Beiträge von Larry

    Ich sehe aber schon auch Vorteile: Er hat gespielt (!) und Marc Crawford kennt ihn! Nicht zu unterschätzen! Schaun mer mal, wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute und ich würde mich natürlich freuen ihm im BB&T Center zu sehen! Für ihn würde ich den ZSC Pulli beim Warm Up anziehen!

    FC Zürich im Halbjahres-Check

    Und bei den Besten läuft der Vertrag aus

    Beim FCZ gibt es gerade mehr Gewinner als Verlierer. Beispiele dafür sind ein Grätschen-Gott und ein Kopfball-Monster. Weniger gut erging es einem Club-Original.


    Florian Raz, Christian Zürcher (TA)

    Die Aufsteiger

    Massimo Rizzo, 46, Cheftrainer

    Gegen Ende erhielt die coole Fassade doch erste Risse. Massimo Rizzo war in turbulenten Zeiten angetreten, als habe er vor, den Weltrekord für den ruhendsten Ruhepol zu brechen. So brachte er eine Mannschaft überraschend schnell auf die Spur, die zuvor schneller aus der Kurve geflogen war als ein Carrera-Rennauto, das von einem Dreijährigen gesteuert wird.

    Aber eine Pandemie ist keine einfache Zeit, um Stabilität zu erreichen. Rizzos Strategie mit einer klaren Stammformation machte aufgrund der Verunsicherung im Team Sinn, laugte aber seine Spieler aus. Dafür bezahlte der FCZ vor der Winterpause mit Verletzungen (Kololli, Omeragic) und mit sinkender Offensivpotenz.

    Mit den schwächeren Auftritten stieg die Sensibilität beim neuen FCZ-Cheftrainer und die Souveränität sank. Rizzo dürfte spüren, dass es im Club immer noch Vorbehalte gegen ihn gibt, auch wenn er über den Winter weiter arbeiten darf. Seinen Fähigkeitsausweis als Krisenmanager hat er mit Auszeichnung abgelegt. Ab Januar darf er beweisen, wie gut er langfristig arbeiten kann.

    Ousmane Doumbia, 28, zentrales Mittelfeld

    Als auch in diesem Sommer sein Telefon stumm bleibt, beginnt sich Ousmane Doumbia in seiner Einzimmerwohnung in Töss zu fragen, ob es ihm vielleicht nie in die Super League reicht. 28 Jahre alt ist der Ivorer, er hat sieben Jahre in der Challenge und Promotion League verbracht. Er hat trainiert, sich ausgeruht und gespielt, als gäbe es kein Morgen.

    Und dann, in diesem Oktober, zahlt sich alles aus. Simon Sohm hat den FCZ in Richtung Italien verlassen. Und endlich gibt jemand Doumbia die Chance, sich zu beweisen. Er steht in Vaduz ein erstes Mal auf dem Feld und stellt fest: «Es fühlt sich an, als wäre ich schon seit Jahren dabei.»

    So spielt er auch bis zur Winterpause. Doumbia ist der Fels, auf dem Rizzo nicht gerade seine Kirche baut – aber doch sein Spielsystem. Endlich ist da einer, der sich schon bei Ballbesitz Gedanken darüber macht, was passieren kann, wenn die Zürcher den Ball verlieren. Und der sich dann sofort daranmacht, das Spielgerät wieder zurückzuerobern.

    Doumbia hat lange auf einen Club wie den FCZ gewartet. Fast so lange, wie der FCZ auf einen wie Doumbia gewartet hat.

    Toni Domgjoni, 22, zentrales Mittelfeld

    Neben diesem Doumbia spielt Toni Domgjoni – und die beiden ergänzen sich vorzüglich, das zeigen die Statistiken (siehe oben). Doumbia nimmt den Gegner, Domgjoni eher den Raum. Doumbia agiert vor allem defensiv, Domgjoni wagt sich auch mal nach vorn.

    WEITER NACH DER WERBUNG

    Ging das Wirken des 22-Jährigen in den letzten Jahren meist unter, wird es diese Hinrunde ziemlich deutlich. Er schoss zwei Tore, er gab zwei Assists, er überraschte mit Dribblings, bei denen man sich die Augen rieb; vor allem aber hielt er das Zentrum dicht, weil der FCZ kompakter steht und dem Gegner weniger Raum lässt. Domgjoni gehört zum Herzstück der Mannschaft.

    Er hat also in den vergangenen Wochen gezeigt, was er kann. Es ist nicht wenig. Von daher überrascht es schon, dass es der FCZ bisher noch nicht geschafft hat, den auslaufenden Vertrag seines Talents zu verlängern. Stand jetzt stehen die Zeichen eher auf Abschied.

    Becir Omeragic, 18, Innen- und Rechtsverteidiger

    Es hilft, ab und zu auf das Geburtsdatum des Verteidigers zu schauen. Erst 19 Jahre alt wird dieser Becir Omeragic im Januar. Und doch spielt er bereits so abgeklärt, als sei er ein alter Routinier.

    Unter Rizzo hat man eine neue Seite des Genfers kennen gelernt: Der Innenverteidiger gab einen eher atypischen, aber eleganten Rechtsverteidiger. Auch wenn er nicht langsam ist, ist er keiner für die schnellen Sprints die Linie entlang. Bei ihm sieht das immer mehr wie ein Spaziergang aus, bei dem er gern mal mehrere Gegner zugleich in die Leere grätschen lässt.

    Dass der FCZ seinen Vertrag im Februar bis 2023 verlängert hat, könnte dem Club noch einige Millionen einbringen.

    Silvan Wallner, 18, Rechtsverteidiger

    Omeragics Umstieg auf die rechte Seite bedeutete zwischenzeitlich den Abstieg Silvan Wallners auf die Ersatzbank. Der Rechtsverteidiger ist noch nicht so weit wie sein fünf Tage jüngerer Jahrgangskollege. Und doch gehört er zu den Aufsteigern in diesem Team. Weil er wirkt, als nehme er wirklich etwas mit aus so schwierigen Spielen wie dem 0:4 in Lausanne, als seine rechte Seite beliebtes Tummelfeld der Gegner war.

    Als Wallner zwei Monate später in Luzern von seinem Vordermann Tosin ähnlich wenig Unterstützung erhielt gegen die Innerschweizer Überzahl, agierte er bereits angepasst. Mehr ins Zentrum gezogen, mehr auf Sicherheit bedacht.

    Ein kluger Spieler mit guter Technik, der sich im Spiel gegen vorn noch mehr zutrauen darf.



    Lasse Sobiech, 29, Innenverteidiger

    Als er kam, erzählte der Deutsche begeistert von den guten Gesprächen, die er vor seinem Leihgeschäft mit Ludovic Magnin geführt habe. Kurz darauf war der Trainer bereits weg.

