Der nächste kleine Schritt des ZSC zum Titel
Effiziente ZSC Lions besiegten die Kloten Flyers auch auswärts knapp und legen mit dem 2:1 in der Zürcher Finalserie auf 2:0 vor.
Von Philipp Muschg
Einmal kurz fuhren die Spieler der ZSC Lions nach der Schlusssirene zu ihren Fans, hoben die Stöcke zum Dank für die Unterstützung und klopften sich vereinzelt gegenseitig auf die Schultern. Dann fuhren sie Richtung Garderobe, das wars. Kein überbordender Jubel, nichts Besonderes: Die ZSC Lions begingen ihren zweiten Sieg in diesem Playoff-Final so, wie sie in den sechzig Spielminuten aufgetreten waren: businesslike. Sie taten, was sie tun mussten, entschieden auch Spiel 2 des Zürcher Finals für sich und sind damit schon auf halbem Weg zu ihrem achten Meistertitel. Es muss ein entmutigender Anblick gewesen sein für die Klotener. Wieder hatten sie gut gespielt, wieder war der Sieg zum Greifen nahe gewesen – und wieder gab es eine knappe Niederlage, statt ein 0:1 diesmal eben ein 1:2.
Dabei war eigentlich alles bereit gewesen für ein erfolgreiches erstes Playoff-Finalspiel in Kloten seit drei Jahren. Die Arena war ausverkauft, das Publikum laut, und auf dem Matchblatt erschienen neu wieder die Namen von Topskorer Peter Mueller und Nationalstürmer Simon Bodenmann. Wenn es so nicht klappen sollte mit dem ersten Tor in dieser Finalserie, mit dem ersten gegen den ZSC seit 120 Minuten und 39 Sekunden – wie dann?
Kaltblütigkeit als Differenz
Es klappte, und es klappte bald. Keine sechs Minuten waren gespielt, als Tommi Santala den Puck nach einem Abpraller an Lukas Flüeler vorbei ins Netz schob. Die schlechte Nachricht für die Flyers: Danach war der ZSC-Goalies wieder unüberwindbar. Wie schon am Samstag zeigte Flüeler eine überragende Leistung, strahlte viel Sicherheit aus und kaschierte in der Anfangsphase die Fehler, zu denen der Druck der Flyers seine Vorderleute zwang.
Die Spieler von Marc Crawford zeigten sich damit erneut als Meister der Effizienz. Auf den frühen Rückstand reagierten sie umgehend, als Severin Blindenbacher, eigentlich schon auf dem Rückweg zur Spielerbank, Ronalds Kenins lancierte, der Martin Gerber zwischen den Schonern erwischte. Danach herrsche wieder die Pattsituation, das Markenzeichen dieses Finals.
Auch die Dramaturgie ähnelte dem Spiel 1: Die Flyers hatten mehr vom Startdrittel, danach glich sich das Geschehen aus und die Stadtzürcher hatten zwar nicht mehr, aber die besseren Chancen. Doch Roman Wick scheiterte da noch ebenso an Gerber wie Mike Künzle; Ryan Keller schlug aus bester Position über den Puck oder traf den Pfosten. Wie schon am Samstag fiel auch gestern die Entscheidung nach einer langen Unentschieden-Phase, wieder fiel sie im Schlussdrittel, wieder nach einem individuellen Fehler und einer feinen Einzelleistung. Nur dass es diesmal Keller war, der profitierte. Und dass es diesmal nicht falsche Zuordnung nach einem Bully war, die den Ausschlag gab, sondern das übereifrige Anstürmen von Bodenmann, der danach hinten fehlte.
Wie Keller, mit inzwischen 11 Treffern der bester Torschütze der Playoffs, danach Gerber überwand, mit welcher Selbstverständlichkeit, illustriert, worin der grosse Unterschied dieses Duells auf Augenhöhe liegt: in der Kaltblütigkeit. Die Flyers spielen ihr defensives System fast zur Perfektion, doch dieses «fast», dieses Restrisiko, wird irgendwann bestraft. Nach dem Rückstand rannten sie immer ungestümer an, doch die Lions behielten auch beim Verteidigen ihres eigenen Tors Ruhe und Überhand.
Für das dritte Spiel sind die Klotener nach der zweiten Heimniederlage dieser Playoffs, der ersten seit einem Monat, in Zugzwang. Morgen werden dann auch wieder Fans im grossen Zelt bei der Kolping-Arena zugelassen sein, das gestern aus Sicherheitsgründen geschlossen blieb. Nach den zwei businessmässigen Auftritten des ZSC scheint die Bezeichnung «Festzelt» für dieses Lokal allerdings ziemlich optimistisch. :razz: