigeprofi. Verwies zuerst auf die Mitspieler: «Ich bin kein Einzelsportler. Erfolg ist nur als Team möglich.» Und wagte dann doch einen etwas forscheren Blick in die Zukunft, die für den FCZ am Mittwoch FC Vaduz heisst: «Wenn wir das nächste Spiel auch noch gewinnen, dann können wir schauen, welche Ambitionen wir gegen vorne haben.»

    Spezielle Zeiten, spezielle Meister. Glaubt jemand die Liverpool Fans hätten lieber nochmals 30 Jahre gewartet? Sicher nicht! Klar ist es nicht dasselbe wie sonst, aber die Fans freuen sich trotzdem über die Titel, in welchem Land und in welchem Sport auch immer. Später wird einfach in den Analen stehen 2021 EV Zug. Nicht 2021* EV Zug (*Corona).

    Reformen in der National League

    Das wahre Problem hinter der Ausländer-Diskussion im Eishockey

    Die Clubs wollen noch mehr Importspieler, mit einer grösseren Auswahl von jungen Schweizern wäre dies gar kein Thema. Doch warum rücken in der National League so wenige Junioren nach?


    Kristian Kapp (TA)

    Die Schweizer Spieler wurden in den letzten Jahren immer teurer, die Clubs sehen eine Erhöhung der Anzahl Ausländer als letzte Möglichkeit, die Löhne zu senken. Von vier auf zehn pro Team und Partie soll die Zahl erhöht werden, um vor allem die Preise der Dritt- und Viertlinienspieler zu drücken.

    Über das wahre Problem der teuren Mittelklasse-Spieler wird aber kaum diskutiert: Es rücken zu wenige junge Schweizer nach. Bei einer grösseren Auswahl gäbe es die Ausländer-Diskussion gar nicht. Das zeigt zum Beispiel ein Blick nach Schweden, wo es keine Beschränkung gibt, die SHL aber dennoch nicht von Ausländern überflutet wird. Im Schnitt gut sechs Nicht-Schweden pro Team kommen aktuell zum Einsatz. Zudem spielen deutlich mehr junge Schweden in ihrer Liga. Auf das Niveau hat das seit Jahren keinen negativen Einfluss, in der Champions League sind Schwedens Clubs die klar erfolgreichsten.



    Entsprechend ist der Unterschied Schweden - Schweiz bei der Anzahl Spieler, die in der NHL gedraftet werden. 140:10 zugunsten Schwedens lautet die Bilanz der letzten fünf Jahre, 17:1, was Runde 1 angeht. All das hat Auswirkungen auf die U-20-Nationalmannschaft: An der letzten WM schnitt die Schweiz so schlecht ab wie noch nie seit 2009. Der Vergleich mit Schweden sei unfair, hört man hier oft. Schliesslich hätten die Skandinavier (50’000) deutlich mehr Nachwuchsspieler als die Schweiz (knapp 20’000) – ein Verhältnis, das aber nicht im Einklang mit jenem der Einwohnerzahlen (10,2 Mio. und 8,5 Mio.) steht.

    Alles begann vor gut zehn Jahren

    «Als ich erstmals bei den Erwachsenen spielen durfte, fehlte es mir im einzeltaktischen Bereich an allen Ecken und Enden», sagt Andreas Küng. Der frühere NLB-Spieler und Teil des Schweizer U-18-WM-Silberteams 2001 ist heute Trainer des Erstligisten Frauenfeld, vor allem aber auch Nachwuchschef des Clubs und kennt die Situation der Kinder bis hinunter in die U-9. Er sieht heute die immer noch gleichen Probleme: «Viele Trainer erwarten bei den Profis fertige Spieler. Doch nicht mal Topskorer von U-20-Teams schlagen sofort ein, selbst in der Swiss League nicht.»

    Der direkte Sprung von den U-20 in die National League erscheint mittlerweile fast unmöglich. Stammspieler im Juniorenalter gibt es in der höchsten Liga derzeit nur drei. Das war nicht immer so. Alles begann rund um das Jahr 2010, als die ersten Schweizer via kanadische Juniorenliga CHL in die NHL kamen: Nino Niederreiter, Luca Sbisa, Sven Bärtschi und Co. Immer mehr eiferten ihnen nach.