    Das hinderte Lasse Sobiech nicht daran, ein Anker in der Zürcher Innenverteidigung zu sein. Er ist der klassische Gegenpol zum dauergrätschenden Nathan. Ruhig im Auftritt, seine fehlende Grundgeschwindigkeit im Normalfall mit Stellungsspiel kaschierend.

    Einmal, gegen St. Gallen, da wurden seine Schwächen vom Gegner gnadenlos bespielt und ausgenutzt. Ansonsten aber überzeugt er vor allem mit seinem Kopfballspiel. Im Schnitt gewinnt er sechs Luftduelle pro Spiel. So viele wie kein anderer in der Liga.

    Mit ein paar konsequent ausgearbeiteten Standardvarianten müssten bis Saisonende noch weit mehr als die bislang zwei Kopftore drinliegen.

    Nathan, 25, Innenverteidiger

    Man muss ihn mögen, bloss schon wegen seiner fast schon kindlichen Freude über seine gelungenen Grätschen. Seine sehr eigene Technik wurde an dieser Stelle schon gewürdigt (hier und hier und hier).

    Doch auch darüber hinaus ist Nathan ein Gewinner unter Rizzo. Er darf spielen und sammelt in jedem Spiel mehr Vertrauen. Galt er bei GC und auch beim FCZ zudem lange als sehr verletzungsanfällig, scheint er seine Balance gefunden zu haben, mit Sobiech hat er zudem einen verlässlichen Partner in der Innenverteidigung. Das zeigt auch die Statistik oben. Sobiech geht auf die hohen Bälle, Nathan auf den Gegner.

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    Fidan Aliti, 27, Linksverteidiger

    Der Vorname Fidan kommt aus dem Türkischen, bedeutet Spross oder Sprössling und steht unter anderem für Gründung, Gemeinschaft und Zukunft. Was total zu Fidan Alitis Position beim FCZ passt. Der Baselbieter spielte beim 4:1 in Vaduz ein erstes Mal. Und ist seither Teil einer Mannschaft, die sich seit langem wieder einmal als Einheit präsentiert.

    Aliti ist sicher kein Blender auf dem Platz. Für einen Aussenverteidiger ist er äusserst konservativ unterwegs. Er verteidigt gegen den Ball – und wenn er ihn hat, leitet er ihn in vernünftigem Tempo weiter. Viel mehr ist da nicht. Aber es ist so viel mehr, als es der FCZ von seinen in den letzten Jahren notorisch risikobehafteten Linksverteidigern gewöhnt ist.

    Benjamin Kololli, 28, Flügelspieler

    Er ist ein Brandstifter. Wo er sich aufhält, brennt es. Nun ist Kololli verletzt – und man spürt das. Feuerlöschen ist für die gegnerische Abwehr viel einfacher.

    Kololli hat ein überzeugendes Halbjahr gespielt, voller Vertrauen und Überzeugung. Ein Beispiel dafür: seine Ballannahme. Ein hoher Ball, 50 Meter lang, fliegt Richtung Kololli. Hinter diesem steht ein Abwehrspieler, 1,90 Meter gross. Doch Kololli verhält sich so geschickt, dass der Verteidiger nie nur in die Nähe des Balls kommt, nicht mit dem Kopf, nicht mit dem Fuss. Wie gut das ist, zeigt sich, wenn seine Kollegen das gleiche versuchen, Ceesay oder Kramer zum Beispiel. Die Bälle verspringen reihenweise, nicht aber bei Kololli.

    Er ist im Spiel omnipräsent und hat auch innerhalb der Mannschaft an Bedeutung gewonnen. Kololli ist neuerdings im Mannschaftsrat. Im Sommer aber läuft sein Vertrag aus. Er hält sich bedeckt. Doch man weiss von ihm, dass er vom Ausland träumt. Er sagt: «Ich bin in Zürich sehr zufrieden, ich gehe Schritt für Schritt. Ich fantasiere mich nicht zu einem anderen Club.»

    Wilfried Gnonto, 17, Flügelspieler

    «Der Kleine», wie ihn jüngst Peter Zeidler genannt hat, ist schon bemerkenswert weit. Er hat zweimal von Beginn an gespielt, er hat gegen Servette das Siegtor verpasst und nur den Pfosten getroffen, gegen Vaduz ist sein Schuss dann im Tor gelandet, wurde aber Kramer zugesprochen.

    Es ist eine erstaunliche Schaffenskraft für einen 17-Jährigen – und sie wird weiter zunehmen. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man beobachtet, wie er den Ball annimmt, wie er den Ball eng führt, wie er dem Gegner davonschleicht. Das ist schon sehr, sehr gut.

    Keine Veränderung

    Yanick Brecher, 27, Torhüter

    Vor nicht allzu langer Zeit war Yanick Brecher der Trottel seiner Mannschaft, ohne dass er sich gross als Trottel aufgeführt hätte. Mal für Mal musste er den Ball aus dem Tor holen, 0:4-Niederlagen gehörten mit einer bemerkenswerten Regelmässigkeit zu seinem Alltag, und Brecher war meist noch der Beste seiner Mannschaft, fiel auf durch gute Reflexe und starke Paraden.

    Diese Momente sind weniger geworden, Brecher kann sich weniger auszeichnen und muss aber auch weniger Bälle aus dem Tor holen. Es ist eine Folge der neuen Organisation. Der FCZ steht kompakter und verzichtet auf riskantes Kleinklein beim Spielaufbau.

    Die neue Spielweise tangiert Goalie Brecher auch auf andere Weise. Einerseits hat er weniger Arbeit, andererseits muss er häufiger den langen Ball spielen. Mit dem Fuss kommt dieser bei ihm stets etwas ungenau, viele Bälle gehen so verloren. Es ist eine seiner Schwächen. Besser sind seine Abwürfe, nämlich sehr lang, sehr genau.

    Als Captain hat er ein gutes Gefühl für die Mannschaft, dieses Gefühl sagt ihm, dass seine Kollegen etwas überspielt sind. «Wir sind froh um die Pause, wir können sie brauchen.»

    Antonio Marchesano, 29, zentraler Mittelfeldspieler

    Von ihm weiss man mittlerweile so einiges. Er spielt am liebsten zwischen des Gegners Linien, verfügt über eine elegante Technik und kann Spiele entscheiden. Er hat das im Oktober und November getan, er war eine der Säulen der Mannschaft und einer der Gründe für den Aufschwung.

    In den letzten Wochen bekam man aber auch mit, wie Marchesano reagiert, wenn es nicht läuft. Laut. Seine italienischen Vulgärausdrücke hallen nach schlechten Pässen durch die Stadien, als hätte er gerade eine Batterie Dosenananas auf einer Pizza entdeckt. Die Flüche wurden häufiger. Man wird den Verdacht nicht los, dass Marchesano gerade ein bisschen zu viel gespielt hat. Kommt dazu, dass längst nicht alle Mitspieler gleich schnell denken können wie er.

    Das führt dann zu Fehlpässen und wüsten Flüchen. Cazzo!

