Für die Ambri Liebhaber hier drin, ein Rücktrittangebot von Duca und Cereda lag angeblich auf dem Tisch von Lombardi.
Anscheinend doch nicht alles so rosig wie die meisten ausserhalb des Vereis glauben.
Aber das Happyend kam dann natürlich schon rechtzeitig. Pravo Pravo
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Der HC Ambri-Piotta startet mit Luca Cereda in neue Ära
Das Vertrauen des Verwaltungsrates und ein herrlicher Skitag verhinderten im Frühling einen möglichen Rücktritt.
Ruedi Wechsler 05.06.2023, 17.40 Uhr
Gut drei Monate sind nach dem etwas abrupten Saisonende vergangen. Die Enttäuschung, leere Batterien und mangelndes Rückgrat des Verwaltungsrates führten zu Rücktrittsgedanken bei Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca. Gleich nach Saisonende kommunizierten die beiden offen mit Präsident Filippo Lombardi über die Option eines möglichen Rücktritts und sie lag für einige Wochen auf dessen Bürotisch.
Vor sechs Jahren übernahmen die beiden die sportliche Führung des HCAP. Es waren schwierige Zeiten und Ambrì spielte noch in der Valascia die Ligaqualifikation gegen Langenthal. Betreffend neuer Arena herrschte grosse Unsicherheit, aber gleichzeitig auch Zuversicht. Inzwischen spielen die Leventiner in der schmucken Gottardo Arena und eine solide sportliche Basis ist gelegt. Dieses Kapitel sei nun zu Ende, sagt Luca Cereda. «Viele Fragen standen an: Was wollen wir machen, wo wollen wir hin und was sind wir heute? Haben wir noch den Willen, die Kraft und vor allem die Überzeugung, den gemeinsamen Weg fortzuführen?», blickt der 42-Jährige zurück. Nach etwas Abstand, einer gründlichen Analyse, vielen Gesprächen und spürbarem Rückenwind des Verwaltungsrates, starten sie nun in eine neue Epoche.
Ein Skitag, der viel Energie freimachte
Die letzten sechs Jahre hätten viel Energie geraubt. Cereda und Duca haben hart und pausenlos gearbeitet. Während der Saison steht der Trainer vermehrt unter Strom und jetzt ist es der Sportchef, der viele Fragen beantworten muss. Duca gehe es inzwischen etwas besser und Cereda habe sich inzwischen gut erholt. Überlegungen standen an, wie die Last auf mehrere Schultern verteilt werden könnte. Der Staff wird nun um eine Person aufgestockt, damit mehr Personen am Karren ziehen werden.
An einem herrlichen Frühlingstag wagte sich Cereda nach 15 Jahren wieder mal auf die Skis und verbrachte mit Paolo Duca einen wunderbaren Skitag in Andermatt-Sedrun. «Am Abend trafen wir per Zufall Filippo Lombardi und dort verspürte ich erstmals wieder Energie. Es sprudelten neue Ideen, Inputs und Projekte,» schaut der vierfache Vater zurück. Ab und zu hätten die «Gemelli», die Zwillinge, gerade in schwierigen Zeiten, die Unterstützung des VR vermisst.
Hätte der Wind nicht zu ihren Gunsten gedreht, müsste der Verein nun einen Wechsel vollziehen, betont der ehemalige Erstrundendraft der Toronto Maple Leafs und ergänzt: «Nur zusammen werden wir stärker und wir sitzen alle im gleichen Boot.» Im April assistierte Cereda die Schweizer Nationalmannschaft in den Vorbereitungsspielen. Da konnte er den Kopf lüften und die Gedanken neu sortieren.
Die Rockets bleiben Teil von Ambri
Die finanzielle Situation hat sich gegen Ende Saison stark zugespitzt. Der Verwaltungsrat musste sich rund um die Uhr damit beschäftigen. Das entschuldigt teilweise die fehlende Unterstützung gegenüber der sportlichen Leitung. «Es gilt Schulden abzutragen, der Verein muss clever sein und sich in gewissen Bereichen neu erfinden,» betont Cereda und fügt an: «Die angespannten Finanzen begleiten uns jeden Tag und es ist nicht einfach. Die Realität stört uns nicht, wenn alle am gleichen Strick ziehen.»
Die Ticino Rockets sind auch ein Teil von Ambrì und zusammen mit der Nachwuchsabteilung ihr ganzer Stolz. Dazu sagt Luca Cereda: «Klar, wir könnten das Budget für die Rockets von 1,2 Millionen für die 1. Mannschaft verwenden. Wenn alle so denken, spielen in 15 Jahren keine Schweizer mehr in der höchsten Liga. Es ist unsere einzige Chance, uns mittelfristig zu stabilisieren.» Er findet es grossartig, dass Ambri trotz aller Probleme dieses Projekt unterstützt. Der HC Lugano hat sich aus diesem Projekt verabschiedet und kurzerhand auch ihr Frauenteam aufgelöst. Trainer, Assistent und einige Ladys haben nun bei den HCAP-Girls unterschrieben.
Nicht wenige Fans forderten bereits im Herbst einen Wechsel an der Bande. Cereda spürte vor allem von Tessiner Journalisten Gegenwind. Als seine Kinder nach einem Spiel das Stadion verliessen, bekamen sie mit, wie Personen über ihn herzogen. Das habe nicht nur ihn, sondern auch seine Kinder beschäftigt. Pfiffe gegen eigene Spieler (Isacco Dotti) findet er deplatziert und ergänzt: «Dotti ist nicht der Talentierteste, ist aber ein Teil der DNA des Vereins und gibt immer alles. Isacco ist der Stolz des Klubs, das empfinde ich als Stärke des HCAP und das soll so bleiben.»
Topskorer Chlapik kehrt nach Tschechien zurück
Wenn sich Trainer und Spieler streiten, sei dies kein Problem für die Mannschaft. Das Verhalten der Spieler in der Garderobe kann ein Problem werden. Das sei ihre Welt, ihr Haus und dort müsse es harmonieren. «Ich musste einmal hart sein mit Michael Spacek, danach scorte er wie nie zuvor. Chlapik hat sich zu oft auf Spacek verlassen und war manchmal zu passiv,» so Cereda. Wegen gesundheitlicher Probleme seiner Frau wurde dessen Vertrag vorzeitig aufgelöst.