Beiträge von Larry

    4:1-Sieg in Biel

    Der ZSC stoppt den Leader auf allen Ebenen

    Den Zürchern gelingt eine defensiv sehr solide Vorstellung. Dazu ist das Powerplay endlich erfolgreich.

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp (TA)
    Publiziert heute um 22:41 Uhr

    Der Topskorer als Krampfer: ZSC-Stürmer Willy Riedi, der auch sein drittes Tor erzielt, stoppt hier Biels Noah Delemont.


    Der Topskorer als Krampfer: ZSC-Stürmer Willy Riedi, der auch sein drittes Tor erzielt, stoppt hier Biels Noah Delemont. Foto: Peter Schneider (Keystone)

    Am Schluss zauberten sie auch noch, die Zürcher. Als die Bieler in ihrem vierten Powerplay des Abends eine weitere Chance verpasst hatten, das Spiel wieder spannend zu machen, kombinierten sich Torschütze Denis Hollenstein und Juho Lammiko mit einem doppelten Doppelpass gegen vier Gegner hindurch und entschieden das Spiel mit dem 1:4 endgültig.

    1:0 in Lugano, 5:1 in Lausanne und nun 4:1 in Biel. Die ZSC Lions, die erst Mitte Oktober erstmals zuhause in ihrer neuen Arena spielen werden, haben nicht nur drei Auswärtssiege aneinandergereiht. Sie haben in Biel ein weiteres Mal ihre Stärken in der noch jungen Saison demonstriert. Die Erkenntnisse waren ähnlich wie am Sonntag in Lausanne.



    Es mag nicht allzu spektakulär aussehen, aber die Zürcher haben nach dem fragwürdigen Saisonauftakt in Rapperswil-Jona (1:4) und einem sehr durchzogenen Auftritt in Langnau (1:2 Overtime-Niederlage) ihre defensive Stabilität nachhaltig verbessert. Torchancen lassen sie nur wenig zu und wenn, dann nur nach seltenen, kleinen individuellen Aussetzern. Kommt die Zürcher Abwehrmaschinerie in Fahrt, dann finden die Gegner aber kaum Raum vor.


    Starker Goalie Simon Hrubec


    Und was auch den EHC Biel, eine der spielerisch stärksten Teams der Liga, nun ebenfalls frustriert haben dürfte: Kommt man gegen die Zürcher dann doch endlich einmal zu einem guten Abschluss, dann steht man einem sehr guten Goalie gegenüber, der aus der KHL verpflichtete Simon Hrubec reiht äusserst solide Leistungen aneinander, der Tscheche zeigt kaum Schwächen.

    Mit Willy Riedi, diesem unerwarteten Träger des Zürcher Topskorer-Jerseys, drängt sich zudem immer mehr eine weitere frühe ZSC-Entdeckung in den Vordergrund. Von Trainer Rikard Grönborg in die erste Linie neben Sven Andrighetto und dem immer stärkeren Center Lucas Wallmark befördert, erzielt der 24-jährige Flügelstürmer bereits sein drittes Saisontor. Er tut dies zum dritten Mal als Wühler im Slot – eine Rolle, die seinen Körpermassen entspricht. Das einzige Gegentor für ZSC-Goalie Simon Hrubec: Weil Verteidiger Dario Trutmann kurz nicht aufpasst, kann Ramon Tanner zum zwischenzeitlichen 1:2 einschieben.


    Das einzige Gegentor für ZSC-Goalie Simon Hrubec: Weil Verteidiger Dario Trutmann kurz nicht aufpasst, kann Ramon Tanner zum zwischenzeitlichen 1:2 einschieben. Foto: Peter Schneider (Keystone)

    Dem ZSC gelingt in Biel ebenfalls, zumindest vorerst eines der bisherigen Problemfelder zu beheben. Das Powerplay, zuvor erst einmal erfolgreich (ein Lausanner Eigentor bei 5-gegen-3), trifft in Biel doppelt. Zum Mix kommt das bereits zuvor überzeugende Penalty Killing dazu: Nach fünf Spielen haben die Zürcher weiterhin nur einen Gegentreffer in Unterzahl kassiert, sie finden regelmässig einen guten Mix aus Aggressivität und gutem Positionsspiel und lassen auch da kaum gute Torchancen zu.


    Das tönt vielleicht alles nicht nach Zauberei, die vom nochmals verstärkten Zürcher Ensemble erwartet worden war – vielleicht und vor allem aktuell mit dem Ausfall gleich dreier ausländischer Stürmer auch zu Unrecht erwartet wird. Aber wer Spiele wie bei Leader Biel, der seine erste Saisonniederlage kassiert, am Ende derart souverän gewinnt, dürfte dies bloss als Randnotiz bezeichnen.


    Telegramm:


    Biel – ZSC Lions 1:4 (0:0, 1:2, 0:2)

    4937 Zuschauer.

    Tore: 24. Wallmark (Lehtonen, Lammiko/Ausschluss Lööv) 0:1. 26. Riedi (Weber, Andrighetto) 0:2. 35. Tanner (Schneeberger, Hischier) 1:2. 45. (44:39) Andrighetto (Lehtonen, Wallmark/Ausschluss Künzle) 1:3. 54. Hollenstein (Lammiko) 1:4.


    Strafen: 5mal 2 Minuten Biel. 5mal 2 Minuten ZSC Lions.