    Aiyegun Tosin, 22, Flügelspieler

    In der Welt des Fussballs gibt es so einige Dinge, die man einmal mit wissenschaftlichen Werkzeugen untersuchen müsste. Zum Beispiel wie sich Vertragsverlängerungen auf die Leistungen von Fussballern auswirken.

    Momentan wäre Aiyegun Tosin ein besonders interessanter Proband. Sein Vertrag wurde Anfang November bis 2024 verlängert und finanziell aufgebessert. Seither zeigt die Formkurve von Tosin nach unten. Er scheint genügsamer, ballverliebter auch. Hat er bis anhin meist den direkten Weg auf das Tor gesucht und den Ball schnell abgespielt, verliert er sich zunehmend in Dribblings. Noch schlimmer: Vielfach wählt er nicht mehr den vertikalen Weg zum Tor, sondern bewegt sich entlang der Horizontale – und verliert so eine seiner grössten Stärken: die Geschwindigkeit.

    Trotzdem gehört er nach wie vor zu den Besten in der Mannschaft. Er ist ein Unterschiedsmacher. Er läuft nimmermüde und reisst Löcher auf. Er kommt zu Chancen, er macht den FCZ besser. Kurz: Er ist unverzichtbar.



    Assan Ceesay, 26, Stürmer

    Eine gnadenlose Tormaschine wird aus Assan Ceesay in dieser Karriere wohl nicht mehr. Aber er ist seit seiner Rückkehr aus Deutschland zumindest nicht mehr der bemitleidenswerte Storch im Salat seiner ersten Zeit beim FCZ.

    Wer Ceesays Zahlen mit jenen seines direkten Konkurrenten Blaz Kramer vergleicht, stellt klare Vorteile für den Gambier fest. Er erarbeitet sich die besseren Chancen, er gibt vor allem mehr Pässe zu Torgelegenheiten der Teamkollegen.

    Dass er trotzdem nicht das volle Vertrauen seiner Trainer geniesst, liegt an seiner konstanten Inkonstanz. Wird er eingewechselt, fragt man sich, warum er nicht von Anfang an gespielt hat. Spielt er aber von Anfang an, ist er schnell der erste Kandidat für eine Auswechslung.

    Adrian Winter, 34, Flügelspieler

    Seine Aufträge sind kleiner geworden, Winter ist beim FCZ ein Minüteler. Er arbeitet in Minuteneinsätzen. Kurz vor Schluss darf er meist auf das Feld, um seine Mannschaft zu entlasten. Manchmal kann er in der Offensive mit klugen Pässen auffallen, meist aber kommt er gar nicht mehr in diese Situationen. Der Spielstand verlangt dann meist kühles Verwalten. Schwierig für einen, der zu seinen Stärken nie die Defensivarbeit gezählt hat.

    Doch Winter übernimmt diese Rolle mit Würde. Kein böses Wort, immer ein gutes Wort zu den Jungen. Wie heisst es im Jargon: einer für die Kabine.

    Die Absteiger

    Ludovic Magnin, 41, Trainer

    Es war dann eine hohe Niederlage zu viel. Nach dem 0:4 gegen Lausanne Anfang Oktober hat es ihn gelupft. Sein Stil hat sich abgenutzt, am Schluss hatte er die Mannschaft verloren – vielleicht hat er sie mit seinem sturen Festhalten an seiner Spielidee nie richtig erreicht. Magnin verlangte eine sehr spielerische Angriffsauflösung, eine mit viel Kleinklein-Spiel. Etwas, das seine Spieler gar nicht konnten – zu diesem Schluss kommt man heute.

    Und doch war das bewundernswert, mutig auch, wie er seinen Prinzipien treu geblieben ist. Trotz einer Vielzahl an Minikrisen unter seiner Leitung, trotz grosser Kritik. Sein Vorteil: Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022.

    Hekuran Kryeziu, 27, zentraler Mittelfeldspieler

    Als ihn der FCZ aus Luzern holte, galt er als möglicher Königstransfer. Doch abgesehen von einer kurzen Phase neben dem damaligen Captain Victor Palsson hat Hekuran Kryeziu nie die Dominanz ausgestrahlt, die sich die Zürcher von ihm erhofften.

    Natürlich wurde er durch einen Kreuzbandriss zusätzlich zurückgeworfen. Aber sein Comeback nach der schweren Verletzung ist nun auch ein Jahr her, er selbst ist mit 27 im besten Fussballeralter und in der dritten und letzten Saison seines Vertrags. Da sind 276 gespielte Minuten in dieser Saison eine Enttäuschung.

    Sein Platz im Zentrum ist von Toni Domgjoni und Ousmane Doumbia besetzt. Und jetzt kommt mit Blerim Dzemaili auch noch der Held alter Tage zurück. Für Kryeziu bedeutet das wohl: Alle Zeichen stehen auf Abschied.

    Blaz Kramer, 24, Stürmer

    Zwei Tore hat Blaz Kramer immerhin geschossen in diesem Halbjahr. Aber wer die beiden Treffer des Slowenen anschaut, muss unweigerlich ein wenig lächeln. Beim ersten Tor wird er von Wilfried Gnonto angeschossen. Beim zweiten schiesst er so zentral und flach aufs Tor, dass Luganos Goalie Baumann von der Ziellosigkeit des Balls überrascht wirkt und ihn zwischen seinen Beinen hindurch passieren lässt.

    Kramer ist willig, kräftig und schnell. Nur entscheidet sich das Spiel irgendwie meist gegen die Richtung, die er eingeschlagen hat. Und wenn er mal einen Ball hat, scheint der vor ihm flüchten zu wollen. Er hüpft ihm davon oder fliegt irgendwo ins Nirgendwo.

    24 Jahre ist Kramer alt. Das lässt für einen Stürmer noch einen Schimmer Hoffnung auf mehr Stringenz und Torerfolg. Aber die Steigerung sollte im Januar beginnen.

    Marco Schönbächler, 30, Flügelspieler

    Ja was will man sagen? Vor dem geistigen Auge hat man noch immer Sequenzen aus der Partie gegen Mönchengladbach Anno Domini. Szenen, in denen Schönbächler eine ganze Bundesligamannschaft blossstellt. Und dann schaut man ein Spiel, Lausanne - Zürich zum Beispiel im Oktober, und reibt sich die Augen. Was ist bloss dazwischen geschehen?

    Die Geschichte ist bekannt: Schönbächler war lange verletzt. Und er muss in dieser Zeit sehr viel verloren haben. Schnelligkeit, Schlitzohrigkeit, Selbstvertrauen. Klar, mit seiner Klasse kann er noch immer ein-, zweimal pro Spiel zeigen, dass er es noch könnte, noch draufhätte. Seine gelungenen Dribblings sind schnell, seine guten Pässe clever. Doch der Normalzustand genügt meist nicht mehr. Und muss er dann noch Defensivarbeit verrichten, wird es für ihn und den FCZ richtig mühsam. Seine Zweikampfführung erinnert oft an einen Boxkampf zwischen Gegner unterschiedlicher Gewichtsklassen. Das sieht dann meist sehr brutal aus.

