• Langnau war eigentlich schon tot – wie die Tiger im Emmental auferstanden

    Die SCL Tigers sind vom Sanierungsfall zum Vorzeigemodell geworden. Möglich gemacht hat das die Vision eines Mannes, der den Klub und seine Infrastruktur grundlegend umgekrempelt hat.
    Daniel Germann, Langnau10.02.2024, 16.36 Uhr 10 min

    Die Halle als Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort: Die Tigers können auf ein treues Publikum zählen.

    Im Emmental scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Fährt man von Bern aus Richtung Luzern, taucht man ein in eine Welt, in der noch alles scheint, wie es schon immer gewesen ist: lieblich, unaufgeregt, manchmal fast schon ein wenig rückständig. Die Gegend wird von der Landwirtschaft und den topografisch schwierigen Umständen geprägt. Zu den wichtigsten Branchen gehören gemäss der Website der Gemeinde das Baugewerbe, das Gesundheitswesen, der Dienstleistungs- und Gewerbesektor, die Forst- und Landwirtschaft und die Handwerksbetriebe.

    In der Aufzählung fehlen die SCL Tigers. Der Klub bietet mittlerweile 60 Personen eine Vollzeitbeschäftigung. Doch das Bemerkenswerte an ihm ist eigentlich, dass es ihn überhaupt noch gibt. Mehr als einmal standen die SCL Tigers unmittelbar vor dem Lichterlöschen. Peter Jakob, der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass es nicht so weit gekommen ist, sitzt an diesem Dienstagnachmittag in der Geschäftsstelle gleich neben der Eishalle und sagt: «Wir sind heute schuldenfrei, und das sagen zu können, macht mich schon ein wenig stolz.»

    Als Jakob vor 15 Jahren die Zügel im Klub übernahm, stand die Uhr nicht auf fünf vor, sondern eher auf fünf nach zwölf. Verbindlichkeiten von rund drei Millionen Franken lasteten auf ihm. In der Gemeinde rechnete man mit dem baldigen Ende jener Institution, die während Jahrzehnten die Quelle des Stolzes für die ganze Region war. Das Emmental ist strukturschwach und gehört zu den grössten Bezügern im kantonalen Finanzausgleich. Der Steuerfuss in Langnau ist einer der höchsten im finanzschwachen Kanton Bern. Bernhard Antener war während 24 Jahren Gemeindepräsident in Langnau. Vor zwei Jahren sagte er der NZZ: «Wir sind eines der Armenhäuser der Schweiz. Das lässt die Menschen zusammenrücken.»

    Der Präsident geht auf Betteltour

    Die Ilfishalle, die heute dem Zeitgeist entsprechend «Emmental Versicherung Arena» heisst, ist Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort einer ganzen Region. Wenn die Tigers spielen, füllen über 5000 Zuschauer die Arena. Eine Studie aus dem Jahr 2016 bezifferte die Wertschöpfung des Klubs auf jährlich 15,9 Millionen Franken. Und dieses KMU stand bei Jakobs Einstieg vor dem Aus. Phantasten aus dem Umfeld hatten es mit einer blauäugigen Vorwärtsstrategie gegen die Wand gefahren.

    Eigentlich hat er ein Denkmal verdient: Peter Jakob, Präsident der SCL Tigers.

    Jakob erzählt, wie er mit seinem neuen Team die Sponsoren besucht und um Hilfe gebettelt habe und auf breite Ablehnung gestossen sei. Für viele von ihnen war er einfach der nächste in der nicht abreissenden Reihe der Bittgänger, die im Namen des Klubs auf Betteltour gehen mussten, Besserung versprachen und dieses Versprechen eher früher als später brachen. Jakob sagt, einer der wichtigsten Partner habe ihm am Ende des Gesprächs während 20 Minuten «alle Gottschand gesagt», wie man im Emmental eine Strafpredigt nennt. «Er hat uns aufgezählt, wie oft man ihn angelogen und angebettelt habe. Nun helfe er, ein letztes Mal. Aber wir sollten uns ja nie mehr erdreisten, in seinem Büro aufzutauchen und ihn um Hilfe zu bitten.»

    Das Vertrauen in den Klub und seine Führung war auf den Nullpunkt gesunken. Niemand wusste mehr, wie die offenen Rechnungen beglichen werden sollten. Die Gemeinde half mit einem Darlehen in der Höhe von 800 000 Franken, um zumindest den wichtigsten Verbindlichkeiten wie den Löhnen und Sozialabgaben nachkommen zu können. Die Hilfe war sogar im Eishockey-verrückten Langnau umstritten. Die Leserbriefspalten der lokalen Medien waren voll mit kritischen Beiträgen. Jakob erzählt: «Meiner Frau wurde beim Einkauf im Dorf vorgeworfen, sie glaube ja wohl selbst nicht, dass auch nur ein Rappen dieses Geldes jemals zurückfliessen werde.»

    Das Geld floss zurück, und nicht nur das. Nächsten Monat werden die SCL Tigers auch den Covid-Kredit des Bundes in der Höhe von 2,8 Millionen Franken zurückbezahlt haben. Anders als etwa der HC Ambri-Piotta tasteten die Langnauer dieses Geld nicht an, obwohl die Verlockung, es in die Verstärkung des Kaders zu investieren, gross war.

    Ein Klub für das Volk: Spieler feiern mit den Fans.

    Mittlerweile ist das Vertrauen in die SCL Tigers und ihre Klubpolitik wiederhergestellt. Der Tiger ist wieder kreditwürdig. Dazu beigetragen hat die Rückkehr zu den Wurzeln. Mit Ausnahme des Headcoachs (der Zürcher Thierry Paterlini) sind heute praktisch alle Schlüsselpositionen wieder mit Menschen besetzt, die ihre Karrieren in Langnau begonnen haben. Die Nachwuchstrainer Martin Gerber und Samuel Balmer, Paterlinis Assistent Steve Hirschi und auch der Leiter der Abteilung Sport, Pascal Müller, sind in der Nachwuchsabteilung des damaligen SC Langnau gross geworden.

    Der Titel 1976 als einsamer Höhepunkt

    Das aber bedeutet nicht zwangsläufig Ruhe. Die SCL Tigers sind weiterhin ein Volksklub, und in einem Volksklub will das Volk mitreden. Es gibt im Emmental kaum jemanden, der nicht eine Meinung dazu hat, wie man den Tiger führen müsste. Man träumt von vergangenen Erfolgen, welche die Region vorübergehend aus ihrer relativen Bedeutungslosigkeit herausrissen und national bekannt machten.

    In den 1970er Jahren war Langnau eine Macht im Schweizer Eishockey. Der SCL lieferte sich mit dem SCB und dem EHC Biel in einer Art kantonalbernischer Meisterschaft mit nationaler Beteiligung ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft im Land. Das Nationalteam war durchzogen mit Spielern aus dem Emmental. Trotzdem ist der Palmarès der Tigers relativ schnell aufgezählt. Meister 1976. Dazu noch drei zweite Ränge 1970, 1977 und 1978. Fertig.


