Dä FCZ-Fred

  • Der letzte FCZ-Meistertrainer im Interview (Tagi: Florian Raz)


    «Basel und YB waren schwach? Es nervt gewaltig, wenn ich das höre»


    Bernard Challandes über meisterliche Busfahrten nach Zürich, die Gefahren, die nach einem Titelgewinn drohen, und die Frage, ob André Breitenreiter Trainer des FCZ bleiben soll.


    Worauf muss sich der Busfahrer des FC Zürich am Sonntag gefasst machen?
    Ich hoffe, dass er sich ein wenig die Ohren zuhalten muss. (lacht) Wenn es denn passiert, ist ein Titelgewinn auswärts etwas Spezielles. Weil du als Mannschaft noch etwas Zeit hast, gemeinsam im Bus zu feiern, in diesem geschlossenen Raum.
    Sie erlebten 2009 nach einem Sieg in Bellinzona so eine meisterliche Heimfahrt als Trainer des FCZ.
    Nach diesem starken Augenblick, in dem der Schiedsrichter abgepfiffen hatte, hatten wir noch diese gemeinsame Zeit im Bus. Später, da teilst du das alles sehr gern mit den Menschen. Aber im Bus kannst du noch einmal das Glück gemeinsam als Gruppe geniessen. Zusammen singen, zusammen jubeln. Das ist einer der schönsten Momente, die du in all den Feierlichkeiten erlebst, die es rund um einen Titelgewinn gibt.


    Und am Ende muss der Trainer den Bus putzen wie Sie 2009.
    Ich weiss nicht, ob es der Trainer sein muss. Ich bin einfach so erzogen worden. Dass man Meister ist, zeigt sich auch im Respekt gegenüber den Leuten, die seinen Bus reinigen. Da hatten ein paar Spieler halt ein paar Pizzakartons vergessen – und ich habe sie aufgeräumt. Ich mache Ähnliches in den Garderoben meiner Teams. Weil ich finde, dass man die schlechten Klischees nicht bedienen muss, die es über Fussballer gibt. Meine Spieler schauen meist schweigend zu. Und ein paar begreifen, worum es mir geht. (lacht)


    Was braucht es, damit ein Club Schweizer Meister wird, der nicht aus Bern oder Basel kommt?
    Das ist ausserordentlich. Aber der FCZ ist nicht der FC Aarau, ohne dass ich das beleidigend meine. Der FC Zürich hat schon Titel gewonnen, er hat die Champions League gespielt. Er ist ein grosser Schweizer Club. Und in dieser Saison hat er den Titel … Wissen Sie, etwas mag ich gar nicht.


    Ja?
    Wenn ich höre, Zürich werde nur Meister, weil Bern und Basel schwach gewesen seien. Das nervt mich gewaltig. Natürlich waren der FCB und YB etwas weniger gut als sonst. Bon. Aber der FCZ gewinnt den Titel, weil er eine herausragende Saison gespielt hat. Am Anfang hat man gesagt: Okay, das war ein guter Start, aber das halten sie nicht durch. Im Winter wieder: Bern holt das auf. Nein! Zürich hat reihenweise bemerkenswerte Leistungen gezeigt.
    Wie ist den Zürchern das gelungen?
    Erstens, indem sie guten Fussball spielen. Indem sie defensiv sehr solide sind, indem sie mit dem Ball schnell die Tiefe suchen, indem sie sehr effizient sind. Und dann gewinnen sie Spiele, indem sie leiden, weil sie es mit Leib und Seele wollen. Und oft drehen sie Partien noch gegen Ende mit Einwechselspielern, die etwas Zusätzliches geliefert haben.


    Also wäre der FCZ ein verdienter Meister.
    Ein Meister, der sich den Titel auf allen Ebenen verdient hätte. Da muss man den Trainer hervorheben. Er hat ein echtes, funktionierendes Team aufgebaut. Der FCZ hat ja gar keine Geschichten geliefert in dieser Saison. Kaum ein Spieler war unzufrieden, weil er mal nicht gespielt hat. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Jungen und Alten, zwischen Zürchern und Ausländern. Es gibt eine Spielphilosophie. Das Auftreten ist gut, der Wille stimmt. Und dann kommen noch die Fans dazu. Der FCZ spielt nie allein, er spielt immer mit der Südkurve. Sobald die Spieler das merken, werden sie von diesem Gefühl getragen. Aber wer hätte denn vor dieser Saison schon auf den FCZ als Meister getippt?


    Sie etwa?
    Nein, nein! Wer heute behauptet, er habe den FCZ als Titelanwärter gesehen, ist ein Lügner. Die Transfers waren interessant. Dann haben sie ein paar Spiele gewonnen. Und ich sagte: Interessant, das ist eine gute Mannschaft. Aber am Ende wird YB oder Basel Meister.


    Aber es kam anders.
    Wir hatten 2009 den Song «Working on a Dream» von Bruce Springsteen als Hymne. Und genau das haben die heutigen Spieler auch irgendwann gemerkt: Ich arbeite für einen Traum. Ich arbeite für den Traum, Meister zu werden. Darum haben sie trotz des Vorsprungs gegen Ende sogar noch härter gearbeitet. Erinnern Sie sich noch an YB und Vladimir Petkovic? Die hatten einmal 13 Punkte Vorsprung und wurden trotzdem überholt. Aber der FCZ hat sich Spiel für Spiel sogar noch verbessert. Er wäre ein schöner Meister.


    Sie haben mit dem FCZ erlebt, wie schwierig die Saison nach einem Titel sein kann.
    Ich habe damals ein Geschenk erhalten, aber auch ein riesiges Problem: die Champions League. Mit Titelverteidiger Milan, mit dem Real Madrid von Cristiano Ronaldo und immerhin Marseille. Einmal kam einer einen Monat vor einer Partie in der Champions League zu mir und wollte wissen, ob er dann auflaufen werde. Ich sagte: «Das kann ich dir jetzt doch unmöglich sagen.» Und er meinte: «Aber ich muss es wissen, weil meine Eltern den Flug buchen wollen!» Es war schwer für die Spieler, mit dem Kopf bei der Schweizer Liga zu bleiben. Wir gewannen in Mailand – und verloren danach in Bellinzona. Alles war auf die Champions League fokussiert.


    Trauen Sie es dem FCZ zu, dass er diesmal das Niveau halten kann?
    Schweizer Spieler sind im Ausland anerkannt. Also könnte es schwierig werden, das Team zusammenzuhalten. Aber Basel und YB haben bewiesen, dass ein gut geführter Club mehrere Titel in Serie gewinnen kann. Und ein gut geführter Club, das ist der FCZ. Man kann Spieler verkaufen und trotzdem weiterhin oben mitspielen. Das ist die Herausforderung, vor der die Clubführung steht.


    Muss das Kader aufgestockt werden, weil der FCZ nächste Saison europäisch spielt?
    Nein, es braucht nicht 30 Spieler. Zürich ist ein Ausbildungsclub, er investiert dort viel. Natürlich braucht es erfahrene Spieler. Aber dahinter müssen die Jungen ihre Chance bekommen. Der FCZ hat das schon immer so gemacht. Ricardo Rodriguez spielte unter mir als 18-Jähriger nur, weil uns hinten links die Spieler ausgegangen waren. Also dachten wir, der kleine Rodriguez kann das Problem vielleicht beheben. Danach spielte er praktisch durch.


    Umgekehrt gefragt: Was darf der FCZ auf keinen Fall machen?
    Er muss bescheiden bleiben, einfach. Es freut mich, dass sich der FCZ mit dem Eigentümerpaar Heliane und Ancillo Canepa eine gewisse Gelassenheit bewahrt hat. Ich erinnere mich, dass wir jeweils am Donnerstagmittag mit den Canepas, dem damaligen Sportchef Fredy Bickel, mit meinen Assistenten und mit Nachwuchstrainern assen. Wir redeten über Spieler, über die U-21, wir tauschten uns im persönlichen Rahmen aus. Der FCZ ist noch immer dieser einfache Club geblieben.


    Und auf dem Transfermarkt?
    Jetzt wird der FCZ viele Angebote erhalten. Alle wollen ihre Spieler beim Meister platzieren. Da muss man die richtigen auswählen. Aber zuletzt war der FCZ gut auf dem Transfermarkt. Er holte Adrian Guerrero von Lugano oder Nikola Boranijasevic. Da habt ihr euch in der Deutschschweiz doch gefragt: Was holen die diesen Spieler von Lausanne? Nicht einmal Lausanne wusste, wie gut der wirklich ist. Wenn man Meister wird, ist es manchmal schwierig, beharrlich und bescheiden zu bleiben. Aber YB und Basel ist es mehrfach gelungen. Warum soll es dem FCZ nicht auch gelingen?


    Reden wir von Trainer André Breitenreiter.
    Er hat seine Spielphilosophie mitgebracht und die Spieler dazu gebracht, daran zu glauben. Vor allem sind sie bereit, ihre Arbeit für die Mannschaft zu erledigen. Ousmane Doumbia und Blerim Dzemaili geben mit ihrem Box-to-Box-Spiel Antonio Marchesano jene kreativen Freiheiten, die er braucht. Assan Ceesay ist vom etwas egoistischen Goalskorer auch zum Passgeber geworden. Jeder erfüllt seine Aufgabe, alle ergänzen sich.


    Breitenreiter scheint die Spieler gerade auch auf der menschlichen Ebene erreicht zu haben. Sehen Sie da Ähnlichkeiten zu sich selbst? Ihnen war die persönliche Beziehung zu den Spielern auch immer wichtig.
    Im Umgang mit Spielern geht es um die emotionale Intelligenz. Den einen musst du etwas unter Druck setzen, vielleicht einmal anbrüllen. Den anderen musst du in den Arm nehmen und stets das Positive hervorstreichen, gerade wenn es ihm nicht gut läuft. Das ist es, was es bedeutet, Trainer zu sein. Breitenreiter hat das sehr gut gemacht. Ob wir uns ähnlich sind? Dazu kenne ich ihn zu wenig gut. Ich war sicher etwas verrückter an der Seitenlinie. Er ist einfach Breitenreiter. Und er ist ein sehr guter Breitenreiter. (lacht)


    Müsste er im Sommer nicht sagen: Besser kann es nicht mehr werden, ich wechsle? Sie blieben 2009 nach dem Titel und mussten 2010 gehen.
    Unai Emery hätte im Winter zum reichsten Club der Welt wechseln können, zu Newcastle. Aber er blieb bei Villarreal, weil es ihm dort gefällt, weil die Spieler an seine Idee glauben. Es gibt keine Regel. Kein «Ein Trainer muss das machen oder das lassen». Es geht schlicht darum, was er fühlt. Für mich war damals klar, dass ich bleibe. Vielleicht war das nicht die beste Entscheidung. (lacht) Wer weiss: Wenn ich keinen neuen Vertrag unterschrieben hätte, wäre vielleicht ein Angebot aus der Bundesliga gekommen. Die mögen dort ja Schweizer Meistertrainer. Gerardo Seoane ist auch nicht nach dem ersten Titel mit YB gegangen – und arbeitet heute trotzdem in Deutschland. Der Entscheid, ob André Breitenreiter also im Sommer gehen soll oder nicht, liegt allein an ihm und seiner emotionalen Intelligenz.


    Nur um sicherzugehen: Die Chance, dass Basel den FCZ noch einholt, besteht nicht mehr. Oder?
    Am Sonntag wird es ein schwieriges Spiel für Zürich. Basel ist motiviert, weil viele Fans da sind. Wobei ich nicht weiss, inwiefern Spieler wie Andy Pelmard oder Tomas Tavares die Rivalität der beiden Clubs spüren. Das Basler Feuer bleibt Valentin Stocker, Fabian Frei und Taulant Xhaka vorbehalten. Für Breitenreiter geht es am Sonntag vor allem um eines: Er muss das Spiel entdramatisieren. Er muss sagen: Vielleicht gewinnen wir den Titel in Basel. Und wenn nicht? Gewinnen wir ihn halt irgendwo anders.


    Haben Sie Ihre eigene Trainerkarriere eigentlich fix beendet? Sie sind 70, Felix Magath ist bloss zwei Jahre jünger und rettet gerade Hertha Berlin vor dem Abstieg.
    Lustigerweise war Magath Kandidat Nummer 1 als mein Nachfolger beim Nationalteam von Kosovo. Aber dann kam das Angebot von Hertha dazwischen. Ich selbst hatte nie einen Karriereplan. Darum sage ich auch jetzt: Ich weiss nicht, ob ich noch einmal etwas annehme. Für ein Nationalteam wäre ich offen. Bei einem Verein bin ich mir weniger sicher. Ich weiss, wie viel Energie und Leidenschaft ein Clubtrainer heute mitbringen muss. Und ich will nicht, dass meine Karriere schlecht endet. Wobei – wenn Pep Guardiola im Sommer Manchester City verlassen sollte … (lacht)

  • Basel isch au es geils Bispiel wie mer sich inere Saison NÖD entwicklet :P


    Pokal #1 isch in Züri. Gratulation an FCZ und viel Spass ufm Helvetiaplatz. Hoffentli chönds spöter no im Hasta mit de Ishockey Spieler zeme fire.

  • Eure Worte in Gottes Ohr! 🙏🏼 Die letzten Minuten auf dem Weg nach Zug geschaut, hoffen wir eine magische und einmalige Nacht in der Zürcher Sportgeschichte 💪🙏🏼

  • ... und so was von verdient.

    aber sowas von!


    - 4 runden vor schluss bereits 16 punkte vorsprung

    - am meisten tore geschossen

    - am wenigsten tore erhalten

    - 8 (acht!) spiele mehr gewonnen als basel und yb

    - nur 4 spiele verloren, zusammen mit basel bestwert

    - durch die vielen siege und wenigen niederlagen nur 6 remis, basel und yb mit 14 bzw. 11 remis


    und dass alles, obwohl wir als einer der meistgenannten anwärter auf den barrageplatz in die saison gestartet sind! dass macht diesen titel noch geiler! absolut unerwartet!


    aber auch die tatsache, dass es einer der nur noch wenigen und seltenen titel im fussball ist, welcher…


    nicht gekauft wurde…


    macht diesen titel noch wertvoller!


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