    Salim Khelifi, 26, Flügelspieler

    Im September gab der FCZ bekannt, er freue sich, den Vertrag mit Salim Khelifi bis 2022 verlängert zu haben. Acht Tage später spielte er 46 Minuten gegen die Young Boys. Seither ward der 26-Jährige im Matchkader der Zürcher nicht mehr gesehen.

    Khelifi hat den Ruf eines feinen Technikers ohne ausgeprägten Hang zum defensiven Zweikampf. Klingt wie die Blaupause, nach der sich die Zürcher lange Zeit ihre Spieler zusammensuchten. Und passt eher weniger zum neuen Trainer Rizzo.

    Henri Koide, Stephan Seiler, Nils Reichmuth, Fabian Rohner, Willie Britto

    So gut Rizzo für die Entwicklung einiger Spieler war, so zäh gestaltete sich die Zeit für die ganz Jungen. Wer nicht schon eine gewisse Erfahrung und Wettkampfhärte mitbringt (Omeragic und Wallner), hatte es schwer. Vorgänger Magnin machte noch ab und zu Experimente mit den Jungen, man erinnere sich an den Versuch mit Fabio Dixon. Bei Rizzo fallen diese völlig weg, das spüren Koide (19), Seiler (20) und Reichmuth (19).

    Etwas älter ist Rohner (22), doch auch er tut sich schwer, einen Platz auf dem Flügel zu erobern. Das zeigt sich bei den Einwechslungen. Bei Not am Mann darf meist Adrian Winter Einsatzminuten sammeln und nicht er. Mirlind Kryeziu spielt beim FCZ keine Rolle mehr, er steht seit Saisonbeginn nicht im Kader. Und Willie Britto? Bei ihm gab es schon seit längerem fussballerische Zweifel. Nun ist er auch noch verletzt.

    «Nostalgie ist eine verdammt gute Droge» – was von den Kultstadien des Schweizer Sports bleibt

    Die Pontaise in Lausanne, die Voyebœuf in Pruntrut, bald die Valascia in Ambri: Im Schweizer Sport werden alle paar Monate legendäre Stadien aufs Altenteil verschoben. Unsere Autoren erinnern sich an ihre vergessenen Lieblingsplätze.

    NZZ-Sportredaktion

    Eine Heimat namens Flachpass im Letzigrund

    cen.

    Zu Beginn der 2000er Jahre war der alte Letzigrund unser grosses Wohnzimmer. Wir, eine Gruppe von Freunden, betrieben die Stadionbeiz Flachpass. Wir kochten den Pausentee (Pfefferminze, Hagebutte, Schwarztee, viel Zucker, ein Schuss Limonia), brachten Lucien Favre einen Schinken-Käse-Toast in die Kabine, hörten uns die CD an, die uns Urs Fischer gebrannt hatte mit «Jazz, der in dieses Lokal gut reinpasst».

    Daniel Gygax brachte als Techno-DJ das Publikum an den Rand der Überforderung, der YB-Fan Kuno Lauener das weibliche Barpersonal an die Grenze zur Hysterie. Die Frau des argentinischen Stürmers Francisco Guerrero – er war eine der vielen Transferbomben, die für immer ein Versprechen blieben – präparierte im Café den Schoppen für das Baby: warme Milch, versetzt mit acht Päckchen Zucker. Sven Hotz mochte Cola und Biberli, Stephan Keller die Heidelbeer-Gazosa, Kuhn, ein Stammgast, wurde Götti des Kafi Köbi mit Schnaps, Rezept geheim.

    Das Beste war, dass wir den Schlüssel für das Stadion besassen. Es hiess, dass wir uns, wann immer wir wollten, auf die Tribüne setzen konnten; wir taten es oft nachts. Es war, als würde ein riesiges Tier schlafen, bewacht von den vier Masten, die sich schützend über Rasen und Ränge neigten. In allen Ecken lebte die Erinnerung: an bei Toren verschüttetes Bier (selten), an qualvolle Partien (dauernd), an absurde Wortmeldungen aus der Südkurve zur Bewältigung von beidem.

    Es hiess, der Letzigrund sei kein richtig gutes Fussballstadion, nur schon die Distanz zum Spielfeld verunmögliche Stimmung auf den Rängen. Aber es war das Gegenteil: Die Distanz ermöglichte der überschaubaren Schar von Fans eine Art Eigenleben, das ihnen in den düsteren, erfolglosen Jahren des FCZ über die Runden half. Oft war man froh, wenn man nicht zu viel sah. Der neue Letzigrund wurde für mich nie zu dem, was der alte gewesen war: ein Ort, der uns gehörte, ein Safe mit tausend Erinnerungen, das beste Stadion der Welt, Heimat halt.

    Der Gesang der Underdogs – Ambris Valascia als Kraftort

    Aufwärmen vor der Halle: Spieler des HC Ambri-Piotta bereiten sich auf ein Spiel vor.

    Christian Beutler / Keystone

    nbr.

    Die Valascia sehen und sterben. Na ja, eigentlich ist es ja Brügge oder Neapel, aber auf den Sport gemünzt ist die Abwandlung kein Frevel. Die zugige, rustikale Halle ist Eishockey-Weltkulturerbe, ein Pilger- und Kraftort für Sportromantiker aus ganz Europa. Sie ist die Festung der Aussenseiter, sportlich wie gesellschaftlich. Für Ambri zu sein, war immer auch Ausdruck einer Haltung: dass es im Leben um mehr geht als um Ruhm, Geld und Ehrgeiz.

    Die Fan-Szene ist linksalternativ, es werden Fahnen von Che Guevara geschwenkt und von Geronimo, dem indianischen Befreiungskämpfer. Ihre Gesänge sind kraftvoll und wütend, aber sie prangern weniger die oft dürftigen Darbietungen des Klubs an als das Leid dieser Welt. So sieht sich Ambri: stolz, unbeugsam, tapfer, sozial. Und für diese Selbstwahrnehmung ist die Valascia die perfekte Staffage, sie verkörpert den Geist Ambris mit ihrem knarrenden Gebälk und kaltem, von Melancholie durchtränktem Beton.

    Spiele in ihr gilt es zu erdauern, für den Gegner auf und die Zuschauer neben dem Eis. Und wer über die Minustemperaturen klagt, hat den Anfängerfehler gemacht, sich vorher nicht im «Monte Pettine» mit Grappa zu stärken. Oder hat vielleicht einfach kein Herz, das sich an der Romantik dieses Kleinods erwärmen kann. Dabei gibt es im europäischen Sport keinen berührenderen Moment, als wenn in der Curva Sud «La Montanara» angestimmt wird, die mythische Berglerhymne, die nur dann erklingt, wenn Ambri gewinnt.