    Der eine Titel hat die Ansprüche geformt, die noch heute nachhallen. Man möchte auch in Langnau wieder mit den Besten mitspielen. Pascal Müller sagt: «Viele Anhänger interessieren sich nur dafür, ob wir das nächste Spiel gewinnen, oder vielleicht noch dafür, wer auf die kommende Saison zu uns stösst. Doch was alles dahintersteckt und wie komplex es ist, kümmert kaum jemanden. Als wir zu Beginn der Saison einige Male in Folge verloren, kamen bereits die ersten E-Mails, wann wir endlich einen Ersatz-Ausländer für den verletzten Anthony Louis oder den gesperrten Sean Malone holen würden.»

    Gibt sich nicht mit Almosen zufrieden: Sportchef Pascal Müller (Keystone / Marcel Bieri)

    Müller sagt, gerade in Langnau müsse man die Anhänger abholen, damit sie auch mitziehen. Es ist ein Recht, das sich ihr harter Kern durch die Treue und Leidenschaft verdient hat. Schon zweimal hat der Anhang mitgeholfen, die Tigers nach einem Abstieg in der damaligen Nationalliga B zu sanieren. Selbst als Langnau vorübergehend in die erste Liga abstieg, strömten im Schnitt 4000 Zuschauer ins Stadion und halfen so, den Klub wirtschaftlich zu sanieren. Statt die Derbys gegen den SC Bern feierte man halt jene gegen Thun-Steffisburg.

    Der Emmentaler ist ein genügsamer Mensch. Die unwirtlichen Lebensumstände in der rauen Natur haben ihn Bescheidenheit gelehrt. Niemand verkörperte diese besser als Simon Schenk, der ehemalige Meisterstürmer in Langnau, der zum Nationalcoach aufstieg und später der erste CEO der ZSC Lions wurde. Der vor knapp vier Jahren verstorbene Schenk kehrte nach 20 Jahren in Zürich zu seinen Wurzeln zurück und widmete sich dem Aufbau der Nachwuchsabteilung.

    Schenk hätte seine helle Freude daran, wie sich die SCL Tigers und ihre Infrastruktur unter Jakob weiterentwickelt haben. Die Erneuerung der Ilfishalle, die 2012 fertiggestellt wurde, für 33 Millionen Franken war ein Meilenstein in der Klubgeschichte. Momentan entsteht auf dem ehemaligen Gelände der Markthalle, wo jahrelang Vieh-Ausstellungen stattgefunden haben, ein Anbau, der in der Schweiz vorbildlich ist und den Klub infrastrukturell in eine neue Ära katapultiert. Peter Jakob nennt es die Zündung einer neuen Phase. «Wie weit die Rakete damit fliegt, werden wir sehen.»

    Auf einer Parzelle von 4000 Quadratmetern gleich neben der Eishalle lässt der Klub einen hochmodernen Anbau hochziehen, über fünf Stöcke verteilt, mit einem zweiten Eisfeld, einem weiteren Garderobentrakt, einer Gastrozone und einem hochmodernen Athletikbereich, in dem auch eine Tartanbahn, auf der mit Spikes gelaufen werden kann, nicht fehlt. Man denkt in Langnau auch an andere Sportler wie die starke Leichtathletik-Fraktion, die etwa die Leichtathletinnen Lisa Urech und Noemi Zbären hervorgebracht hat. Im September 2024 soll der 20 Millionen Franken teure Anbau fertig sein. Mit Stolz führt Peter Jakob den Besucher aus Zürich über die Baustelle. Arbeiter, denen er dabei begegnet, begrüsst er mit Vornamen. Für alle ist er der Peter, ein Patron alter Schule, nahbar und verlässlich.

    Eigentlich hat Jakob in Langnau längst ein Denkmal verdient. Er hat den Klub zuerst gerettet und ihn nun auch auf eine Basis gestellt, die ihn künftig tragen kann. Trotzdem sah er sich wiederholt dem Vorwurf ausgesetzt, den Klub zu Tode zu sparen. Der ehemalige Gemeindepräsident Antener sagte der NZZ vor zwei Jahren: «Jakob ist ein Glücksfall für die Tigers. Er will nicht, dass ihm ein Denkmal gesetzt wird. Etwas Anerkennung würde ihm schon genügen. Doch es gibt in Langnau immer noch Menschen, die glauben, das Geld regne einfach so von der Moosegg herunter.»

    Finanziert haben die Sanierung der Eishalle und den neuen Trainingskomplex praktisch ausschliesslich Peter Jakob und sein Familienunternehmen. Jakob ist das, was man in den USA einen Selfmademan nennt. 1904 hatte sein Grossvater in Trubschachen die Seilerei Jakob gegründet. Sie produzierte Hanfseile für die lokale Landwirtschaft. Zusammen mit seinem älteren Bruder machte Jakob aus dem Familienbetrieb einen international tätigen Konzern mit 750 Angestellten und Ablegern in Deutschland, Frankreich, Österreich, den USA und Vietnam.

    Wer Langnau, seinen Anhang und dessen Skepsis gegenüber dem Geld verstehen will, der muss die Geschichte dieses wundersamen Dorfes kennen. Über Jahrzehnte wurde das Dorf von ein paar alteingesessenen Familien kontrolliert; den Lehmanns, Joosts, Mauerhofers oder Röthlisbergers, die durch den Export von Emmentaler Käse reich geworden waren und im Volksmund nur «d’Chäs-Herre» genannt wurden.

    Der Liedermacher und Ur-Langnauer Tinu Heiniger, der seine Leidenschaft für den SCL bereits 1976 in einem Lied verewigt hat, erzählte, diese «Chäs-Herre» hätten den Fortschritt in der Talschaft lange behindert, um weiterhin günstige Arbeitskräfte zu haben, und auch, um ungestört ihren Geschäften nachgehen zu können. «Zur Weihnachtszeit bin ich als Pfadfinder mit meinen Kameraden jeweils zu sogenannt armen Familien gegangen, habe zusammen mit ihnen Weihnachten gefeiert und ihnen Geschenke mitgebracht, die Frauen aus dem Dorf genäht und gelismet hatten.» Es sei ihm jeweils peinlich gewesen. «Denn obwohl gut gemeint, waren es Almosen der Reichen für die Armen.»

    Ein aussergewöhnliches Geschäftsmodell

    Mit Almosen gibt man sich heute auch im Emmental nicht zufrieden, auch im Sport nicht. Müller sagt, natürlich wolle auch er Erfolg haben. «Wir wollen uns stetig weiterentwickeln und wie Ambri oder die Rapperswil-Jona Lakers wenn möglich jedes Jahr die Play-ins oder direkt die Play-offs erreichen. Das muss das Ziel der Organisation sein.»

    Nun wünschen sich Peter Jakob, Pascal Müller und ihre Mitstreiter, dank der massiv verbesserten Infrastruktur und einer gesunden Basis den nächsten Schritt machen zu können und den steten Überlebenskampf endlich hinter sich zu lassen. Ihr Kurs wird unter den Spielern und ihren neuen Agenten wahrgenommen. Langnau geniesst auch bei ihnen wieder Respekt und Kredit. Doch wohin dieser neue Kurs den Klub treiben wird? Wer soll das schon wissen.