    ZSC: Hrubec; Weber, Lehtonen; Kukan, Marti, Trutmann, Geering; Phil Baltisberger; Riedi, Wallmark, Andrighetto; Bodenmann, Lammikko, Hollenstein; Bachofner, Diem, Sigrist; Chris Baltisberger, Schäppi, Sopa.

    Bemerkungen: ZSC ohne Roe, Texier, Azevedo, Biel ohne Van Pottelberghe (verletzt). – 37. Tor von Brunner nach Coach’s Challenge von ZSC-Trainer Grönborg annulliert (Goalie-Behinderung). 45. (44:15) Tor von Kukan nach Coach’s Challenge von Biel-Trainer Törmänen annulliert (Goalie-Behinderung). – 48. Pfostenschuss Kukan.



    Wenn man Swisshockeynews.ch glauben schenken darf, muss Zug beim Lohnbudget der ersten Mannschaft etwas zurückrudern.

    Bei den anderen elf Spielern wird Sportchef Reto Kläy wohl einige harte Entscheidungen treffen müssen, da er weniger Budget für die Gehälter zur Verfügung hat als in den Vorjahren.

    Papier ist geduldig und Glaube macht selig.....

    Traut Ambri den Titel zu.....na ja, da wollte er wohl als Gast einfach freundlich sein zu den einheimischen Journalisten. Finde aber seine Ansichten sonst und ihn als Typ gut. Guter Artikel wie auch jener aus dem Tagi zum gleichen Thema.

    Hab grad gesehen das mit 69'197 ein neuer Zuschauerrekord bei Bucs Spielen aufgestellt wurde, das sind 3369 über der Kapazität. Haben sie wohl eine Zusatztribüne aufgestellt.

    Aber mit ca. 1/4 bis 1/3 mit grün gekleideten.

    Ja die 65000 Bucs SK Besitzer verkaufen gerne ihre Tix für gutes Geld gegen GB, NY, CHI, BOS. Habe ich letzte Saison auch gemacht.

    Stadiontour....mal nach Mia ins neue Stadion gegen die Bucs, nach Jacksonville wenns mal soweit ist. Nach Vegas fliegen, Stadion muss der Hammer sein. Auf die Kälte im Norden hab ich aber keinen Bock.

    Kleine Goal Song History:

    Der erste Goal Song war "The Name of the Game" (Olé olé olé we are the champs) aus dem Jahr 1987. Kann mich noch erinnern als das zum ersten Mal gespielt wurde: Riesen Applaus, Haaaallenstaaaadion Gesänge!

    Larry Huras kam 1994 und führte dann "Jump" von Van Halen ein. Habe ihm das immer übel genommen.

    2009 spielten wir gegen Chicago und seit dann haben wir deren Goal Song (Chelsea Dagger).

    Habe ich einen vergessen?

    während wir in der Florida Hitze vor uns hin schwitzten, in der Sonne wars richtig richtig heiss.

    Das Stadion schon etwas in die Jahre gekommen

    :twisted: :twisted: :twisted:

    Ja das Stadion ist nicht mehr das neuste. Ich war bei den Fins aber vor dem Umbau, und ich war in Green Bay bei minus 25 Grad. Vor dem Umbau war Miami grauenhaft, und das Pack Stadion wo du auf Alu Bänken sitzen musst und um den Platz kämpfen must wie einst im alten Hallenstadion.....da lobe ich mir das Raymond James!

    Ein bisschen Dandy, ein bisschen Rebell: Christian Dubé ist ein Unikat im Schweizer Eishockey und findet: «Wer kann schon sagen, was richtig und was falsch ist?»

    Kein Klub im Schweizer Eishockey räumt einer einzigen Person so viel Macht und Bedeutung ein wie Gottéron dem Québécois Christian Dubé. Unter Dubé will Gottéron die Begeisterung rund um das neue Stadion in den ersten Titel der Klubgeschichte ummünzen. Doch noch sind die Resultate überschaubar.

    Nicola Berger, Freiburg25.09.2022, 14.00 Uhr (NZZ)


    Bringt er den ersehnten Erfolg? Mit dem Rätsel, die Titellosigkeit Gottérons aufzuklären, ist in Fribourg die Detektei Dubé betraut worden.

    Bringt er den ersehnten Erfolg? Mit dem Rätsel, die Titellosigkeit Gottérons aufzuklären, ist in Fribourg die Detektei Dubé betraut worden.

    Marcel Bieri / Keystone

    In der ersten Staffel von «Fargo», einer der besten TV-Serien des letzten Jahrzehnts, kann sich der Protagonist Lester Nygaard nicht von einem Poster lösen. Darauf schwimmt ein einziger Fisch gegen den Strom, daneben steht: «Was, wenn du richtigliegst und alle anderen falsch?»

    Auf das Schweizer Eishockey gemünzt, ist der rebellische Fisch Christian Dubé. Der dandyhafte Frankokanadier führt Gottéron im Doppelmandat als Trainer und Sportchef, in einer Epoche, in der diese Zentrierung von Aufgaben und Macht längst aus der Zeit gefallen ist, weil die Jobs so anspruchsvoll und umfassend geworden sind, dass die Tage nicht mehr genug Stunden haben.

