Ambühls Tor zu später Stunde
Die ZSC Lions verschafften sich mit einem 3:2 in Zug 4 Finalpucks. Ambühl traf 2-mal, Flüeler brillierte.
Von Simon Graf, Zug
Es war ab dem Schlussabschnitt ein einziger EVZ-Sturmlauf gewesen. Das Zuger Siegestor schien nur noch eine Frage der Zeit. Doch der Puck prallte jedes Mal noch an irgendein Körperteil Flüelers, der im Tor Akrobatik betreiben musste. Als sich zu Beginn der Verlängerung Schnyder eine Strafe einhandelte, weil er den Puck, vom Forechecker unter Druck gesetzt, übers Plexiglas befreit hatte, schien dies die Aktion, die dem EVZ den finalen Vorteil verschaffen würde. Doch es kam anders. Bei einem Konter enteilte Tambellini, Markkanen stoppte ihn, der Puck prallte zurück, die zurückgeeilten Zuger verpassten ihn alle, und schliesslich traf der auch aufgerückte Ambühl über den am Boden liegenden Markkanen zum siegbringenden 3:2 in der 64. Minute.
Es war ein glücklicher, wenn auch hart erkämpfter dritter Sieg der Zürcher, die nun morgen Samstag im Hallenstadion in den Final einziehen können. 10 300 Tickets waren bis gestern abgesetzt, nun dürfte heute ein Run auf die verbliebenen 900 Billete einsetzen. Das dritte Duell hatte sich gestern in Zug zusehends zu einer Sache roher Gewalt entwickelt. Nachdem sich der EVZ im Mittelabschnitt und einem 0:2-Rückstand zurückgekämpft hatte, liess das Schiedsrichterduo Eichmann/Stricker praktisch alles durchgehen. Die Szenerie erinnerte an eine Strassenschlacht in einer dunklen Gasse. Wobei die Zuger dem Knockout-Schlag näher standen. Getragen vom Publikum schnürten sie die Zürcher phasenweise minutenlang in der eigenen Zone ein. Doch Flüeler parierte immer wieder mirakulös.
Spektakulärer Fauxpas
Dies war umso bemerkenswerter, weil sich der Zürcher Torhüter 24 Sekunden vor der zweiten Pause einen spektakulären Fauxpas geleistet hatte, den manchen seiner Berufskollegen aus der Bahn geworfen hätte: Verteidiger Fischer schoss mit einem Lob Richtung Tor, um zu wechseln, der Puck sprang unmittelbar vor Flüeler auf, sprang nach rechts ab und fand so seinen Weg am Hünen vorbei ins Tor – zum umjubelten 2:2. Zuger Wut und Verzweiflung schlug mit dieser Szene in Freude und Schadenfreude um. Wobei es Brunner nicht lassen konnte, auf Flüeler zuzufahren und ihn zu verhöhnen – eine erstaunliche Aktion von einem Spieler seines Profils.
Die Tore waren in der regulären Spielzeit exklusiv im Mittelabschnitt gefallen. Zuerst gelang dem überragenden Ambühl (24.) nach einem Zuspiel Downs das 1:0. Kurz nach Spielmitte bediente Cunti mit einem Querpass à la Gretzky den freistehenden Bärtschi, der zum 2:0 ins Lattenkreuz traf. Doch eine Massnahme Doug Sheddens, der erkannt hatte, dass Brunner vom lauen Holden gebremst wurde und den Topskorer in einen Sturm mit Metropolit und Casutt coachte, brachte die Trendwende: Brunner spielte in der 38. den am Pfosten freistehenden Casutt an, und der drückte den Puck zum 1:2 ins Tor.
Mitreissender Abend
Hätten die ZSC Lions ihre Zweitore-Führung in die zweite Pause gebracht, die Zuger Verzweiflung wäre wohl gross gewesen. Doch die beiden späten Tore gaben dem EVZ und seinen forcierten Stars wieder Sauerstoff. Eigentlich machte das Team von Doug Shedden alles richtig, doch es schoss, wieder einmal, einfach die Tore nicht. Weil es an einem erneut starken Flüeler und aufopfernd kämpfenden Zürchern abprallt. Doch wenn dies tatsächlich das letzte Zuger Heimspiel in dieser Saison gewesen sein sollte, so werden sich die Zuschauer zumindest an einen mitreissenden Abend erinnern.