    Das Geschäftsmodell, das den Klub unter Peter Jakob heute trägt, zeugt von der grossen Leidenschaft für die SCL Tigers. Die Firma Jakob Rope Systems befindet sich ganz im Familienbesitz. Aktionäre, die eine Dividende erwarten, gibt es nicht. So flossen die Gewinne der letzten Jahre zu einem grossen Teil in den Eishockey-Klub und seine Infrastruktur. Wie viel das ist, sagt Jakob nicht.

    Jakob wird im August 68 Jahre alt. Die Firma hat er seinem ältesten Sohn überschrieben. Doch bereits hegt er neue Pläne für den Klub. In der Nähe der Arena möchte er ein Hotel verwirklichen, das aus nachhaltigem Baumaterial gefertigt ist und die Infrastruktur vervollständigt und perfektioniert. Es wäre die Vollendung der Vision eines Mannes, der durch und durch ein Tiger ist.


    Abtrünnige, Legenden, Meistermacher und ein Stanley-Cup-Sieger

    Der Käse mag das wichtigste Exportgut aus dem Emmental sein. 60 Prozent der jährlichen Produktion von 17 200 Tonnen werden ins Ausland verkauft. Doch fast so bedeutend sind die Eishockeyspieler, die ihre Wurzeln in der hügeligen Landschaft haben und teilweise in der ganzen Schweiz spielten. Je professioneller das Eishockey wurde, desto schwieriger fiel es dem Klub, seine besten Spieler zu halten. Der Exodus begann mit Bruno Wittwer, der seinen Transfer zum SC Bern zu Beginn der 1970er Jahre mit einer Eishockey-freien Saison und einem Winter beim HC La Chaux-de-Fonds erstritt, weil ihm die damalige Langnauer Klubführung die Freigabe verweigerte.

    Wittwer bezahlte den Wechsel zum Rivalen mit dem Preis, nicht zu jener legendären Mannschaft zu gehören, die 1976 den bis heute einzigen Titel in der Geschichte des Klubs holte. 18 von 22 Spielern aus dem damaligen Team stammten aus dem Dorf. Die Namen der wichtigsten Spieler kennt im Emmental noch heute praktisch jedes Schulkind. Simon Schenk, Jürg Berger, Michael Horisberger, Rolf Tschiemer, Alfred Bohren, Edi Grubauer oder Peter Lehmann, den sie in Anlehnung an den legendären russischen Verteidiger im Emmental nur Ragulin nannten. Spielertrainer war der Kanadier Jean Cusson, der seine Popularität unter anderem auch dem Umstand schuldete, dass er den Bauern im Sommer beim Heuen half. Als Coach an der Bande stand Hans Brechbühl.

    Es gab später eine Zeit, in der praktisch in jedem Nationalliga-A-Team mindestens ein Langnauer stand. Die Langnauer Talentschmiede war landesweit bekannt und anerkannt. Ihr bekanntester Spross wurde wohl Reto von Arx, der noch im Junioren-Alter zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Jan zum HC Davos wechselte und dort Arno Del Curtos Schlüsselspieler auf dem Weg zu insgesamt sechs Meistertiteln wurde.

    Doch der international bekannteste Langnauer ist bis heute Martin Gerber geblieben. Der Wille und das Talent des Torhüters wurden in Langnau zuerst verkannt und Gerber ausgemustert, ehe er sich über Signau und Thun im Amateur-Eishockey doch einen Platz im Tor der Tigers erkämpfte und es von dort bis in die NHL und 2006 zum Stanley-Cup-Sieger mit den Carolina Hurricanes schaffte. Später spielte er auch noch in der russischen KHL für Atlant Mytischschi, ehe er seine Karriere in der Schweiz beim EHC Kloten ausklingen liess.

    Danach kehrte der heute 49-Jährige nach Langnau zurück, wo er Nachwuchstrainer und Mitgründer des sogenannten Hauses der Young Tigers wurde. Die Liegenschaft ist eine betreute Wohngemeinschaft für zwölf Nachwuchsspieler, welche die Attraktivität der SCL Tigers für junge Spieler steigern soll. Um Ideen war man in Langnau noch nie verlegen.

    Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

    SCL Tigers: Wie der Verein vom Sanierungsfall zum Vorzeigemodell wurde (nzz.ch)

    Russki standart!!

  • so, hier sollte es hingehören::

    Läuft ja sonst nicht viel

    Die Top-10-Torschützen der NL
    Vier Schweizer sind mittendrin statt nur dabei, weil ein Schwede obenaus ragt

    Die National League steht vor dem letzten Stück, bevor die Playoffs beginnen. In dieser Phase wird sich auch das Rennen um den Topscorer entscheiden, wo mit Calvin Thürkauf endlich wieder einmal ein Schweizer die Chance hat, sich diesen Preis zu erobern. Der Topscorer muss sowohl Tore als auch Assists sammeln, doch wer würde Torschützenkönig werden?

    Dafür haben wir uns durch die Statistiken gestöbert und einmal die Torschützenliste der National League ins Visier genommen. Dabei fällt auf: nur gerade fünf Teams haben es in die Top-10 geschafft, wobei ein Verein gleich dreifach vertreten ist.

    6. 🇱🇻 Rudolfs Balcers (ZSC Lions) - 18 Tore

    Auf dem sechsten Platz finden sich gleich fünf Akteure aus vier verschiedenen Vereinen, weswegen wir nicht mit dem zehnten, sondern unsere Top-10 mit dem sechsten Platz beginnen.

    Der Lette ist der Vollstrecker schlechthin in diesem Ranking. Kein Spieler in den Top-10 hat weniger Assists gesammelt, weswegen er in der Topscorer-Wertung zurzeit nur auf Platz 26 liegt.

    Balcers kam erst auf diese Saison hin zu den Lions, konnte aber gleich voll einschlagen. Fünf weitere Tore fehlen ihm noch, bis er seinen persönlichen Saison-Rekord aus der Aktiven-Zeit eingestellt hat. Damals hatte er dafür in der AHL allerdings auch 67 Spiele zur Verfügung. Zu seinem absoluten Rekord wird es ihm nicht mehr reichen, hat er doch in der WHL, einer kanadischen Juniorenliga, für die Kamloops Blazers gleich 40 Tore in der Regular Season erzielt.

    6. 🇨🇭 Fabrice Herzog (EV Zug) - 18 Tore

    Ebenfalls 18 Tore, allerdings einen Assist mehr feiern durfte der Zug-Stürmer Fabrice Herzog. Daher findet auch er sich nicht in den Top-20 der Topscorer, konnte dafür seinem Team mit vielen wichtigen Treffern weiterhelfen.

    Fabrice Herzog brachte den Zuger Fans schon viel Freude in dieser Saison

    Mit seinen 18 Treffern hat er seinen Aktiv-Rekord bereits egalisiert, auch in der Saison 2020/21, damals für den HC Davos, erreichte er diese Marke, benötigte dafür allerdings elf Spiele weniger, als er diese Saison schon gespielt hat.

