Trainersuche Schere, Stein, Papier als Lösung. Von Fredy Wettstein
Knobeln zum Irrtum
Schere, Stein, Papier oder wie es auch heisst: Schnick, Schnack, Schnuck, vielleicht ist ja dieses Knobelspiel die Lösung für die grossen Entscheidungen im Fussball.
Die «neue Münchner Lach- und Schiessgesellschaft» («Süddeutsche»), die Fussballer des FC Bayern, machten es am Samstag in Berlin vor. Sie bekamen einen Freistoss, Ribéry wollte schiessen, Kroos auch, und so knobelten sie mit den Händen, du oder ich? Das führte zu einer moralischen Debatte, darf man so etwas, oder ist es den Gegner lächerlich gemacht? Ribéry und Kroos zeigten, dass ein Spiel auch Spass sein kann, sie waren für einen Moment Kinder, wie damals auf dem Pausenplatz, und was ist dagegen zu sagen in diesem Sport, der zu oft todernst ist?
Hertha Berlin, in akuter Abstiegsnot, hatte vor kurzem verzweifelt einen Trainer gesucht. Die Berliner dachten an Ralf Rangnick, der nach einer Erschöpfungskrankheit wieder gesund ist. Rangnick stand mit seiner Art immer für die Zukunft. Aber jemand brachte Otto Rehhagel ins Spiel, der HerthaManager besuchte das Ehepaar Rehhagel, und nach diesem Familientreffen war der Trainer von vorvorgestern der einzig Richtige. Er wird 73. «Otto verzaubert Berlin», jubelte «Bild», das war vor vier Wochen, «Otto ist eine Lachnummer», schreiben sie inzwischen, nach drei Niederlagen in vier Spielen, zuletzt dem 0:6 gegen die Bayern. «Meine Pläne waren richtig, meine Pläne sind immer richtig», sagte Rehhagel nach dem Spiel, der selbst ernannte «demokratische Diktator», der sich am liebsten an sich selber berauscht und Goethe und Schiller zitiert, was seine twitternden Spieler, die seine Enkel sein könnten, nicht verstehen.
Schere, Stein, Papier, wer ist der richtige Trainer? Vielleicht wäre Knobeln auch bei dieser Frage viel gescheiter. Denn es gibt sowieso nur diese ehrliche Antwort: Der Richtige ist immer auch der Falsche, früher, manchmal sehr bald oder später. Der Versuch mit dem Neuen wird dann zum Irrtum, Namen sind austauschbar.
Die geheime Liste des FCZ
Der FC Zürich sucht einen neuen Trainer, und GC tut es auch, nennt es vornehm «Plan B». Es gibt beim FCZ vorläufig eine lange Liste, die Präsident und Sportchef sichten werden. Es stehen grosse Namen drauf oder zumindest solche mit bekannten Namen, sie haben sich selber gemeldet oder auch nur SMS geschrieben, oder dann, meistens, wurden sie von irgendwelchen Beratern angeboten. Es meldeten sich Trainer, die schon lange und überall irgendwo auf der Welt einen Job suchen, aber auch solche, die eigentlich noch einen haben, aber damit rechnen müssen, bald stellenlos zu sein. Die Liste ist geheim, es heisst, man würde staunen, wer alles darauf ist, und wenn Namen bekannt würden, hätten einige ein Problem.
Wer ist der Richtige? Der FCZ könnte die Liste noch erweitern. Auf Transfermarkt.de sind die Trainer aufgeführt, die arbeitslos sind, 702 sind es in Deutschland, 72 in der Schweiz. Und die Liste ist nicht vollständig. Rudi Gutendorf, Jahrgang 1926, fehlt, der TrainerUr-Opa, an 54 Orten hat er gearbeitet, zuletzt vor einigen Jahren auf der Pazifikinsel Samoa. Er hätte ein starkes Argument: Er hat auch einmal die Blue Stars trainiert, in den Fünfzigerjahren, er kennt den Zürcher Fussball.
Präsident Canepa und Sportchef Bickel – wissen sie, was sie wollen, denken sie gleich, und denken sie strategisch? Einen Schweizer, einen mit Glamour, einen Deutschen mit klingendem Namen, weil es ein Echo haben könnte, beispielsweise Loddar M., der sich gegenwärtig aber auch in Tschechien, Polen, Serbien, beim Racing Club de Avellaneda in Argentinien und bei den Orlando Pirates in Südafrika (Stand gestern) anbieten soll?
Vielleicht doch der Ratschlag für Canepa und Bickel: Schere, Stein, Papier, wer gewinnt, darf wählen. ![]()
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