Comeback nach 500 Tagen
ZSC-Stürmer Denis Hollenstein: «Ich wusste: So kann es nicht fertig sein»
Eineinhalb Jahre rang Denis Hollenstein um sein Comeback – jetzt ist er zurück. Sein Tor beim 5:1 gegen Lugano war nicht nur für ihn eine Erlösung.

Simon Graf
Publiziert: 14.09.2025, 17:59
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Ach, wie sehr hatte er das vermisst! Denis Hollenstein klatscht mit den Kollegen ab.
Foto: Nico Ilic (Freshfocus)
In Kürze:
- Denis Hollenstein feierte nach 500 Tagen Verletzungspause ein erfolgreiches Comeback beim ZSC.
- Der 35-jährige Stürmer erzielte beim 5:1-Sieg gegen Lugano sein erstes Tor.
- Während seiner Auszeit absolvierte Hollenstein eine Trainerausbildung neben der Rehabilitation.
- Sportchef Leuenberger verlängerte den Vertrag des Instinktspielers um ein weiteres Jahr.
Und plötzlich ging es schnell bei den ZSC Lions. Lugano hatte gerade noch eine Topchance gehabt, dann schnappte sich Denis Malgin den Puck und Denis Hollenstein brauste in der Mitte nach vorne. Er enteilte den Tessinern, wurde von Malgin ideal angespielt und erwischte Joren van Pottelberghe zwischen den Beinen zum 2:1.
So hatte sich das der 35-Jährige wohl vorgestellt, als er monatelang Reha machte, um die Hoffnung auf die Fortsetzung seiner Karriere am Leben zu erhalten.
Exakt 500 Tage hatte er sich gedulden müssen, bis er am Freitag gegen Ajoie (4:0) sein Comeback in der Meisterschaft geben durfte. 509 Tage war es seit seinem letzten Torjubel her gewesen. Hollenstein kostete es aus, strahlte übers ganze Gesicht und wurde von seinen Teamkollegen gefeiert.
«Was für ein spezieller Moment», sagte Hollenstein mit leuchtenden Augen. «Es war kein einfaches Jahr für mich. Aber die Jungs waren immer für mich da und haben mich gepusht. Das zeigt, was wir für einen Zusammenhalt in dieser Mannschaft haben.»
Nur ein Spiel hatte Hollenstein im vergangenen Winter bestritten, am 4. Dezember in der Champions League bei den Eisbären Berlin. Dann schwoll sein Knie wieder an und es wurde eine zweite Operation nötig. «Wir mussten nochmals von vorne beginnen. Das war sehr frustrierend. Es hat viel Geduld gebraucht. Aber ich wusste: So kann es nicht fertig sein. Ich habe viel zu viel Freude am Eishockey. Und ich denke, das sieht man auch auf dem Eis.»
Sportchef Sven Leuenberger hatte Hollenstein in der vergangenen Saison versprochen, erst dann mit ihm über die Zukunft zu reden, wenn er wieder voll dabei sei. Da es nicht dazu kam, einigten sie sich nach der Saison darauf, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern. So bekam der Stürmer nochmals eine Chance. Das passt zur Philosophie der ZSC-Organisation, in der man verdiente Spieler nicht einfach fallen lässt.
In 17 Saisons in der National League über 500 Punkte
Leuenberger sagt: «Für mich war entscheidend, dass die Ärzte sagten, dass es mit dem Knie gut kommt. Denn Hollenstein ist ein Instinktspieler. Seine Skorerqualitäten verliert er nicht. Er war ein Leben lang ein offensiver Spieler.»
In 17 Saisons in der höchsten Liga skorte er 287 Tore und über 500 Punkte. Nun sollen noch weitere dazukommen. Und Coach Marco Bayer gab ihm die perfekte Starthilfe, indem er ihn bei seinem Comeback gleich im ersten Sturm neben Malgin und Andrighetto nominierte.
Natürlich habe er keine Ansprüche gestellt, sagt Hollenstein. «Ich sagte: Setzt mich ein, wo ihr mich braucht. Aber natürlich ist es genial, in dieser Linie zu spielen. Malgin hat gegen Lugano wieder einmal gezeigt, dass er einer der besten Spieler der Liga ist. Wenn nicht sogar der beste. Das macht alles ein wenig einfacher.» Mit einem Tor und drei Assists war Malgin die überragende Figur beim 5:1 über Lugano.
In den schwierigen Momenten auf seinem langen Weg zurück klammerte sich Hollenstein an die Erinnerungen ans Playoff 2024, in dem er mit einem dramatischen 4:3 im Final gegen Lausanne erstmals Meister wurde. Das machte Appetit auf mehr. «Und in jener Saison hatte ich mich sehr gut gefühlt», sagt er.
Denis Hollenstein bildete sich zum Trainer aus
Den folgenden Winter mit dem Triumph in der Champions League und der Titelverteidigung erlebte er dann vornehmlich als Zuschauer. «Es war unglaublich, was die Jungs gezeigt haben. Bitter, konnte ich nicht mitspielen. Aber ich versuchte, zu helfen, wo ich konnte. Ich war jeden Tag bei der Mannschaft und probierte so, meinen Beitrag zu leisten.» Hollenstein nützte die Zeit, um seine Trainerdiplome zu machen, und unterstützte die Coachingcrew.
Nun ist er zurück in seiner Rolle, die ihm am meisten behagt. Hatte er die Vorbereitung zumeist allein bestritten und alle Spiele verpasst, ging es zuletzt plötzlich schnell. «In den letzten zwei Wochen ging es steil bergauf», sagt Leuenberger. Am Donnerstag bekam Denis Hollenstein das grüne Licht vom Arzt, am Freitag debütierte er, am Samstag traf er. Besser hätte er es sich nicht ausmalen können.