Da hat der Sven eine knifflige Aufgabe vor sich. Abgesehen von der Hoffnung, dass sich das Team aufrafft, und doch noch seinem Renommé gerecht wird, bleibt die rituelle Verabschiedung eines schwedischen Erfolgscoaches (OK, im Gegensatz zu Wallson / Johansson nicht auf Klub- sondern Nationalmannschaftsebene) zur Weihnachtszeit, um die eine Hoffnung (kommt dann schon noch...) mit der nächsten (neue Besen kehren zumindest 1-3 Monate gut...) zu tauschen. Dafür, dass es nicht so kommt, sind unterschiedliche Gründe vorstellbar. 1) Walti Frey's Geldbeutel ist bekanntlich mindestens ebenso gross wie seine Geduld und Nachsicht mit dem sportlichen Personal - Entlassungen sind ihm zuwider. Wobei fraglich ist, wie sehr er sich im Normalfall einmischt. 2) Es mangelt an überzeugenden Alternativen - keinen Schimmer, wer derzeit auf dem Trainermarkt auf Arbeit lauert, und für ein (vorläufiges) Kurzzeit-Engagement seinen Namen auf's Spiel setzen würde. Wenigstens geht es nicht um einen hoffnungslosen Fall, sondern um ein hochdotiertes Team, welchem man die Bremse lösen und - mit ein paar Tritten in die diversen Hintern - den Gang einlegen muss. An sich keine schlechten Voraussetzungen, wie das 2016 der Not-Meistertrainer Lars Leuenberger unter Beweis stellte.
Da sich Grönborg letzthin mit diversen Verbalattacken zunehmend selber demoliert und nicht die Gelassenheit ausstrahlt, die nötig wäre, ist auch ein freiwilliger Abgang kein unwahrscheinliches Szenario. Grönborg ist nicht blöd, und auch ihm wird klar sein, dass er persönlich alles andere als eine gute Figur macht, unabhängig von den Resultaten. Es gibt Trainer, bei denen gehört das Wüten und Toben an der Bande zum Programm und Gesamtkunstwerk - ich denke da etwa an McSorley. Ihm nahm man das irgendwie ab, bzw. es fiel mit der Zeit gar nicht mehr so auf. Bei Grönborg wirken die Tiraden - wie berechtigt die auch immer sein mögen - aber eher hilflos und verzweifelt. Ein NHL-Manager liesse sich vermutlich noch davon überzeugen, dass ein schwedischer Weltmeistertrainer trotz vorzeitigem Abgang beim vorherigen Klub schon der Richtige sei. Und dass das Problem die verwöhnten europäischen Weicheier gewesen seien, die man mangels Ersatz kaum hart anpacken und auswechseln könne. Aber von einem Coach, von dem ihm berichtet wird, dass unter Druck - ausser Verbalattacken gegen gegnerische Coaches oder Referees - nichts komme, dürfte besagten NHL-Manager nicht überzeugen. Das müsste eigentlich auch Grönborg klar sein.