wieder emal en herrliche artikel i de nzz am sonntag! vor allem de abschnitt findi sehr treffend:
Laut Liga-CEO Claudius Schäfer will man darüber nachdenken, ob «möglicherweise der Strafkatalog differenziert und angepasst» werden soll. Geisterspiele oder die Sperre von Sektoren haben sich als Kollektivstrafen erwiesen, die mehr schaden als nützen.
es merkeds zum glück au anderi, ersch no iflussrichi lüt, bin also nöd de einzig...:-))
gruess roli c.
Es schwärt und schwelt noch immer
Vor dem Zürcher Derby zeigt sich, dass der Abbruch am 2. Oktober nicht verdaut ist. Von Stephan Ramming
Der FCZ-Präsident Ancillo Canepa hat zum «FCZ-Talk» eingeladen. Vor ausgewähltem Publikum diskutiert Canepa mit Gästen. Der FC Sion. Der TV-Vertrag. Xamax. Der Ton ist sachlich, routiniert, man plaudert. Als aber Canepa gegen Ende «das Derby» und «das leidige Thema Sicherheit» aufwirft, belebt sich der Präsident.
Man kennt das von Canepa. Er ist ein sympathischer Mensch, er kann differenziert reden, und wenn er laut lacht, spürt man seine Freude, wie man seinen Ärger spürt, wenn er sich aufregt. So wie jetzt. «Ungerecht» sei die Strafe nach dem abgebrochenen Derby, das müsse man auch jetzt noch sagen dürfen, auch wenn man das Urteil des Disziplinargerichtes nicht weitergezogen habe. Canepa verwirft die Hände. Dem FCZ entgehe eine halbe Million Franken, «eine halbe Kiste», wie Canepa sagt. Die beiden Fan-Sektoren im Letzigrund sind heute Sonntag geschlossen. Canepa sinkt ins Sofa zurück. «Es sind Journalisten hier, ich darf jetzt nicht so laut werden.»
Hickhack statt Einsicht
Die Wunden schwären noch immer, die das nach den Ausschreitungen am 2. Oktober abgebrochene Zürcher Derby geschlagen hat. Nicht nur bei Canepa, auch in Gesprächen mit Verantwortlichen der Grasshoppers, mit Fans, mit der Liga oder mit der Stadt Zürich als Besitzerin des Letzigrunds ist im Vorfeld des Derbys Unmut und Ratlosigkeit zu vernehmen. Da ist wenig verarbeitet, vieles unverdaut, und manches schwelt, auch wenn man es am liebsten hätte, es würde nun «einfach wieder Fussball gespielt».
Selbst die Strafe - Forfaitniederlage für den FCZ, je 50 000 Franken Busse und die Sperrung der beiden Fan-Sektoren - ist noch immer umstritten. Der Disziplinarrichter Daniele Moro hält zwar an der Richtigkeit seines Urteils fest. Er sagt, er habe «die Reglemente angewendet». In der Liga aber war und ist man unzufrieden mit dem Richtspruch. Laut Liga-CEO Claudius Schäfer will man darüber nachdenken, ob «möglicherweise der Strafkatalog differenziert und angepasst» werden soll. Geisterspiele oder die Sperre von Sektoren haben sich als Kollektivstrafen erwiesen, die mehr schaden als nützen.
Auch ist es nicht einfach, solche Strafen umzusetzen. Weil der FCZ den Saisonkarten-Besitzern aus der Südkurve für 30 Franken Tickets auf der Haupttribüne verkaufte und sonst keine Karten erhältlich waren, gab es viel Polemik. «Rechtlich fragwürdig» und eine «Provokation gegen unsere Fans», kommentiert der GC-Präsident Roland Leutwiler auf der Klub-Homepage. Der «Blick» orakelte, die Zuschauer aus der Südkurve seien eine Gefahr. Canepa wehrt sich: «Polizei und Liga haben diese Umsetzung der Strafe favorisiert - wir wollen unsere Fans im Stadion, damit es nicht ausserhalb zu Konflikten kommen kann.» Der Verkauf von Tickets auf der Gegentribüne für GC-Fans könne zu «gefährlichen Situationen führen». Christian Schöttli, der Sicherheitsverantwortliche der Liga, bestätigt, dass «diese Lösung nicht im Widerspruch zur Strafe» stehe. Man lernt: Die Umsetzung der Strafe führt zu Hickhack statt zu Einsicht.
Das zeigt sich auch im Verhältnis zwischen den beiden Klubpräsidenten. Bereits nach dem Urteil lieferten sich Canepa und Leutwiler in der TV-Sendung «Sportlounge» einen gehässigen Schlagabtausch. Brüstete sich damals Leutwiler mit den «GC-Fans, die im Letzigrund noch nie eine Pyro gezündet haben» sollen, holte ihn die Wirklichkeit rasch ein. Leutwilers Vorschlag, nach einem Pyro-Vorfall jedes Spiel abzubrechen, wurde von der Liga mit einer einzigen Ja-Stimme - seiner eigenen - abgeschmettert.
Der irrlichternde GC-Präsident
Unterdessen spricht Leutwiler nicht mehr. GC lässt ausrichten, der Präsident arbeite «nur noch im Hintergrund». Das klingt, als habe der Präsident in den Diskussionen nach dem Derby-Abbruch die Freude am Amt verloren. Der GC-CEO Marco Meier sagt: «Es kann passieren, dass man übers Ziel hinausschiesst.» GC nahm Ende Januar mit länglichen Begründungen die im Dezember vom irrlichternden Präsidenten erlassene Schliessung der Kurve für das Spiel gegen Thun zurück. Canepa lässt sich nicht zitieren zur Person Leutwiler. Er sagt nur: «Ich hatte mit den GC-Präsidenten ein gutes Verhältnis.»
Canepa ist müde. Nach der Gesprächsrunde auf dem Podium muss er sich einer Radiojournalistin erklären, in Mundart, in Hochdeutsch, er weiss auch jetzt nicht, was von seinen Aussagen über den Sender gehen wird und was nicht. Canepa ist erregt und ermattet zugleich, eigentlich will er sich aufs Derby am Sonntag freuen, aber das Derby im Oktober macht das schwer.