    Dubé, 45, sitzt im Medienraum der neuen, mondänen BCF-Arena und sagt: «Wer kann schon sagen, was richtig und falsch ist?» Es gehe nicht um Macht und sein Ego. Sondern darum, was für Gottéron am besten sei. Dann sagt er: «Wenn ich spüre, dass es nicht mehr funktioniert, dass ich nicht mehr der richtige Mann bin, dann gehe ich.» Der Tag scheint fern, erst im Juni hat er seinen Vertrag bis 2025 verlängert.

    Dubé steigt in sein achtes Jahr als Sportchef und seine vierte Saison als Coach. Unter ihm hat sich Gottéron wieder als Titelanwärter profiliert. Und, das ist die andere Wahrheit, in sieben Jahren nur eine einzige Play-off-Serie gewonnen. Das Gerüst des Kaders ist in die Jahre gekommen: Der Captain Julien Sprunger ist 36, der Abwehrchef Raphael Diaz 37, der Torhüter Reto Berra 35 und der omnipräsente Center David Desharnais 36.

    Dubé unterbricht die Aufzählung und entgegnet: «Christoph Bertschy ist 28, ist das alt?» Der Nationalstürmer Bertschy, ein ehemaliger Gottéron-Junior, ist einer der kostspieligsten Transfers der Klubgeschichte. Er wechselte auf diese Saison hin aus Lausanne zurück in die Heimat und unterschrieb einen lukrativen Siebenjahrevertrag. Er soll eines der letzten Stücke im Meisterpuzzle sein. Denn die Ansprüche in und um den Klub sind gross, der Präsident Hubert Waeber sagt nicht unbescheiden: «Wir wollen in dieser Saison den Meistertitel holen.» Aus Waeber spricht auch Sehnsucht: Gottéron ist noch immer titellos, vier Mal verlor der Klub einen Play-off-Final, letztmals 2013.

    Schon vor dem ersten Spiel waren bei Gottéron alle Saisonabonnemente verkauft

    Der Kater nach der Finalniederlage gegen den ewigen Rivalen Bern war danach enorm, Gottéron stürzte in eine lange Krise. Das Team war überaltert, der im Doppelmandat agierende Kanadaschweizer Hans Kossmann wurde im Herbst 2014 nach elf Runden entlassen. Und bald lag der Fokus darauf, Kosten zu sparen.

    Heute ist das anders, das Geschäft brummt. Das Stadionbijou – Patrick Lengwiler, der CEO des Meisters EV Zug, nennt es die «beste Arena der Schweiz» – hat dem Klub auch finanziell neue Möglichkeiten eröffnet. Die Begeisterung rund um Gottéron ist so gross wie lange nicht mehr, sämtliche Saisonabonnemente waren schon vor der Saison verkauft, für 2023/24 gibt es bereits Wartelisten. Die Kapazität ist mit 9009 Plätzen deutlich grösser als in der Trutzburg St-Léonard, die zusätzlichen Ticket- und Cateringeinnahmen sollen helfen, Gottérons Titelfluch zu brechen.

    Die Schlüsselfigur bei diesem ambitionierten Unterfangen ist Dubé, der keine Sekunde als Trainer gearbeitet hatte, ehe er nach der Entlassung von Mark French im Oktober 2019 zunächst ad interim an die Bande stieg. Im Fussball wäre das undenkbar, nur schon wegen der Lizenz. Aber im Eishockey gibt es solche Vorschriften nicht. Eigentlich wollte Dubé den ehemaligen Nationaltrainer Sean Simpson als Headcoach einstellen, doch das Team gewann in der Übergangsphase unter ihm so oft, dass er es sich anders überlegte.

    Dubé sagt, er habe Respekt davor gehabt, das Interimslabel abzustreifen. Er fürchtete etwa, zu emotional zu sein, ein altes Problem dieses Vereins. Er suchte den Rat der Wortführer im Team, wollte wissen, ob er ihre Unterstützung habe, ihr Vertrauen. Nun ist das eine komplizierte Ausgangslage, denn welcher Spieler, der einigermassen bei Verstand ist, sagt: «Sorry, als Trainer bist du unbrauchbar. Aber, äh, als Sportchef top. Können wir über meinen neuen Vierjahresvertrag verhandeln?» Dubé sagt, es habe genügend Spieler im Team gegeben, die ihm ihre ehrliche Meinung kundgetan hätten. Leute, mit denen er noch zusammengespielt hat, Sprunger etwa.

    Vom Vater bis zu den Söhnen: die Familie Dubé im Eishockeyfieber

    Den Konsens, mit Dubé weiterzumachen, hat Gottéron bisher nicht bereut. In den zwei Jahren unter seiner Führung erreichte die Equipe 2021 Platz 3 und wurde 2022 Zweiter. Dubé fiel mit Kreativität auf, etwa als er im letzten Dezember in der Verlängerung den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzte und so gegen Lugano den Sieg erzwang. Es war ein Trick, den Dubé aus der KHL übernommen hatte, was kein Zufall ist: Er ist des Eishockeys nicht überdrüssig geworden, auch nach all den Jahren nicht, sondern schaut viele Spiele.

    Dubé stammt aus einer eishockeybegeisterten Familie, sein Vater Normand spielte in der NHL und coachte später im Wallis, der 2016 verstorbene Grossonkel Gilles stürmte für die Montreal Canadiens und die Detroit Red Wings. Auch Dubés Söhne haben sich dem Eishockey verschrieben, sie spielen im Nachwuchs Gottérons. Was praktisch sei, sagt Dubé, so habe er mehr Zeit für sie: In der Regel halte er sich zwölf Stunden pro Tag in der Eishalle auf.

    Die Aufwendungen sollen sich zeitnah lohnen. Ein Titel wäre der ultimative Nachweis dafür, dass das unorthodoxe Doppelmandat auch im Jahr 2022 noch funktionieren kann. Dafür, dass Dubé richtiglag und alle anderen falsch.

    Die NHL-Trainerlegende staunt

    «So etwas wie Ambri habe ich noch nie erlebt»

    Claude Julien verbringt zwei Wochen als Berater beim Tessiner Eishockey-Kultclub. Eine Begegnung mit dem Kanadier und Ambris Coach Luca Cereda.

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp (TA)
    Publiziert heute um 06:30 Uhr

    Treffen zweier Trainergenerationen: Ambris Luca Cereda (41) links und sein Gast Claude Julien (62) in der Gottardo Arena.


    Treffen zweier Trainergenerationen: Ambris Luca Cereda (41) links und sein Gast Claude Julien (62) in der Gottardo Arena. Foto: Claudio Bader


    Claude Julien, wie sind Sie ausgerechnet in Ambri gelandet?


    Claude Julien: Ich kenne Assistenztrainer René Matte seit fast 30 Jahren. Er fragte mich an der letzten WM, ob ich den Start der Saison in Ambri verbringen möchte als Berater des Coaching-Staffs. Eishockey ist meine Passion. Ich hatte das Glück, als Trainer so viele gute Erfahrungen zu sammeln. Ich möchte diese nun weitergeben.

    Luca Cereda: Ich arbeite seit sechs Jahren mit René zusammen, das ist heutzutage im Sport eine sehr lange Zeit. Wir wollten neue Elemente in unsere Arbeit hineinbringen. Ich wollte jemanden, der viel mehr Erfahrung hat als ich und der bereit ist, diese mit uns zu teilen. Ich will wissen, ob das, was wir machen, richtig ist. Für mich ist es eine Ehre, Claude dabei zu haben. Für die Spieler ist es gut, mit jemandem zu arbeiten, der die Weltbesten trainiert hat. Ich habe darum diesen Sommer auch mit dem Tessiner Skitrainer Mauro Pini gesprochen, der Petra Vlhova betreut. Du kannst von Leuten, die mit den Allerbesten arbeiten, so viel lernen. Nur schon, wenn du weisst, wie sie mit ihnen umgehen.



    Was wussten Sie von Ambri?


    Julien: Nicht viel. Ich war im Januar vor Olympia erstmals überhaupt in der Schweiz, als wir mit der kanadischen Nationalmannschaft in Davos ein Trainingscamp durchführten. Es war verlockend, in ein so schönes Land nochmals zurückzukehren und mehr zu sehen.


    Claude Julien in der Garderobe von Ambri-Piotta. Claude Julien in der Garderobe von Ambri-Piotta. Foto: Claudio Bader

    Claude Julien (62) hat eine bemerkenswerte Trainerkarriere in der besten Eishockey-Liga hinter sich. Der Kanadier stand im vielleicht schwierigsten Markt für Eishockey-Coachs, bei den Montreal Canadiens, und in der US-Sportstadt schlechthin, bei den Boston Bruins, zwischen 2002 und 2021 insgesamt 17 Jahre lang als Chef an der Bande. Dazu kam eine Zwischenstation bei den New Jersey Devils (2006/07).

    Julien schaffte es nie zum NHL-Stammspieler, ein Jahr nach seinem Rücktritt 1992 begann er aber eine unermüdliche Trainerkarriere: Nach sieben Jahren als Juniorentrainer in Hull coachte er zunächst in Hamilton zweieinhalb Jahre das AHL-Farmteam der Montréal Canadiens. Nach der Beförderung folgten zweieinhalb Jahre beim NHL-Rekordmeister, dann die Saison in New Jersey, bevor er 2007 von den Boston Bruins verpflichtet wurde. In den zehn Saisons hintereinander in Boston gewann er 2011 den Stanley Cup, bereits zwei Jahre zuvor war er zum besten NHL-Coach ausgezeichnet worden.

    Nach seiner Entlassung in Boston kehrte er mitten in der Saison 2016/17 sofort zurück nach Montreal, wo er bis 2021 tätig war. Von 1993 bis 2021 hatte Julien in 28 Jahren nie eine Pause eingelegt, was in NHL-Kreisen sehr unüblich ist für Trainer. Letzte Saison war Julien Nationaltrainer Kanadas an den Olympischen Spielen in Peking und an der WM in Finnland, wo er Silber gewann. Seine Zukunft beim kanadischen Verband ist derzeit noch offen. (kk)


    Sie sahen also Davos und nun Ambri, zwei der kleinsten Orte im Schweizer Eishockey. Kein Kulturschock nach 20 Jahren Montreal und Boston?


    Julien: Nein, das ist einfach nur toll. Zum ersten Mal nach Ambri zu fahren, zu sehen, wie extrem klein das Örtchen ist, und dann am ersten Spiel diese beeindruckende Eishalle zu erleben. Als völlig Unerfahrener fragte ich mich: Wo kommen all die Leute her?



