Unvermittelt ins Tief gerutscht
Während Wochen äusserst effizient, erlitten die ZSC Lions in Davos (1:5) die zweite Niederlage in Serie.
Von Simon Graf, Davos
Am Fusse des Jakobshorns liegt Schnee, die Temperaturen sind in Davos unter dem Gefrierpunkt. Doch die meisten Davoser Hotels haben noch geschlossen oder erst reduzierten Betrieb. Die Touristen aus dem Unterland beehren den Kurort, der in der Altjahreswoche während des Spengler-Cups in seiner Blüte steht, Ende Oktober erst spärlich. Und auch die ZSC Lions hätten gestern wohl besser von einem Besuch der bei Zürchern so beliebten Winterdestination abgesehen. Dezimiert angereist, bezogen sie beim zuletzt erstarkten HCD mit 1:5 die höchste Saisonniederlage. Und dies notabene in einem Spiel, in dem Nash, Thornton und Sykora keinen Skorerpunkt verbuchten.
Auf die Frage, ob der 19. Saisonauftritt der schwächste gewesen war, mochte sich ZSC-Coach Marc Crawford nicht festlegen. «Sicher war er nicht in den Top 10», sagte der Kanadier, der die Partie zuvor mit leerem Gesichtsausdruck analysiert hatte, mit einem Anflug von Humor. Klar ist: Das zweite Drittel, das 0:4 verloren ging, war bestimmt das schlechteste in diesem Winter. Nachdem Sciaroni nur 25 Sekunden nach der ersten Pause glückhaft das 2:0 gelungen war, brachen die Gäste auseinander. «Es war skandalös, wie wir uns in diesem Drittel verhielten», sagte Seger kopfschüttelnd. «Wir machten alles falsch, was man gegen die Davoser falsch machen kann. Wir gewährten ihnen die Räume, die sie so gerne haben.»
Plötzlich nicht mehr verwöhnt
Zeitweise hatte man das Gefühl, die Zürcher könnten sich angesichts der unvermeidbaren Niederlage nicht mehr aufraffen, den nötigen Effort zu leisten. Das ist etwas, was kein Trainer gerne sieht. «Man kann Abende haben, an denen es offensiv nicht läuft», sagte Crawford. «Aber man hat keine Entschuldigung dafür, im Spiel ohne Puck nicht sein Bestes zu geben.» Ähnliches dürfte er in der Kabine seinen Spielern mitgeteilt haben, wohl mit Nachdruck. Nach Wochen, in denen sie vom Erfolg verwöhnt wurden, sind die ZSC Lions nun mit den Niederlagen in Ambri (1:2) und Davos unvermittelt in ein Tief geschlittert.
Offensichtlich wurde gestern, dass sie sich im Sturm nicht allzu viele Absenzen leisten können. Ohne den abgereisten Brulé und die verletzten Wick, Ambühl und Cunti fehlte ihnen vorne die Durchschlagskraft. Wick, der leichte Rückenschmerzen verspürte, dürfte bald ins Team zurückkehren. Ambühl und Cunti ebenso. Womit sich noch die Frage stellt, wer Brulé ersetzt. Kings-Captain Dustin Brown, der perfekt ins Zürcher Anforderungsprofil passen würde, wird gemäss russischer Medien auch heftig vom KHLTeam Witjas Tschechow umworben. Ob die ZSC Lions da finanziell mithalten können, ist fraglich.
Die technisch und läuferisch starke Mannschaft könnte jedenfalls einen Stürmer, der den direkten Weg zum Tor sucht und oft und gerne schiesst, gut gebrauchen. Von diesem Spielertyp gibt es in Nordamerika immer noch reichlich Auswahl. Und wenn die Lebensqualität bei den ausgeschlossenen NHL-Cracks ein Faktor ist, haben die ZSC Lions gute Karten. Denn gemäss der alljährlichen Städterangliste des Personalunternehmens Mercer liegt Zürich hier ja weltweit auf Rang 2, nur hinter Wien.
Davos - ZSC Lions 5:1 (1:0, 4:0, 0:1) Vaillant-Arena. – 3145 Zuschauer. – SR Koch/Prugger, Kaderli/Wüst. – Tore: 19. Wieser (Ramholt, Guerra) 1:0. 21. (20:25) Sciaroni (Bürgler) 2:0. 30. Rizzi (Bürgler, Hofmann) 3:0. 38. (37:23) Sciaroni (Schneeberger/Ausschluss Kenins) 4:0. 38. (37:44) Hofmann (Steinmann/Ausschluss Lashoff) 5:0. 60. (59:59) Bastl (Trachsler, Monnet) 5:1. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Davos,3-mal 2 gegen den ZSC.
Davos: Genoni; Ramholt, Alatalo; Marha, Schneeberger; Jan von Arx, Back; Guerra; Bürgler, Rizzi, Wieser; Sykora, Thornton, Nash; Sciaroni, Steinmann, Hofmann; Ryser,Joggi, Corvi.
ZSC Lions: Flüeler (ab 41. Wolf); Geering, Seger; Blindenbacher, Lashoff; Stoffel, Maurer; Schnyder; Tambellini, Shannon, Monnet; Bastl, Trachsler, Bärtschi; Kenins, Schäppi, Baltisberger; Zangger, Bühler; Gobbi.
Bemerkungen: Davos ohne Grossmann (gesperrt), Camichel (krank), Forster, Taticek, Reto von Arx, Schommer und Guggisberg (verletzt),ZSC Lions ohne Wick, Cunti und Ambühl (alle verletzt).
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