    Auch er konnte zuvor in einer kanadischen Juniorenliga auf sich aufmerksam machen und erzielte in der QMJHL für die Québec Remparts 32 Tore. Er wurde 2013 im NHL-Draft an 142. Stelle von den Toronto Maple Leafs gezogen, lustigerweise genau an gleicher Stelle, wie der obenerwähnte Balcers von den San Jose Sharks zwei Jahre später.

    6. 🇨🇭 Christoph Bertschy (HC Fribourg-Gottéron) - 18 Tore

    Und gleich noch ein Schweizer, der sein Glück in Nordamerika versucht hat, schafft es ins Ranking. Bertschy spielt eine ganz starke Saison, eine bessere hatte er einzig bei Lausanne in der Saison 2020/21, als er auf 40 Scorerpunkte gekommen ist und dabei 23 Tore erzielt hat.

    Ob er in den sieben verbleibenden Spielen noch sechsmal trifft, ist fraglich. Allerdings steht er ebenfalls bei 18 Assists und 36 Scorerpunkten und könnte damit seine 40 Punkte aus Lausanne übertrumpfen.

    Bertschy war wie gesagt ebenfalls in Nordamerika, hat aber nicht in einer Juniorenliga gespielt, sondern häufig in der AHL, wo er auch fleissig punktete und sich für neun Einsätze in der NHL für die Minnesota Wild empfehlen konnte. Ebendiese Wilds waren es auch, die den Freiburger 2012 als Nummer 158 gezogen hatten.

    6. 🇸🇪 Lucas Wallmark (HC Fribourg-Gottéron) - 18 Tore

    Die Marke, welche Bertschy gerne erreichen würde, hat sein schwedischer Teamkollege bereits geknackt. Dank 22 Assists, die zu den 18 Toren hinzukommen, steht er bei 40 Punkten, was in der Topscorer-Wertung Platz 5 bedeutet.

    Häufiger punktete er einzig in der AHL für die Charlotte Checkers in der Saison 2017/18, als er in 45 Spielen unglaubliche 55-mal scoren konnte, allerdings auf 17 Toren stehen blieb. Mehr Tore erzielte er ein Jahr zuvor, als er 24-mal für die Checkers jubeln durfte.

    Diese zwei starken Saisons bescherten ihm 187 Einsätze in der NHL für die Carolina Hurricanes, die Florida Panthers und die Chicago Blackhawks, wobei die deutliche Mehrheit auf das Konto der Hurricanes geht, wo er unter anderem mit Nino Niederreiter zusammenspielen durfte. Gedraftet wurde Wallmark von ihnen einst als Nummer 97.

    6. 🇨🇦 Michael Joly (HC Lugano) - 18 Tore

    Kommen wir zum letzten Spieler, der bisher 18 Tore erzielt hat. Michael Joly passt nur bedingt zu den anderen vier Spielern, hat er doch ebenfalls in kanadischen Junioren-Ligen und in der AHL Einsätze sammeln können. Bei ihm fehlt allerdings jeglicher NHL-Einsatz und auch im Draft wurde er nie berücksichtigt.

    Wohl auch aufgrund des ausbleibenden Call-Ups eines NHL-Clubs wechselte Joly 2021 nach Finnland und konnte dort in der ersten Saison mit 50, in der zweiten Saison gar mit 64 Scorerpunkten brillieren, darunter durfte er 25-mal höchstpersönlich jubeln.

    Seinen Rekord an Toren erzielte er im Aktiven-Bereich übrigens bei den Colorado Eagles in der ECHL, wo er 41 Tore erzielen konnte. In den Junioren gelangen ihm einst sogar 44 Tore in einer QMJHL-Saison.

    (Not-so-)Fun-Fact: Der 28-jährige Kanadier ist zwar drittbester Liga-Topscorer, im Flammentrikot sieht man ihn allerdings nicht, da einer, der später noch erwähnt wird, noch mehr Punkte für Lugano sammeln konnte.

    4. 🇨🇿 Matej Stransky (HC Davos) - 19 Tore

    Auch den vierten Platz teilen sich zwei Akteure. Einer davon ist der Tscheche Matej Stransky. In seiner bereits dritten Saison in Davos hinkt er den von ihm durch seine guten Leistungen in den Vorsaisons selbst gesteckten hohen Erwartungen allerdings noch leicht hinterher.

    Kam er in den Vorsaisons noch auf 46 bzw. 42 Scorerpunkte, steht er zurzeit "erst" bei 33. Auch was seinen National-League-Saison-Torrekord angeht, muss er sich sputen, will er die Marke noch erreichen. Bei nur neun verbleibenden Spielen müsste er noch siebenmal treffen, um zumindest seinen Wert aus der Saison 2021/22 zu egalisieren.

    Wurde er nach starken Leistungen in der WHL als Nummer 165 von den Dallas Stars gedraftet, hatte er noch zwei überragende Saisons in ebendieser Liga mit 81, bzw. sogar 85 Punkten, wurde dennoch nicht für das NHL-Team berücksichtigt und musste den Umweg über die AHL, Russland, Schweden und Tschechien gehen, wo er immerhin einmal eine Saison mit 52 Punkten hatte, unter denen 33 als Tore zu seinen Gunsten stehen.

    4. 🇸🇪 Jesper Frödén (ZSC Lions) - 19 Tore

    Dieser Schwede wurde nicht gedraftet, schaffte es dafür auf 21 Einsätze in der höchsten nordamerikanischen Hockeyliga, durfte siebenmal für die Boston Bruins und 14-mal für die Seattle Kraken auflaufen. Daneben nahm er vor allem mit den Coachella Valley Firebirds die AHL auseinander, erzielte in 44 Spielen letzte Saison 25 Tore und bereitete 22 weitere vor, wodurch er auf 47 Scorerpunkte kam.

    Ein Wert, welchen er diese Saison nicht mehr erreichen dürfte, steht er doch zurzeit bei 34 Scorerpunkten. Macht er allerdings in den letzten sieben Spielen der Lions so weiter wie bisher, dürfte er seine höchste in Europa aufgestellte Marke von 40 Punkten ein zweites Mal erreichen.

    3. 🇨🇭 Lino Martschini (EV Zug) - 20 Tore

    Knapp aufs Podest geschafft hat es mit Lino Martschini ein weiterer Schweizer. Dank 17 Assists, welche zu seinem Scorerkonto hinzukommen, liegt er in der Topscorer-Wertung auf Rang 10, ist damit auch nach Punkten erfolgreichster EVZ-Spieler.

    Martschini lebt den EVZ, hat bis auf zwei Saisons in der OHL, wo er für die Petersborough Petes in 124 Spielen starke 114 Scorerpunkte sammelte, Zug nie verlassen.

    Auch Martschini wird seine persönliche Bestleistung wohl nicht verbessern, hat er doch in der Saison 2015/16 gleich 54 Scorerpunkte gesammelt. Aus eben dieser Saison stammt auch sein Torrekord von 26 Toren in einer Saison, welcher aufgrund der acht verbleibenden Spiele zwar nicht unmöglich zu erreichen ist, allerdings eher unwahrscheinlich scheint.