    Hatten Sie Ihren Gast darauf vorbereitet, welch spezielle Atmosphäre ihn in der Gottardo Arena erwarten würde?


    Cereda: Nein, wir hatten gar keine Zeit dafür. Claude kam vorletzten Donnerstag an, es ging alles schnell, wir mussten unser erstes Spiel in Freiburg am Freitag vorbereiten, am Samstag folgte dann unser erstes Spiel zu Hause gegen Bern. Und es war laut. Als ich am Sonntag aufwachte, hatte sich mein Kopf vom Lärm noch nicht wirklich erholt. Das war eine gute Ambri-Taufe für Claude. (lacht)

    Julien: Ich war so beeindruckt, dass ich meiner Frau und den Kindern gleich ein Video mit Impressionen nach Hause schickte. So etwas wie Ambri habe ich noch nie erlebt. Natürlich haben wir in Nordamerika bis zu 20’000 Zuschauer an Spielen, aber so laut wie hier ist es dort nicht. Es ist ein völlig anderes Erlebnis, so extrem, wie hier die Fans mitgehen. Ich wurde auch schon gewarnt, was hier erst alles los sein wird nächsten Dienstag beim grossen Spiel gegen den Rivalen Lugano. Darauf freue ich mich besonders.

    Zitat
    «Natürlich ist Eishockey in Nordamerika in vielem gleich. Aber dort stehen die Coachs ihren Spielern nicht so nahe.»
    Claude Julien


    Welche Fragen stellen Sie Claude Julien?


    Cereda: Ich habe ihm als Erstes gesagt, dass wir wegen ihm nichts verändern und auch nicht im Vorfeld schon Fragen stellen wollen. Er soll unsere Arbeit beobachten und uns korrigieren oder Inputs geben, wenn ihm etwas auffällt. Auch Spielern gegenüber. Einzelne hören seit sechs Jahren nur René und mich reden, das kann auch mal nerven. Eine neue Stimme tut da gut.

    Julien: Ich will auf keinen Fall stören, nur helfen. Das ist ein sehr schmaler Grat. Ich nehme hin und wieder Spieler auf die Seite, versuche, sie auch als Personen, nicht nur als Sportler kennen zu lernen.


    Lernt umgekehrt auch Claude Julien etwas in Ambri?


    Julien: Es tönt abgedroschen, aber es ist einfach so: Als Coach hast du nie ausgelernt. Ich beobachte bei Luca, wie nahe er seinen Spielern ist und wie respektvoll er auf der persönlichen Ebene mit ihnen umgeht. Das erlaubt ihm, auch mal deutliche Botschaften anzubringen, wenn diese nötig sind. Natürlich ist Eishockey in Nordamerika in vielem gleich. Aber dort stehen die Coachs ihren Spielern nicht so nahe. Und wenn das hier funktioniert, kann das auch bei mir zu Hause funktionieren. Und dann lerne ich hier natürlich auch ganz simple, praktische Eishockey-Sachen wie neue Übungen fürs Training, die ich auch verwenden kann.


    Luca Cereda in der Garderobe von Ambri-Piotta.


    Sie teilen eine Gemeinsamkeit: Trainer in Ambri und in Montreal zu sein heisst, in einer Region zu arbeiten, die sprachlich eine Minderheit in der Liga bildet. Es sind auch Regionen, die sich sehr durch diese Eigenheit identifizieren. Wären Sie genau gleich akzeptiert als Ambri-Trainer, ohne «einer von hier» zu sein?


    Cereda: So nahe der Identität und den Werten des Clubs zu sein, macht vieles einfacher und kann definitiv ein Vorteil sein. Und wir können als Minorität in der Schweiz, die sich meistens an den Rest anpassen muss, dieses «Wir gegen die Welt»-Gefühl in positive Energie umwandeln.

    Julien: Das galt auch für Montreal und die ganze Provinz von Québec. Bei den Canadiens hiess es: «Die französische Sprache gegen den Rest der Liga».




    Sie stammen aus der Provinz Ontario …


    Julien: … aber aus einer französischsprachigen Umgebung. Wir sprachen zu Hause Französisch.

    Zitat
    «Ich will nicht, dass man mich hier nicht mehr mag und mir Tomaten nachwirft.»
    Luca Cereda


    Kann es sein, dass der letzte Cheftrainer Montreals, der mehr als ein Jahr «überlebte» und weder aus Montreal noch französischsprachig war, Toe Blake war in den 1950er-Jahren …?


    Julien: Ja, man legt dort Wert auf französischsprachige Trainer.


    Für Aussenstehende tönt das fast schon wahnsinnig …


    Julien: Man will damit auch das Spiel besser verkaufen gegenüber den Medien. Als Coach hoffst du dennoch, nicht bloss wegen der Sprache als Trainer Montreals angestellt zu werden.

    Cereda: Diese Nähe zur Kultur des Clubs kann aber auch vieles schwieriger machen. Auf dem Höhepunkt: Claude Julien (links) und seine Spieler der Boston Bruins werden als aktuelle NHL-Champions am 23. Januar 2012 im Weissen Haus in Washington vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama empfangen.

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    Auf dem Höhepunkt: Claude Julien (links) und seine Spieler der Boston Bruins werden als aktuelle NHL-Champions am 23. Januar 2012 im Weissen Haus in Washington vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama empfangen. Foto: Alex Wong (Getty Images)


    Warum?


