Analyse Felix Hollenstein wird diese Saison Trainer der Kloten Flyers – nur der Zeitpunkt ist noch offen. Von Philipp Muschg
Zynisches Timing
Er habe langsam genug von der Frage, ob Tomas Tamfal am Freitag in Langnau noch an der Bande stehe, sagte Klotens Sportchef André Rötheli gestern. Das sei gar keine Diskussion, man wolle jetzt Ruhe, erklärte der 42-Jährige – und sprach dann doch jenen Satz aus, der noch für keinen Coach ein gutes Omen war: «Wir haben einen Trainer.» Die Gegenwartsform schützt die Handelnden: Sie bestätigt, was jeder weiss, und verrät doch nichts über künftige Absichten.
Doch das muss sie auch nicht – zu klar vorgezeichnet ist der Weg, den die Flyers gehen wollen: Er führt über die Versöhnung zur Wiederaufrichtung des Clubdenkmals. Besitzer Philippe Gaydoul und Felix Hollenstein haben sich angenähert, nun kommt die Zeit für die Rückkehr des Urgesteins. Die Frage ist nur: wann genau?
Die Tabelle und die jüngsten Resultate zwingen nicht zu überstürztem Handeln. 10 Runden vor Ende der Qualifikation belegen die Flyers mit 7 Punkten Vorsprung auf den EHC Biel den letzten Playoff-Rang. Solange nicht konkret der Fall ins Playout droht, herrscht kein akuter Handlungsbedarf. Umso weniger, als das Team aus den letzten 3 Spielen 5 Punkte geholt hat und wenigstens kämpferisch überzeugt.
Andererseits wird sich der Club hüten, mit der Rückholung Hollensteins bis nach der Saison zu warten. Denn bei aller berechtigten Kritik an fehlender Spielkultur: So schlecht, wie es die Tabelle ausdrückt, ist dieses Team nicht. Mit Du Bois und Von Gunten fehlen seit Wochen zwei Nationalverteidiger, mit Liniger einer der besten Zweiwegcenter des Landes, im Sturm schon die ganze Saison torgefährliche Legionäre. Werden diese Missstände behoben und schaffen die Flyers das Playoff, können sie dort durchaus erfolgreich sein. Wenn dann der Coach noch Tamfal heisst, wäre es danach auf einmal Hollenstein, der ein schweres Erbe antritt. Das wird Gaydoul seinem neuen Wunschtrainer nicht zumuten wollen.
Tamfals Tage sind also gezählt, und doch erhält er eine Galgenfrist. Wenn sein Team in den vier Partien bis zur Nationalmannschaftspause regelmässig punktet und der Abstand auf die Playout-Ränge nicht dramatisch schrumpft, bleibt er im Amt. Andernfalls liefert er Argumente für die eigene Freistellung.
Es ist ein zynisches Spiel, bei dem der Tscheche nicht gewinnen kann. Denn Hollenstein kommt, und die Pause im Februar ist dafür perfekt: Während zwei Wochen kann der Coach mit dem Team arbeiten und das Playoff vorbereiten. Hat es dort Erfolg, wurde alles richtig gemacht. Hat es keinen Erfolg, erleidet Hollensteins Ansehen keinen Schaden, und alle profitieren von der gemeinsamen Erfahrung.
So gesehen, nützt es den beiden künftigen Partnern, wenn Tamfal noch für ein paar Spiele den Platzhalter gibt. Hollenstein kann sich überlegen, an welche Bedingungen er seine Rückkehr knüpfen will – in Bezug auf Kompetenzen (weitreichend), Trainerstab (neuer Assistent), Vertragsdauer (mehrere Jahre), Salär (so hoch, dass eine zweite Entlassung sich finanziell fast verbietet). Gaydoul kann sich überlegen, ob er darauf eingehen will.
Ist der Unternehmer dazu bereit, dürfte es Hollenstein schwerfallen, seine Rückkehr auf den Sommer zu vertagen. Zu gross ist seine emotionale Bindung an den Club. Zu gross wäre die Genugtuung, von denselben Leuten zurückgebeten zu werden, die ihn vor sieben Monaten noch schändlich fortjagten. Zu verlockend muss der triumphale Empfang im Stadion sein, der ihm bei seiner Rückkehr sicher ist.
Vielleicht wäre es vorsichtiger, das Debüt als alleinverantwortlicher NLA-Trainer nicht mitten in der Saison zu geben. Doch Vorsicht passt nun wirklich nicht zu diesen Flyers.
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