    2. 🇨🇭 Calvin Thürkauf (HC Lugano) - 23 Tore

    Der 26-Jährige ist ein Teil des Duos, welches wohl das Rennen um den Liga-Topscorer unter sich ausmacht. Mit 30 zusätzlichen Assists steht er bei fantastischen 53 Scorerpunkten, ist damit gleichauf mit der Nummer 1 der Liga. Gleichzeitig ist er auch der Grund, wieso Michael Joly trotz 45 Punkten bei den Bianconeri nicht das Flammentrikot tragen darf.

    Man darf es eine Leistungsexplosion nennen, welche der Zuger diese Saison durchmacht. Noch nie kam er in der National League auch nur annähernd an die Werte, welche er bisher liefert. Seine bisher beste Saison in der NL war die von 2021/22, als er 16 Tore erzielte und am Schluss 35 Scorerpunkte auf dem Konto hatte.

    Noch in der Juniorenzeit gelangen ihm in der WHL für die Kelowna Rockets 70 Punkte in 60 Spielen, was ihm den 185. Draftpick im Jahre 2016 ermöglichte. Gedraftet wurde er damals von den Columbus Blue Jackets, wo er rund dreieinhalb Jahre später auch seine einzigen drei NHL-Einsätze absolvieren durfte.

    1. 🇸🇪 Marcus Sörensen (HC Fribourg-Gottéron) - 29 Tore

    Zusammen mit Calvin Thürkauf führt der 31-jährige Schwede die Topscorer-Liste mit 53 Punkten an. Auch er braucht die verbleibenden Spiele nicht mehr, um seinen bisherigen Rekord zu übertreffen.

    Noch nicht mal in den Junioren hatte er je einen so hohen Wert vorzuweisen, wobei angemerkt werden muss, dass er in der U18 von Södertälie damals in nur 15 Spielen 42 (!) Punkte erzielte. Zusammen mit den 17 in der U20 in der gleichen Saison kann man es als 59 Scorerpunkte werten, womit der Gottéron-Akteur doch noch ein Ziel haben dürfte. Dafür fehlen ihm nur noch sechs Punkte, was aufgrund seiner momentanen Form und noch sieben ausstehenden Spielen durchaus realistisch erscheint.

    Mit seinen überragenden Leistungen in den schwedischen Juniorenligen verdiente er sich übrigens 2010 auch einen Platz im Draft der NHL. Als 104. Spieler wurde er damals von den Ottawa Senators gezogen, spielte allerdings nie für die Kanadier. NHL-Einsätze sammelte er damals zusammen mit Timo Meier für die San Jose Sharks, 226 waren es an der Zahl.

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    Okay, aber wo sind d'FCZ - Spieler ??

  • Der nächste überführte Diver

    2000 Franken muss Martin Frk (30), Stürmer der Rapperswil-Jona Lakers, der Liga zahlen, weil er im Spiel gegen den HC Davos am 4. Februar ein Foul vorgetäuscht hat. Auch die Verfahrenskosten muss der Tscheche übernehmen, die sind allerdings bereits im Betrag inbegriffen.

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    Der nächste überführte Diver

    2000 Franken muss Martin Frk (30), Stürmer der Rapperswil-Jona Lakers, der Liga zahlen, weil er im Spiel gegen den HC Davos am 4. Februar ein Foul vorgetäuscht hat. Auch die Verfahrenskosten muss der Tscheche übernehmen, die sind allerdings bereits im Betrag inbegriffen.

    National League | Martin Frk für Vortäuschen eines Fouls gebüsst

    Und hier das Video. Auch wieder ein "fussball-mässiges" Schauspielern. Again and again, nur zum Kotzen .....

  • Matt Tennyson verstärkt die Bianconeri
    Auch der HC Lugano rüstet seine Abwehr mit einem zusätzlichen Import nach

    Nach dem HC Ambri-Piotta hat auch der HC Lugano am Mittwoch seinem Kader einen zusätzlichen Ausländer hinzugefügt. Der US-Amerikaner Matt Tennyson wird bei den Bianconeri den letzten Kontingtentsplatz erhalten.

    Der HC Lugano sichert sich vor der heissen Schlussphase der Saison mit einem zusätzlichen Import ab. Bislang war Joey LaLeggia der einzige Verteidiger im Kader von Luca Gianinazzi, der selbst keine Schweizer Lizenz besitzt. Nun haben die Tessiner mit einem US-Amerikaner nachgelegt. Von den Coachella Valley Firebirds wechselt der 33-jährige Matt Tennyson in die National League. Der Routinier schaffte einst bei den San Jose Sharks den Sprung in die NHL. Noch in der letzten Saison absolvierte er acht Einsätze für die Nashville Predators, so hat sich die Erfahrung aus 173 NHL-Einsätzen angesammelt.

    Tennyson wechselt erstmals nach Europa und wird planmässig in der nächsten Woche ins Training beim HCL einsteigen. Das Engagement ist bis zum Saisonende befristet.


    https://www.sport.ch/hc-lugano/1240…20Import%20nach

    Russki standart!!

  • Essenziell für den Verein
    Der Bau der zweiten Eishalle in Langnau kommt voran

    Die SCL Tigers bauen ein zweites Eisfeld und eine Athletikhalle direkt neben der Emmental Versicherung Arena. Es ist ein wichtiges Projekt für die Langnauer, schafft es doch professionellere Bedingungen für den ganzen Verein.

    Alleine das zweite Eisfeld ist wichtig, damit alle Teams genügend Eiszeit bekommen. Die Athletikhalle wird bekanntlich 1200 Quadratmeter gross sein und ein wichtiger Faktor des Vereins werden. Jetzt haben die Emmentaler auf Instagram neue Bilder zum Fortschritt des Baus geteilt und da geht etwas.

    🏟 ⚒ Unser Stadionerweiterungsbau "Campus" wächst und wir möchten euch das neuste Bildmaterial nicht vorenthalten! ↗️ 📸 ℹ Mehr Infos zum… | Instagram

    der bau der zweiten eishalle in langnau kommt voran (sport.ch)

    Photo by SCL Tigers on February 14, 2024. May be an image of crane and text.

    Photo by SCL Tigers on February 14, 2024. May be an image of silo, lumberyard and text.

    Russki standart!!

  • Saisonende für den Captain
    Bittere Nachricht für den Schweizer Meister

    Es wurde nach dem Sieg gegen den HC Ajoie schlimmes befürchtet, das hat sich jetzt bestätigt. Captain Noah Rod fehlt den Genfern bis zum Saisonende.

    Noah Rod musste nach einem Bandencheck das Eis beim 3:1 Sieg gegen den HC Ajoie verletzungsbedingt einige Minuten vor der Schlusssirene verlassen. Jetzt ist die Bestätigung des Vereins erfolgt, der Genfer wird in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen können. Entgegen dem ersten Eindruck ist es nicht eine Handgelenksverletzung, sondern eine Schulterverletzung, die den Offensivspieler um die Playoffs bringen. Rod gelangen in der laufenden Saison zwölf Tore und sechs Assists in 45 Partien.



    bittere nachricht fuer den schweizer meister (sport.ch)


    Russki standart!!