    Dass den Menschen diese fast spirituelle Erfahrung in der Abschiedssaison aufgrund der Pandemie verwehrt bleibt, ist bitter. Sollten tatsächlich bis zum Saisonende keine Zuschauer zugelassen sein, ist es Ambri seinem Anhang schuldig, 2021/22 zumindest eine Partie, ein Derby gegen Lugano, in der alten Heimat auszutragen, damit diese heilige Eishockeykathedrale würdig verabschiedet werden kann. Denn im Sommer zieht Ambri um, in die von Mario Botta entworfene Nuova Valascia. Es wird nicht möglich sein, den Geist dieser Halle quer durch das Dorf zu transportieren. Und darum gibt es die Befürchtung, dass mehr als nur altes Gemäuer stirbt, wenn in der Valascia das letzte Licht gelöscht wird.

    Der Glanz der Liebe: Biels Eisstadion als Amour fou

    gen.

    Woher die Liebe kam, weiss ich heute nicht mehr genau, sie war plötzlich einfach da. Einmal wöchentlich besuchte ich sie: die ersten zehn Kilometer per Fahrrad, dann mit dem Zug über Thun, Bern nach Biel und vier Stunden später das Ganze wieder zurück – inklusive einer abschliessenden Radtour über den nicht selten schneebedeckten Spiezwiler als nachmitternächtliches Dessert.

    Es muss Liebe gewesen sein. Doch wem sie galt, auch das erschliesst sich mir heute nicht mehr mit abschliessender Sicherheit. Galt sie dem EHC Biel, der sich in den späten 1970er Jahren aufgemacht hatte, mit dem Geld des Verlegers Willy Gassmann das Schweizer Eishockey auf den Kopf zu stellen? Oder flog sie doch eher seiner Eishalle zu, die damals modern und doch schon irgendwie aus der Zeit gefallen war. Alles in ihr verströmte die charmefreie Funktionalität, welche die Architektur dieser Epoche charakterisierte.

    Jedenfalls war das alte Bieler Eisstadion mein Flucht- und Sehnsuchtspunkt zugleich. In ihm entflammte meine Liebe zum Eishockey so richtig. Auf dem Weg zu ihm machte ich meine ersten Schritte in die Selbständigkeit. Ich verbrachte in den vier Jahren meiner ungezügelten Leidenschaft summiert Wochen auf den eiskalten Betonstufen des Zweckbaus – sitzend, stehend, hüpfend, jubelnd. Und manchmal auch abgrundtief enttäuscht.

    Ich genoss das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit, Weltoffenheit. Und ich vergass in der Euphorie meinen eng getakteten Fahrplan und strandete in der Kälte eines Januarabends in Bern. Die Stunden auf einer harten Sitzbank bis zur ersten Verbindung Richtung Oberland waren die längsten meines Lebens. Irgendwann erlosch die Liebe. Ich kehrte als Journalist immer wieder ins Eisstadion zurück, sah zur Decke hoch, wo ein Drahtnetz Zuschauer und Spieler vor der bröckelnden Schönheit der spröden Diva schützen musste.

    Und wenn das Geschehen auf dem Eis gar belanglos wurde, was in der Zeit nach Willy Gassmann nicht selten vorkam, dann wanderte mein Blick zur Stehplatzrampe, wo die Träume meiner Jugend immer noch auf den Betonstufen sassen. Die erste Liebe vergisst man nie.

    Eine Rangierlok und Lokalstolz im alten «Joggeli»

    Die Spieler als stadtbekannte Persönlichkeiten: Karl Odermatt (vorne) führt den FC Basel in der Meistersaison 1967 auf das Spielfeld ins Stadion Sankt Jakob.

    Keystone

    Ack.

    Schön war es nicht, das Stadion Sankt Jakob (Baujahr 1954), dank einem Fassungsvermögen von 51 000 Personen aber das grösste der Schweiz und das mit der tollsten Ambiance. Mit Wehmut erinnern sich seiner all jene, die zu den grossen Zeiten des FC Basel ins «Joggeli» pilgerten. Dort roch es nach Klubtreue und Lokalstolz. Feierte man auf den Rampen Urständ, was inzwischen Fankultur heisst. War man eine grosse Familie, sprach sich mit «Digge» an oder «Schätzeli». Und wenn Otto Rehorek, der Platzspeaker, mit sonorer Stimme den Tarif – das heisst die Zahl der Anwesenden – durchgab, brauste tosender Beifall auf.

    Derweil verschob hoch droben, von der Haupttribüne aus sichtbar, eine Rangierlok die Güterwagen. Anders als heute waren die FCB-Spieler damals stadtbekannte Persönlichkeiten. Dem Publikumsliebling Karl Odermatt wurde ein Schlager gewidmet («Karli, none Goool»), ein Wochenblatt kürte den aus dem Ruhrgebiet stammenden Trainer Helmut Benthaus zum «Mister Basel». In der Ära Benthaus (1971–1985) eilte der Stadtklub von einem Triumph zum nächsten: sieben Meistertitel und zwei Cup-Siege. Das war stilgemäss zu feiern, mit dem in Basel ausgeprägten Hang zur Selbstverliebtheit sowieso.

    Ein Ende nahm die Herrlichkeit nicht einmal, als dem FCB der Atem ausging. Abgerutscht in die Nationalliga B (1988–1995), zogen die Rot-Blauen dennoch Abertausende Unentwegte an. Sie fanden sich in fünfstelliger Zahl im Joggeli ein und jubelten ihre Mannschaft schliesslich wieder nach oben. Das Aus fürs Stadion kam nach 45 Dienstjahren. Abgerissen 1999, wurde es zwei Jahre später an gleicher Stelle ersetzt durch den St.-Jakob-Park (38 500 Sitzplätze), eine Schöpfung der Architekten Herzog & de Meuron. Altmodische, beinahe archaische Arenen wie das «Joggeli» hätten ihm immer am besten gefallen, gestand der FCB-Fan Jacques Herzog 2018 gegenüber dem «L’Equipe Magazine» und fügte bedauernd an, es sei sehr schwierig, diese Atmosphäre zu rekonstituieren. Verschwunden ist auch die Rangierlok, an ihrer Stelle verkehrt unromantisch eine S-Bahn.

    Wie das Berner Wankdorf starb

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    Ein Flutlichtmast blieb standfest und weigerte sich, einzuknicken, als im Sommer 2001 das alte Wankdorfstadion in sich zusammenbrach. Dazu waren 18 Kilogramm Sprengstoff nötig, 900 Zünder und 450 Bohrlöcher. Erst ein Raupenbagger brachte den letzten Masten zum Einsturz. Viele Jahrzehnte Stadiongeschichte lagen in Trümmern.

    Zu erinnern ist nicht nur an den WM-Final 1954 zwischen Deutschland und Ungarn (3:2), an die YB-Titelserie Mitte des letzten Jahrhunderts, an den Meistercup-Halbfinal 1959 zwischen YB und Stade Reims vor 60 000 Zuschauern, an unzählige Cup-Finals, an die Auferstehung des Nationalteams mit dem Trainer Roy Hodgson, sondern auch an einen Verfall.

