frühling 2017 / 1,5 jahre nach der fusion
der bisher ungeschlagene leader zürich united 15 spielt gegen den bisher ebenso ungeschlagenen zweitplatzierten fc basel. der fcz und gc fusionierten 2015 zu zürich united 15 und leisten sich nun ein 42 millionen sfr. budget. die finanziellen und strukturellen probleme sind alle gelöst im zürcher profi fussball. das schmucke 19’000-er fussballstadion ist gebaut, man steht sportlich und wirtschaftlich auf augenhöhe mit dem fc basel. die fussballseele in unserer stadt ist also endlich wieder im lot! oder etwa doch nicht?
folgende szene spielt sich in der 9. meisterschaftsrunde der saison 17/18 in der fifa arena in zürich ab. vater marc sitzt mit seinem 10-jährigen sohn lukas auf der tribüne (lukas kam übrigens am 13. februar 2007 zur welt, also genau 9 monate nach dem 13. mai 2006…
):
lukas: „du papi, ich ha im internet gläse, dass züri united scho mal im championsleague halbfinal gsi isch, glaubs 1977.“
vater: „nöd ganz lukas, das hät meistercup gheisse und isch de fc züri gsi, nöd züri united.“
lukas: „ah, dänn isch züri united aber de schwizer rekordmeischter?“
vater: „nei, dass sind die andere gsi. grasshoppers händs gheisse. vo de no existierende verein sind das jetzt aber basel und servette mit je 17 meistertitel.“
lukas: „wo sind dänn de fcz und grasshoppers hüt?“
vater: „die händ fusioniert im jahr 2015 und heissed ebe zürich united 15. aber das weisch ja…“
lukas: „stimmt, klar. aber händ dänn die mannschafte so wenig zueschauer gha, dass die fusiodingst händ?“
vater: „fusioniert heisst das. es gaht, de fcz hät öppe en 10’000-er schnitt gha und die andere au um die 7'000.“
lukas: „hm, dänn sött züri united aber immer öppe 17'000 lüt im stadion ha! vorher händs grad uf de linwand iblendet, dass hüt aber nume 13'271 zuschauer da sind. und de schnitt isch doch au nume bi öppe 7000. warum isch das dänn eso?“
vater: „will d’fuessball bosse, hauptsächlich ökonome vo bruef, die glich rechnig wie du gmacht und eifach 1 und 1 zäme zellt händ. bi dene hät das dänn 2, bi dir 17'000 geh.“
lukas: hä? wieso bi dene? 1 und 1 git doch 2! chume nöd druus was meinsch!“
vater: „klar rechnerisch stimmt das scho! aber die gschide und vernünftige chöpf händ i de euphorie ganz vergässe, dass gschicht, tradition, emotion, verwurzelig, identität, gfühl, liedeschaft etc. kei mathematischi variable sind! und dass darum 1 und 1 mängisch halt au nume 0,4 git!“
lukas: „chume immer nonig drus…und usserdem häts doch immerhin 13'000 im stadion.“
vater: „ja klar, will öppe 5000 basler da sind!“
lukas: „was sind ökonome?“
vater: „das sind gschidi und knallhärt rechnendi mensche. oft sogar grossi chefe i de wirtschaft.“
lukas: „und die händ das alles nöd chöne vorus säge, wänns doch eso gschid sind?“
vater: die händ ebe nume de wirtschaftlich nutze gseh. weisch, die ökonome vergliched immer alles mit de wirtschaft. dete häts für sentimentalitäte au kei platz. s’ziel isch immer gwünnmaximierig. i de wirtschaft mag das ja meischtens funktioniere. dass aber im fuessball so es künstlichs konstrukt kä sau meh vo de alte fans interessiert, händs eifach ignoriert oder wahrschinli druff ghofft, dass um so meh neui fans is stadion chömet. weisch, meh so seriösi, weniger verruckti und agfresseni. nöd so ultras seich! das aber d’fan kurve praktisch leer blibt, mit dem händs wahrschinli scho nöd grad grechnet! und dass so gschichte im normalfall öppe 1 generation bruuchet bis si funktioniered, händs au eifach überseh oder überseh welle, wer weiss das scho!“
lukas: „schöni weichbecher! händ dänn das alli gmeint, isch niemer gege die fusion gsi?“
vater: „oh doch! sehr viel lüt sind dägege gsi oder händ sich mit dem gedanke zumindescht nöd chöne afründe. es sind aber mehrheitlich die ganz normale fans gsi, wo mit vill herzbluet a ihrne clübs ghanget sind. aber das sind ebe nöd die gsi, wos grosse geld und somit säge gha händ. wer zallt, befiehlt. isch scho immer eso gsi!“
lukas: ja so! duuuu, wie lang isch e generation?
vater: „öppe 20-25 jahr“
lukas: „dänn mues ich jetzt also mind. 20 jahr warte, bis ich ähnlichs dörf erlebe wie du damals: stimmig im stadion uns so?“
vater: „wänns ganz beschisse lauft, ja.“
lukas: „du weisch doch papi, am päde sin vater isch st. galler. die gönd jedes fcsg samschtig heimspiel live go luege. segi huere geil, immer über 15'000 zuschauer und e riesestimmig. sie wänd mich au emal mitneh. döfi???“
während lukas bereits eine woche später in der afg arena auf der tribüne sitzt, macht sich marc gleichzeitig mit seinem kumpel aus alten zeiten, stevie, einen gemütlichen dvd abend. sie schauen sich das spiel basel-fcz vom 13. mai 2006 an, bekiffen und besaufen sich vor lauter nostalgiefrust komatös. kurz bevor pescu in der 93. minute den ball zum 2:1 einschiebt, erwacht marc glücklicherweise aus seinem albtraum…mit einem guinessbuch verdächtigen nachbrand!
