Der FCZ bestrafte sich selbst
Leader St. Gallen musste sich lange dominieren lassen – und gewann am Schluss doch 2:0.
Von Peter Bühler, Zürich
Was nun, FCZ? Die Zürcher verloren in der 10. Runde bereits zum fünften Mal, sie mussten in der Tabelle sogar das bescheidene Lausanne vorbeiziehen lassen und fielen auf den achten Rang zurück. Sie geraten weiter unter Druck, stehen ihnen doch nach dem reichlich unnötigen 0:2 gegen St. Gallen zwei schwierige Auswärtsspiele in Sitten und in Bern gegen die Young Boys bevor. Dabei hatten sie gestern Abend im verregneten Letzigrund die erste Halbzeit lang gut gespielt, den Leader in jeder Hinsicht dominiert, doch sie wurden für ihren Auftritt und vor allem ihren Aufwand ganz schlecht belohnt.
Man kann es nicht anders sagen: Das Resultat zur Pause war ein Hohn. Es gab den Verlauf der Partie nicht im Geringsten wieder. St. Gallen führte 1:0, obwohl es nichts für das Spiel getan hatte und geschätzt ein Mal im Strafraum der Zürcher aufgetaucht war. Und daraus, aus dieser einen Szene, entstand das einzige Tor in der ersten Halbzeit, und zwar nach einem epochalen Fehler von Da Costa: Teixeira hatte den Ball zurückgespielt, der völlig unbedrängte Zürcher Torhüter schoss mit seinem Befreiungsschlag Cavusevic an. Der Slowene bediente Scarione, der Djimsiti aussteigen liess und ins leere Tor einschob. «Ein ärgerlicher Fehler, der einmal passieren kann», nahm FCZ-Trainer Rolf Fringer hinterher seinen Goalie in Schutz.
Drmic traf Latte und Pfosten
Die FCZ-Spieler aber mussten sich die Haare raufen, denn sie hätten zu diesem Zeitpunkt nach einer Viertelstunde Spielzeit bereits deutlich führen müssen. Glarner war allein vor Lopar gescheitert, Gavranovic hatte zu ungenau gezielt und Drmic die Latte getroffen. Auch nach dem 0:1 spielte nur der FCZ. Lopar lenkte Drmic’ Schuss ins Aussennetz, Drmic scheiterte am Pfosten, und Chiumiento allein vor dem St. Galler Torhüter schoss diesen an. Der FCZ spielte die ganze erste Halbzeit mit Druck und Tempo nach vorne, doch er blieb erschreckend schwach im Abschluss. «Vieles hat mir gefallen, aber wir müssen natürlich effizienter werden», erklärte Fringer. Und klar war: Der Lapsus von Da Costa war die Höchststrafe für die Mannschaft, die sich nach der Niederlage im Derby mit einem Erfolg hatte in die Meisterschaft zurückkämpfen wollen.
Doch es kam nicht dazu – auch weil die Zürcher nach dem Wechsel nicht mehr an die Leistung der ersten Halbzeit anknüpfen konnten. «Wir zollten unserem Tempo Tribut, wir hatten viel Kraft verbraucht», stellte Fringer zutreffend fest. Beim FCZ passte nichts mehr zusammen, es waren vielmehr die St. Galler, die das Geschehen relativ sicher kontrollierten. Und als der herausragende Scarione Cavusevic in die Tiefe lancierte, erzielte dieser im Stil des Torjägers an Da Costa vorbei den zweiten Treffer. Es war, nach erst 55 Minuten, die Entscheidung. Der FCZ gab sich zwar nicht auf, aber er konnte nicht mehr reagieren und hatte sogar Glück, dass Nater allein vor Da Costa nicht den dritten St. Galler Treffer erzielte. Ein 3:0 wäre für die Ostschweizer dann doch des Guten zu viel gewesen. Ihr Trainer Jeff Saibene meinte: «Der FCZ war lange Zeit besser, uns fehlten Biss und Entschlossenheit. Aber wir hatten einen sehr guten Goalie – und auch einiges Glück.»
Ein Aufsteiger wie keiner zuvor
Die St. Galler gehen ihren schönen Weg weiter. Sie siegten zum fünften Mal in Serie, vor allem bleiben sie auch nach zehn Runden ungeschlagen. Noch nie seit der Einführung der Zehnerliga in der Saison 2003/04 ist das einem Aufsteiger gelungen. Dem unterlegenen Fringer fielen dazu drei Worte ein: «Kompliment und Gratulation.»
Powered by © Tages Anzeiger