  • Was für wunderbare Erinnerungen!!


    So eroberten die ZSC Lions EuropaUnd dann wollte Wladimir Putin plötzlich nicht mehr kommen

    Als Underdogs gestartet, gewannen die Zürcher vor 15 Jahren die Champions League. Sie verdienten Millionen, einten die Hockeyschweiz und verärgerten die russischen Geldgeber.

    Simon Graf  Simon Graf Publiziert: 15.02.2024, 16:40


    In voller Montur unterwegs: Die ZSC Lions fahren in Magnitogorsk bei Dunkelheit zur Trainingshalle.

    In voller Montur unterwegs: Die ZSC Lions fahren in Magnitogorsk bei Dunkelheit zur Trainingshalle. Foto: Waldemar Da Rin

    Beinahe wäre der grösste Schweizer Erfolg im internationalen Club-Eishockey an europäischen Regularien gescheitert. Wenige Tage vor dem Abflug der ZSC Lions ans Final-Hinspiel der Champions Hockey League in Magnitogorsk im Januar 2009 strich die Swiss den gebuchten Charterflug. «Eine Sicherheitsmassnahme», erklärt Urs Seleger, der damals mit seiner Firma die Auslandsreisen der Zürcher organisierte. «Die Enteisungsmittel in Magnitogorsk entsprachen nicht den europäischen Standards.»

    Seleger war gefordert, im Nu einen neuen Charterflug für 125 Personen an den Ural zu organisieren. Mit dem Bus in drei Tagen 4300 Kilometer quer durch Europa zu fahren, war keine Option. Da wären die Spieler völlig ausgelaugt am Zielort angekommen. Dank eines Freundes, der im Management der Schweizer Chartergesellschaft Hello arbeitete, konnte Seleger kurzfristig eine MD-90 auftreiben. Bei Hello habe man sich diebisch gefreut, die Swiss zu übertrumpfen. Die Freude währte aber nicht lange. 2012 musste die Airline Konkurs anmelden.

    Mit Polizeieskorte ins Stadion

    Jener Flug nach Magnitogorsk verlief störungsfrei, die Piloten trauten den lokalen Enteisungsmitteln aber auch nicht recht. «Ich glaube, sie haben im Flieger geschlafen und permanent sichergestellt, dass sich auf den Fenstern keine dicken Eisschichten bildeten», sagt Seleger.

    «Es war brutal kalt, minus 15, 20 Grad, so wie man sich das am Ural vorstellt. Es war alles voller Schnee. Vom Flughafen wurden wir dann mit einer Polizeieskorte ins Stadion geleitet.» Wenn Seleger, der inzwischen in Spanien lebt, an jenen frostigen Trip nach Russland zurückdenkt, wird ihm trotzdem warm ums Herz.

    Impressionen aus Magnitogorsk: Goldene Kuppeln der Kirche neben dem Eisstadion.

    Impressionen aus Magnitogorsk: Goldene Kuppeln der Kirche neben dem Eisstadion. Foto: Waldemar Da Rin

    Captain Mathias Seger haben sich die rauchenden Kamine der Stahlwerke auf der anderen Flussseite eingeprägt. Und dass sie für ihren Kurztrip in der eigenen Zeitzone bleiben mussten – Magnitogorsk ist vier Stunden voraus. «Wir blieben lange wach und schliefen aus.»

    Der Plan ging auf. Die ZSC Lions überraschten den russischen Topclub, führten 2:0 und erkämpften sich ein 2:2. Als sie beim Rückflug die letzten Ausläufer des Ural-Gebirges hinter sich gelassen hatten, meldete sich die Flugkontrolle von Ufa und wünschte ihnen ein erfolgreiches Rückspiel. Ufa war im Halbfinal der Champions League am Rivalen aus Magnitogorsk gescheitert.

    Die Champions League als Simpsons Chance

    Der damalige Trainer Sean Simpson kann sich noch an jedes Detail des Zürcher Siegeszugs durch Europa erinnern. Der 63-Jährige, der seine Coachingkarriere inzwischen abgeschlossen hat, lebt heute in Zug und ausserhalb von Toronto. Als er 2008 zu den ZSC Lions stiess, waren sie unter seinem Vorgänger Harold Kreis gerade Meister geworden. Und er überlegte sich, wie er den Spielern etwas Neues bieten konnte, um sie für sich zu gewinnen. Die neu gegründete Champions League, mit den Millionen des russischen Erdgas-Riesen Gazprom finanziert, kam ihm gerade recht.

    «In England geboren, habe ich den Fussball stets verfolgt», sagt Simpson. «Ich war immer fasziniert von den Clubwettbewerben. Wie die Topteams den Spagat schaffen, an den Wochenenden in der Liga zu spielen und dazwischen international.»

    Simpson überlegte sich, wie er den Fokus in den Wochen mit Champions-League-Partien ganz weg von der Meisterschaft lenken konnte. So wies er Materialwart Peter Schrag an, jeweils dafür zu sorgen, dass am Montag nichts mehr in der Kabine an die Meisterschaft erinnerte. Schrag brummte zuerst und machte es dann. Auch der Spielplan in der Kabine wurde entfernt. Und trainiert wurde nur noch in der Ausrüstung für die Champions Hockey League.

    Er plante die Champions-League-Kampagne akribisch: Sean Simpson mit dem Pokal.

    Er plante die Champions-League-Kampagne akribisch: Sean Simpson mit dem Pokal. Foto: Patrick B. Kraemer

    Simpson beschaffte sich Videos der Gegner, was damals noch nicht so einfach war wie heute, wo alles online verfügbar ist. Und er stellte die Taktik je nach Team um, erfand etwa für die Spiele gegen Magnitogorsk ein spezielles Forechecking, damit die Russen ihre läuferischen und spielerischen Qualitäten nicht entfalten konnten. «Unsere Gegner wussten wahrscheinlich kaum etwas über uns», sagt Seger. «Wir wussten alles über sie.»

    Die Champions League war damals ein elitärer Zirkel. Zugelassen waren nur zwölf Teams: je zwei aus Russland (Magnitogorsk, Ufa), Schweden (Linköping, Jönköping), Finnland (Oulu, Espoo) und Tschechien (Slavia Prag, Budejovice), die Meister aus der Schweiz (ZSC), der Slowakei (Slovan Bratislava) und Deutschland (Eisbären Berlin) sowie der SC Bern, der sich in einem Qualifikationsturnier durchgesetzt hatte. Der SCB kassierte zum Auftakt eine Kanterniederlage bei Jönköping (2:6), zwei Wochen später starteten die ZSC Lions in Linköping. Ohne viel Kredit.