    Cereda: Nach meiner Trainerkarriere möchte ich weiter hier in der Region leben. Ich will nicht, dass man mich nicht mehr mag und mir Tomaten nachwirft. Und bereits jetzt ist es so, dass ich kaum raus kann, ohne dass die Leute mit mir über Eishockey reden wollen. Ich gehe kaum mal einen Kaffee trinken, weil ich dann nicht mehr zur Ruhe kommen könnte. Letzten Sonntag zum Beispiel war ich am Unihockeyspiel meines Sohnes. Plötzlich kam einer nach dem anderen zu mir, um mit mir das Spiel von Ambri gegen Bern im Detail zu analysieren.


    Wie geht man als Trainer mit dem speziellen Druck um, in einer Region zu arbeiten, wo Eishockey fast schon Religion ist?


    Julien: Als junger Coach war Montreal meine erste NHL-Station. Montreal nennt man in Nordamerika die «Universität des Coachings». Weil du dort wirklich alles Mögliche lernst. Auch den Umgang mit dem «White Noise», wie wir das nennen, diese ständigen Störeinflüsse von aussen, die auch für Druck sorgen. Wie ich damit umging? Indem ich versuchte, Druck als Herausforderung zu sehen. Und ich versuchte konsequent, diesen «White Noise» zu ignorieren. Es gehörte zuvor zu den Aufgaben unseres Medienchefs, alle Artikel und Beiträge über die Canadiens zu sammeln und diese dem Cheftrainer auf das Pult zu legen. Der Stapel war jeweils dick wie ein Buch. Ich bat ihn sehr bald, es nicht mehr zu tun. Das half sehr. Aber ich weiss, dass heute mit sozialen Medien das Ausblenden immer schwieriger wird.

    Zitat
    «Coachs, aber auch Spieler tendieren dazu, sich selbst derart unter Druck zu setzen, dass es schädlich wird.»
    Claude Julien


    Sie, Luca Cereda, sprachen offen von Panikattacken, die mit Ihren gesundheitlichen Problemen rund um Ihr Herz zu tun haben. Kennen Sie diese Gefühle auch rund um den Erfolgsdruck als Trainer?


    Cereda: Ich weiss nicht, ob Druck das richtige Wort ist. Im Sport musst du mit Emotionen leben können, am Ende sind es auch die Emotionen, die wir an unsere Zuschauer «verkaufen». Um mit dieser Situation besser umzugehen, ist für mich Folgendes wichtig: Bevor ich schlafen gehe, muss ich mir sagen können, dass ich das Beste aus dem Tag herausgeholt habe. Vielleicht war das nur 50 Prozent des theoretisch Möglichen, aber immer noch das Beste, was ich tun konnte. Dann kann ich gut schlafen. Und ja, mit den sozialen Medien wird das immer schwieriger, für Coachs wie Spieler. Früher mussten Fans die Kritik an uns anders anbringen, von Angesicht zu Angesicht. Heute kann jeder alles kommentieren in einer Art und Weise, die als Mobbing angesehen werden könnte. Es ist darum wichtig, was Claude vorher sagte: so wenig wie möglich auf Einflüsse von aussen hören, am besten in deiner Bubble leben. Ich zumindest fühle mich sonst bald einmal verloren.


    Sie, Claude Julien, kamen in fast 20 Jahren in den Hockey-Mekkas Montreal und Boston nie in diese Situation, in der Sie sich fragten: Wie bewältige ich das?


    Julien: Es kann schon vieles zusammenkommen. Am Ende geht es für mich auch um die Erwartungshaltung an dich selbst. Diese musst du kontrollieren können. Coachs, aber auch Spieler tendieren dazu, sich selbst derart unter Druck zu setzen, dass es schädlich wird. Für den Coach kommt heute noch dazu, dass du auch die Erwartungshaltung einzelner Spieler managen musst. Es gibt Spieler, die die ganze Zeit enttäuscht sind von sich selbst. Als ich noch Spieler war, wäre das undenkbar gewesen. Da war ein einziger Coach für alles zuständig, er managte einfach die Mannschaft als Ganzes. Heute managst du als Coach 25 Individuen. Das erste Erlebnis an der Bande Ambris: Claude Julien (rechts) verfolgt das Spiel gegen Bern neben Luca Cereda.

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    Das erste Erlebnis an der Bande Ambris: Claude Julien (rechts) verfolgt das Spiel gegen Bern neben Luca Cereda. Foto: Alessandro Crinari (Keystone)


    Kann man sich als Trainer überhaupt erlauben, Schwächen zu zeigen? In einem Sport, der seit Jahren das Bild des Starken kultiviert? Wie reagieren die Ambri-Spieler, wenn Sie von Problemen und Ängsten erzählen?


    Cereda: Ich glaube, dass auch wir zeigen dürfen, dass wir keine Roboter sind. Wenn du Schwächen hast, steh dazu! Gleichzeitig musst du zeigen, dass du deswegen nicht aufgibst. Das ist die wichtigste Nachricht an die Spieler: Du hast Schwächen, aber du unternimmst etwas gegen sie.

