Wir wurden vom Monopolisten in die Knie gezwungen»
Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, beklagt die Situation im Hallenstadion, die das Team zu Playoff-Auftritten im Exil zwingen könnte.
Mit Peter Zahner sprach Simon Graf
«Die Bedingungen im Hallenstadion haben sich für uns durch den Umbau noch deutlich verschlechtert.»
Wo tragen die ZSC Lions ihr mögliches sechstes Halbfinalspiel gegen Zug aus? In Kloten oder Rapperswil?
Mit grosser Wahrscheinlichkeit in Kloten. Als wir für den Champions-LeagueFinal sondierten, verlangte Kloten von uns so viel Miete, 150 000 Franken, dass wir absagen und nach Rapperswil mussten. Der Klotener Stadtpräsident René Huber sagte mir danach, ich solle das nächste Mal direkt mit ihm Kontakt aufnehmen. Das habe ich gemacht. Und nun sind wir auf guten Wegen.
Wie hoch ist die Miete diesmal?
Das ist noch Verhandlungssache. Aber ich denke, dass wir uns zu akzeptablen Konditionen finden werden.
Hatte Kloten Priorität?
Ja, aus zwei Gründen: Erstens ist die Kapazität höher, zweitens ist es näher. So müssen die Spieler nach dem Warm-up nicht in einem Hotel Zeit überbrücken, sondern können nochmals nach Hause.
Was hätten Sie gemacht, wenn Kloten und Rapperswil noch spielen würden?
Dann wäre Bern ein Thema geworden.
Was machen Sie mit den gut 5700 Saisonkartenbesitzern, die Anrecht auf einen Sitzplatz haben?
Jene vom dritten Rang haben uns schon signalisiert, dass sie mit den Stehplätzen hinter dem Tor gut leben können. Aber natürlich ist das Ganze eine grosse Übung für uns. Und wir wissen ja nicht einmal, ob das Spiel stattfindet oder nicht. Wir müssen Tickets drucken, verpacken, verschicken. Eiswerbung, Bandenwerbung produzieren. Selbst wenn es kein sechstes Spiel gibt, haben wir rund 50 000 Franken Ausgaben.
Und wenn es stattfindet?
Wenn wir davon ausgehen, dass ein sechstes Halbfinalspiel ausverkauft wäre, so fehlen uns rund 3600 Zuschauer. Wir rechnen also mit etwa 360 000 Franken weniger Einnahmen. Und wenn man die Organisationskosten dazurechnet, kommen wir auf gegen 500 000 Franken.
Wären schon in den vergangenen Jahren solche Übungen nötig geworden, wenn die ZSC Lions im Playoff Erfolg gehabt hätten?
Wenn wir den Viertelfinal überstehen, sind solche Überschneidungen leider ein Dauerthema. Ja, es hätte auch in den letzten Jahren Probleme gegeben, wenn wir weitergekommen wären. Und auch in den nächsten Jahren dürfte es nicht besser aussehen. Denn GV-Termine werden über mehrere Jahre im Voraus geplant.
Hat sich die Situation durch den Umbau des Hallenstadions, das nun polyvalenter ist und schneller umgerüstet werden kann, verschärft?
Natürlich. Das Hallenstadion ist für Veranstalter viel attraktiver geworden. Vorher war es eine Eis- und Sporthalle, hatte es etwas Verruchtes im positiven Sinne. Heute ist es eine edle Eventarena, die viel Komfort bietet, aber leider für Eishockey ungenügend ist. Weil sie flach abfallend ist, die Zuschauer weit weg sind, die vielen Polstersessel die Akustik schlucken.
In Spiel 4 gegen Davos war die Stimmung aber gut, oder nicht?
Ja, sehr gut. Ab 8000 bis 9000 Zuschauern beginnt es zu kippen. Aber wenn weniger da sind, ist es schwierig, Stimmung zu kreieren. Die Rufe vom dritten Rang verhallen irgendwo, wenn es nicht voll ist.
Der Vertrag mit dem Hallenstadion sieht vor, dass dieses zwei PlayoffDaten auskaufen kann. Da sind doch Konflikte programmiert. Wieso haben Sie einer solchen Abmachung zugestimmt?
Es stimmt Folgendes: Vertraglich ist festgemacht, dass das Hallenstadion einen Playofftermin anderweitig vergeben kann und einen zweiten nach Absprache. Dieser Passus war schon drin, als wir 2008 über den neuen Vertrag verhandelten. Natürlich wollte ich ihn streichen, deshalb dauerten unsere Verhandlungen damals auch fast neun Monate. Und sie drohten zu scheitern.
Wieso haben Sie den Passus trotzdem wieder akzeptiert?
Was hätten wir tun sollen? Uns aus der National League A zurückziehen? Wir hätten ja sonst keine Spielstätte gehabt. Wenn man mit einem Verhandlungspartner am Tisch sitzt, der eine Monopolstellung hat, diktiert der die kritischen Punkte. Und der kritische Punkt war dieser Auskauftermin. Darüber haben wir monatelang diskutiert. Wir wurden vom Monopolisten in die Knie gezwungen.
Wenn die Halbfinals in fünf Spielen fertig wären und der Final vorgezogen werden müsste, könnten die ZSC Lions die Spiele 2 und 6 nicht im Hallenstadion austragen.
Wenn es so weit käme, wäre das so. Und im Final wäre es für uns noch schwieriger, ein Stadion zu finden, das noch Eis hat.