    Die CHL, zu dessen Business-Model das Zuliefern von Spielern in die NHL gehört, ködert europäische Junioren entsprechend: Die Aufmerksamkeit der Scouts ist grösser, der Weg in die NHL kürzer. Viele verfallen diesen Argumenten, selbst wenn sie nicht wirklich NHL-Talent besitzen. Dies gilt nicht nur für Schweizer. Einzig die Schweden verschmähen die CHL, sie setzen auf die Ausbildung im eigenen Land. Weil diese die wohl beste in Europa ist. Und weil ihr Verband Druck machte und schon 2013 für die U-18-WM kaum noch in der CHL engagierte Schweden aufbot.

    Noch einschneidender war die Neuerung in der Swiss League 2016/17. Nach Jahren mit nur zehn oder neun Teams wurde die zweithöchste Liga mit Farmteams aufgestockt: Mit der Academy in Zug und den Rockets aus Biasca, die mit drei NL-Teams (Ambri, Davos, Lugano) eine Zusammenarbeit eingingen. Zusammen mit den ZSC Lions und dem EHC Kloten, der mit Winterthur kooperierte, gab es sechs NL-Teams, die ihre besten Junioren (auch) in der Swiss League einsetzten.


    Und wenn das alleine die U-20-Meisterschaft nicht genug verwässert hätte, kam auch noch die Neustrukturierung der dritthöchsten Stufe: Aus den drei regionalen 1. Ligen wurde 2017 die nationale Mysports League, in der ebenfalls auch gute U-20-Spieler eingesetzt wurden. So sank das Niveau der Juniorenmeisterschaft.

    Die besten Junioren spielen nicht mehr gegeneinander, viele gehen zudem nicht nur wegen des NHL-Traums in die CHL, sondern auch, weil ihnen zweierlei fehlt: die Herausforderung in der U-20 sowie die Perspektive, in der NL Chancen zu erhalten.

    Eine Frage des Schulsystems

    Warum kennen die Schweden diese Probleme kaum? Und warum sind ihre Junioren, die in der SHL eingesetzt werden, im Vergleich zu den Schweizer Altersgenossen nicht nur einzeltaktisch besser ausgebildet, sondern auch physisch? Von den Unterschieden in den technischen Bereichen ganz zu schweigen.

    Anders Olsson, Assistenzcoach in Biel, war neun Jahre Juniorentrainer in Jönköping und General Manager der Nachwuchsabteilung des SHL-Vereins HV71. Die Unterschiede erstaunen ihn nicht, Schwedens Schulsystem und die Hockey-Akademien, die Gymnasien, mit denen jeder SHL-Club zusammenarbeitet, sieht er als Hauptgrund: «Für unsere Spieler gab es am Morgen als Teil des normalen Unterrichts eine Stunde das Schulfach Eishockey mit individuellem Skill-Training. Vor und nach dem Teamtraining am Nachmittag kamen zusätzliche Individual-Trainings dazu», erzählt Olsson und sagt: «Da kommen in all den Jahren unzählige Stunden mit wichtigen Repetitionen von Bewegungsabläufen zusammen.»

    Ein auf den Sport abgestimmtes Schulsystem hilft nicht nur bei der technischen Ausbildung. Nicht nur häufigere, sondern bessere Trainingszeiten, am Nachmittag statt am Abend, sowie der Fokus auf Ernährung und Erholung beeinflussen die Entwicklung der jungen Körper. Ein Thema, mit dem man auch bei Küng offene Türen einrennt. «In der Schweiz ist es nicht unüblich, dass die Kinder wegen späten Trainings erst um 22.30 Uhr zu Hause sind, teilweise noch Hausaufgaben erledigen und am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder aufstehen. Sie sind permanent im Stress.» Auch bei der U-18-Auswahl stellten die Nationaltrainer schon fest, wie ausgelaugt die Spieler im April seien im Vergleich zum Dezember.


    Die grössere Konkurrenz unter Schwedens Nachwuchs sorgt für Antrieb. Für ihre Clubs ist es zudem ein Anreiz, Junioren für die NHL auszubilden. In Grossclubs wie Frölunda sind die Zahlungen der NHL von 250’000 US-Dollar pro verpflichteten Junioren fix budgetiert. Die Schweiz war bis 2020 das einzige «Hockeyland», das kein solches NHL-Abkommen hatte. Die rund 200 besten Schweden spielen im Ausland, es werden ständig Plätze für Junioren frei. Dennoch gibt es keine Gratisplätze. «Wir hatten eine Regel bei HV71», erzählt Olsson. «Junioren durften nur dann in der 1. Mannschaft eingesetzt werden, wenn ihre physischen Werte mindestens dem Durchschnitt der Profis entsprach.»