    Julien: Ich bin sicher, dass jeder Spieler beim Trainer Ehrlichkeit schätzt. Wenn du Fehler machst und diese zugibst, wirst du von der Mannschaft respektiert. Das ist für mich ein wichtiges Element, um langlebig zu sein in diesem Beruf: Du musst Schritt halten können mit den sich ständig wandelnden Generationen. Die heutigen Spieler wünschen sich vielmehr, dass du als Trainer involviert bist.


    Dies ändert sich auch in Ihrer Heimat? Ist in Europa unser «Klischee-Bild» vom grimmigen NHL-Boss an der Bande also mittlerweile falsch?


    Julien: Das sind häufig die Bilder, die man als Aussenstehender sieht, wie zum Beispiel bei einem Trainer wie John Tortorella, von dem kürzlich die Bilder um die Welt gingen, wie er einen Spieler während eines Spiels zusammenstauchte. Was man nur hinter den Kulissen sieht: Es gibt viele Spieler, die Tortorellas persönlichen Umgang mit ihnen mögen, selbst jener besagte Spieler. Darum sprach ich vorher von den 25 Individuen. Es gibt Spieler, die diesen harten Umgang sogar wollen. Andere machst du damit kaputt.

    Zitat
    «Wir gehen mittlerweile in eine Richtung, in der auch mentale Probleme als Verletzung akzeptiert werden.»
    Luca Cereda


    Wir haben in der Schweiz gerade den jungen NHL-Spieler Alexandre Texier, der nach Todesfällen in der Familie seiner mentalen Gesundheit zuliebe diese Saison in Nordamerika aussetzte und beim ZSC spielt, um näher zu Frankreich und seinen Eltern zu sein. Noch vor ein paar Jahren eine undenkbare Geschichte.


    Cereda: Sie zeigt doch, wie wir uns weiterentwickeln. Mentale Probleme zu erwähnen, war noch vor nicht allzu langem ein No-go. Die Dunkelziffer unter Spielern dürfte höher sein, als man meint. Doch viele sagten einfach nichts, um nicht als schwach zu gelten. Wir gehen mittlerweile aber in eine Richtung, in der auch mentale Probleme als Verletzung akzeptiert werden. Man könnte Texier als «schwach» bezeichnen. Man kann ihm aber auch zu seinem Mut gratulieren. Er setzt ja vielleicht seine NHL-Karriere aufs Spiel mit dieser Entscheidung.

    Julien: Zu meiner Spielerzeit wäre es sogar undenkbar gewesen, dass du eine Partie verpasst, «bloss» weil deine Ehefrau ein Kind gebar. Heute versteht man auch im Eishockey immer besser, dass Familie und Gesundheit vor dem Job kommen sollten. Sogar in der NHL.


    Berns Nordamerika-Rückkehrer Sven Bärtschi erzählte kürzlich ebenfalls von seinen Panikattacken, unter denen er nach einer Gehirnerschütterung litt. Sollten immer mehr Spieler offen über solche und ähnliche mentale Probleme sprechen?


    Cereda: Ich möchte jeden dazu ermutigen. Oft ist es doch so: Wenn du dich entscheidest, über ein Problem zu sprechen, ist es danach plötzlich kein Problem mehr. Es ist raus, du fühlst dich erleichtert. Wenn ich zudem als Coach weiss, dass es dem Menschen hinter dem Spieler schlecht geht, kann ich anders auf ihn eingehen. Dann bewerte ich auch seine Leistung anders.

    Julien: Eine Erfahrung als junger Coach mit einem Spieler, der gerade erfahren hatte, dass seine Mutter Krebs im Endstadium hatte, hat mich dies gelehrt: Frage Spieler immer zuerst nach ihrem Befinden ausserhalb des Eishockeys, bevor du sie für ihre Leistung kritisierst. Das ist Teil des Fortschritts, zeigt aber auch, wie viel anspruchsvoller der Coaching-Job geworden ist. Zu meiner Zeit als Spieler teilte dir der Coach nicht einmal mit, dass du am Abend nicht spielst. Du erfuhrst es, indem du sahst, dass dein Leibchen nicht an deinem Garderobenplatz hing. Heute musst du alles erklären, und selbst wenn du dem Spieler begründest, warum er nicht spielt, ist er unzufrieden und ruft seinen Agenten an, der Agent beschwert sich beim Sportchef etc. Das ist Teil der Entwicklung, egal, ob du das magst oder nicht.

    Cereda: Das ist wie in der Schule. Wenn du früher als Kind zu Hause von der Ohrfeige vom Lehrer erzähltest, gab es zuerst gleich noch eine, und erst dann musstest du erklären, was passiert war. Wenn ein Lehrer heute Ohrfeigen verteilt, kommt er vielleicht ins Gefängnis. Als Coach bist du ein Stück weit auch ein Lehrer. Ich sehe es so: Natürlich will ich ein Spiel gewinnen. Aber ich will dabei den Spielern auch Werte vermitteln und auch damit für Teamspirit sorgen. Werte zu vermitteln, ist auch bei einem Lehrer etwas vom Besten, was er machen kann. Weil, nicht jeder ist gleich intelligent, aber jeder kann Werte haben. Übrigens: Mein Vater, meine Mutter, meine Schwester, meine Ehefrau, mein Schwager: Sie alle waren oder sind Lehrerinnen und Lehrer. Also darf ich mich auch ein wenig als Lehrer sehen. (lacht) Diskussionen auf Glatteis: Claude Julien (links) und Luca Cereda in der Gottardo Arena in Ambri.


