Corona und anderi Biersorte

  • nzz am sunntig:


    Ausnahmezustand


    Grossveranstaltungen sind im ganzen Land verboten – bringt das den Schweizer Sport zum Stillstand? Das Porträt einer historischen Woche  


    Das Coronavirus hat den Sport in dieser Woche zunehmend stillgelegt. Der Sport lebt davon, dass sich möglichst viele Menschen möglichst nahe sind, auf einer Tribüne, in einer Mannschaft. Sport ist das Gegenteil von social distancing.


    Deshalb hat diese Woche eine seltene historische Dimension. Am Montag entschieden der Schweizer Fussball und das Schweizer Eishockey, ihre Meisterschaften in der spannendsten Phase zu unterbrechen. Am Dienstag erfuhr die Nationalmannschaft, dass die Uefa im Hinblick auf die Europameisterschaft mit allem rechnet – also auch mit einer Absage. Selbst für die Olympischen Spiele in Tokio, auf die sich derzeit viele Schweizer Sportler vorbereiten, gibt es inzwischen ein Szenario ohne Zuschauer. Es wäre ein Novum in der Sportgeschichte.


    Selten waren die sonst so mächtigen Organisatoren des Sports so ohnmächtig wie in diesen Tagen. In der Schweiz ganz besonders. Seit der Bundesrat vor gut einer Woche ein Verbot für Veranstaltungen von über tausend Personen erlassen hat, ist der Sport in der Schweiz so stark von den Verwerfungen des Coronavirus betroffen wie nirgends sonst auf der Welt. Bundesrat Alain Berset sagte am Freitag an einer Pressekonferenz in Bern, er sei sich der «weitreichenden Konsequenzen für den Sport» bewusst. In der kommenden Woche entscheidet der Bundesrat, ob das Veranstaltungsverbot über den 15. März hinaus verlängert wird. Alle rechnen damit.


    Was passiert, wenn scheinbar nichts mehr passiert?


    +++ Steffi Buchli führt komplizierte Gespräche +++


    Das Schweizer Eishockey ist mit am stärksten betroffen vom Coronavirus. In der letzten Runde der Qualifikation kämpfte der Meister aus Bern um den letzten Platz in den Play-offs und verfehlte ihn auf theoretisch dramatische Weise. Theoretisch, weil es still blieb in der Halle. Alle Spiele der Runde fanden ohne Publikum statt. Die Klubs verloren Geld, die Fans einen Fixpunkt.


    Das war am Tag, nachdem der Bundesrat sein Veranstaltungsverbot bekanntgegeben hatte. In der Szene war man verwundert bis verständnislos. Wie bitte? Am Montag beschloss die Eishockeyliga zudem, die Play-offs, den Saisonhöhepunkt ihres Sports, aufzuschieben – mit ungewissem Ausgang. Werden die Spiele überhaupt noch stattfinden? Und werden die Klubs den Fernsehvertrag überhaupt noch erfüllen können, der ihnen jährlich so viele Millionen Franken einbringt?


    Steffi Buchli leitet das Programm von ­MySports, dem Sender, der die exklusivsten Rechte am Schweizer Eishockey hält. Am Dienstag nahm sie an der Sendung «Club» des Schweizer Fernsehens teil, in der über die Auswirkungen des «Weltvirus» diskutiert wurde. Neben ihr sassen ein Epidemiologe, ein Medizinhistoriker, der Chefökonom der UBS. Buchli war die Vertreterin des Schweizer Sports – und in die ganz grossen Zusammenhänge geraten. Es war der Moment, in der ihre Stimmung «switchte». Sie habe gemerkt, dass da etwas komme, das wir in dieser Dimension noch nie gehabt hätten, sagt Buchli. «Es schwingt neu eine Schwere mit.»


    Das erzählt sie, als sie am Donnerstagmorgen in ihrem Büro bei dem Sportsender in Erlenbach sitzt. Nach und nach treffen ihre Mitarbeiter ein. Sie sind beschäftigt, auch wenn es derzeit keine Live-Spiele im Schweizer Eishockey gibt, die Ausnahmesituation ist noch so frisch, dass sie Geschichten hergibt.


    Die Fussballspiele der deutschen Bundesliga und vor allem die Partien der National League tragen den Sender, 35 Millionen Franken hat der Kabelnetzbetreiber UPC für die Eishockeyrechte bezahlt.


