Die bissigeren Löwen
Lausanne bezwang einen zahmen ZSC 2:1. Wenn die Romands weiter so bestimmt auftreten, könnte man sich im Playoff wieder treffen.
Von Silvan Schweizer, Lausanne
Die ZSC Lions waren zuletzt so erfolgsverwöhnt, dass man hätte glauben können, ein Ausrutscher würde ihrer Laune nichts anhaben. Doch nach dem 1:2 in Lausanne zeigten sie sich von ihrer frustrierten Seite: Wick, Shannon und Bärtschi kassierten nach Spielschluss noch Disziplinarstrafen wegen Reklamationen über die Schiedsrichterleistung. Bärtschi wuchtete enttäuscht seinen Stock in eine Ecke, als er zurück zur Garderobe trottete. Captain Seger befand: «Wenn wir so spielen, gibt es im Playoff nicht viel zu holen.» Und Trainer Crawford fluchte wie ein Rohrspatz vor sich hin, ehe er doch noch zum Mediengespräch kam. Seine Lust darauf hielt sich allerdings in engen Grenzen.
Seine Erklärung, weshalb Lausanne an diesem Abend das bessere Team gewesen war, beschränkte sich darauf, dass der Gegner habe tun und lassen können, was er wollte, aber nie dafür bestraft worden sei. Tatsächlich liessen die Schiedsrichter viel laufen – jedoch beidseits. Und überhart wurde die Begegnung auch nicht geführt.
Die Waadtländer, auch sie mit einem Löwen im Vereinslogo, waren schlicht bissiger, wollten diesen Sieg mehr. Vielleicht waren sie auch inspiriert vom Auftritt ihres prominentesten Fans am anderen Ende der Welt. Wie Stanislas Wawrinka, der seit 2011 im Clubvorstand sitzt, trafen sie auf einen scheinbar übermächtigen Gegner. Doch behielten sie die Nerven, als sich dieser Vorteile erspielt hatte – und kamen zurück.
Eine vorgezogene Drittelspause
Die Zürcher hatten bloss eine richtig gute Phase im Mitteldrittel, als Keller nach einem feinen Dribbling das 1:0 gelang. Crawford hatte zu diesem Zeitpunkt schon munter die Sturmreihen durcheinandergewirbelt, weil ihm das Gezeigte nicht gefiel. Cunti etwa konnte sich ohne den kranken Nilsson an seiner Seite weit weniger in Szene setzen als sonst. Und die kräftige Formation um Fritsche, die am Sonntag bei der Aufholjagd gegen Davos noch mit zwei Toren geglänzt hatte, prallte Mal für Mal am Lausanner Abwehrbeton ab.
Zum Ausgleich kamen die Romands auf ungewöhnliche Weise: Weil sich nach einem Rencontre Blut auf dem Eis befunden hatte, war die zweite Pause vorgezogen worden. Just in jenen verbleibenden Sekunden des zweiten Drittels zeigte sich Lausanne nach dem Wiederanspiel hellwach und traf durch Hytönen. Dass kurze Zeit später das 2:1 folgte, überraschte nicht mehr: Neuenschwander profitierte von einem Wechselfehler. Die Zürcher Reaktion kam zwar noch, doch sie fiel dezent aus.
Für den Aufsteiger, der in der Liga am zweitwenigsten Gegentore kassiert hat, ist der Erfolg der bisher wertvollste im neuen Jahr. Zuvor hatte er fünf von sieben Partien verloren. Doch weil nun zeitgleich Genf unterlag, ist die PlayoffQualifikation wieder in Reichweite – nur noch drei Punkte beträgt der Abstand bei acht verbleibenden Spielen. Auch wenn die Zürcher nun in Lausanne zum zweiten Mal als Verlierer vom Eis gingen: Sie hätten wohl nichts dagegen, wenn der Gegner im Playoff-Viertelfinal Lausanne statt Servette heissen würde. (TA)