    Diskussionen auf Glatteis: Claude Julien (links) und Luca Cereda in der Gottardo Arena in Ambri. Foto: Claudio Bader


    Hockey-Coach und Lehrer, die 25 Individuen betreuen sollten, plus die eigenen privaten Sorgen. Kommen Sie nie an den Punkt, an dem Sie nicht mehr weiter wissen?


    Julien: Natürlich. Eine gute Partnerin ist für mich darum sehr wichtig. Ich kann meiner Ehefrau vieles erzählen, mit Reden kannst du einiges von der Last ablassen. Ich habe das lange unterlassen, wollte, dass zu Hause meine Kinder einfach nur ihren Daddy sehen und meine Ehefrau ihren Mann, ohne dass ich sie mit meinen Sorgen belästige. Und gegenüber den Spielern ist es eben wichtig, dass du dich als Mensch mit Fehlern zeigen kannst, ohne aber dabei als Leader zu schwach zu erscheinen. Es ist ein schmaler Grat.


    Vor gut drei Jahren gab es in Nordamerika eine Welle von Vorwürfen von Spielern an ihre ehemaligen Trainer wegen zu harschem Umgang. Wie war Ihre Reaktion?


    Julien: Das ist ein sehr delikates Thema. Es werden heute Statuen von Personen niedergerissen, weil sie aus heutiger Sicht für etwas Inakzeptables stehen. Für völlig zu Recht Inakzeptables aus heutiger Sicht, wie zum Beispiel Sklaverei. Man darf aber einfach nicht vergessen, dass vieles, was heute als inakzeptabel gilt, zu jener Zeit völlig normal war. Auch hier sehen wir die Evolution, genau wie im Eishockey. Würde ich meinen Spielern Dinge sagen, die ich als Spieler von meinen Coachs hörte, hätte ich heute keinen Job mehr. Aber damals war das akzeptiert, der Coach durfte diese Dinge sagen, du als Spieler wusstest das.

    Zitat
    «Dieses Ambri-Team erinnert mich ein wenig an das Champions-Team der Bruins von 2011: kein Star, aber eine starke Gruppe.»
    Claude Julien


    Reden wir zum Schluss noch kurz über Ihr Stanley-Cup-Sieger-Team. Die Boston Bruins von 2011 waren nicht nur erfolgreich, sondern das wohl unbeliebteste Team der NHL – gespickt mit speziellen Figuren wie Brad Marchand, Milan Lucic, Tim Thomas, Shawn Thornton, Zdeno Chara und vielen mehr. Wie macht man aus einer derart grossen Ansammlung von Charakterköpfen ein funktionierendes Team?


    Julien: Wichtig war die sehr starke Leadership-Gruppe mit Chara, Patrice Bergeron, Mark Recchi, Chris Kelly, Andrew Ference und vielen mehr. Und dann all die Charakter-Typen, zu denen auch Gregory Campbell gehörte – ein Spieler, der mit dem Gesicht Schüsse blocken würde, wenn es nötig war. Wir hatten keine wirklichen Superstars. Unser bester Spieler war wahrscheinlich David Krejci, ein sehr guter Spieler, aber kein Superstar. Auch Bergeron als bester Zwei-Weg-Spieler und damit Traum aller Trainer galt nie als Superstar. Tim Thomas, unser Goalie, war wie früher Dominik Hasek: kein wirklicher Spielstil, purer Kampf, um die Pucks irgendwie zu stoppen. Wir hatten auch keinen einzigen Verteidiger, der rein spielerisch besonders herausgestochen wäre. Aber wir hatten Balance und Charakter und das Bewusstsein, dass wir wirklich nur als Team funktionieren konnten – diese Kultur ist bei den Boston Bruins bis heute noch spürbar, sie wurde an die nächsten Leaderfiguren wie Charlie McAvoy und David Pastrnak weitergegeben. Übrigens: Diesbezüglich erinnert mich dieses Ambri-Team ein wenig an die Bruins von damals: kein Star, aber eine starke Gruppe.


    Wie ist das für einen jungen Coach? Wie geht man an die Challenge mit diesen «Figuren», diesen polarisierenden Charakterköpfen, die gleichzeitig sehr gute Eishockeyspieler sind?


    Cereda: Für mich bedeuten mehr Charakterköpfe auch mehr Leadership. Und das ist immer etwas Gutes. Bislang passierte es mir erst einmal vor einer Saison, als ich mehrere solche Spieler hatte und zunächst schon etwas Respekt hatte. Claude hat da sicher mehr Erfahrung als ich, aber ich denke, es geht alles über Kommunikation. Du musst viel reden und zuhören, um eine Vertrauensbasis zu schaffen. Es ist ein Geben und Nehmen. Dazu gehört für dich als Coach, dass du hin und wieder einfach akzeptieren musst, dass dich diese Charakterköpfe einzelne Spiele kosten werden. Sie werden gleichzeitig aber für mehrere Siege sorgen.

    JA und praktisch ohne Struktur und Kohle.

    Struktur hatte es sicher keine, das man Kohle mitbringen muss wenn man einsteigt ist klar.

    Klar ist nicht alles schlecht was er macht, meine Gründe das ich nicht AC Fan bin liegen in seiner Persönlichkeit (Napoleon Syndrom).

    Und jetzt ist gut! :mrgreen: