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    INTERVIEW
    Blerim Dzemaili: «Ich war sehr traurig. Dreizehn Jahre im Nationalteam – und plötzlich war alles vorbei.»

    Christine Steffen, Bologna
    15.2.2019, 17:00 Uhr

    Dzemaili hat wenig Zeit. Bologna hat in der Abstiegsangst einen neuen Trainer geholt; Sinisa Mihajlovic hat kurzfristig die Trainingszeiten umgestellt. Der Frühling soll besser werden als der Winter.

    Blerim Dezmaili, Sie sind an der WM im Sommer im Achtelfinal gegen Schweden 15 Minuten vor Schluss ausgewechselt worden. War Ihnen klar, dass Ihre Nationalmannschaftskarriere zu Ende ist?

    Ich habe zu 99 Prozent damit gerechnet. Für mich ist klar, dass die Jungen nachkommen, die in grossen Teams spielen, und dass ich einen Schritt zurückmachen muss. Darum habe ich mich damit befasst, dass ich nach der WM aufhören muss. Das hat mir geholfen, es zu verarbeiten. Klar: Hätte Vladimir Petkovic gesagt, Blerim, ich will, dass du weitermachst, hätte ich sicher weitergemacht. Wenn der Trainer aber etwas Neues anfangen will, respektiere ich das.

    Sind Sie von sich aus zu Petkovic gegangen und haben den Rücktritt erklärt?

    Nein. Aber ich war darauf vorbereitet, dass er zu mir kommt und sagt, dass er etwas Neues anfangen will. Und genau das hat er getan. Aus meiner Sicht ist das völlig verständlich, ich hätte als Trainer wahrscheinlich das Gleiche getan.

    An der WM haben Sie nie darüber geredet?

    Nein, das geschah einen Monat nach der WM am Telefon. Klar kann man über die Art und Weise der Kommunikation diskutieren. Aber ich bin keiner, der diese Sachen so wichtig nimmt.

    War für Sie nach dem Anruf klar, dass Sie nicht mehr für das Nationalteam spielen werden?

    Für mich ist klar, dass es vorbei ist.

    Hat der Trainer offengelassen, ob er noch einmal auf Sie zukommt?

    Ja. Aber ich weiss wirklich nicht, ob ich zurückgehen würde. Ich war nie einer, der nur eine Nummer sein wollte. Ich wollte immer wichtig sein. Zurückzugehen und die Nummer 20 zu sein – darauf hätte ich keine Lust.

    Welches Gefühl hatten Sie unmittelbar nach dem Spiel gegen Schweden?

    Ich war sehr traurig. Nach meiner Auswechslung sass ich auf der Bank und konnte das Spiel gar nicht mehr verfolgen, derart war ich in Gedanken versunken. Dreizehn Jahre im Nationalteam – und plötzlich war alles vorbei. Ich sah viele Bilder vor mir, es war wie ein Film. Es war ein schwieriger Moment. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir gegen Schweden verlieren – in acht von zehn Fällen passiert das auch nicht.

    Welche Bilder sahen Sie?

    Es war für mich immer eine Ehre, Nationalspieler zu sein. Ich fühlte mich stolz, die Schweiz zu vertreten, sie hat in den letzten zehn Jahren grosse Fortschritte gemacht – und ich war dabei. Aber da waren auch weniger schöne Momente: der Achtelfinal an der WM 2014 in Brasilien, als ich gegen Argentinien in der 118. Minute den Ball haarscharf am Tor vorbeischoss. Hätte ich getroffen, hätte meine Karriere vielleicht noch einmal eine andere Wende genommen Wir waren im Nationalteam wirklich wie eine Familie und haben uns immer gefreut, wenn wir uns getroffen haben.

    Wenn Sie nicht berücksichtigt wurden, machten Sie einen frustrierten Eindruck.

    Es gab unter Ottmar Hitzfeld ein paar schwierige Jahre. Ich hatte im Verein eine sensationelle Zeit und wurde trotzdem nicht berücksichtigt. Ich hatte Mühe, das zu akzeptieren. Wenn mich mein Manager damals nicht aufgehalten hätte, wäre es nicht gut rausgekommen.

    Hätten Sie hingeschmissen?

    Ja, das hätte ich wohl gemacht. Zum Glück ist es nicht so gekommen, die letzten fünf Jahre mit der Nationalmannschaft möchte ich nicht missen.

    Wie hat sich das Nationalteam in dieser Zeit verändert?