    Einer, der alle Optiken kennt

    Schweden krempelte vor 17 Jahren seine Ausbildungsstrategie nach schlechten Jahren an U-20-WM komplett um. Im Fokus stand die Rekrutierung. Die Clubs investierten Geld, um so viele Haushalte wie möglich anzuschreiben, auch in den Sprachen diverser Migranten, um die Kinder zu Schnuppertrainings mit gesponserten Ausrüstungen zu animieren. Massiv verbessert wurde auch die Ausbildung der Trainer auf allen Stufen. Entstanden dabei ist das Standardwerk «Eishockey-ABC», woran sich landesweit alle Nachwuchstrainer bei der Ausbildung der Kinder halten müssen.

    «Diese Trainerausbildung ist die beste der Welt», sagt Dan Tangnes. Zugs Cheftrainer hat ebenfalls mitdiskutiert, als er seine Coachingkarriere in Schwedens Nachwuchs-Hockey begann und miterlebte, wie in der Neustrukturierung auf Zusammenarbeit unter den Clubs und ihren Juniorentrainern gesetzt wurde. Als 15-jähriger Junior war der Norweger nach Schweden gekommen, er kennt alle Optiken dieser Diskussion.


    Er stellt generelle kulturelle Unterschiede fest: «In Schweden lehren sie die Junioren, Problemsituationen auf dem Eis selber zu erkennen und kreativ Lösungen zu finden. Es wird Eishockey-Verständnis beigebracht. In der Schweiz wird im Nachwuchs oft gecoacht, um zu gewinnen.» Die Besten kommen mit all ihren einzeltaktischen Mängeln durch die Nachwuchsstufen, weil sie für ihre Coachs Siege holen. Tangnes geht noch einen Schritt weiter: «Diese Mängel sind auch noch bei den Profis vorhanden, oft selbst bei den besten Spielern der Liga.»

    Fehler tolerieren

    Küng widerspricht nicht: «Wir bilden immer weniger ‹Künstler› aus, da diese in ihrer Kreativität unterdrückt werden, wenn Gewinnen Priorität hat und Fehler verboten sind.» Olsson formuliert es so: «Du musst als Coach Fehler tolerieren, auch wenn es dich Siege kostet. An was erinnern wir uns eher bei Nino Niederreiter? An irgendwelche Titel bei den Junioren? Oder dass er in Chur und Davos ausgebildet wurde?»


    Die Schweiz droht den Anschluss an die grossen Nationen zu verlieren. «Wir müssen bei Änderungen aber nicht über die aktuelle U-20 reden», sagt Küng, «sondern über die U-9 und U-11. Dort müssen die Fundamente gelegt werden.» Schwedens System, da sind sich alle einig, kann nicht kopiert werden. Man könne aber über Punkte, die auch hier umsetzbar wären, diskutieren. Die Rekrutierung, die Trainerausbildung, der Austausch unter den Clubs.

    Und Küng plädiert für Geduld der NL-Trainer: «Spieler sollten bis 23 aktiv ausgebildet werden. Und es braucht mehr Trainer auch auf höchster Stufe mit ausbildungstechnischen Skills sowie Clubs mit entsprechenden Strategien.» Ob all dem nachgekommen wird? Diskutiert wird ja vor allem über die Aufstockung der Anzahl Ausländer.

    Eishockey-Leader ist entrückt

    Ist das bereits der Titel für den EV Zug?

    Die Zuger feierten gegen den ZSC den 7. Sieg in Serie, sind in der Regular Season kaum mehr einzuholen. Und die Zeit für ein Playoff wird zusehends knapper.


    Simon Graf (TA)

    Den EV Zug zu schlagen, das ist für die ZSC Lions in dieser Saison bisher eine Mission Impossible. Immerhin waren sie im dritten Versuch erstmals nahe dran, verloren sie erst mit 1:2 im Penaltyschiessen. «Die Zuger sind schnell, unberechenbar, schwierig zu fassen», beschrieb ZSC-Verteidiger Christian Marti am Freitag spät die Qualitäten des souveränen Leaders. «Und die Selbstverständlichkeit, die die Zuger haben, fehlt uns momentan.»