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Leichtfuss und Backenbart
Von Philipp Muschg, Zug
Die dritte Begegnung von Zug und ZSC bot PlayoffEishockey in Reinkultur. Luca Cunti gefiel erneut als Vorbereiter.
Kaum ein Zürcher erlebte unmittelbarer als Luca Cunti, wie schmal der Grat zwischen Jubel und Frustration im Playoff sein kann. Erst bereitete der Erlenbacher mit einem magistralen Pass das 2:0 durch Bärtschi vor (32.), das eine Phase totaler ZSC-Dominanz krönte. Dann, keine sechs Minuten später, hatte er sich in der eigenen Zone so weit von Gegenspieler Casutt entfernt, dass dieser ein Zuspiel Brunners zum Anschlusstreffer verwerten konnte.
Am Ende konnte der 22-Jährige doch wieder jubeln – und bleibt damit im Playoff weiter unbesiegt, wenigstens auf Stufe NLA. Er spielt zum ersten Mal um den Schweizer Meistertitel und hat seinen vier Siegen gegen den HCD nun drei gegen Zug hinzugefügt. Mit 6 Assists aus 7 Spielen ist er der beste Passeur des ZSC und Sinnbild eines Teams, das stets einen Weg findet, ein Spiel zu entscheiden. Wie sich Cunti leichtfüssig durch die Abwehrreihen schlängelt, so sicher bewältigt der ZSC dieses Jahr den Playoff-Parcours.
Ist Cunti das Gesicht eines neuen ZSC, so ist Doug Shedden jenes des EVZ, der seinen Kampfeswillen immer mehr mit Äusserlichkeiten zum Ausdruck bringt. Nach den Wortgefechten mit ZSC-Coach Bob Hartley übernahm Shedden dessen Marotte, die Spieler in beliebiger Anordnung aufs Matchblatt zu schreiben. Ausserdem stutzte der Kanadier seinen Playoffbart zurecht und trägt nun eine aggressive Kombination von Kinn- und Backenbart. Genützt hat das ebenso wenig wie seine taktischen Massnahmen. Viel Spielraum hat der EVZ nicht mehr.
Zug - ZSC Lions 2:3 n.V. (0:0, 2:2, 0:0) Bossard-Arena. – 7015 Zuschauer (ausverkauft). – SR: Eichmann/Fluri, Stricker/Müller. – Tore: 24. Ambühl (Down,Tambellini) 0:1.32.Patrik Bärtschi (Cunti) 0:2. 38. Casutt (Damien Brunner) 1:2. 40.(39:36) Patrick Fischer 2:2. 64. (63:52) Ambühl (Tambellini, McCarthy/Ausschluss Daniel Schnyder!) 2:3. – Strafen: 3-mal Minuten gegen Zug,5-mal 2 Minuten gegen ZSC.
Zug: Markkanen; Helbling, Patrick Fischer; Chiesa, Blaser; Erni, Oppliger; Andreas Furrer; Damien Brunner, Holden, Pirnes; Christen, Metropolit, Rüfenacht; Fabian Schnyder, Fabian Sutter, Casutt; Sven Lindemann, Fabian Lüthi, Lammer.
ZSC Lions: Flüeler; McCarthy, Seger; Blindenbacher, Geering; Daniel Schnyder, Stoffel; Kolnik, Ambühl, Tambellini; Schäppi, Bastl, Monnet; Patrik Bärtschi, Cunti, Kenins; Down, Bühler, Baltisberger.
Bemerkungen: Zug ohne Duri Camichel und Wozniewski (beide verletzt), ZSC Lions ohne Pittis, Camperchioli (beide verletzt) sowie Cory Murphy (überzählig).
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