    Die überheblichen Schweden

    Seger erzählt, wie sie in Linköping am Tag vor dem Spiel in einem Restaurant assen, eine Gruppe schwedischer Fans sie erkannte und höhnte: «Ihr denkt wohl nicht im Ernst, dass ihr eine Chance habt?» Linköping ging tags darauf dann auch schon früh in Führung, und Simpson fiel auf, dass die schwedischen Spieler nicht jubelten. «Sie dachten wohl: Das wird ein Spaziergang.» Nach 60 Minuten stand es 7:2 für die ZSC Lions. Sie hatten die überheblichen Schweden mit ihrem Tempospiel auf dem falschen Fuss erwischt.

    Mit dem 7:2 in Linköping begann alles: Die ZSC-Spieler bedanken sich bei den mitgereisten Fans.

    Mit dem 7:2 in Linköping begann alles: Die ZSC-Spieler bedanken sich bei den mitgereisten Fans. Foto: Stefan Jerrevang (EPA)

    «Da begannen wir daran zu glauben, dass wir etwas Grosses erreichen könnten», sagt Seger. «Wir wuchsen von Spiel zu Spiel. Und der Funke zündete auch bei den Fans. Nach Linköping waren noch nicht so viele gereist, aber mit jedem Spiel wurden es mehr. Es wuchs etwas zusammen. Auch deshalb hat dieser Titel eine solche Bedeutung für den Club. Wir trafen die Fans nach den Spielen, nach Magnitogorsk flogen sie mit uns im Flugzeug mit. Sie stellten ihre eigenen Mützen her mit dem alten ZSC-Logo. All das befeuerte diese Euphorie.»

    Nach dem Finaleinzug in Espoo sah es anders aus: Die ZSC-Spieler mobilisierten ihre Fans.

    Nach dem Finaleinzug in Espoo sah es anders aus: Die ZSC-Spieler mobilisierten ihre Fans. Foto: Markku Ulander (AP Photo)

    So seriös Simpson die Spiele vorbereitete, er gestand den Spielern auch ihren Spass zu. Er sagt: «Du bist nicht so oft in Prag oder Helsinki. Deshalb solltest du auch davon profitieren.» Statt den Rückflug am Tag nach dem Spiel auf frühmorgens zu planen, damit er noch ein Training reinquetschen konnte, reisten die ZSC Lions erst am Mittag oder am frühen Nachmittag zurück. So konnten sie ihre Siege gebührend feiern und ausschlafen.

    «Ich weiss jetzt nicht, ob ich das erzählen sollte», sagt Simpson. «Aber gut, es liegt ja schon eine Weile zurück: In Prag waren wir nach dem Spiel erst um Mitternacht zurück im Hotel, und die Spieler wollten unbedingt noch in den Ausgang. Ich zögerte, dann sagte ich: ‹Okay, aber um drei Uhr seid ihr zurück.› Wir mussten alle lachen. Eine Sperrstunde um drei Uhr morgens? Wo gibt es das schon?» Die Spieler seien dann tatsächlich alle zur vereinbarten Zeit zurückgekehrt.

    Feiern mit dem Formel-1-Weltmeister

    Noch später wurde es, als die Zürcher mit einem 4:1 gegen Espoo den Final erreichten und Ari Sulander anlässlich seines 40. Geburtstags alle in einen Club in Helsinki einlud. Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen hatte die Lokalität organisiert und war auch dabei, später ging es noch weiter zu Sulanders Haus im Vorort Vantaa. Seine Frau verpflegte die hungrige Meute mit Chickenwings, es war eine feuchtfröhliche Feier inklusive Saunagängen. Geburtstagskind Sulander durfte die Rückreise einen Tag später antreten, im Privatjet Räikkönens.

    Die wunderbare Reise der ZSC Lions kulminierte am 28. Januar 2009 im Final-Rückspiel gegen Magnitogorsk im Rapperswiler Exil, weil das Hallenstadion wegen der Umbauarbeiten zwischen CSI und Art on Ice besetzt war. Sogar der russische Präsident Wladimir Putin hatte sich zunächst angekündigt, erschien dann aber nicht. Wahrscheinlich hatte ihn das Hinspiel abgeschreckt. Eine weise Entscheidung. Putin hätte sich nur geärgert. Die ZSC Lions fegten die russischen Stars in einer mitreissenden Atmosphäre 5:0 vom Eis.

    Lächeln fürs Siegerfoto: Die ZSC Lions nach dem 5:0 im Final-Rückspiel gegen Magnitogorsk.

    Lächeln fürs Siegerfoto: Die ZSC Lions nach dem 5:0 im Final-Rückspiel gegen Magnitogorsk. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

    Er habe nie mehr eine bessere Stimmung erlebt als an jenem Abend, sagt ZSC-CEO Peter Zahner. «Weil es keine Gästefans gab, brandete der Jubel rundherum.» Hätten die Zürcher im Halbfinal und im Final der Champions League nicht an den Obersee ausweichen müssen, gäbe es die Swiss-Life-Arena heute vielleicht nicht. «Natürlich half mir die Argumentation mit der Champions League, wieso wir eine eigene Halle brauchen», sagt Zahner. «Uns entging damals rund eine Million Franken an Zuschauereinnahmen.»

    Zwei Millionen Franken Nettogewinn

    Aber auch so war die Champions-League-Kampagne für die Zürcher äusserst lukrativ. Allein an Prämien spielten sie 1,65 Millionen Euro ein, Zahner beziffert den Nettogewinn auf rund zwei Millionen Franken.

    Mit ihrem Triumph sorgten die ZSC Lions aber dafür, dass es bei nur einer Austragung blieb. Die Gazprom verlor ihr Interesse nach der Schmach Magnitogorsks. «Hätten die Russen gewonnen – es wäre zu 100 Prozent weitergegangen», ist Zahner überzeugt. 2014 wurde die Champions League neu lanciert, mit weniger Preisgeld und mehr Teams, aber ohne die Russen.

    Der stolze Captain: Mathias Seger mit der Trophäe.

    Der stolze Captain: Mathias Seger mit der Trophäe. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

    Die ZSC Lions wurden nach ihrem Coup überall in den Schweizer Stadien gefeiert. «Wir waren sonst ja nicht gerade die Sympathieträger der Liga», sagt Seger. «Aber da spürte man: Wir vertraten die Schweiz.» Danach war bei ihnen aber die Luft draussen. Im Playoff schieden sie im Viertelfinal gegen Fribourg mit 0:4 aus. «Das darf durchaus auch erwähnt werden», sagt Simpson. «Ich nehme das auf meine Kappe.»

    Ihr Siegeszug durch Europa stärkte aber den Glauben, dass Schweizer auch international Grosses erreichen können. Zumal die ZSC Lions im September 2009 im Victoria-Cup den Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks 2:1 schlugen. Im Frühling 2013 führte Simpson das Schweizer Nationalteam in Stockholm zu WM-Silber. 2018 tat ihm dies Patrick Fischer in Kopenhagen gleich.

    15 Jahre nach dem Coup der ZSC Lions fordert nun Servette am Dienstag im Final der Champions League das schwedische Skelleftea. Simpson wird den Genfern die Daumen drücken.

    Siegeszug der ZSC Lions: Wie sie Wladimir Putin verärgerten | Tages-Anzeiger (tagesanzeiger.ch)

    Russki standart!!