    In der Tat. Derweil sich bei den Zürchern seit inzwischen neun Spielen Niederlage und Sieg abwechseln, gewann der EV Zug zum siebten Mal in Serie – und punktete zum 20. Mal nacheinander. Die letzte EVZ-Niederlage nach 60 Minuten datiert vom 13. November, ein 0:4 in Genf. Noch dreimal punkten, und die Zuger haben die Rekordserie des HC Lugano aus der Saison 1987/88 egalisiert. Damals sprach man vom Grande Lugano, in jenem Winter war es unterwegs zum dritten Titel in Serie. Und Coach John Slettvoll hatte den Übernamen Magier.


    Bei allem Respekt, beim EVZ von Magie zu sprechen, so weit möchte Marti nicht gehen. Die Kovar-Linie sei immer gut für Torgefahr, und natürlich sei Leonardo Genoni ein starker Goalie. Aber man könne es auf folgenden Nenner bringen: «Zug hat eine solide Mannschaft, wie wir auch. Und auch wenn es jetzt blöd klingen mag: Ich glaube, wir haben eine Truppe, die im Playoff dann schon nochmals zulegen kann.»

    Das Problem ist nur: Ob in dieser Saison in der Schweiz überhaupt Playoff gespielt wird, ist fraglich. Derweil sich Lausanne glänzend erholt zeigte von den Coronainfektionen im Team mit der britischen Mutation, Ambri gleich 6:0 vom Eis fegte, verzögert sich der Wiedereinstieg des SC Bern weiter. Inzwischen wurde auch das Sonntagsspiel gegen den EV Zug verschoben und hat man sich in der Liga darauf geeinigt, die Regular Season, die am 22. März hätte zu Ende gehen sollen, um zwei Wochen zu verlängern.

    Terminnot wegen der WM

    Realistischerweise wird auch das nicht reichen, um alle 52 Runden zu absolvieren. Die Berner haben noch 33 Partien zu bestreiten. Vor Mitte April dürfte die Qualifikation kaum fertiggespielt sein, und fünf Wochen später würde bereits die A-WM (ab dem 21. Mai) anstehen. «Es gilt zu verhindern, dass wir während der WM noch Playoff spielen», sagt ZSC-CEO Peter Zahner. Er sorgt sich nicht nur ums Nationalteam, sondern auch um den Stellenwert eines solchen Playoffs zur Unzeit.

    Bei den National-League-Clubs wäre man wohl kaum betrübt, würde die WM abgesagt. Doch beim Internationalen Eishockeyverband ist man fest entschlossen, sie irgendwie über die Bühne zu bringen. Ob die Liga noch Zeit findet, ein Playoff abzuhalten, ist also offen. Von drei Serien über «Best of 7» bis zu drei Serien über «Best of 3» ist alles denkbar. Nur eines haben die Clubs ausgeschlossen: Eine Verkürzung der Qualifikation, um einen früheren Playoff-Start zu ermöglichen. Auch aus monetären Gründen, erhalten sie doch für jedes Geisterspiel A-fonds-perdu-Beiträge.

    Die verpasste ZSC-Chance

    «Ich hoffe schwer, dass wir Playoff spielen werden», sagt ZSC-Verteidiger Marti. «Sonst wäre es schon sehr schräg, so wie letzte Saison, als dann irgendwann einfach fertig war.» Mit dem Unterschied, dass diesmal, wenn mindestens drei Viertel der Regular Season gespielt wären, ein Meister ausgerufen würde. Und der würde aller Wahrscheinlichkeit nach EV Zug heissen. Die ZSC Lions verpassten es am Freitag, mit einem Sieg wieder etwas Spannung hinzubringen, haben nun schon 15 Punkte Rückstand auf den EVZ. Die Meisterschaft könnte bereits entschieden sein.

    Also mit 37 Punkten aus 26 Spielen wäre er aktuell in unserer Operettenliga Topscorer ;)
    Kenne die Finnische Liga aber nicht und weiss deshalb auch nicht ob dieser Vergleich hinkt!

    War 16/17 beim SCB, 46 Spiele, 38 Punkte (13 T, 25 A). Spielte danach drei Jahre bei Frölunda in Schweden, machte dort 55, 50 und 48 Punkte. 3x Topskorer dort. Passt!

    Auf der Suche nach etwas Sport aus Europa habe ich doch tatsächlich einen Sender gefunden der ZSC-EVZ überträgt!:shock: Leider müsste ich um den empfangen zu können das Sport Packet bei meinem Provider buchen....aber schon krass was heute alles wo überall gesendet wird!