    In diesen Tagen werden Sondersendungen produziert, neue Formate erfunden, eiligst Gesprächsrunden mit Spielern zusammengestellt. Es ist auch ein kreativer Moment, aber was passiert, wenn die Krise Alltag wird und die Play-offs abgesagt werden? «Alles, was wir jetzt machen, sind eigentlich ­Verlegenheitslösungen», sagt Programmchefin Buchli.


    Verbände und Klubs hatten schnell erklärt, dass sie keine Geisterspiele wollen, weil sie nur Geld fressen. Sie bereiten sich nun auf einen Tag vor, von dem sie noch nichts wissen. Lukas Flüeler etwa, 31 Jahre alt, der Torhüter des Qualifikationssiegers ZSC Lions, sagt: «Wir stellen uns auf den 17. März ein. Diese Woche absolvierten wir ein Trainingslager, in dem körperlich gearbeitet wurde. Jetzt haben wir drei Tage frei. Danach geht es weiter mit Detailarbeit und der Vorbereitung auf die Play-offs. Man muss sich da wieder hineindenken.» Er sagt, er sei enttäuscht, «die Situation nervt», auch wenn er nicht jammern will, weil er weiss, dass es gerade Leute gibt, die wegen des Virus grössere Probleme haben als er. Am wichtigsten ist ihm aber, was alle Klubs und Verbände betonen: «Wir hoffen einfach alle, dass es trotzdem losgeht. Und zwar mit Zuschauern.»


    Die Programmchefin Steffi Buchli hingegen sagt: «Wir – oder besser gesagt: unsere zahlenden Zuschauer – wollen im Grundsatz ein Produkt.» Wenn es dann ein anderes Produkt sei, weil die Zuschauer fehlten, sei es halt so. Sie sieht ihre Abonnenten, die nicht bekommen, wofür sie bezahlt haben, die rund 200 Festangestellten und Freelancer, die für MySports arbeiten. Sie verheimlicht nicht, dass die Gespräche mit den Ligavertretern kompliziert sind. «Jeder hat seine partikulären Interessen», sagt sie, «das macht es schwierig. Umso wichtiger ist es daher, empathisch zu sein und die andere Person zu verstehen in einem Moment, in dem es ans Eingemachte geht.»


    Im Keller des Senders steht eine Art kleines Puppentheater, ein sorgsam ausstaffiertes Wohnzimmer, in dem stumm eine Familie aus Handpuppen sitzt. Dort sollte eine kleine Serie produziert werden, sie ist eine Idee von Steffi Buchli und ihrem Chefredaktor, geboren noch in der Zeit vor dem Coronavirus. Die Pilotfolge haben sie bereits gedreht. Sie heisst «Die PUCKS – Fascht ä Playoff-Familie».


    Der Titel der Serie könnte sich in einem Mass bewahrheiten, wie sich Steffi Buchli das natürlich nie gewünscht hat – und auch sonst niemand im Schweizer Eishockey.


    +++ Claudius Schäfer muss antworten, auch wenn er keine Antworten hat +++


    Im Fussball ist die Situation vergleichbar: Die Meisterschaft in der Super League und in der Challenge League sind unterbrochen, und niemand weiss, wann es weitergeht.


    Der Leader der Super League, der FC St. Gallen, ist die Mannschaft der Stunde: Fascht ä Meischter-Familie. Im letzten Spiel vor der Corona-Pause drängte sie den Meister aus Bern an den Rand einer Niederlage. Die St. Galler sind, wie man es im Sport sagt, im Flow.


    Der Trainer Peter Zeidler muss deshalb versuchen, diese Spannung irgendwie hoch zu halten. Auf den Samstag setzte er ein Testspiel gegen Vaduz an – als ginge die Meisterschaft einfach weiter.


    Im Training wirkte es am Freitag dennoch, als sei der FC St. Gallen zurückgefallen in eine zweite Winterpause. Peter Zeidler begrüsste die Zaungäste mit dem «Wuhan Shake», Fussinnenseite an Fussinnenseite. Die Mannschaft trainierte im Stadion. Am Spielfeldrand, auf den geheizten Ledersesseln der Ersatzbank, sassen drei Rentner, die Arme über den Bauch gefaltet. Hier kommt der Sport zum Stillstand.