    Es war völlig anders früher. Als ich neu ins Team kam, gab es praktisch eine Trennung zwischen den Älteren und den Jungen. Der Respekt war riesig. Man hatte beinahe Angst. Die älteren Spieler nahmen sich fast zu wichtig. Als wir die Älteren waren, haben wir darauf geachtet, dass wir eine harmonische Gruppe bilden, die Hierarchien spielten eine viel weniger grosse Rolle. Die Jungen sind ja auch völlig anders, als wir damals waren. Wir waren ängstlich, sie sind saufrech – auf dem Platz, auf eine gute Art.

    Haben Sie mitverfolgt, was nach der WM in der Schweiz passiert ist?

    Ich bin einer, der in der Freizeit nicht allzu viel über Fussball nachdenken möchte. Aber klar, ich habe vieles gehört und gelesen. Es sind Fehler passiert: Das Interview des Generalsekretärs Alex Miescher zu den Doppelbürgern hätte so nie erscheinen dürfen.

    Wie war die Stimmung im Team während der WM?

    Sehr gut. Was im Spiel gegen Serbien passiert ist, die Doppeladler-Geste von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, darf man nicht überbewerten. Im Team waren alle sehr solidarisch. Wir haben gar nicht mitbekommen, wie intensiv das Thema in der Schweiz diskutiert wurde. Ich finde, der Verband hat die Situation nicht so schlecht geregelt, wie überall geschrieben wurde. Dass unsere Spieler nicht gesperrt wurden, ist auch den Bemühungen des Delegierten Claudio Sulser geschuldet.

    Hat Vladimir Petkovic mit den Spielern zu wenig über die Brisanz des Serbien-Spiels gesprochen?

    Nein, Vlado hat mit uns gesprochen. Er ist zu mir und allen Spielern mit albanischen Wurzeln gekommen, um die Partie zu thematisieren. Er hat beschlossen, dass niemand mit albanischen Wurzeln vorgängig zu Interviews geht, um uns zu schützen. Er sagte mir: «Es wird so viel geredet. Konzentrieren wir uns auf das Spiel.» Und so war es. Man sah ja, dass wir sehr konzentriert waren. Beide Teams haben sich vorbildlich verhalten, das hätte ich niemals gedacht. Es hat mich wirklich überrascht. Schlimm war das Publikum und was im Vorfeld auf politischer Ebene passierte.


    Wurde das Team vom Sturm um den Doppeladler in der Schweiz überrascht?

    Gewisse Zeitungen haben die Geschichte sehr gross gemacht. Ich verstehe beide Seiten. Ich verstehe die Jungs, auch wenn ich nicht das Gleiche erlebt habe wie sie, weil ich aus Mazedonien komme. Sie haben Familienmitglieder im Krieg verloren. Aber ich habe auch Verständnis für die Schweiz. Wir spielen für die Schweiz. Ich kann nachvollziehen, dass es Schweizer gibt, die sich bei der Doppeladler-Geste fragen: Was soll das?

    Verfolgen Sie die Spiele der Nationalmannschaft noch?

    Klar. Ich habe zwar albanische Wurzeln, aber ich bin stolzer Schweizer. Ich weiss, was mir die Schweiz für eine Chance gegeben hat, was das bedeutet hat für mein Leben. Ich habe die grösste Wertschätzung für das Land.

    Mit Bologna spielen Sie gegen den Abstieg. Was ist Ihr Anteil an der Misere?

    Es ist meine schwierigste Saison. Nach der WM habe ich mich ein wenig müde gefühlt. Leider hat mich der Trainer Filippo Inzaghi sofort infrage gestellt, als ich Mühe hatte. Das ist mir noch nie so passiert. Ihm fehlte das Fingerspitzengefühl, um zu merken, dass ich von einer WM komme und dass ich in den letzten zwei, drei Jahren wenig Ferien hatte. Ich selber habe auch unterschätzt, was auf mich zukommen wird. Ich dachte, jetzt, da der Druck des Nationalteams vorbei ist, lasse ich es etwa ruhiger angehen und erhole mich etwas vom Stress der letzten fünfzehn Jahre. Das hat mir nicht gutgetan. Es hat dazu geführt, dass ich keine guten Leistungen gezeigt habe.

    Sie gehören bei Bologna zu den Älteren. Wie spüren Sie das Altern?

    Ich muss mich mehr pflegen und habe den Lebensstil angepasst. Es reicht nicht mehr, fünf, sechs Stunden zu schlafen. Man braucht viel Erholung, das ganze Leben ist ruhiger geworden. Jetzt muss ich mich fast mehr auf Fussball konzentrieren als vorher.

    Was ist Ihre Rolle?