    Vorschau auf das Spiel der Runde (22. Januar)

    ZSC Lions – EV Zug (19.45 Uhr): Dies ist die einzige Begegnung, bei der die Zürcher nicht als Favorit bezeichnet werden müssen, betrachtet man einerseits den Tabellenstand, anderseits die bisherigen beiden Begegnungen. Es war aus Zürcher Sicht ein geradezu traumatisches Erlebnis, als am 22. und 23. Oktober die zwei Back-to-Back-Partien stattfanden: 3:6 im Hallenstadion, 2:8 in Zug. 14 Gegentore in 120 Minuten, so unbarmherzig hatten die Zentralschweizer den Tarif durchgegeben.

    Und nicht nur das. Beim 2:8 im eigenen Stadion jubelten sie ausgelassen über jedes Tor, auch dann noch, als längst klar war, wer der Sieger sein würde. Für die Zuger sind Spiele gegen den ZSC eine Prestige-Angelegenheit ersten Ranges, so wird das auch diesmal sein. Sie wollen ihren Spitzenplatz im Klassement weiter festigen. 28 Spiele weisen sie auf, eines mehr als die zweitplazierten Lions, und dabei haben sie bereits 14 Punkte Vorsprung.

    Für die Mannschaft von Rikard Grönborg wird das Spiel eine aufschlussreiche Standortbestimmung sein. Sie wird einen hochmotivierten Gegner antreffen und im Laufe des Abends merken, ob sie diesem das Wasser reichen kann. Aus ihrer Sicht wäre das umso wichtiger, als sie seit gut drei Wochen auf Schlingerkurs ist. Sieg folgt auf Niederlage. Es gibt eigentlich nichts, was im Vorfeld für einen Zürcher Sieg spricht. Und dies ist gleichzeitig das einzige, das wiederum für die Lions sprechen könnte. Den Druck des Favoriten haben sie für einmal nicht. (pic.)

    Nachwuchsflaute auf Eis

    So gross ist das Junioren-Problem im Schweizer Eishockey

    Junge Spieler erhalten in der National League kaum Eiszeit – nicht einmal jetzt, da es keinen Absteiger gibt. Wie soll das erst mit mehr Ausländern werden?


    Kristian Kapp (TA)

    Die Clubs der National League debattieren derzeit eifrig über Reformen, die vor allem eines bringen sollen: tiefere Spielerlöhne. Eine der wichtigsten Massnahmen soll die Erhöhung der Anzahl erlaubter Ausländer pro Spiel und Team von vier auf bis zu zehn werden.

    Die Clubs betonen, dass die Junioren und ihre Förderung weiterhin wichtig bleiben würden. Bloss: Die aktuellen Zahlen lassen daran zweifeln. Denn die Statistik der Eiszeiten zeigt: Die Clubs setzen Junioren schon jetzt kaum ein. Mit bloss vier Ausländern. In der Corona-Saison, in der es keine Absteiger gibt.


    Aber schauen wir es uns im Detail an und werfen dabei auch einen Blick auf zwei andere Meisterschaften. Auf die SHL und Schweden, Europas Vorzeigenation in der Ausbildung von Nachwuchsspielern. Und auf die DEL und Deutschland, ein Land, dessen Eishockey in der Schweiz in den letzten Jahren auch ein wenig belächelt wurde – warum auch immer.

    Das sind die Kriterien

    Beginnen wir mit der Schweiz, Stichtag aller folgenden Statistiken war Sonntag, der 17. Januar. Als «Junioren» definieren wir alle Spieler mit Geburtsjahr 2001 und jünger, das waren auch die Jahrgänge an der letzten U-20-WM, an der die Schweiz mit null Punkten und 5:20 Toren so schlecht abschnitt wie noch nie seit dem Aufstieg in die A-Gruppe 2009.

    Um den Fokus zu erweitern, nehmen wir in einem zweiten Schritt auch noch die 2000er-Jahrgänge dazu. Das sind die Jüngsten, die nicht mehr als Junioren gelten.

    In die Übersicht nehmen wir generell nur Spieler, die für das jeweilige Land auch in der Nationalmannschaft spielen könnten. Für die Schweiz bedeutet dies: keine Österreicher wie Benjamin Baumgartner (Davos) oder Marco Rossi (ZSC) und keine Tschechen wie Frantisek Rehak (Lakers). Oder für die Schweden: kein Moritz Seider (Rögle), dem deutschen Topskorer unter den Junioren in der SHL.