    Zu einem der spielbestimmenden Akteure wird in dieser Zeit der CEO der Liga, Claudius Schäfer. Er ist vielgefragt, obwohl auch er ­wenig Antworten hat. Die Fussballklubs wollen keine Geisterspiele, die Fernsehpartner zeigen Verständnis, Schäfer lässt jetzt mögliche Spielpläne für die dreizehn ausstehenden Runden und die Viertel- und Halbfinals im Cup entwickeln. Der Termindruck ist geringer als im Eishockey, aber ab April wird es auch für die Fussballer eng, die Meisterschaft bis Ende Mai durchzuspielen – notfalls auch ohne Zuschauer? «Das Horrorszenario», sagt Claudius Schäfer.


    Ohne Zuschauereinnahmen verlieren die Vereine viel Geld, die Liquidität wird knapp, der Konkurs droht. 3300 Arbeitsplätze gibt es im Profifussball, Schäfer ist im Gespräch mit dem Eishockey, möglicherweise wollen die beiden Sportverbände den Bundesrat gemeinsam um finanzielle Hilfe bitten. Aber das sind erst Szenarien für die Zukunft, die Gegenwart ist mühselig genug.


    +++ Mauro Lustrinelli ist ratlos +++


    Und es gibt niemanden, der nicht mindestens von den Nebenwirkungen des Virus betroffen ist. Zum Beispiel Mauro Lustrinelli. Er ist nach dem ersten Wochenende ohne Spiele gerade ein wenig ratlos. Für den Trainer der Schweizer U-21-Nationalmannschaft beginnt eigentlich die entscheidende Phase, um das Kader für die wegweisenden EM-Qualifikationsspiele gegen Aserbaidschan und Frankreich zu bestimmen. Nun fehlt die wichtigste Informationsquelle – die Leistungen seiner Spieler. «Ich werde stattdessen Testspiele besuchen, telefonieren», sagt Lustrinelli am Dienstag. Die Angestellten des Sports wirken in diesen Tagen manchmal eher wie ihre eigenen Darsteller: Sie können nur so tun, als ob. Fast alle Spieler von Mauro Lustrinelli sind in der Schweiz beschäftigt, eine Ausnahme ist Nedim Bajrami. Bajrami schiesst am Abend für Empoli den Siegtreffer beim 3:2 gegen Cremonese in Italiens Serie B. Das ist eine kleine Nachricht. Aber eine gute. Immerhin.


    +++ Danilo Wyss tritt an, egal wo +++


    Im Radsport gibt es aus Italien schon lange keine guten Antworten mehr: Absage des Klassikers Mailand–Sanremo, Absage der Strade Bianche, Absage des Tirreno–Adriatico. Die schlechteste aller Nachrichten kommt aber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort trifft das Virus den Sport direkt.


    Der Schweizer Profi Danilo Wyss sagt: «Ich dachte im ersten Moment, ich muss plötzlich zur Dopingkontrolle.» So etwas schiesst Radsportlern durch den Kopf, wenn sie nachts unerwartet geweckt werden. Die UAE Tour, an der der Schweizer Profi aus dem Team NTT teilgenommen hatte, war in der Nacht auf den 28. Februar vorzeitig abgebrochen worden. Zwei Coronavirus-Verdachtsfälle hatten die Instanzen in den Arabischen Emiraten aufgeschreckt – und sie dazu veranlasst, alle Fahrer und Betreuer aus dem Schlaf zu reissen.


    Wyss und seine Kollegen wurden auf Yas Island unter Quarantäne gestellt. Statt sie zur nächsten Etappe starten zu lassen, untersagten ihnen die Behörden, das Hotel Crowne Plaza zu verlassen, auch nach ersten negativen Tests. «Die Kommunikation war katastrophal», berichtet Wyss. Niemand habe sagen können, wie es weitergehe. Mal sei es den Fahrern erlaubt worden, gemeinsam zu essen, dann wurden sie wieder angewiesen, in ihren Zimmern zu bleiben. «Angst vor dem Virus hatte ich zu keinem Zeitpunkt», sagt Wyss. «Aber zwei Wochen lang in diesem Hotel zu bleiben, wäre sehr hart gewesen.» Am 1. März, nach drei Tagen Quarantäne, durfte er zurück in die Schweiz. Wyss ging es besser als den Fahrern anderer Teams, die voraussichtlich noch bis zum 14. März im Crowne Plaza bleiben müssen, weil sie sich im gleichen Stockwerk befanden wie erkrankte Personen.


    Mehrere Radrennen, die in den nächsten Wochen stattfinden sollten, sind abgesagt. Wyss nimmt es gelassen. Er trainiert, als stehe der nächste Wettkampf unmittelbar bevor. Falls sein Team ihn aufbietet, wird Danilo Wyss laut eigener Aussage antreten – egal, an welchem Ort.


    +++ Lena Häcki hat immer Desinfektionsmittel dabei +++


    Im Biathlon finden die Wettkämpfe noch statt, aber die Schweizer Biathletin Lena Häcki hat am Freitag ein Weltcup-Rennen hinter sich, das sich nicht wie ein Weltcup-Rennen angefühlt hat. Sie erzählt am Telefon: «Nove Mesto gehört zu den Orten mit den meisten Zuschauern im Biathlon-Weltcup, da ist es schon bizarr, wenn die Tribünen leer sind und auch im Wald keine Zuschauer an der Strecke stehen. Für eine gute Leistung brauche ich ­jedoch eine gewisse Nervosität, ein Kribbeln im Körper.»


    Unterwegs spürte Häcki die fehlenden Zuschauer weniger. Im Wald hatte es immerhin Trainer und Betreuer, die sie anfeuerten und ihr Informationen gaben.


    Die Hygienemassnahmen, die in diesen Tagen ständig wiederholt werden, sind für Häcki hingegen Alltag. «Es ist wichtig, dass wir den ganzen Winter gesund bleiben, denn bei jeder Krankheit leidet die Form. Wir schütteln keine Hände, sondern begrüssen uns mit einem Fäustchen, Desinfektionsmittel haben wir immer dabei. Wird eine Kollegin krank, zieht sie in ein Einzelzimmer und isst auch nicht mit uns. Was jetzt für die breite Bevölkerung empfohlen wird, gilt für uns während der ­ganzen Saison.»


    +++ Lukas Wernli kennt keine Berührungsängste +++


    Die wichtigste Frage im Sport lautet derzeit: Sollen wir auch ohne Publikum weitermachen?


    In den grossen Sportarten erübrigt sich die Frage, solange Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen verboten bleiben. Aber wie sieht es in kleineren Sportarten aus?


    Lukas Wernli leitet die Geschäfte des Handballvereins HSC Suhr-Aarau. Als er an diesem Mittwochabend in die Schachenhalle fährt, wo sein Verein das Ligaheimspiel gegen St. Otmar St. Gallen austrägt, weiss er nicht, was passieren würde: Kommen mehr Zuschauer als sonst, weil andere Veranstaltungen abgesagt sind? Oder kommen weniger Zuschauer, weil die Angst grösser ist als die Langeweile?


    Am Eingang stehen zwei Männer mit einem Zähler in der Hand. 999 Zuschauer sind vom Kanton bewilligt. Neben der Toilette haben sie ein Fläschli mit Desinfektionsmittel bereitgestellt. Als das Spiel läuft, gibt Bundesrat Berset eine weitere Pressekonferenz.


    Das Coronavirus betrifft aber auch den Handball indirekt stark: Der Verband hat eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet: corona@handball.ch, pro Tag kommen bis zu fünfzig Nachrichten rein. Die Verunsicherung ist gross. Weil die kantonalen Bestimmungen unterschiedlich sind, gibt es in Herzogenbuchsee ein Geisterspiel, sind in Basel 200 Zuschauer zugelassen, in Zürich 800 und in Aarau 999. Lukas Wernli verliert langsam die Übersicht.


    Der Handballverband muss die Konfusion zulassen. Er kann zum Beispiel nicht überall Geisterspiele verordnen, um Gleichberechtigung zu schaffen. Sonst müsste er mit ­Schadenersatzklagen rechnen.


    In die Schachenhalle sind an diesem Abend 461 Zuschauer gekommen, halb so viele wie sonst. Die Angst ist stärker. Lukas Wernli sagt zwar, sein Sport kenne keine Berührungsängste. Die Spieler gingen sehr gelassen mit dem Coronavirus um.


    In der Gesellschaft sieht es anders aus. Berührungsangst ist das Gebot der Stunde.



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  • Den Post von BMW im Playoff Thread kann ich zu 100 % unterschreiben. Die Panik die im Moment abgeht ist nicht rational. Ich mache gewisse Vorsichtsmassnahmen wie zum Beispiel wasche die Haende oft. Ich werde jedoch beim naechsten Rangers Heimspiel ohne irgendwelche Angst im MSG sein.