    Es ist schwierig, als Fussballer zu akzeptieren, dass man nicht mehr zu den Jungen gehört, dass man älter ist und viel mehr Verantwortung übernehmen muss. Es wird mehr von dir verlangt. Du musst die Spieler führen. Sie schauen zu dir hinauf. Ich dachte immer, der Druck werde kleiner, aber ich merke jetzt, dass der Druck immer grösser wird.

    Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere in der Schweiz abzuschliessen, etwa beim FC Zürich, im Verein, in dem Sie gross geworden sind?

    Ich weiss es nicht. Mein kleiner Sohn lebt mit seiner Mutter eine Autostunde entfernt von Bologna. Ich will in seiner Nähe bleiben.

    Zitat von snowcat


    der sportchef, für mich in der lions organisation immer noch der schwachpunkt. keinen deut besser als eggi!

    ABER: war zu erwarten, er wurstelte jahrelang in bern vor sich hin und macht ganz einfach da weiter!

    die erste arschkarte unter diesem team zogen die schweden, fachlich wahrscheinlich etwas vom besten was je in der schweiz ein team trainierte. die zweite zog aubin! die dritte müsste eigentlich der leuenberger ziehen...

    Wo du Recht hast, hast du Recht.

    Spannend diskutiert man hier nur über AdC. Man hat doch noch ein Idol, ohne jeglichen Trainer-Leistungsausweis - als Verteidigungstrainer geholt. Was macht diese Idol?

    Für mich die Lösung, welche emotional überboardet. Nicht gut!!

    Zitat von ZSColin

    Gott Lob gibt es die Hoffnung! Und Gott Lob gibt es die Playoffs! Wie ist der Punkte pro Spiel Schnitt von AdC? Definitiv schlechter als Aubin! Wahrscheinlich so „Taminen-mässig“. Oder anders gefragt, gab es seit den Lions-Ära - abgesehen vom 1. Jahr - jemals einen Trainer mit einer schlechteren Quote? Nicht falsch verstehen, bin nicht gegen Arno. Aber liefern muss er trotzdem, sorry. Wobei es kann ja wirklich noch alles gut kommen. Denn: Wir haben ja noch die Hoffnung + Playoffs......


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    Wie war das letztes Jahr mit Kossmann?

    Gerade Interview mit Bosz in Sky-Bundesliga:

    "Man kann nur offensiv spielen, wenn man defensiv gut organisiert ist. Sonst musst du defensiv Spielen, dass es nicht in die Hosen geht."

    Spannend. Wieso habe ich nun das hier hin gesetzt? Hab's gerade vergessen ...

    Ach ja, bin immer noch froh um den Weg AdC. Aber unsere Defensive ist nicht unproblematisch. Ausländer, die nicht funktioniern; CH, die zu alt sind, oder es nicht können. Grossbaustelle ...

    Zitat von snowcat

    nicht umsonst hat er sich 8 jahre mit den kids rumgeschlagen.


    Ja schon, diese Zeit brauchte er, um die Lizenz zu erarbeiten, welche ihm erst ermöglichte, sich nicht mehr mit den Kids herumzuschlagen ...

    [emoji6]

    Zitat von Larry

    Der dritte Coach der nichts mit ihm anfangen kann. Kann kein Zufall mehr sein!

    Könnte aber auch sein, dass das mit dem bereits getätigten Transfer zu tun hat ...

    Zitat von The Fan

    Endlich ein Team das um jeden Puck fightet! Geil! Zum Spiel: wenns nicht läuft dann läufts nicht! Damn!

    Aber es gefällt mir um Welten besser als unter Aubin!

    Das ist definitiv so.

    Wenn man die Ursache bei den Schiris sucht, verschliesst man die Augen vor den wirklichen Problemen ...

    Offensiv wesentlich weniger geboten in Drittel zwei (trotzdem dürfe eine mehr rein). Und Defensiv erlauben wir ins unglaubliches.

    Wichtiges Tor so kurz vor der Pause. Und eigentlich haben wir ja Erfahrung mit Rückständen gegen Zug ...

    Schlegel ist mir eh lieber als Flüeler. Er strahlt weiterhin mehr Energie und Zuversicht aus. Bern macht da einen guten Zug.

    Offensic macht das heute enorm Spass. Aber er sollte mal rein und nicht mehrfach an den Pfosten.

    Defensiv: Schlegel stark, aber was machen Dave Sutter und Klein da? Kann in die Hosen gehen.

    Wir müssten mit zwei Toren Vorsprung führen ...

    Mal schauen, wie's weiter geht.