    Und, da es um Eiszeit und auch Special Teams wie Powerplay und Penalty Killing gehen wird, beschränken wir uns auf die Feldspieler.

    Und da zeigt sich Folgendes: Schweizer Spieler der Jahrgänge 2001 und jünger werden in der National League kaum eingesetzt. In 152 Partien standen zwar 26 Spieler auf einem Matchblatt. Regelmässig eingesetzt wurden nur drei: Ambris Verteidiger Rocco Pezzullo (19 Spiele) sowie mit je 16 Spielen die Stürmer Simon Knak (Davos) und Patrick Petrini (SCL Tigers). Auf Platz 4 folgt Biels Elvis Schläpfer, der in 8 Spielen durchschnittlich 6:14 Minuten auf dem Eis stand.

    Zählen wir alle Eiszeiten der 26 eingesetzten Junioren zusammen, kommen wir auf folgenden Durchschnitt: Pro Team und Partie stehen Junioren nur 2:42 Minuten auf dem Eis. Nicht falsch verstehen: Das ist nicht pro Junior, sondern pro Team. Absurd klein ist die Zahl, wenn wir uns nur auf die Special Teams beschränken. Pro Team und Partie dürfen Junioren im Durchschnitt gerade einmal für 13 Sekunden aufs Eis – Petrini ist der Einzige mit regelmässigen Einsätzen im Powerplay.

    All diese Zahlen sind auch darum so tief, weil gleich vier Teams bislang keinen Schweizer Junioren eingesetzt haben und den Liga-Durchschnitt entsprechend nach unten ziehen: Servette, Lausanne, die Lakers sowie die ZSC Lions.

    Von Ambri bis Zug: Wer gibt den Junioren Eiszeit?


    Mit den 2000ern sieht es besser aus – aber nur ein bisschen …

    Damit nicht der Eindruck entsteht, die National League sei eine Liga für Veteranen, schauen wir nun auch noch auf die 2000er-Jahrgänge. Immerhin finden sich da mit Jeremi Gerber, Mika Henauer (beide Bern), Valentin Nussbaumer (Biel, neu Davos), Yanick Stampfli, Gilian Kohler (beide Biel), Oliver Heinen, Davyd Barandun (beide Davos), Stéphane Patry (Genf), Sandro Schmid, David Aebischer (beide Fribourg), Keijo Weibel (Langnau), Gian-Marco Wetter (Lakers), Nico Gross (Zug) 13 Spieler, die mehr oder weniger als Stammkräfte bezeichnet werden können. Und mit Tim Berni (ZSC) und vor allem Janis Moser (Biel) zwei Verteidiger, die richtig gute Rollen innehaben.

    Aufmerksame Leser haben festgestellt: Lausanne kommt auch bei den 2000er-Jahrgängern nicht vor. Jüngste LHC-Spieler mit Eiszeit sind Ken Jäger und Guillaume Maillard, beide Jahrgang 1998.

    Wenn man die 2000er dazuzählt


    Und das sind die Eiszeiten in der NL, wenn man als Kriterium «Jahrgang 2000 und jünger» nimmt: Pro Spiel und Team 16:26 Minuten. Davon Special Teams: 1:48 Minuten. Das tönt schon besser, ist aber immer noch bescheiden. Doch wie ist es im Vergleich mit Deutschland und Schweden?


    Deutschland: Fast dreimal mehr Eiszeit für Junioren

    Beginnen wir mit der DEL, in der acht Runden gespielt sind, und bleiben vorerst bei den Junioren, also den Jahrgängen 2001 und jünger: 7:11 Minuten lautet die Zahl und ist damit deutlich höher als in der Schweiz. Und das, obwohl in den 14 DEL-Teams bislang 171 Ausländer eingesetzt wurden. In der Schweiz waren es inklusive «Lizenz-Schweizern» bislang 90 Ausländer in 12 Clubs. In den Special Teams kommen die deutschen DEL-Junioren nur marginal mehr zum Einsatz als in der NL: 21 Sekunden pro Team und pro Spiel.

