Eine gute Lektion für die ZSC Lions
Die Zürcher wurden beim 3:4 in Bern nach elf Siegen in Serie gestoppt. Doch daraus können sie lernen.
Von Simon Graf, Bern Vor der ZSC-Kabine wünschte man sich ein frohes Fest. Und Marc Crawford erzählte, dass er sich darauf freue, an Weihnachten zu Hause in Montreal die ganze Familie wieder zu sehen. Doch unter die kollektive Vorfreude mischte sich auch eine leise Enttäuschung über den missglückten Jahresabschluss. Elfmal in Serie hatten die Zürcher vor der Derniere in Bern gewonnen, gegen einen motivierten und körperlich äusserst präsenten Meister reichte es nicht mehr. Immerhin durften die ZSC Lions nach dem 3:4 von Wick in der 58. Minute nochmals hoffen auf eine späte Wende. Doch anders als im siebten Finalspiel 2012 fiel kein Zürcher Tor mehr in letzter Sekunde.
Richtig böse konnte Crawford seinen Spielern nach ihrem mittelmässigen Auftritt aber nicht sein. «Es war eine schöne und bemerkenswerte Serie», sagte er und hielt inne. «In dieser Liga so oft nacheinander zu gewinnen, ist eine grosse Leistung. Vor allem auswärts. Denn es ist hier Usus, dass das Auswärtsteam ein paar Strafen mehr bekommt.» In der Endabrechnung war es in Bern ein Powerplaytor, das 4:2 Furrers (35.), das den Unterschied machte. Doch der SCB-Sieg war verdient, weil das Heimteam mehr dafür tat. Das stellte auch Crawford nicht in Abrede. Seine Mannschaft habe mit Selbstvertrauen gespielt, aber zu wenig hart gearbeitet, konstatierte er. Das habe sich gerächt.
Vielleicht war die Partie in Bern ja auch eine gute Lektion für die zuletzt so siegesgewöhnten Zürcher. Punkto Tempo und Pucksicherheit waren sie dem SCB überlegen, doch dieser verstand es, ihr Spiel mit seiner Wucht zu zerstören. Solche Partien werden die ZSC Lions im Playoff (wohl) einige erleben, und da gilt es, dagegen zu halten. Denn Meister wird nicht automatisch das kreativste Team der Liga, das die Löwen zweifelsohne sind. Mit ihrem kräftigen Zwischenspurt setzten sie sich an der Spitze ab, ihr Vorsprung auf ihren ersten Verfolger, das überraschende Ambri, beträgt zur Weihnachtspause zehn Punkte. Und falls Crawfords Theorie vom Heimvorteil stimmt, wäre es ein anzustrebendes Ziel, Rang 1 bis zum Qualifikationsende zu verteidigen.
Der SCB hat seit dem Trainerwechsel von Antti Törmänen zu Lars Leuenberger gezeigt, dass auch mit ihm wieder zu rechnen sein wird, wenn im Frühjahr der Titel ausgespielt wird. Unter Leuenberger haben die Berner neun von elf Spielen gewonnen. Für den Uzwiler war die gestrige Partie mit zusätzlicher Spannung gewürzt, weil seine Frau, die TVModeratorin Nicole Berchtold (Glanz & Gloria), das zweite Kind erwartet. Leuenbergers Bruder Sven hätte ihn jederzeit informiert, wenn er ins Spital hätte eilen müssen. Doch das Telefon des Sportchefs blieb still.
Unter Leuenberger treten die Berner etwas aktiver im Forechecking auf und betonen ihre kämpferischen Tugenden wieder mehr. Ein Sinnbild dafür ist der neue, kräftige Tscheche Olesz, der im Sturm den glücklosen Künstler Lehtonen verdrängt hat. Falls der Finne einen Club findet, würde man ihn in Bern gehen lassen. Vielleicht taucht der Flügel ja plötzlich als zusätzlicher Ausländer in Zürich auf. So schlecht waren die Erfahrungen mit ihm im Playoff nicht. Und seine Integration würde sich auch nicht allzu schwierig gestalten.
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