Zürcher Leichtigkeit des Siegens
Der Adventsmarathon bekommt den ZSC Lions gut. Das 3:1 im Derby war ihr siebter Erfolg in Serie.
Von Simon Graf, Zürich
Die ZSC Lions haben in dieser Saison schon besser gespielt, viel besser sogar. Man merkt ihnen ihr gedrängtes Programm mit 8 Spielen in 13 Tagen langsam an. Trotzdem gewannen sie im dritten Saisonderby gegen die Kloten Flyers relativ locker. Nichts ist besser für das Selbstvertrauen als Siege, und die fallen den Stadtzürchern momentan reihenweise zu. Das 3:1 war ihr siebter Erfolg nacheinander – es ist ihre beste Serie unter Marc Crawford und die längste, seit sie im Playoff 2012 ohne Niederlage in den Final stürmten. «Wenn man so viele Spiele hat wie wir momentan, muss man simpel spielen und braucht man einen guten Goalie», sagte Crawford. «Zudem muss man als Coach die Leute finden, die Energie haben.»
Der Kanadier lobte in dieser Hinsicht vor allem seine vierte Linie, in der Baltisberger, Senteler, Künzle und Fritsche rotierten. Und Baltisberger war es denn auch, der die ZSC Lions nach einer Startphase, in der sie dominiert worden waren, in Führung schoss (12.). Jenes Tor stand beispielhaft dafür, was die Stadtzürcher besser machen. Baltisberger checkte vor dem gegnerischen Tor Romano Lemm weg und nutzte die so gewonnene Freiheit zum Torschuss. Beim 2:0 reagierte Cunti (26.) im Slot am schnellsten, beim 3:0 (30.) lenkte Wick unmittelbar vor Goalie Gerber ab. «Vor dem Tor waren wir stark», fand Wick denn auch. «Das war entscheidend.»
Wegweisend waren aber auch die Paraden Flüelers in den ersten zehn Minuten. 19:8 lautete die Schussbilanz im Anfangsdrittel zu Klotener Gunsten, zuletzt stand es in dieser Statistik 43:22 für die Flyers. Flüeler liess sich von Du Bois (48.) aber erst bezwingen, als die Partie praktisch gelaufen war. «Ich fand, dass wir defensiv besser standen als in den Spielen zuvor», sagte der viel beschäftigte Torhüter. «Und das ist auch wichtig. Obschon wir viele gute Stürmer haben, kann es nicht unser Spiel sein, nur vorne zu wirbeln.» Am Samstag in Biel hatte der Stammgoalie dem jungen Nyffeler Platz machen müssen, und er gestand, dass ihm dies nicht leichtgefallen sei: «Wenn ich Ersatz bin, bin ich noch nervöser als sonst.»
Noch sind die ZSC Lions erst in der Hälfte ihres Adventsmarathons. Bis zum nächsten Sonntag folgen die Heimspiele gegen Ambri, die Lakers und Biel sowie die Partie in Zug. Er könne nicht leugnen, dass er die Strapazen etwas spüre, fand Wick. Zumal er tags zuvor mit Doppeleinsätzen forciert worden war. «Ich weiss nicht recht, was sich der Coach da gedacht hat», sagte er schmunzelnd. «Vielleicht meinte er, er habe zwei Stürmer mit der Nummer 27.»
Chicagos Hallin und Cunti
Zu Stammgästen im Hallenstadion sind in dieser Saison die NHL-Scouts geworden. Gestern waren mit Chicago, Pittsburgh und San Jose drei namhafte Teams vertreten. Chicagos Mats Hallin, in der Schweiz bekannt für seine legendäre Strafaktion in Diensten Luganos gegen Ambris Antisin im Januar 1987, war am Samstag schon in Biel gewesen. Dass er Topskorer Cunti beobachtet, mochte er nicht bestätigen. Berufsgeheimnis. Aber man kann davon ausgehen, dass der Center das Interesse der Blackhawks geweckt hat. Crawford fiel, auf die Scouts angesprochen, seine ganze Paradelinie ein mit Wick, Cunti und Nilsson, die immer wieder für Glanzpunkte gut ist.
Der ZSC-Coach beeilte sich aber zu sagen, dass er viele seiner Spieler möge: «Schaut euch die Entwicklung Sentelers an. Oder Trachsler.» Crawfords Laune tut die Siegesserie sichtlich gut.
ZSC Lions - Kloten Flyers 3:1 (1:0, 2:0, 0:1) Hallenstadion. – 11 026 Z. – SR: Eichmann/Rochette, Espinoza/Fluri. – Tore: 12. Baltisberger/1 (Künzle) 1:0. 26. Cunti/12 (Bergeron, Bärtschi/Ausschluss Santala) 2:0. 30. Wick/13 (Shannon/Ausschlüsse Steinmann, Blum) 3:0. 48. Du Bois/6 (Romano Lemm/ Ausschlüsse Gerber, Bärtschi) 3:1. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 8-mal 2 Minuten plus 10 Minuten und Spieldauer (DuPont) gegen Kloten.
ZSC Lions: Flüeler; Bergeron, Geering; Blindenbacher, Schnyder; Stoffel, Marc Zangger; Hächler; Baltisberger, Senteler, Künzle; Wick, Cunti, Nilsson; Schäppi, Shannon, Keller; Bärtschi, Trachsler, Bastl; Fritsche.
Kloten Flyers: Gerber; DuPont, von Gunten; Du Bois, Blum; Stoop, Vandermeer; Schelling, Frick; Mueller, Santala, Bieber; Stancescu, Steinmann, Herren; Leone, Romano Lemm, Aurelio Lemm; Hoffmann, Randegger, Bühler.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Seger (krank), Kenins und McCarthy (verletzt), Kloten Flyers ohne Liniger, Bodenmann, Jenni und Högger (verletzt). – Pfostenschüsse: 8. Herren, 39. Bühler.
© Tages Anzeiger
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Klotener Wut
«Wir müssen auch einmal einen Gegenspieler umhauen»
Die Flyers ärgerten sich über die Schiedsrichter und sich selbst, weil sie ihre frühen Vorteile nicht nutzten.
Von Silvan Schweizer, Zürich
In der Schlussminute entlud sich der ganze Klotener Frust in wilden Szenen. Captain Stancescu irrte übers Feld, um ZSC-Verteidiger Blindenbacher zu drangsalieren und sich für eine frühere Attacke zu revanchieren. Abwehrchef DuPont, sonst ein äusserst ruhiger Zeitgenosse, beschimpfte die Schiedsrichter so lange von der Bank aus, bis sie ihn in die Garderobe schickten. Und Coach Hollenstein applaudierte hämisch zu den Entscheiden und schmiss bald eine Wasserflasche auf den Boden.
Die Schiedsrichter waren ein grosses Ärgernis aus Klotener Sicht. Und von aussen betrachtet war nicht ganz klar, weshalb. Gerne hätte man Hollenstein dazu befragt, doch der stapfte nach seiner Teamansprache aus der Garderobe an den wartenden Medienleuten vorbei direkt zum Bus und reagierte nicht auf Fragen. Vielleicht wählte er diesen Abgang aus Selbstschutz. Auch DuPont wollte seinen Wutanfall gegenüber den Unparteiischen nicht erklären: «Dazu sage ich nichts. Ich will mich nicht in Schwierigkeiten bringen.»
Bieber zeigte sich derweil schon wieder heruntergekühlt: «Die Schiedsrichter waren sicher nicht der Grund für unsere Niederlage.» Aber er verstehe auch seinen Coach, der stets mit viel Herzblut dabei sei, da könne es eine solche Reaktion schon einmal geben. Der Stürmer, der zuletzt eine der wichtigsten Stützen im Klotener Spiel gewesen war, sprach von einer soliden Leistung. «Manchmal entscheiden eben Zentimeter, in welche Richtung der Match geht», sagte er und erinnerte an die starke Startphase seines Teams und den Pfostenschuss Herrens (8.). Bald darauf führten die ZSC Lions entgegen dem Spielverlauf. «Sie waren cleverer, wir etwas unvermögend im Abschluss», sagte Bieber. Bühler wiederum befand: «Dreimal gewannen sie entscheidende Zweikämpfe vor unserem Tor. Da müssen wir eben auch einmal einen Gegenspieler umhauen, wenn es nicht anders geht.» Zur Erinnerung: Bis letzten Winter spielte er noch im ZSC-Trikot.
Klotens Durststrecke in Zürich
Das Hallenstadion ist für die Klotener zu einer schwierig zu erstürmenden Festung geworden, seit sieben Partien konnten sie hier nicht mehr gewinnen. Dennoch war die Aufwärtstendenz nach den Siegen gegen Zug (3:1) und Rapperswil-Jona (6:1) auch gegen die Stadtzürcher spürbar, zumal diese das Team der Stunde sind. «Das Gute ist, dass in dieser Jahreszeit immer gleich das nächste Spiel kommt», sagte Bieber im Hinblick auf den Match morgen in Biel. «Da hat man gar keine Zeit, zu sehr an einer Niederlage herumzustudieren.»
© Tages Anzeiger