    Nehmen wir die 2000er-Jahrgänge dazu, sieht die Schweiz sogar leicht besser aus. Dies, weil in der DEL bislang nur elf 20-Jährige überhaupt zum Einsatz kamen – die Saison ist im Gegensatz zur NL noch jung, das ist für die DEL bei diesem Vergleich eher ein Nachteil. Die Zahlen der DEL, wenn wir «Jahrgang 2000 und jünger» als Kriterium nehmen: 12:10 Minuten pro Team und pro Spiel, 0:46 Minuten davon Special Teams.

    Schweden: Eine andere Welt

    Schauen wir nun auf Schweden. In der SHL haben die Teams zwischen 27 und 34 Spiele absolviert, das ist näher bei der NL (19 bis 27 Spiele). Auch die Anzahl eingesetzter Ausländer ist ähnlich: 91 in 14 Teams.

    Bleiben wir vorerst bei den Junioren: 83 Schweden mit Jahrgang 2001 oder jünger standen bislang auf einem Matchblatt. Pro Team und pro Partie lassen die SHL-Clubs ihre Junioren 16:28 Minuten aufs Eis, also sechsmal länger als in der Schweiz. Krasser ist der Vergleich bei den Special Teams: 1:40 Minuten lautet die SHL-Zahl, das ist fast achtmal mehr als in der NL.

    In der SHL sind 20 Junioren bereits mehr oder weniger Stammspieler, 14 davon kommen in den Special Teams regelmässig zum Einsatz.

    Man ahnt es: Addieren wir nun auch die Zahlen der 2000er-Jahrgänge, wird der Unterschied gigantisch. 29 Schweden kommen dann nämlich dazu, 22 davon stehen pro Partie 10 Minuten oder länger auf dem Eis, 18 werden regelmässig in den Special Teams eingesetzt. 12 Spieler sind bereits Leistungsträger mit knapp 15 Minuten pro Spiel oder mehr.

    Die Zahlen mit dem Kriterium «Jahrgang 2000 oder jünger» in der SHL: 34:58 Minuten Eiszeit pro Team und Partie, davon 3:52 Minuten in den Special Teams.

    Das sind beeindruckende Zahlen und sprechen auch für die Qualität der Spieler. Trotz deutlich mehr eingesetzten jungen Spielern wird in der SHL auf höherem Niveau gespielt, das beweisen auch die Resultate in der Champions Hockey League seit Jahren.

    Ja, aber …

    Natürlich: Es lassen sich aus der Sicht der Clubs viele «Aber» einstreuen. Aus Zug zum Beispiel könnte der berechtigte Einwand kommen, dass mit Tobias Geisser, Livio Stadler, Sven Leuenberger, Yannick Zehnder und Calvin Thürkauf fünf «Eigene» mit den Jahrgängen 1997 bis 1999 nun Stammspieler sind, «junge Spieler» (ein dehnbarer Begriff …) also nicht grundsätzlich verschmäht werden.

    Und es werden sich landesweit problemlos Meinungen finden, die ebenso zu Recht darauf hinweisen, dass die Qualität der Junioren in der SHL und die Ausbildung in Schweden generell derart höher respektive besser sind, dass ein 1:1-Vergleich schlicht unfair sei.

    Das ist gut und recht. Allerdings gilt auch das: Junge Schweizer wollen auch darum in die Juniorligen Kanadas oder Schwedens, weil sie in der NL keine Perspektiven auf regelmässige Einsätze sehen. Das ist ein Punkt, den die Schweizer Clubs beachten müssen, wenn sie die Ausländerbeschränkung erhöhen möchten und gleichzeitig von den «weiterhin wichtigen Junioren» sprechen.

    Darum zum Schluss nochmals diese beiden Zahlen, die zu denken geben müssen: In der «Corona-Saison» 2020/21 stehen in der NL pro Club und Partie im Schnitt während nur 2:41 Minuten Spieler im Juniorenalter auf dem Eis. Und während nur 13 Sekunden in den Special Teams.

    Warum? Die ist doch mehr oder weniger durch (10-2 Stimmen) und es geht ja um Änderungen für in 2 Jahren, oder?

    Nein sie haben nur mal festgelegt das es diese und nächste Saison keinen Absteiger gibt aber einen Aufsteiger wenn der will. Der Rest ist nach wie vor in der Schwebe. Das mit den Ausländern wurde noch nicht bestimmt. Ob SCB und HCD immer noch Hand in Hand dafür sind? Der EVZ? Druck aus Fan Kreisen? Man darf gespannt sein!