Ein perfekter ZSC-Nachmittag für den Jubilar
Zum 80. Geburtstag von Radiolegende Walter Scheibli gab es ein 4:1 gegen Biel. Aber noch ist bei den Lions vieles nicht meisterlich.
Von Silvan Schweizer, Zürich
Der Mann in Gelb lachte herzhaft, lauschte zufrieden den Gratulationen. Immer wieder erhob er sich, streckte die Arme in die Luft und winkte ins Rund – so, wie er das immer tut, wenn die Zürcher Fans seinen Namen skandieren. Und in den Pausen plauderte er gewohnt leidenschaftlich in die Mikrofone. Walter Scheibli konnte seinen 80. Geburtstag unbeschwert geniessen. Sein ZSC machte der Radiolegende, dessen markante Stimme den Club seit 30 Jahren begleitet, das perfekte Geschenk: ein stilvolles Retrotrikot aus seiner ersten Saison 1982/83 mit allen Unterschriften und der Nummer 80 auf dem Rücken – eines, wie es die Spieler an diesem Nachmittag zu seinen Ehren trugen. Vor allem aber schenkten sie ihm einen 4:1-Heimsieg gegen Biel.
Und sie kontrollierten Spiel und Gegner schon so früh so klar, dass nach den Danksagungen vor dem ersten Bully auch während der Partie dem Publikum genügend Zeit für Huldigungen an Scheibli blieb. Die Lions erhöhten nach dem 2:1 zur ersten Pause im Mittelabschnitt innert 24 Sekunden auf 4:1. Von da an waren weder sie noch die Bieler gewillt, allzu viele Kräfte zu investieren. «Es war nicht viel, dass man heute nicht hätte mögen können», bilanzierte Coach Marc Crawford deshalb nach einem ungefährdeten Erfolg.
Der Kanadier sah «eine der besten Leistungen» in seiner noch jungen Amtszeit. Vor allem defensiv waren die Zürcher tatsächlich stabiler und konzentrierter als noch zuletzt gegen Fribourg (3:4 n. P.) und Servette (2:4), sie halfen Goalie Flüeler mit unzähligen blockierten Schüssen. Und im Angriff kreierten sie selbst genügend Chancen für einen noch höheren Sieg. «Es gibt sicher einige, die frustriert sind, weil sie keine Tore erzielen. Aber ich bin sicher, dass jeder Spieler etwas Positives für sich aus diesem Match ziehen kann», sagte Crawford.
Seger bereits mit dem 5. Tor
Nach zwölf Partien haben die ZSC Lions gegen alle NLA-Teams mindestens einmal gespielt; nur mit den Lakers gab es bereits zwei Duelle. Die Titelverteidiger befinden sich als Fünfte im Pulk jener fünf Mannschaften, die sich um Platz 2 hinter dem unangefochtenen Leader Servette streiten. Sie haben schon mehrmals angedeutet, dass vor allem in der Offensive gar noch mehr Talent und Potenzial da sind als in der letztjährigen Meistersaison. Abgesehen vom 4:0 in Rapperswil konnten sie bisher aber noch keines der Spitzenteams bezwingen.
Noch ist das Leistungsgefälle innerhalb des Teams zu stark, um auch in jenen Partien dominant auftreten zu können. Auf der einen Seite der Formskala sind die selbstbewussten Verteidiger Geering und vor allem Captain Seger, der gestern bereits sein fünftes Tor erzielte. Auch Wick setzte zuletzt an der Seite Cuntis wieder vermehrt Akzente. Und Monnet sammelte schon mehr als doppelt so viele Skorerpunkte (9) wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.
Brulés Nuller im Abschluss
Dafür haben die Ausländer noch nicht den Einfluss, der von ihnen zu erwarten ist. «Ein paar von ihnen bekundeten zu Beginn Mühe, ein paar sind auf dem grösseren Feld noch am Lernen», sagt Crawford vorsichtig. Verteidiger Lashoff etwa zeigt sich in seinem Stellungsspiel oft unbeholfen und eingeschränkt in seiner Angriffsauslösung. Tambellini ist noch längst nicht der Antreiber aus dem Playoff. Und Brulé, als Torjäger verpflichtet, scheint immer mehr an sich zu verzweifeln – gegen Biel verpasste er seinen ersten Treffer sogar, als er das offene Tor vor sich hatte. Weil Shannon zuletzt drei Partien wegen Adduktorenproblemen verpasste, sucht Crawford auch weiter nach den besten Linienkombinationen. Der Auftritt gegen Biel gab ihm zumindest die Gewissheit, dass er «auf dem richtigen Weg» sei. Der nächste Test folgt morgen im Derby gegen Kloten. Auch dann mit der Unterstützung des Manns in Gelb.
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