Aber es macht null Sinn das Tor zu annullieren wenn es so knapp ist. Dann gibt man das Tor und schaut sich das Video an und kann dann entscheiden. So konnten die Schiris nicht schauen. War wirklich selten dämlich. Und den Schiris war auch anzusehen dass sie sich bewusst waren dass der Entscheid falsch war.
Du vermischst da gerade ein paar Dinge. Ich kläre die Situation gerne kurz auf. Die Schiris durften die Szene weder selbst reviewen, noch war eine Coaches Challenge zulässig. Das wäre auch dann nicht möglich gewesen, wenn sie auf dem Eis auf Tor entschieden hätten.
Was sie anschliessend im Huddle gemacht haben, war lediglich zu besprechen, wo das nächste Anspiel stattfindet. Genau das mussten sie in dieser Situation besprechen. Dieses Vorgehen ist im IIHF Situation Handbook so vorgesehen.
Zuerst zur Frage, warum die Schiris die Szene nicht selbst reviewen durften: Entscheidend ist, dass der Puck von Baltisbergers Stock nicht direkt ins Tor abgelenkt wurde. Der Puck ging nach seiner Berührung zuerst an den Torhüter und erst danach per Nachschuss ins Tor. Wäre Baltisbergers Ablenker direkt im Tor gelandet, hätten die Schiris die Szene selbst überprüfen dürfen. Weil das Tor aber erst durch den anschliessenden Nachschuss fiel, war ein eigener Video-Review der Schiris nicht zulässig.
Auch eine Coaches Challenge durch den Z war in dieser Situation nicht möglich. Eine Coaches Challenge ist nur bei folgenden Situationen zulässig: Offside vor einem Tor, einer verpassten Spielunterbrechung in der Angriffszone oder möglicher Torhüterbehinderung.
Damit zur eigentlichen Fehlentscheidung: Weil der Puck von Baltisbergers Stock nicht direkt ins Tor abgelenkt wurde, gilt hier die normale High-Sticking-Regel. Entscheidend ist also nicht die Höhe der Querlatte, sondern die Schulterhöhe des Spielers. Die Querlattenhöhe wäre nur dann massgebend, wenn der Puck direkt vom Stock ins Tor gegangen wäre. Fällt das Tor hingegen erst später oder wie hier per Nachschuss, gilt die Schulterhöhe als Referenz.
Baltisbergers Stock war bei der Berührung unbestritten unter seiner Schulterhöhe. Deshalb hätte das anschliessend erzielte Tor zählen müssen.
Warum die Schiris trotzdem auf No Goal entschieden haben, obwohl Baltisbergers Stock klar nicht zu hoch war, lässt sich nur damit erklären, dass sie davon ausgingen, Lammikko habe den Puck mit seinem über Schulter gehaltenen Stock berührt und nicht Baltisberger.
Kurz zusammengefasst könnt ihr euch drei Fälle merken:
- Der Puck wird mit einem hohen oder vermeintlich hohen Stock direkt ins Tor abgelenkt: Dann dürfen die Schiris die Szene selbst reviewen - unabhängig davon, ob sie auf dem Eis Tor oder No Goal entscheiden. (als Beispiel hatten wir das beim 1:1 gegen Kloten, ebenfalls durch Baltisberger) Eine Coaches Challenge ist hingegen nicht zulässig.
- Der Puck wird mit einem hohen oder vermeintlich hohen Stock berührt, geht aber erst später ins Tor: Dann dürfen die Schiris die Szene nicht selbst reviewen. Eine Coaches Challenge wegen des hohen Stocks ist ebenfalls nicht zulässig - genau das war hier bei Baltisberger der Fall.
- Sonderfall verpasste Spielunterbrechung: Angenommen, in dieser Szene hätte nicht Baltisberger, sondern tatsächlich Lammikko den Puck mit seinem Stock oberhalb der Schulterhöhe berührt und danach wäre per Nachschuss ein Tor gefallen. Hätten die Schiris auf dem Eis auf Tor entschieden, hätten sie die Szene zwar ebenfalls nicht selbst reviewen dürfen. Biel hätte aber eine Coaches Challenge nehmen dürfen - wegen einer möglichen verpassten Spielunterbrechung in der Angriffszone.