Beliebte Bundesdarlehen
Wieso der ZSC vom Bund mehrere Millionen will
18 von 24 Clubs haben im Schweizer Eishockey die zinslosen Darlehen beantragt. Überraschend auch der ZSC, der zu den finanziell besser gestellten Teams gehört.
Simon Graf, Roland Jauch (TA)
Peter Zahner ist nicht Pfarrer, sondern CEO. Doch nach diesem ungewöhnlichen Jahr verfasste auch er eine Weihnachtsansprache. In schriftlicher Form wandte er sich an die Fans und Sponsoren und sinnierte über diese Zeiten zwischen Ohnmacht und Hoffnung, über die «Achterbahnfahrt der Gefühle».
Es sei ihm auch ein Anliegen gewesen, sich zu bedanken für die Solidarität und einige Informationen zu geben, sagte Zahner. «Wenn ich zu normalen Zeiten ins Stadion komme, werde ich oft angesprochen. Dieser Kontakt fehlt jetzt gänzlich. Und wir stecken da ja alle gemeinsam drin.»
Im sechsten Abschnitt erwähnte Zahner, dass die ZSC Lions und ihr Farmteam Bundesdarlehen beanspruchen würden: 25 Prozent des betrieblichen Aufwands der Saison 2018/19, rückzahlbar über zehn Jahre – rund 4,5 Millionen Franken für die ZSC Lions und knapp 700’000 für die GCK Lions.
Erfolg für den Ligachef
Bis zum 18. Dezember mussten die Darlehen beantragt werden. 18 von 24 Clubs aus der National und der Swiss League hätten ein Gesuch eingereicht, sagt Ligachef Denis Vaucher. Das ist für ihn und die Clubverantwortlichen, die die Konditionen nachverhandelt hatten, ein Erfolg. Wegen der strittigen Solidaritätsklausel, die entfernt wurde, hatte das Gros der Clubs im Sommer noch auf ein Darlehen verzichten wollen.
Dass nun auch die ZSC Lions davon Gebrauch machen, überrascht etwas, da sie zu den finanziell bessergestellten Teams zählen. «Es ging für uns darum, die kurz- und mittelfristige Liquidität abzusichern», erklärt Zahner. Zumal man sich ja aktuell nicht nur im Überlebenskampf wegen Corona befinde, sondern gleichzeitig auch in einer Transformationsphase im Hinblick auf den Umzug ins eigene Stadion im Sommer 2022.
Das Darlehen ist zinslos, wenn der Club den vereinbarten Rückzahlungsplan von zehn Jahren einhält. Wenn nicht, gilt für die fehlenden Raten ein Verzugszins von fünf Prozent. Wer die Gesamtsumme nicht innert dreier Jahre zurückbezahlt hat, verpflichtet sich, seine Lohnsumme ab dann um 20 Prozent zu reduzieren. «Unser Ziel ist, das Geld so lange wie möglich nicht zu benützen und innert dreier Jahre zurückzuerstatten», sagt Zahner. «In der Hoffnung, dass sich unser Geschäft so bald wie möglich wieder normalisiert.»
Lohndruck erwünscht
Doch die Pflicht, die Löhne reduzieren zu müssen, käme einigen Clubs gar nicht so ungelegen. Denn man ist sich einig: Es kann, ja wird mit der Entwicklung der Spielersaläre nicht so weitergehen. Und weil es bisher mit Eigenverantwortung – eines der Unwörter des Jahres – so schlecht klappte, kann etwas Druck von oben gar nicht schaden.
Was dies betrifft, dürften die Bedingungen der A-fonds-perdu-Beiträge für die Spiele ohne Publikum noch einschneidender sein: Der Durchschnitt aller Saläre inklusive Prämien, die 148’200 Franken übersteigen, muss um 20 Prozent gesenkt werden.
Die Kleinen müssen bangen
Was ähnlich klingt, ist weitaus gravierender, vor allem für kleinere Clubs. Denn wer eine günstigere Mannschaft hat mit vielen Spielern unter dieser Lohngrenze, muss bei den teureren trotzdem prozentual gleich viel einsparen. Deshalb wurde eine Härtefallklausel eingebaut: Wer mit seiner Gesamtlohnsumme 30 Prozent unter dem Ligadurchschnitt liegt, muss bei den teureren Spielern nur 10 Prozent reduzieren.
Wie praktikabel das Ganze ist, muss sich weisen. Die Informationen wurden den Clubs am 24. Dezember zugestellt. Nun gelte es, alles zu studieren und zu berechnen, sagt Zahner. Die Clubs haben bis zum 31. Januar Zeit, A-fonds-perdu-Beiträge für die Periode vom 29. Oktober bis zum 31. Dezember zu beantragen – für alle Heimspiele, die sie ohne Publikum austragen mussten.
Bis 150’000 Franken pro Spiel
Auf Basis der Zuschauerzahlen von 2018/19 würden sie pro Geisterspiel zwei Drittel der entgangenen Ticketeinnahmen erhalten: konservativ geschätzt, jeweils rund 50’000 bis 150’000 Franken. In der Summe also bis zu drei Millionen Franken in diesem Winter, falls nicht mehr vor Publikum gespielt werden kann. Und danach sieht es momentan aus. Es wäre also erstaunlich, wenn es Clubs gäbe, die auf diesen Zustupf verzichten würden.
«Die 44 Clubs aus den zwei höchsten Eishockey- und Fussballligen sind angewiesen auf die A-fonds-perdu-Beiträge», sagt denn auch Mike Schälchli, der Präsident des EHC Kloten. «Vielleicht kommen ein, zwei Fussballclubs und die Farmteams im Eishockey, die ohnehin kaum Zuschauer haben, ohne aus. Aber ich bin überzeugt, dass fast alle diese Beiträge beantragen werden.» Also auch der aufstiegswillige Swiss-League-Club.
Kein Darlehen für Kloten
Was das Darlehen betrifft, sind die Klotener aber eine Ausnahme: Sie verzichteten. «Uns in Schulden zu stürzen, wäre ein falsches Zeichen gewesen», sagt Schälchli.
Die Darlehen sind also fast überall beantragt, nun ist Ligachef Vaucher daran, mit dem Bundesamt für Sport und den Clubs die noch ungewissen Auswirkungen der Lohnreduktionsklauseln bei den A-fonds-perdu-Beiträgen zu erörtern. Dabei ist es von Vorteil, hat der Anwalt über acht Jahre bei einer Bank gearbeitet. Mit den Spezialgebieten Sanierungen und Restrukturierungen.
Denn wer dieser Tage im Schweizer Eishockey nicht mit Zahlen jonglieren kann, ist etwa so trittsicher wie mit Lackschuhen auf Glatteis.