    Tatsache ist dass fuer die ueberwaeltigende Mehrheit der Menschen, unter 65 und ohne chronische Krankheiten, der Virus nicht gefaehrlich ist. Es laeuft so ungefaehr ab wie eine Grippe und es braucht keine Hospitalisierung. Die 2 Schweizer Todesopher waren 74 respective 76 und hatten chronische Krankheiten, das 76 jaehrige Opfer hatte vor kurzem einen Herzinfarkt.


    Zu den Zahlen: In den USA hat es Stand heute 546 Faelle mit 22 Todesopfern, dies bei 320 Millionen Einwohnern. Jedes Jahr gibt es in den USA alleine zwischen 27,000 und 70,000 Todesfaelle wegen der Grippe, letztes Jahr waren es 37,000. Trotzdem gibt es keine Panik und das Leben kommt nicht zum Stillstand wegen der Grippe.


  • Tatsache ist dass fuer die ueberwaeltigende Mehrheit der Menschen, unter 65 und ohne chronische Krankheiten, der Virus nicht gefaehrlich ist. Es laeuft so ungefaehr ab wie eine Grippe und es braucht keine Hospitalisierung. Die 2 Schweizer Todesopher waren 74 respective 76 und hatten chronische Krankheiten, das 76 jaehrige Opfer hatte vor kurzem einen Herzinfarkt.


    Ja, das ist die Tatsache, aber du weisst schon was das heisst? Chronisch krank heisst nicht dass man in den nächsten Monaten sowieso stirbt. Das kann auch Diabetes oder Bluthochdruck sein, chronische Krankheiten mit denen man noch Jahre oder Jahrzehnte lebt und eine normale Grippe auch nicht gerade tödlich ist. Oder Leute die soeben den Krebs besiegt haben und jetzt auf dem Weg zur Besserung sind. Und diese soll man nun einfach gefährden oder sie sollen sich über Monate einfach zu Hause einigeln?


    Und ja, in den USA läuft alles normal: deshalb ordnen ja Apple, Microsoft oder Facebook auch für ihre Angestellten in den USA Home Office an. Das machen sie ja jedes Jahr bei der Grippewelle, oder nicht?

  • ABO+ Montag 09. März 2020 19:54
    Ein kurzer Appell an die Corona-Zweifler


    Die politische Reaktion auf das Virus sei «es huere Gschiss», finden Kritiker. Warum sie falsch liegen – und Menschenleben gefährden.

    Kommentar von Mario Stäuble


    Es gibt sie, die Corona-Skeptiker. Sie sind nicht wenige. Man findet sie in den Kommentarspalten der Onlinemedien, man hört ihre Diskussionen im S-Bahn-Abteil nebenan. Alles nur ein Hype. Aufgebauscht. Mediendrama. «Hört endlich mit diesem Theater auf! Es huere Gschiss, sorry!», schreibt einer zum jüngsten Lagerapport von SVP-Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli auf deren Facebook-Seite.


    Sorry zurück, liebe Kommentierer, aber ihr liegt falsch.


    Der Gedankengang ist zwar verständlich. Ich kenne auch niemanden persönlich, der am Virus erkrankt ist. Im Strassenverkehr sterben mehr Leute als durch Corona. Sogar beim Skifahren! Und deswegen soll ich mir meinen Alltag einschränken lassen? Nicht mehr ans Fussballspiel? Die Frühlingsferien nach Italien soll ich streichen?


    Es gibt viele Gründe für diese Haltung. Erstens ist das Virus unsichtbar. Während einer Pandemie brennen keine Wälder – was man in den Medien sieht, sind die Bilder der Reaktion auf die Gefahr: Mediziner in Schutzanzügen, ein entvölkertes Venedig. Irgendwie unheimlich, aber auch irgendwie unkonkret.


    Zweitens ist die Schwere der Bedrohung ungewiss. Die Fachleute denken in Szenarien. Im leichtesten Fall sterben in der Schweiz einige wenige Personen, im schlimmsten Fall Zehntausende. Wie es herauskommen wird? Weiss niemand.


    Das Problem ist also: Ich muss mir einen Eingriff in meine persönliche Freiheit gefallen lassen, um die Gefahr für die Sicherheit aller in den Griff zu bekommen.


    Was kompliziert klingt, prägt schon heute unseren Alltag. Innerorts fährt man Tempo 50, weil ansonsten die Zahl der Verkehrstoten rapide ansteigt. Ans Steuer mit über 0,5 Promille: verboten, weil zu riskant.


