Die Krux des FCZ
Das 1:3 gegen YB war die dritte Niederlage innert acht Tagen – wieder hielt die Abwehr nicht dicht.
Von Thomas Schifferle, Zürich
Es gibt Wochen, wie sie die Young Boys erleben. Wochen nur mit Siegen. Und es gibt Tage, wie sie der FC Zürich durchmacht. Er verliert und verliert, gleich dreimal in Folge.
Die unerfreuliche Serie für den FCZ begann vorletzten Sonntag mit dem 2:3 in Luzern, ging weiter mit dem 1:2 am Donnerstag in Liberec, und gestern fand sie ihre Fortsetzung, als es gegen ebendieses YB ein 1:3 absetzte. «Wir dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen», sagte Alain Nef, abgekämpft und frustriert. Worte als taugliches Programm?
In Luzern hatte dem FCZ eine achtbare zweite Halbzeit nicht genügt, eine miserable erste zu korrigieren. In Tschechien, in der Qualifikation zur Europa League, kämpfte er gut und führte lange, bis das Unheil über ihn hereinbrach. Gegen YB begann er gut, mit Elan und Willen. Buff stürmte in den Strafraum, dribbelte Veskovac aus und wurde gefoult – nicht böse, aber halt doch klar am Fuss getroffen.
«Ein entscheidender Moment», urteilte Nef. Und die Entscheidung fiel gegen den FCZ aus. Der Schiedsrichter liess weiterspielen. Mit einem Elfmeter hätte das Spiel ein anderes Gesicht bekommen können. So aber folgte zehn Minuten später das 0:1 und nach einer halben Stunde das 0:2. Der FCZ war spielerisch völlig von der Rolle.
Viel Wille, keine Klasse
In der Pause, berichtete Trainer Urs Meier, habe man sich «zusammengerauft». Der FCZ begann sich zu wehren, wurde optisch überlegen, kam dank Nefs kraftvollem Kopfball nach einer Stunde zum Anschlusstreffer, «nochmals zu Sauerstoff», wie Meier sagte. Der Trainer blieb nicht untätig und wechselte einen Offensivspieler nach dem anderen ein, Gavranovic, Schönbächler und Chiumiento, die drei, die er im Vergleich zu Liberec zur Schonung anfänglich auf die Bank gesetzt hatte.
Am Ende fehlte es dem FCZ nicht am Willen, aber an Durchsetzungsvermögen und Klasse. Er zahlte dafür, dass er in der zweiten Hälfte trotz aller Überlegenheit nur einmal gefährlich in den Berner Strafraum vordrang, er zahlte für spielerische Defizite und viele leichte Ballverluste, für den schwachen Auftritt von Chermiti oder Etoundi und dafür, dass die Einwechselspieler daran nicht das Mindeste änderten. «Wir waren bemüht, aber nicht überzeugend», bilanzierte Nef.
«Zu einfach. Zu einfach!»
Die Offensive hätte die Mannschaft gebraucht, um das zu korrigieren, was ihre Defensive wieder einmal verbockte. Sie hätten es vorher gewusst, sagte Nef, sie dürften nicht zu brav sein, nicht tändeln – «wir wussten es und machten es trotzdem». Rikan stand mit seinem Ballverlust am Ursprung des 0:1 nach 21 Minuten, Gerndt profitierte, überspurtete Djimsiti, obwohl er rund zehn Meter mehr an Weg zurücklegen musste, und liess Da Costa keine Abwehrchance.
Beim 0:2 schauten die Zürcher zu, wie der Gegner kombinierte. Zarate öffnete mit seinem Pass in die Tiefe den Raum, Sutter spielte quer, und Frey traf ins leere Tor. Meier vermisste in diesen Momenten die Konzentration seiner Spieler, sie hätten wegen Entscheiden des Schiedsrichters nur lamentiert. Er sagte: «Das ging zu einfach. Zu einfach! Ohne Widerstand.»
Das Potenzial im Spiel nach vorne ist unbestritten. Ebenso aber, dass die Abwehr die Krux ist. «Wir dürfen nicht immer zwei Tore erhalten», kritisierte Meier. Gestern, nach dem Kontertor von Kubo in der Nachspielzeit, waren es drei. Meier möchte mit seinen Spielern auf den Trainingsplatz, um da zu korrigieren, was sie alles falsch machen. Aber dafür fehlt ihm momentan die Zeit – zu schnell folgen sich die Spiele.
Am Donnerstag kommt Liberec in den Letzigrund, am Sonntag geht es nach Basel. Nächste Enttäuschungen sind nicht ausgeschlossen. Nef übte sich als Positivdenker: «Keiner hat gesagt, dass es einfache Spiele gibt. Jetzt können wir an den Aufgaben wachsen.» Oder zerbrechen?
© Tages Anzeiger
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Es ist glaube ich alles gesagt. Der letzte Satz läst einen erschaudern....