    Das Wankdorf war von Betonkrebs befallen und wurde in den 1990er Jahren zum Synonym des YB-Niedergangs. Wer sich gegen Ende der Ära in den engen Gängen im Innern verlief, stand plötzlich in einem Klo mit einer weissen Schüssel und dachte: «Das darf doch nicht wahr sein.» Der enge Kabinengang zog sich in die Länge. Er führte in eine Turnhalle, in der legendäre Medienkonferenzen stattfanden. Zum Beispiel jene mit Johan Cruyff nach dem Europacup-Final der Cup-Sieger 1989, der FC Barcelona hatte gegen Sampdoria Genua 2:0 gewonnen.

    In jenem Kabinengang jonglierte Diego Armando Maradona vor dem Testspiel gegen die Schweiz (1:1) im Anlauf zur Weltmeisterschaft 1990. Maradona lief sich drinnen jonglierend ein, weil ihm der absehbare Trubel draussen hinter dem Stadion zu ungemütlich schien. Damals wärmten sich die Spieler neben dem Stadion auf, für das Publikum zum Greifen nahe. Tempi passati.

    Das Wankdorf hatte eine grosse Stehrampe, die «viel zu gefährlich ist», wie selbst der frühere YB-Meistertrainer Albert Sing im hohen Alter sagte. Es hatte zwei markante «Bund»-Türme, deren Nutzen sich einem nicht erschloss. Es hatte lange Holzbänke, die Spriessen brachten einen zum Aufspringen. Seine Zeit lief 2001 gnadenlos ab. Der letzte Flutlichtmast führte eindrücklich vor, dass auch für ein Stadion Sterben so einfach nicht ist.

    Knorrige Intimität im Hardturm

    Eine knorrige Intimität, die gab es im Hardturm immer.

    Keystone

    fcl.

    Es war im März 1981, als ich als Kind erstmals im Hardturmstadion stand, die Grasshoppers spielten im Uefa-Cup gegen Sochaux, es gab ein staubtrockenes 0:0, die Pissoirs rochen schlecht, und der Bratwurstduft schlich sich in die Kleider. Aber alles andere war grossartig, aufregend und verstörend. Die Fahnen der französischen Fans, wo ein Löwe abgebildet war, der über einem Feuer einen Grashüpfer grillierte; der «GC-Egge», wo die Fans «Roger, Roger!» riefen und ihn, den Goalie und Medizinstudenten Roger Berbig, einfach duzten, bis er endlich in die Kurve winkte.

    Alle schienen sich zu kennen, man stand nahe zusammen und spürte die Kraft der Masse, die gemeinsam fluchte und sich freute. Durch den Zaun konnte man die Fussballer berühren, wenn sie einen Eckball traten. Spieler zum Anfassen, das war damals wirklich noch so. Viele Jahre später sass ich als Journalist im Hardturm, immer auf dem gleichen Schalensitz auf der Haupttribüne, gleich neben dem meines Chefs, der sogar mit seinem Namen angeschrieben war: Felix Reidhaar. Als NZZ-Sportchef gehörte er zum Hardturm wie der Rasen.

    Damals lernte ich auch den Bauch des Stadions kennen, das kleine Trainerbüro, die engen, höhlenartigen Gänge, das Café, wo es immer Kuchen gab. Und die Spielerkabinen, die nicht viel anders aussahen als Primarschulhaus-Garderoben. Wir sassen im Trainerbüro mit Marcel Koller, Mats Gren, Alain Geiger oder Hanspeter Latour, alles lag offen herum, die Papiere mit den Aufstellungen, VHS-Kassetten, Spielerlisten. Eine knorrige Intimität, die gab es im Hardturm immer.

    Einige meiner erinnerungswürdigsten Spiele fanden in diesem Stadion statt. 2004 das 6:5 im Cup zwischen GC und dem FCZ, als sechs Textversionen im Computer gespeichert waren, aber erst die siebente erscheinen konnte, weil es ein so verrückter Match mit so vielen Wendungen war. Oder 2007, als der FC Zürich hier Meister wurde, das ganze Stadion blütenweiss, weil alle helle Shirts und Hemden trugen. Es war nach einem Dreivierteljahrhundert das letzte Fest im Hardturm.

    Emotionen im charmanten Dauerprovisorium Espenmoos

    krp.

    Zum Abschied gab es noch einmal Krawall. 0:2 gegen Bellinzona, der FC St. Gallen steigt an diesem Maiabend 2008 ab. Das Barragespiel ist die letzte Partie im Espenmoos, dieser Trutzburg im Osten der Stadt. Weinend sitzt die Klublegende Marc Zellweger auf dem Rasen, das Leibchen reisst er sich vom Körper und bringt es den Supportern, wie eine Opfergabe, als Entschuldigung für den unrühmlichen Abschied.

    Trotzdem nehmen die Fans das Stadion auseinander, Scharmützel mit der Polizei, Festnahmen. Einige Chaoten verschanzen sich am Spielfeldrand hinter einer Kühltruhe, vor ihnen Polizisten in Vollmontur. Das Espenmoos verabschiedet sich mit einem Knall.

    Manche St. Galler nannten das Stadion ehrwürdig, marod traf den Zustand eher. Die Gegentribüne und die Verpflegungsstände waren ein permanentes Provisorium, die sanitären Anlagen eine Zumutung. Die Bratwurst und das Bier waren lauwarm. Wer auf der Fan-Tribüne stand, überlegte schon vor dem Match, wie gross der Durst sein würde, und legte einen Vorrat an – während des Spiels war kein Durchkommen mehr.

    In der Erinnerung vieler St. Galler steht das Espenmoos für durchzogene sportliche Leistungen, Abstiege, aber auch für den überraschenden Meistertitel 2000 und die elektrisierende Stimmung. Die älteren Zuschauer erinnern sich besonders gern an jenen Apriltag 1985, als der Schiedsrichter per Rega-Helikopter evakuiert werden musste. Die erbosten Fans hatten alle Stadionausgänge blockiert. Emotionen, positive wie negative, das war das Espenmoos.

    Besonders hoch zu und her ging es im Espenmoos jeweils an den Olma-Matches. Während der Messe zügelten die Massen am Spieltag mit ein paar Schritten von den bier- und rauchgeschwängerten Degustationshallen auf die Ränge des Espenmoos. Rauchverbote, alkoholfreies Bier und Familiensektoren waren Fremdwörter. Auch als Kind sass man im Stumpenrauch der anderen Zuschauer.

    Vor zwölf Jahren zog der FC St. Gallen in die moderne Arena am anderen Ende der Stadt, mit Mantelnutzung, idealer Verkehrsanbindung und zeitgemässer Infrastruktur. Trotzdem wären die meisten lieber im Espenmoos geblieben.

