Ich tu mich bis jetzt schwer, das gestrige Spiel zu beurteilen. Ich war mit Gysinos Kommentar zur Spielmitte eigentlich einverstanden. Wir haben gut gespielt, die Chancen nicht genützt und Tore kassiert. Solche Spiele gibts, die muss man abhaken und weiterschauen.
Aber auf den zweiten Blick: 0:3 hinten gegen Genf im ersten Halbfinalspiel. Vom Resultat her haben wir in den Playoffs schon lange nicht mehr so "auf den Sack" bekommen. Da ist die Analyse "dumm gelaufen" sicherlich nicht tiefgreifend genug. Und als ich die Tore noch einmal anschaute, fiel schnell Folgendes auf: Die Genfer Stürmer haben mehr Raum und mehr Zeit in unserem Slot. Umgekehrt machen sie praktisch jeden Centimeter vor dem eigenen Tor zu. Sie brauchen einen Torhüter, der in jedem Spiel einige gute Paraden liefern. Und den haben sie. Dieser wiederum kann darauf vertrauen, dass die Verteidiger den Raum vor dem Tor möglichst eng machen. Genf spielt ein einfaches Eishockey und ist dabei sehr konzentriert. Wir rennen auf dem ganzen Feld umher, versuchen Genf irgendwie auszuspielen. Und sind trotzdem nicht bereit, die entscheidenden Zweikämpfe vor den Toren zu gewinnen.
Zurück zu führen lässt sich dies nicht auf böse Absicht der Spieler. Sie sind unterbewusst jedoch einfach nicht richtig bereit, nicht richtig hungrig. Zu selbstgenügsam. Es scheint sie einfach nicht zu reizen, bald den Pokal in die Höhe stemmen zu dürfen. Und Crawford hat es halt immer noch nicht geschafft, der Mannschaft diesen Biss zu verleihen. Ich hoffe wirklich, dass die Vertragsverlängerung mit Crawford nicht zu total vier titellosen Jahren führt. Aber vielleicht wird die Mannschaft von sich aus irgendwann hungriger?
Was mich positiv stimmt: Die Mannschaft scheint es zu lieben, sich zurück zu kämpfen und schwierige Aufgaben zu meistern. Das scheint sie viel mehr zu motivieren, als die Aussicht, möglichst schnell den Pokal zu holen. So gesehen wartet Morgen eine schöne Herausforderung auf die Spieler.