Fribourg-Gottéron und der HC Lugano müssen in Quarantäne: Termine jonglieren und die Furcht vor einem Meisterschaftsabbruch im Schweizer Eishockey
Die Teams von Fribourg-Gottéron und dem HC Lugano müssen sich in Quarantäne begeben und können zurzeit keine Partien absolvieren. Nur zwei Wochen nach dem Meisterschaftsstart steht das Schweizer Eishockey vor einer Zerreissprobe.
Nicola Berger (NZZ)
Zwei Wochen lang konnte die Schweizer Eishockeymeisterschaft in geordneten Bahnen ausgetragen werden. Dann kam der Mittwochmorgen – und mit dem Alltag war es vorbei. Im HC Fribourg-Gottéron sind vier positive Corona-Tests bekanntgeworden, der Kantonsarzt hat entschieden, dass sich die ganze Mannschaft in Quarantäne begeben muss. Die Partien gegen Davos, Lausanne und Genf/Servette werden verschoben – weitere könnten folgen.
Auf dünnem Eis
Auch im HC Lugano sind drei Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden: die Stürmer Alessio Bertaggia und Tim Traber sowie der Goalie Sandro Zurkirchen. Der Tessiner Kantonsarzt hat angeordnet, dass das Team mindestens bis am Freitagmorgen in Quarantäne muss. Die für den Mittwoch angesetzte Cup-Partie der Tessiner gegen den Erstligaklub Pikes Oberthurgau wurde ebenso verschoben wie das Heimspiel am Freitag gegen Biel sowie die Auswärtspartie am Samstag in Bern.
Ein Ausbruch bei einem oder mehreren der 24 Profi-Eishockeyteams war nur eine Frage der Zeit. Schon in der Saisonvorbereitung hatte es einen gegeben, bei den Ticino Rockets in der Swiss League. Die Fälle in Freiburg und Lugano führen vor Augen, auf wie dünnem Eis sich die Branche derzeit bewegt. Die Saison droht wie erwartet chaotisch zu werden, Flexibilität ist das Gebot der Stunde. Was die Termine betrifft, verfügt die Liga derzeit noch über genügend Spielraum – ihr spielen die Absagen des Spengler-Cups und der Champions Hockey League in die Karten. Das Kontinentalturnier CHL war am Dienstag abgesagt worden, fünf Schweizer Klubs hätten teilnehmen sollen, unter ihnen die ZSC Lions.
NL-Spiele statt Spengler-Cup
Während der Altjahreswoche, des traditionellen Spengler-Cup-Termins, sind bereits drei Qualifikationsspiele angesetzt worden – zwei mit dem Spengler-Cup-Gastgeber HC Davos und das Léman-Derby zwischen Lausanne und Genf/Servette. Der Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher sagt, man arbeite bei der Spielplangestaltung mit etlichen Szenarien. Derzeit ist die finale Qualifikationsrunde für den 22. März angesetzt, doch Vaucher sagt, die 52 Runden umfassende Qualifikationsphase müsse spätestens am 13. April 2021 abgeschlossen sein. Das würde nur noch Best-of-3-Serien im Play-off erlauben, doch die Kompromissbereitschaft im Eishockey ist dieser Tage gezwungenermassen hoch.
Noch gibt es genügend Ersatztermine im Kalender, aber die Klubs und Spieler müssen sich auf Premieren gefasst machen, auf ungewohnte Belastungen. Man muss nur in die USA blicken, wo beispielsweise das Championat der Major League Baseball (MLB) nicht in einer «Blase» durchgeführt worden ist. Teams, die in Quarantäne mussten, hatten danach ein nie zuvor gesehenes Mammutprogramm an der Grenze des Zumutbaren absolvieren müssen.
Fragezeichen Nationalteam
Auch im Eishockey ist entsprechend nichts mehr unantastbar – auch die eigentlich fixen Nationalmannschaftspausen im November, Dezember und Februar nicht. Der Deutschland-Cup in Krefeld von Anfang November ist zwar noch nicht abgesagt, doch angesichts der in Deutschland wie der Schweiz schnell steigenden Infektionszahlen dürfte die Austragung geopfert werden. Auch das Heimturnier in Visp von Mitte Dezember steht auf der Kippe – Russland hat sich bereits zurückgezogen. Und nach heutigem Stand ist ja noch nicht einmal sicher, ob die Weltmeisterschaft 2021 in Lettland und Weissrussland stattfinden kann, die Perspektiven für eine Austragung des Turniers waren auch schon besser. René Fasel, der Schweizer Präsident des Eishockey-Weltverbandes IIHF, hat mehrfach betont, dass es keine WM ohne Zuschauer geben werde.
Der ungewisse Terminplan ist das eine, die Furcht vor einem neuerlichen Verbot von Grossveranstaltungen das andere. Ein solches würde den Klubs ihre Existenzgrundlage entziehen. Sollten keine oder fast keine Zuschauer mehr zugelassen sein – wie etwa in Tschechien oder Schweden –, droht wie im Frühjahr der Abbruch der Meisterschaft. Es sind trübe Aussichten, nur zwei Wochen nach dem Saisonstart, der mit so etwas wie Aufbruchsstimmung verbunden gewesen war.
Der vielleicht einzige Lichtblick ist: Nach 21 ausgetragenen National-League-Partien liegen zumindest der Liga keine Informationen darüber vor, dass es auf den Zuschauerrängen zu einer Ansteckung gekommen ist.