    Anarchie und Reizüberflutung im Hallenstadion

    Elton John tritt am 6. Mai 1989 im Hallenstadion auf.

    Keystone

    pic.

    Die erste Erinnerung ans Zürcher Hallenstadion geht weit zurück. Ich musste mit meinem Vater zum Eishockey. Ja, ich musste. Als Kind mochte ich das nicht. Immerhin kaufte er mir ein Matchprogramm. Aus dem formte ich eine Trompete und blies in sein Ohr. Er erschrak fürchterlich, seine Schiebermütze flog in hohem Bogen davon. Ich hatte den Abend erfolgreich ruiniert.

    Die Reize des 1939 eröffneten Velodroms begann ich erst als Teenager zu begreifen: Eishockey, Sechstagerennen, Konzerte. Der Speaker Charly Schlott mit seiner unverwechselbaren Stimme. Sein ewiger Hinweis, im Hallenstadion herrsche Rauchverbot, war für Unzählige das Signal, sofort zum Glimmstengel zu greifen.

    Für die Sicherheit gab es die Rossi-Boys. Eine Rockerbande mit Cowboystiefeln und langen Haaren, benannt nach ihrem Chef. Wurden Spieler und Schiedsrichter vom wütenden Mob mit Bier-Kaskaden überschüttet, griffen sie nicht ein. Trotzdem gab es in der Halle kein Hooligan-Problem. Im Fussball war Zürich immer gespalten. Letzigrund oder Hardturm. Im Hallenstadion aber fieberten Büezer und Krawattenträger zusammen.

    Ich sah unzählige Demütigungen des alten ZSC, aber auch den Triumph gegen die Luganesi. Nur noch im verschwitzten T-Shirt. So sah ich auch Freddie Mercury, Tina Turner, Elton John. In der Walliser Pinte gab es das beste Fondue und an den Sixdays den besten Irish Coffee der Welt. Immer zur Pflicht gehörte ein Besuch beim Ruthli in der Knockout Bar. Der Name war Programm. «Zuerst formen wir die Gebäude, dann formen sie uns», soll Churchill gesagt haben. Wie wahr!

    Im Hallenstadion liess man das Leben unzürcherisch gewähren. Es gab Platz für Anarchie, Chaos, Protest. Es war ein Tor in eine Welt ausserhalb des Alltags. Ein Gemäuer mit Charakter, ja Persönlichkeit. Etwas rau und laut, aber sehr menschlich. Man spürte seine Geschichte und seine Legenden, die irgendwann selbst Geschichte wurden an diesem einzigartigen Ort. Seit 2005 ist das Hallenstadion renoviert. Der alte Geist ist entwichen. Zurückgeblieben ist ein funktionaler Zweckbau.

    Eine Zeitreise in die Berner Ka-We-De

    Ein Eisfeld, daneben der Tenniscourt des noblen TC Dählhölzli: Die Ka-We-De in einer Aufnahme von 1944.

    Keystone

    gel.

    Nur der alte Bärengraben war berühmter als der leicht klobige Betonbau am Waldrand im noblen Kirchenfeld-Quartier. Dort, wo Bernburger und ausländische Botschaften gern residieren, steht die gemischte Sportanlage mit Freibad im Sommer und Patinoire im Winter. Vor dem Ersten Weltkrieg gebaut, machte der SC Bern die Ka-We-De ab den fünfziger Jahren zum lokalen Broadway der Unterhaltung on Ice.

    Bis zu 10 000 Zuschauer lockte Hockey an, eine Masse, die nach heutigen Massstäben der Sicherheit und des Lärmschutzes alle Regularien sprengte. Tausende umspülten an einem Abend die damals gut 100 Meter vom Haupteingang entfernte, heute gepanzerte US-Botschaft. Die Nachbarn waren stolz auf die Nähe zu den Chouchous der damals von Freisinnigen regierten Stadt. Die frühe Identifikation des Bürgertums mit dem SCB erklärt zum Teil die heutige Popularität der Eishockey-Kultur am Aarelauf.

    Der Hotspot Ka-We-De, damals auch Heimat von Vereinen wie Rot-Blau Bern, Marzili-Länggasse oder Polar, bot den Stars wenig Komfort. Die ungeheizte Kabine der ersten Mannschaft war drei Meter breit. Der Goalie versorgte die Ausrüstung in der Tiefe der aufklappbaren Sitzbank. Die Dusche offerierte drei Brausen, vor deren Benutzung es das öffentliche Pissoir zu traversieren galt. Das WC teilten sich die Spieler in der Pause mit den Zuschauern. Ein halbes Jahrhundert vor den Panini-Fussballern fabrizierte und verteilte eine lokale Druckerei in Mäppli die Bilder der SCB-Helden. Die kamen per Velo zum Match; als einer der wenigen belegte der legendäre Flügel Rolf Diethelm mit seinem Fiat 500 einen Parkplatz.

    1967 verliess der SC Bern die Arena Richtung Allmend. Von edler Qualität war das Eis in der Ka-We-De oft erst ab November. Zuerst musste das Schwimmbassin abgedeckt werden. Der SCB wich nach Biel, Villars oder Chamonix aus. Von der benachbarten Tennisanlage des noblen TC Dählhölzli (Partien waren nur ganz in Weiss erlaubt) profitierte man, als die Spieler auf einem Hart-Court ein Tor aufstellten und trainierten.

    Au revoir, geliebte Charmilles

    nbr.

    Die späten 1990er. Mitleidiges Kopfschütteln für andere Kinder, die sich zu Weihnachten etwas so Triviales wie ein ferngesteuertes Auto wünschten. Denn natürlich musste es eine Reise nach Genf sein, ein Abenteuerausflug zum Servette FC, diesem Klub, bei dem man ja gar nicht anders konnte, als sich hoffnungslos zu verlieben angesichts seines für einen Deutschschweizer geheimnisvollen Namens, dieser bezaubernden granatroten Tenues und all der faszinierenden Spieler: Sesa, Obradovic, Durix, Pascolo. Über die man dann im am Kiosk mühevoll aufgestöberten «Match Mag» mehr in Erfahrung zu bringen versuchte, wobei man sich halt seinen Teil dazu dachte, wenn das Schul-Vocabulaire nicht für jedes Wort eine Übersetzung parat hatte.

    Die Charmilles war ein Sehnsuchtsort, während vieler Jahre, dieses wunderbar imperfekte, asymmetrische Stadion. Es gab so viele Reize: das Chaos, die Betriebsamkeit auf den Strassen, die scheppernde Stimme des Stadionsprechers und der Fakt, dass man einfach vor den Toren auf die Spieler warten konnte, um sich das Matchprogramm unterschreiben zu lassen. Die ungezügelte, unverfälschte Emotion, sich mit Fremden in den Armen zu liegen, wenn Eric Pédat einen Penalty hielt. Das Privileg, den Lebenslektionen von angeheiterten, älteren Herren mit bemerkenswerter Weissweinfahne zu lauschen, wenn sie einem mit eindringlichem Blick erklärten, Walliser und der FC Sion insbesondere seien das Allerletzte auf dieser Welt.

