Die gefährliche Selbstzufriedenheit der ZSC Lions
Die Zürcher verlieren auch gegen Rapperswil-Jona, Moy bezwingt Hrubec in der Overtime zum 3:2. Der Leader ist gegen die dezimierten Lakers nicht bereit, den Kampf anzunehmen.

Simon Graf
Publiziert: 07.01.2024, 19:27
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ZSC-Stürmer Reto Schäppi wird zu Boden gedrückt.
Foto: Michael Buholzer (Keystone)
Das Jahr begann für die ZSC Lions erfreulich, mit einem 7:2 in Ambri am Berchtoldstag. In der Gottardo Arena war für die Zürcher fast jeder Schuss ein Treffer, und diese dachten danach wohl, jetzt gehe es automatisch so weiter. Tat es aber nicht. Am Freitag in Bern und nun auch am Sonntag gegen die Rapperswil-Jona Lakers steckten sie zwei 2:3-Niederlagen ein.
Beide Male ging es in die Overtime, beide Male verpassten die ZSC Lions den Zusatzpunkt. In Bern verloren sie ein episches Penaltyschiessen, gegen die Lakers wurde Goalie Hrubec in der 63. Minute von einem Sonntagsschuss Moys erwischt.
Das Telegramm
Nicht weiter schlimm, könnte man meinen, wenn man auf die Tabelle blickt. Die Zürcher sind immer noch Leader, mit vier Punkten Vorsprung auf Fribourg und sechs auf Zug. Doch die Art und Weise, wie die ZSC Lions zuletzt auftraten, ist gar kein gutes Zeichen.
In Bern liessen sie sich nach einem guten Start zusehends in die Defensive drängen, gegen die Lakers wirkten sie nicht bereit, den Kampf anzunehmen. Sie schienen zu denken, gegen den Zwölften reiche es allein mit spielerischen Mitteln. Ein Trugschluss. Obschon der Gegner auf seinen verletzten Leader Cervenka verzichten musste und wie schon am Freitag nur mit vier Ausländern statt der erlaubten sechs antreten konnte.
Schleicht sich bei den Zürchern nun wieder die gefährliche Überheblichkeit ein, die schon oft ihr grösster Feind war? Ihr Tempohockey, gepaart mit ihrem physischen Spiel, hat sie auf Rang 1 gebracht. Wenn sie davon abkommen, wenn sie meinen, sie könnten ihre Gegner einfach so ausspielen, folgen die Niederlagen auf dem Fuss. Und es geht nun nicht nur um Punkte, sondern auch darum, die Spielweise zu festigen im Hinblick aufs Playoff, wenn die Zweikämpfe noch härter geführt werden und die Intensität weiter ansteigt.
Kukan fehlt schmerzlich
Coach Marc Crawford verteidigte sein Team nach den beiden Niederlagen. Mit den Resultaten sei er nicht zufrieden, aber man habe beide Male ein klares Chancenplus gehabt, fand er. Der Kanadier, der ein Mann ist, der durchaus Klartext reden kann, scheint noch nicht allzu besorgt. Oder er zieht es vor, seine Kritik hinter verschlossenen Türen anzubringen.
Jedenfalls hielt Crawford fest, dass es ein Ziel sei, die Regular Season als Nummer 1 abzuschliessen. «Wer hat letztes Jahr den Titel gewonnen?», fragte er rhetorisch. «Die Nummer 1. Und als wir mit dem ZSC Meister wurden (2014), waren wir auch Erste gewesen.»
Klar ist, dass die Zürcher ihren Abwehrchef Dean Kukan momentan schmerzlich vermissen. Der 30-Jährige liegt seit Weihnachten krank im Bett und dürfte noch mindestens zehn Tage ausfallen. Ein neues Medikament habe gut angeschlagen, sagte Crawford. Aber wenn Kukan aufs Eis zurückkehre, brauche er noch eine Weile, bis er wieder bereit sei zu spielen.