  • Mal schauen obs dann je einer in die Schweiz spühlt:


    Mögliche Importspieler für die Sasion 2024/25
    Fünf spannende Spieler, die in der National League ihre Spuren hinterlassen könnten

    Bei den National-League-Teams gibt es für die nächste Saison noch den einen oder anderen freien Platz bei den Imports. Wir haben deshalb einen Blick nach Finnland und Schweden geworfen und fünf spannende Spieler herausgesucht, deren Vertrag ausläuft.

    Charles-Edouard D'Astous (D - 1998)

    Der kanadische Verteidiger von Kookoo spielt die Saison seines Lebens. Nachdem er sich in Nordamerika nicht durchsetzen konnte und in der Spielzeit 2021/22 kaum in der AHL zum Einsatz gekommen war, entschied er sich für den Wechsel nach Finnland. Bei Kookoo konnte der 25-Jährige nun einen grossen Schritt nach vorne machen, auch was die offensive Produktion anbelangt. In der aktuellen Saison steht er nach 45 Einsätzen bei 15 Toren und 26 Assists. Ein Verteidiger, der in Finnland solche Statistiken an den Tag legt, ist definitiv auch gut genug für die National League.

    D'Astous ist 1.88 Meter gross und 85 Kilogramm schwer und würde damit sehr gut in die National League passen. Da er in Nordamerika etwas unter dem Radar geflogen ist, gibt es kaum Scouting Reports von ihm. Er wurde auch nie im NHL-Draft gezogen. In der ECHL wurde er 2021/22 zum Verteidiger des Jahres gewählt. Rein von seinen Offensivstatistiken her dürfte dennoch das eine oder andere NL-Team an ihm interessiert sein.

    Adam Clendening (D - 1992)

    Kommen wir zu einem US-Amerikaner, der bereits 31 Jahre alt ist. 2011 wurde der Verteidiger in der zweiten Runde von den Chicago Blackhawks gezogen. Ihm werden gute schlittschuhläuferische Fähigkeiten nachgesagt und er gilt als Zweiweg-Spieler. Er spielt aktuell seine erste Saison in Europa und läuft in Finnland für Ilves Tampere auf. Dort kommt er in 33 Einsätzen auf sieben Tore und 18 Vorlagen. Statistiken, die sich für einen Zweiweg-Verteidiger durchaus sehen lassen können.

    Clenening bringt eine Erfahrung von 97 NHL-Spielen und 554 Einsäten in der AHL mit. Er ist 1.83 Meter gross und 88 Kilogramm schwer. Seine Stocktechnik ist sehr gut und er verfügt über einen starken Schuss. Entsprechend kann er auch im Powerplay eingesetzt werden und an der offensiven blauen Linie eine wichtige Rolle übernehmen.

    Mit Daniel Winnik (Genève-Servette HC) hat er schon einmal Bekanntschaft gemacht:

    Eetu Koivistoinen (C/LW - 1995)

    Im Sturm haben wir den ersten von zwei Finnen in dieser Auflistung. Sie haben in den letzten Jahren in der National League an Beliebtheit gewonnen und waren jeweils zu Beginn der Saison das Land mit den meisten Importspielern in der National League. Eetu Koivistoinen spielt aktuell beim HIFK. Er verbrachte bislang seine gesamte Karriere in der Heimat und trägt seit 2021 das Trikot vom Verein aus Helsinki. Er ist 1.89 Meter gross und 86 Kilogramm schwer. In den letzten vier Saisons hatte er dreimal mehr Tore als Assists auf dem Konto, entsprechend ist er ein Spieler, der gerne in den Abschluss geht und in solchen Situationen das nötige Selbstvertrauen aufbringt.

    In der Saison 2020/21 gewann er mit Lukko Rauma die finnische Meisterschaft und übernahm in den Playoffs viel Verantwortung. Er kam in 11 Spielen auf sechs Tore und neun Vorlagen. Bei ihm stellt sich die Hauptfrage, ob er überhaupt an einem Wechsel ins Ausland interessiert ist. Falls dem so ist, dürfte sich das eine oder andere NL-Team für ihn interessieren.

    Reid Gardiner (RW - 1996)

    Der 28-Jährige wechselte auf die Saison 20219/20 nach Europa und spielte zuerst in der DEL. Dort wusste er in der COVID-Saison nicht vollends zu überzeugen und schaffte über die DEL2 den Sprung nach Finnland. Dort spielt er seit der Saison 2021/22 bei JYP und konnte sich prächtig entwickeln. Aktuell liefert er seine besten Leistungen seit dem Wechsel nach Europa ab und kommt in 45 Partien auf 22 Tore und 25 Assists. Damit ist er der produktivste Spieler in Finnland, der für die nächste Saison noch ohne Vertrag dasteht.

    Gedraftet wurde der rechte Flügelspieler nie. Ein Blick in seine Highlights zeigt, dass er ein Spieler ist, der oft den Slot sucht und dort die Scheibe immer wieder findet. Diese Saison scheint ihm das besonders gut zu gelingen. Vielleicht bekommen wir sein Können ja in der nächsten Spielzeit in der Schweiz zu sehen.

    Mikael Ruohomaa (C - 1988)

    Der älteste Spieler in dieser Auflistung spielt aktuell bei Frölunda. Sein Vertrag läuft aber Ende Saison aus und wer weiss, vielleicht will der Finne einmal in seinem Leben bei einem Schweizer Team auflaufen. Dass er die nötigen Qualitäten dafür besitzt, zeigt er eindrücklich, seit er zum Frölunda HC gewechselt ist. In elf Spielen kommt er auf fünf Tore und vier Assists. Mit diesen Werten wäre er auch in der National League vorne in der Scorerliste anzutreffen. Die Frage ist einfach, ob ihm ein Team eine Chance gibt, schliesslich ist er halt doch schon 35 Jahre alt. Wenn man aber sieht, wie Valtteri Filppula jeweils spielt, dann ist auch klar, dass das Alter nur eine Zahl ist.

    Erfahrung würde er auf alle Fälle mitbringen und könnte ein wichtiger Spieler für ein junges Team werden. Über die nötigen defensiven Fähigkeiten verfügt er als Center und vorne ist er ebenfalls gefährlich. Eventuell entscheidet sich ein NL-Team ja, ihm ein Angebot zu unterbreiten.

    fuenf spannende spieler die in der national league ihre spuren hinterlassen koennten (sport.ch)

    Russki standart!!

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    Spannende PO-Serie von GCK gegen Sierre. Jetzt haben sie Auswärts zum 2:2 ausgeglichen.
    V.a. das letzte Drittel (2:5) ist für die Junglöwen ziemlich geil gelaufen. Bis zur 49. Minute
    hat Sierre noch 3:0 geführt, dann ist GCK bis kurz zur vor Schluss 5:3 in Führung. Aber Sierre bucht
    sogar 2 Tore zum Ausgleich in der 60. Min. und in der Overtime der Gamewinner für die Junglöwen!
    Ganz geil und chapeau!!

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