    Die Dernière 2002 war würdig, ein 4:4 gegen YB mit einem Hattrick von Léonard Thurre. Die Charmilles versprühte eine Magie, die heute ein flüchtiges Gut ist, zu finden eigentlich nur noch in unteren Ligen oder bei Reisen ins unvergleichliche Nordirland, wo die Zeit, was Fussball angeht, vor 30 Jahren verdankenswerterweise einfach angehalten hat.

    Während hierzulande für Fussballromantiker in den letzten Jahren alles beklagenswert war: todlangweilige, immergleiche Stadien wie von der Stange, Blocksperren für den Gästesektor, Klubs, die sich Eckbälle sponsern lassen, sinnfreie Zahlungssysteme mit stadioneigenen Plastikkarten für landauf, landab lausiges Bier. Nostalgie sei eine verdammt gute Droge, hat einmal jemand gesagt. Und hatte recht.

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    Mit Ausnahme der Ka-We-De alles gesehen!8):oldie:

    Die Legende der Woche: Mit Shabani Nonda erlebte der FCZ ein Wunder

    Wenn es jemanden gibt, der weiss, was Shabani Nonda macht, dann ist das Raimondo Ponte. Und wirklich, gerade letzte Woche habe er mit Nonda telefoniert, sagt Ponte. Der frühere Stürmer des FCZ pendle zwischen Rennes und der Demokratischen Republik Kongo, er führe dort eine Fussballakademie, fördere die Jungen. «Es geht ihm gut», sagt Ponte. Sie haben abgemacht, dass Nonda, inzwischen 43, ihn bald besucht.

    Der Trainer war es, der Nonda als 18-Jährigen in die Schweiz zum FCZ holte. Ein Spielervermittler hatte ihn auf den Jungen aufmerksam gemacht, dessen Familie eigentlich aus der Demokratischen Republik Kongo kam, der aber in Burundi aufgewachsen und schliesslich bei einem Klub in Südafrika gelandet war. Ponte brauchte Bilder eines einzigen Trainings, um zu sehen, wie unglaublich talentiert der Stürmer war. Er erzählte dem FCZ-Präsidenten von Nonda. «Nehmen wir ihn», habe Sven Hotz gesagt.

    Seine Ankunft im Januar 1996 bezeichnete Nonda später als traumatisch – die Kälte, der Schnee, im ersten Testspiel musste er in der Pause ausgewechselt werden, sogar seine Augen seien eingefroren, sagte er dem Trainer. Dass er nicht rasch wieder nach Hause reiste, lag vor allem an Ponte. Der Coach lud ihn zu sich nach Hause ein, acht Monate lang lebte Nonda im aargauischen Oberrohrdorf bei der Familie, er lernte die Pasta von Frau Ponte lieben und die Pedanterie um Pünktlichkeit der Schweizer kennen.

    So schwer der Anfang für den Stürmer gewesen sein mag – für den FCZ und seine Anhänger war Nonda ein Wunder. Man war in diesen Jahren im Letzigrund auf Leiden abonniert, auf fussballerische Schmalkost. Und dann kam plötzlich dieser kräftige junge Mann mit dem Zug aufs Tor, dem unfassbaren Instinkt und den Zauberfüssen! Schnell war klar, dass er viel zu gut für den FCZ war, aber er blieb drei Saisons und wurde 1998 erster Torschützenkönig der Zürcher seit Peter Risi 1979. Ob in der heutigen Zeit ein solcher Coup noch möglich wäre? Wahrscheinlich wäre Nonda viel früher von einem grossen Verein entdeckt worden, sagt Ponte.

    Nonda hinterliess nicht nur Wehmut, als er 1998 nach Rennes wechselte, sondern dem Präsidenten auch ein gut gefülltes Portemonnaie. Rund neun Millionen Franken Ablöse sollen die Franzosen bezahlt haben. Als Nonda zwei Jahre später für rund 20 Millionen nach Monaco wechselte – damals eine Rekordsumme in der Ligue 1 –, profitierte der FCZ nochmals. In Monaco verletzte sich Nonda schwer am Knie; obwohl es ein Knick in seiner Karriere war, spielte er noch für die AS Roma, die Blackburn Rovers und Galatasaray. In der Türkei beendete er 2010 die Karriere.

    In die Schweiz gekommen war Shabani Nonda übrigens fast gratis. Der FCZ habe in der Zeit des Transfers gerade den Ausrüster gewechselt und die ausrangierten Sachen an Nondas alten Verein in Südafrika geschickt, erzählt Ponte. «Nonda war ein Glücksfall», sagt er. Und was für einer. (NZZ)

    Jep! Du hast Dich mal gefragt ob Rizzo einen Plan B hat. Den hat er scheinbar leider nicht!

    Nur hinten zu machen ist kein Plan!

    Der nächste bitte!

    Noch die NZZ:

    Zeit also, um eine kleine Bilanz zu ziehen: In 14 Spielen hat der FCZ 19 Punkte geholt und liegt im 5. Tabellenrang, punktgleich mit dem Vierten Lugano, der zwei Spiele weniger ausgetragen hat. Vergleicht man diese Punktzahl mit den letzten fünf Jahren, deutet nichts darauf hin, dass sich der FCZ am Ende in den Top 3 klassieren wird. Letztmals gelang dies vor sechs Jahren. Im November 2014 hatte der FCZ 27 Punkte gewonnen nach 14 Spielen und wurde am Ende Meisterschafts-Dritter mit 53 Punkten, der Trainer war Urs Meier.

    2015 waren es 10 Zähler, es folgte der Abstieg. Nach der Saison in der Challenge League stand der FCZ 2017 bei 22 Punkten (am Ende 49 Punkte / Rang 4), 2018 bei 20 Punkten (am Ende 44 Zähler / Rang 7), 2019 bei 21 Zählern (am Ende 43 Punkte / Rang 7). Die Statistik sagt also, dass sich der FCZ derzeit wie in den letzten drei Jahren dort befindet, wo am Ende kein Europacup-Platz herausschauen wird. Aber: 22 Partien bleiben noch, um wieder ein Spitzenklub zu werden. (ram.)

    «Es gibt viele Gemeindeversammlungen, die sind ein wahrer Thriller im Vergleich zu diesem Spiel» (Sascha Ruefer)

    Denke nicht das Cillo den Rizzo noch lange machen lässt......

    Zum Glueck sind wir in der einfacheren Gruppe. Siege gegen Slovakia und Deutschland sind durchaus moeglich. Finnland ist immer etwas eine Wundertuete und gegen Canada wird es nicht reichen.

    Jep! Schaue gerade die Wiederholung von USA-FIN (3:2).Meine Fresse das ist aber anderes Hockey, speziell was die USA da zeigen!