Hätte das Hallenstadion dann nicht die Abmachung von höchstens zwei Sperrdaten im Playoff verletzt?
Wenn es so weit kommen würde, hätten wir ein schwerwiegendes rechtliches Problem.
Spekuliert das Hallenstadion darauf, dass die ZSC Lions im Playoff früh scheitern?
Es scheint so. Und diese Spekulation ging in den letzten drei Jahren auf.
Der Vertrag mit dem Hallenstadion läuft bis 2013. Sind die Fronten verhärtet?
Der Dialog ist grundsätzlich konstruktiv. So setzte sich Felix Frei etwa dafür ein, dass die Garderoben fürs Eishockey vergrössert wurden. Aber bei der Terminproblematik liegen unsere Interessen einfach diametral auseinander. Das Hallenstadion will auch während des Playoffs Geld verdienen, unter anderem mit Generalversammlungen, die noch einen zweitägigen Aufbau bedingen und sehr langfristig geplant werden müssen. Dieser Konflikt lässt sich nicht lösen. Die aktuelle Situation zeigt wieder einmal deutlich: Wir brauchen eine eigene Halle. All die Romantiker, die glauben, wir hätten im Hallenstadion gute Bedingungen, verkennen die Realität. Die Rahmenbedingungen haben sich für uns gegenüber der Zeit vor dem Umbau noch deutlich verschlechtert.
Die für 2017 geplante Eishockeyarena in Altstetten kostet 193 Millionen Franken. Wäre ein kleineres Projekt nicht einfacher zu realisieren gewesen?
193 Millionen kostet das Gesamtprojekt, nicht nur das Eishockey. Die Hockeyhalle ist mit 110 Millionen veranschlagt. Das kostet eine Arena dieser Grösse einfach.
Über das 149-Millionen-Darlehen der Stadt muss im Gemeinderat befunden werden. Es gibt Signale, dass ein Referendum ergriffen wird und eine Volksabstimmung nötig würde.
Welche Argumente haben Sie da?
Viele. Wir haben die Machbarkeitsstudie selber bezahlt, für den Wettbewerb kommen wir gemeinsam mit Volero auf. Und das Darlehen ist kein Geschenk der Stadt, es wird verzinst und amortisiert. Die Stadt hilft uns einfach mit ihrer Bonität. Konkret heisst das: All das kostet den Steuerzahler nichts.
Aber der jährliche Betriebszuschuss von bis zu 2,5 Millionen Franken belastet den Steuerzahler.
Nur, falls er nötig wird. Und daran gekoppelt ist, dass wir mit unserem Sportunternehmen einen sozialen Auftrag übernehmen. Nur schon in unserem engeren Kreis bewirtschaften wir über 700 Spielerinnen und Spieler, wir engagieren uns stark bei den Junioren und im Fraueneishockey. Eigentlich müsste man es so sehen: Wir finanzieren auf privater Basis eine Sportstätte, die der Allgemeinheit nützt.
Wäre eine Volksabstimmung nicht ein Risiko?
Noch ist ja nicht sicher, dass es dazu kommt. Wenn der Gemeinderat unserem Stadionprojekt zustimmt, gibt es keine Volksabstimmung. Ich habe bei Aussagen von Gemeinderäten gemerkt, dass sie noch nicht lückenlos informiert sind. In den nächsten Monaten wollen wir das ändern, sie für unser Projekt gewinnen. Ich bin überzeugt davon, dass man in Zürich mit einem Eishockeyclub vernünftig wirtschaften kann, wenn man über alle Geschäftsfelder verfügt. Aber im Hallenstadion gibt es einfach zu viele Faktoren, die nicht stimmen. Und es kann ja nicht sein, dass es jedes Mal ein Theater gibt, wenn wir erfolgreich spielen.
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Die Replik von Felix Frei
Das Hallenstadion kann auf GVs nicht verzichten
(sg.)
Er könne sich nicht erinnern, dass die Klausel zum Auskaufen von Playoff-Terminen bei den Verhandlungen speziell umstritten gewesen sei, sagt HallenstadionCEO Felix Frei. Zumal diese schon im Vorgängervertrag gewesen sei: «Es ging generell um die finanziellen Bedingungen. Wenn wir im Playoff keine GVs veranstalten könnten, würden wir massive Verluste einfahren. Dafür müssten wir entschädigt werden. Wir planen so gut wie möglich um die Playoff-Termine herum. Aber wenn sich kurzfristig Daten ändern, eine Serie vorgezogen wird, liegt das nicht in unserer Macht. Und wenn der ZSC früh scheitert, wir eine leere Halle haben, jammern wir auch nicht. Damit entgehen uns jedes Mal Einnahmen in sechsstelliger Höhe.»
Das Hallenstadion erzielte 2010 einen Reingewinn von 1,38 Millionen Franken. «Den brauchen wir auch», so Frei. «Denn jährlich müssen wir rund eine Million in den Unterhalt und in die Erneuerung stecken. Und das ohne die Neuinvestitionen, die laufend zunehmen.» Der Fünfjahresvertrag mit dem ZSC verlängert sich 2013 automatisch bis 2018, wenn ihn keine Partei vorzeitig kündigt. «Die ZSC Lions können das natürlich tun. Aber dann müssen wir wieder über alles reden. Auch über die Leistungen, bei denen es aus unserer Sicht nicht stimmt», sagt Frei.