    Die Corona-Erkrankung ist ein neues Phänomen, also sind auch die Regeln zur Bekämpfung neu. Es gibt aber Forscher, die ein Berufsleben lang nichts anderes getan haben, als sich exakt mit diesem Problem auseinanderzusetzen. Und ihre Alltagsrezepte sind erstaunlich simpel: Hände waschen, Hände schütteln vermeiden, Abstand halten, in die Armbeuge husten, bei Fieber und Husten zu Hause bleiben.


    Es wird noch Wochen oder Monate dauern, bis wir wissen, wie schlimm die Epidemie tatsächlich sein wird. Können wir uns, liebe Skeptikerin, lieber Skeptiker, in der Zwischenzeit darauf einigen, die Empfehlungen der Ärzte einzuhalten?


    Denn warten kann Menschenleben kosten.


  • In die Schachenhalle sind an diesem Abend 461 Zuschauer gekommen, halb so viele wie sonst. Die Angst ist stärker. Lukas Wernli sagt zwar, sein Sport kenne keine Berührungsängste. Die Spieler gingen sehr gelassen mit dem Coronavirus um.


    Das finde ich auch noch eindrücklich. Im Gegensatz zu einem hier bekannten Schreiberling, dessen Name mir gerade entfallen ist und gesagt hat die Leute lassen sich nicht einschränken und gehen statt ans Hockeyspiel in Clubs, Restaurants und dergleichen. Das stimmt definitiv nicht wie man auch hier sieht. Und auch sonst zeigt sich dass die Situation nicht ganz normal ist. Ich habe geschäftlich viel mit Selbständigen zu tun. Ein bekannter Coiffeur, der zur Zeit 50 % freie Termine hat. Ein gutes Restaurant in Zürich wo man am Abend nur mit sehr frühzeitiger Reservierung reinkommt, wo mehr als die Hälfte kurzfristig absagt. Ein Kinobetreiber mit mehr als halb leerem Saal etc.


    Das ist natürlich nicht repräsentativ und könnte auch sein weil in Zürich gerade Hauptferienzeit ist und das Wetter so schön :nixwiss:

  • die Deutschen sind nun auch erwacht:


    "Fußball, Basketball, Eishockey - aber auch Konzerte: In den kommenden Wochen müssen sich die Menschen in Bayern auf Begegnungen ohne Publikum oder gar Absagen von Konzerten einstellen. Denn wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus will die bayerische Staatsregierung Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen bis zunächst Karfreitag untersagen. Darauf habe sich der schwarz-orange Koalitionsausschuss am Montag in München geeinigt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen. Die Details sollen am Dienstag in einer Kabinettssitzung beraten und beschlossen werden. Zuvor hatte die "Augsburger Allgemeine" berichtet."


    auch für USA sind die "Prognosen" momentan nicht toll, ob es dann wirklich so kommt oder nur für die Klicks geschrieben wurde.
    Hier paar Zeilen dazu:


    - Die Fallzahlen in den USA sind wohl bislang nur deshalb verhältnismäßig gering, weil kaum getestet wird. Fachleute halten das für das größte Versäumnis der Regierung im Kampf gegen das Virus.
    - Ein Problem dürfte auch das Gesundheitswesen in den USA sein: Selbst für Versicherte ist ein Arztbesuch oft teuer. Viele verzichten auf eine medizinische Behandlung - und gehen krank zur Arbeit.
    Ein Seuchen-Experte prognostiziert nun über 90 Millionen Infektionen in den USA mit dem Coronavirus.


    -> hoffen wir mal, dass das nicht so derb kommt, finde 90mio grad ein wenig sehr viel, aber wenn man den Virus nicht frühzeitig "eindämmt", dann verbreitet er sich auch entsprechend schnell. mal schauen was DE in der nächsten Zeit noch für Zahlen / Massnahmen präsentiert.


    unterdessen bin ich auch der Meinung: besser kurz einschränken, als andere damit zu gefährden.
    beim Norovirus macht man die Schotten auch für kurze Zeit dicht und hält die normalen Hygieneregeln ein, wieso soll man das hier nicht machen?


  • Ein Problem dürfte auch das Gesundheitswesen in den USA sein: Selbst für Versicherte ist ein Arztbesuch oft teuer. Viele verzichten auf eine medizinische Behandlung - und gehen krank zur Arbeit.


    Nicht nur das. Gerade im Niedriglohnsektor ist es üblich, dass man bei Krankheit nicht bezahlt wird, da lässt man sich von einer „leichten Erkältung“ oder „ein bisschen Fieber“ nicht so rasch abhalten.

  • ok, bei uns wird es auch immer besser oder wie der Horst H. in DE sagt "Konsequent inkosequent" oder hat man einfach zu viel Angst wegen der Wirtschaft?


    Neue Regeln


    Die Quarantäne im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus wird verkürzt, und die Massnahme trifft weniger Menschen. Wer sich infiziert hat, muss neu mindestens zehn Tage in Isolation bleiben. Und nur noch den Erkrankten sehr nahe stehende Personen müssen für mindestens fünf Tage in Quarantäne.


    Die Neuerung steht im Zusammenhang mit der vom Bundesrat am Freitag angepassten Strategie. Die starke Ausbreitung des Virus veranlasste das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Quarantäne-Regelungen zu ändern. Zuvor war wiederholt von 14 Tagen Isolation die Rede.


    Sämtliche Kontaktpersonen von Angesteckten ausfindig zu machen und zu informieren, sei mittlerweile unverhältnismässig, sagte Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG, am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch müsste ein grosser Teil der Bevölkerung in Quarantäne gesetzt werden.
    ....
    "Nicht mehr getestet wird, wer lediglich schwache Symptome einer möglichen Covid-19-Erkrankung und kein besonderes Risiko hat. «Wir appellieren an die Selbstverantwortung», sagte Masserey.
    Ein junger Mensch, dem es gut geht, muss sich selbst in die Isolierung begeben. Er darf solange nicht zurück in den Alltag, bis er einen Tag lang keine Symptome mehr gehabt hat, und er muss seine Umgebung auf die Erkrankung aufmerksam machen.


    -> ein junger Mensch und an die Selbstverantwortung appelieren: ja, dann ist ja nix mehr zu befürchten... :blosswech:


    das erinnert mich ein wenig an die Klimajugend, solange man nicht die eigenen (Flug)Ferien oder Games-/Streaming etc einschränken soll.
    Wobei man fairerweise sagen muss, auch hier kann man es nicht auf das Alter beschränken, es gibt auch (sehr sehr) viele Beschränkte, die nicht mehr als Jugendliche gelten....

  • Ja, das ist die Tatsache, aber du weisst schon was das heisst? Chronisch krank heisst nicht dass man in den nächsten Monaten sowieso stirbt. Das kann auch Diabetes oder Bluthochdruck sein, chronische Krankheiten mit denen man noch Jahre oder Jahrzehnte lebt und eine normale Grippe auch nicht gerade tödlich ist. Oder Leute die soeben den Krebs besiegt haben und jetzt auf dem Weg zur Besserung sind. Und diese soll man nun einfach gefährden oder sie sollen sich über Monate einfach zu Hause einigeln?


    Und ja, in den USA läuft alles normal: deshalb ordnen ja Apple, Microsoft oder Facebook auch für ihre Angestellten in den USA Home Office an. Das machen sie ja jedes Jahr bei der Grippewelle, oder nicht?



    Ich sage nicht in den USA laeuft alles normal, und Home Office ist sicher eine gute Idee wenn das moeglich ist. Fuer aeltere und gesundheitlich angeschlagene Menschen ist in den USA die Empfehlung des CDC so oft wie moeglich zu Hause zu sein und z.B. keine Fluege zu unternehmen.


    Was ich mit Panik vor allem meine ist die Absage von Events. Das bringt fuer mich gar nichts. In der Bundesliga, England, Frankreich, Spanien spielen sie in vollen Stadien und dort hat es sicher auch Schweizer oder Schweiz ansaessige Fussballfreunde die nach den Spielen in die Schweiz zurueck kehren.


    Eine Ansteckung kann ja sowieso nur bis zu circa 1.5 Meter Abstand erfolgen. Fuer mich persoenlich ist das Risiko einer Ansteckung in der Subway, im Fitness Club, im Office oder im Restaurant genau so gross, wenn nicht groesser, als bei einem Rangers Spiel.

  • Quote from Rangersfan

    In der Bundesliga, England, Frankreich, Spanien spielen sie in vollen Stadien.


    bald nicht mehr!



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  • Heute lese ich im on-line Blick dass sie einen Wettbewerb haben bei dem man 3 Tickets und Transport von der Schweiz zum Spiel Dortmund gegen Bayern gewinnen kann.


    Die SBB fuehrt immer noch taegliche Zuege von Mailand nach Zurich aus.


    Aber in der Schweiz wird kein Fussball gespielt, nicht einmal Challenge League vor kaum 2,000 Zuschauern.


    Go Figure

  • Quote from Rangersfan

    Heute lese ich im on-line Blick dass sie einen Wettbewerb haben bei dem man 3 Tickets und Transport von der Schweiz zum Spiel Dortmund gegen Bayern gewinnen kann.


    diese tix kannst du einrahmen und aufhängen! was du mit diesen tix garantiert nicht kannst:


    ins stadion zum spiel!


    und weiter gehts:


    https://1.ftb.al/jfeSNT4QJ4


    https://1.ftb.al/ayWBLPH1J4



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    Edited once, last by snowcat ().

  • Du magst sicher recht haben dass dieses Spiel auch ein Geisterspiel werden wird. Ob dieses Spiel Publikum haben wird oder nicht ist jedoch nicht mein Punkt, es geht mir um die Ironie der Sache.


    Wegen dem Virus darf in der Schweiz nicht einmal Fusbball in der Challenge League vor 2,000 Nasen gespielt werden. Zur gleichen Zeit aber verlost eine Schweizer Zeitung Tickets damit Schweizer in Deutschland ein Spiel mit 80.000 Zuschauern besuchen koennen.

  • Würdest du die Verlosung zurücknehmen, wenn du das so organisiert hast?


    Das ist dem Melitta-Mann dann auch egal, weil es nicht sein Problem ist, wenn das Spiel ohne Zuschauer durchgeführt werden wird.


    Es gibt sicher ganz viele solche Sachen momentan. Stelle mir gerade vor, dass Reisebüros eigentlich auch gleich schliessen könnten, weil sowieso grad niemand eine Reise buchen will für die nähere Zukunft...
    Ich nehme aber an,d ass sie trotzdem versuchen werden, Reisen an den Mann zu bringen.


  • Würdest du die Verlosung zurücknehmen, wenn du das so organisiert hast?


    Das ist dem Melitta-Mann dann auch egal, weil es nicht sein Problem ist, wenn das Spiel ohne Zuschauer durchgeführt werden wird.


    Es gibt sicher ganz viele solche Sachen momentan. Stelle mir gerade vor, dass Reisebüros eigentlich auch gleich schliessen könnten, weil sowieso grad niemand eine Reise buchen will für die nähere Zukunft...
    Ich nehme aber an,d ass sie trotzdem versuchen werden, Reisen an den Mann zu bringen.



    Ich gebe auf, das ist mein letztes Post ueber diese Sache. Es geht mir nicht um dieses Spiel, den Melitta Mann oder Reisebueros. Es geht um das Big Picture.


    Der Bundesrat hat heute gesagt dass eine Schliessung der Grenze keinen Sinn macht da der Virus omni-present ist. Aus dem genau gleichen Grund macht es auch keinen Sinn Fussball oder Eishockey Spiele zu verbieten.

  • Die sind ja auch nicht verboten ;)


    Man könnte echt meinen, du meinst, dass irgend jemand hier es gut findet, wenn Playoffs ohne Zuschauer stattfinden oder sonst alles eingeschränkt ist.


  • Die sind ja auch nicht verboten ;)


    Man könnte echt meinen, du meinst, dass irgend jemand hier es gut findet, wenn Playoffs ohne Zuschauer stattfinden oder sonst alles eingeschränkt ist.


    OMG! Du verstehst sicher dass ich mit "verboten" Geisterspiele anspreche.


    Ich bin einfach der Meinung dass es keinen Sinn macht Spiele in der Schweiz ohne Zuschauer auszufuehren. Es hat wahrscheinlich bei Buli Spielen mehr Schweizer im Stadion als bei einem GC Heimspiel im Letzigrund.


    Just my opinion, we agree to disagree

  • Quote from Rangersfan

    Ich bin einfach der Meinung dass es keinen Sinn macht Spiele in der Schweiz ohne Zuschauer auszufuehren. Es hat wahrscheinlich bei Buli Spielen mehr Schweizer im Stadion als bei einem GC Heimspiel im Letzigrund.


    wie gesagt, nicht mehr lange. ganz (mittel-) europa zieht nach!


    und ja, es geht ums gesamtbild! in diesem finde ich es ua. absolut unverständlich und unverantwortlich, die grenzen nach (bzw. vor allem von) italien nicht zu schliessen.



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