«Die Eishockey-Legende der Woche»: Als der NHL-Star Doug Gilmour Rapperswil-Jona zum Nabel der Welt machte und stets ein Bündel Tausendernoten bei sich trug
Beim ersten Lockout in der NHL-Geschichte angelte sich ausgerechnet der damalige SC Rapperswil den prominentesten Spieler. Doug Gilmour blieb nur für neun Matches. Doch er hinterliess zumindest am Obersee Spuren für die Ewigkeit.
Daniel Germann30.09.2021, 14.00 Uhr
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Es war ein Transfercoup. Mit Doug Gilmour wechselte im November 1994 während des Lockouts der statistisch zweitbeste NHL-Spieler nach Rapperswil-Jona. Der kanadische Eishockey-Star im Dress des SCRJ in Aktion auf dem Eis, aufgenommen im November 1994.
Keystone
Der NHL-Lockout wird in der Schweiz mit Spielern wie Joe Thornton, Rick Nash, Dany Heatley oder Randy Robitaille verknüpft. Sie machten die Nationalliga im Winter 2004/05 acht unvergessliche Monate lang zur besten Liga der Welt. Der HC Davos feierte am Ende der Saison im Play-off-Final gegen die ZSC Lions den zweiten Titel unter dem Coach Arno Del Curto.
Der hünenhafte Thornton war nicht nur die dominante Figur in der Liga, sondern wurde im Herzen auch ein Schweizer. Er heiratete eine Aargauerin, erhielt später die Staatsbürgerschaft und kehrt bis heute im Sommer immer wieder nach Davos zurück.
Doch der erste NHL-Star spielte bereits elf Jahre zuvor und bei einem weit weniger glamourösen Klub in der Schweiz. Der SC Rapperswil verpflichtete im Herbst 1994 während des ersten Arbeitsstreits in der NHL Doug Gilmour. Der Kanadier kam als Superstar an den Obersee und hinterliess bereits im ersten Match markante Spuren. Der Aufsteiger spielte damals gegen den Tabellenführer EV Zug, ging auch dank den Pässen des Kanadiers 6:3 in Führung, ehe der Match eine Wende nahm, die ihn bis heute zu einem der verrücktesten in der Geschichte des Schweizer Eishockeys machte. In den letzten 31 Sekunden glichen die Zentralschweizer den Match mit drei Toren noch aus. Gilmour gab später zu Protokoll, ein so verrücktes Spiel habe er zeit seiner Karriere nicht erlebt.
Ein Besäufnis auf Gilmours Rechnung
Doch Gilmour hinterliess auch neben dem Eis seine Spuren. Die Legende sagt, er habe in seiner Latzhose immer ein Bündel 1000-Franken-Noten bei sich getragen. Nach ein paar Matches lud er das gesamte Team zum Umtrunk in ein Restaurant ein und übernahm selbstredend die gesamte Zeche. Kaum ein Spieler soll damals nüchtern zu Bett gegangen sein. Der Coach Pekka Rautakallio sah in finnischer Grossmut über den Ausrutscher hinweg. Er wusste: Die Tage mit dem kanadischen Superstar würden die Spieler für immer prägen.
Nach nur neun Partien kehrte Gilmour nach Übersee zurück und setzte sein Karriere in der NHL fort. Bis zu seinem Karriereende bestritt er 1656 Spiele für St. Louis, Calgary, Toronto, New Jersey, Chicago, Buffalo und Montreal. Er gewann den Canada-Cup und 1989 mit den Calgary Flames auch den Stanley-Cup. 2011 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen. Später arbeitete er als Coach, General Manager und Direktor in der Ontario Hockey League, einer der drei Top-Juniorenligen in Kanada.
Der Abstecher nach Rapperswil-Jona ist in Gilmours Biografie eine Fussnote. Doch für den Kleinklub und seinen damaligen Präsidenten Bruno Hug bleibt der Blitzbesuch der Eishockeylegende bis heute ein unvergessliches Ereignis. Für ein paar kurze Wochen war der Klub selbst in Übersee bekannt. Nebst wunderbaren Erinnerungen hinterliess Gilmour am Obersee auch eine Hoteltelefonrechnung in der Höhe von 8000 Franken. Gemessen an der Publizität, die er dem Klub bescherte, war das aber gut investiertes Geld.