• Die Corona-Saison warf Lukas Flüeler aus der Bahn

    Nach einer schwierigen Zeit überzeugt Lukas Flüeler mit starken Leistungen. Doch sein Vertrag läuft aus, und ZSC-Sportchef Sven Leuenberger hat noch nicht mit ihm geredet.


    Lukas Flüeler ist kein Grübler, sondern einer, der das Leben nicht so schwer nimmt. Einer, der auch einmal abschalten kann, gerne golfen geht oder gut essen, sich nicht die ganze Zeit den Kopf übers Eishockey zerbricht. Sonst hätte der Pfäffiker in Zürich nicht so erfolgreich die Nachfolge des grossen Ari Sulander antreten können. Doch dann kam Corona und warf ihn aus der Bahn.


    Der 1,92-Meter-Hüne steht am Samstag spät im leeren Hallenstadion und blickt zurück: «Ich liess mich durch die ganze Corona-Geschichte viel zu fest durcheinanderbringen. Ohne die Zuschauer fehlten die Emotionen. Als ich gut spielte, kam wieder eine Quarantäne, und danach fand ich nicht mehr richtig zu meinem Spiel. Dann fing ich mir im Dezember selber Corona ein und brauchte einen Monat, bis ich wieder voll da war.»


    Wie stark erwischte ihn das Virus? «Ich hatte die bekannten Symptome. Aber ich will das nicht als Ausrede nehmen. Ich bin nicht zufrieden damit, wie ich mental auf all das reagierte. Ich überlegte viel zu viel.» Und bald einmal war für ihn der Zug abgefahren, setzte Rikard Grönborg auf seinen jüngeren Konkurrenten Ludovic Waeber.


    «Ich dachte, irgendwann gebe ich wieder Gas und es kommt wieder», sagt Flüeler. «Aber dann spielte ich nicht mehr. Nicht im Cup, nicht im Playoff. Mir glitt das Ganze aus den Händen.» So findet er sich knapp zwei Wochen vor seinem 33. Geburtstag in einer für ihn neuen Situation wieder: Er kämpft um einen neuen Vertrag. Bisher hatte der vierfache Meistergoalie bei den ZSC Lions stets frühzeitig um mehrere Jahre verlängert. Nun läuft sein Vertrag aus, und Sportchef Sven Leuenberger hat noch nicht mit ihm geredet. Dafür wurde kürzlich Waeber für drei weitere Jahre bis 2025 an die Zürcher gebunden. Ein klares Zeichen.


    Kommt dazu, dass Flüeler keinen Agenten mehr hat. Sein langjähriger Vertreter Gérald Métroz ist nicht mehr aktiv, schon seinen letzten Vertrag handelte Flüeler 2018 direkt aus. «Ich habe niemanden, der in der Liga herumposaunt, ich sei zu haben», sagt er. Allerdings wäre das auch nicht in seinem Sinn, wie er sofort anfügt. «Jeder, der mich kennt, der weiss: Ich spielte mein erstes National-League-Spiel in Zürich und will auch das letzte hier spielen.»


    Was Flüeler tun kann: es Leuenberger so schwer wie möglich machen, in Zukunft auf ihn zu verzichten. Das gelingt ihm bislang gut. Er hat in der Meisterschaft vier von fünf Spielen gewonnen und bisher die besten Statistiken aller NL-Goalies: 1,79 Gegentore im Schnitt und eine Fangquote von 93,53 Prozent. Zum Vergleich: Waeber steht bei 2,44 Gegentoren und 91,75 Prozent. Auch das sind gute Werte. Am Samstag beim 2:4 gegen die SCL Tigers überzeugte der Freiburger aber für einmal nicht – wie das ganze Team. Flüeler macht sich nicht so viel aus Statistiken. «Ich schaute noch nie gross auf die Fangquote und solche Dinge», sagt er. «Ich gewinne einfach gern. Spiele und Meisterschaften.» Das 5:1 am Freitag in Biel habe Spass gemacht. Trotzdem stand am Samstag wieder Waeber im Tor. Der 25-Jährige hat inklusive Champions League zehn Partien erhalten, Flüeler sieben. Immerhin. Er hat sich mit seinen starken Leistungen wieder ins Spiel gebracht.


    Leuenberger sagt: «Flüeler spielt definitiv wieder besser als letzte Saison, er hat sein Selbstvertrauen wiedergefunden und gewinnt wieder regelmässig. Ich habe ihm gesagt, dass wir ihm eine Chance geben, ihn genau beobachten. Aber jetzt ist es noch zu früh, um einen Schluss zu ziehen.»


    Ein wichtiger Baustein für Flüeler war, dass ihm die ZSC Lions einen persönlichen Fitnesstrainer zur Seite stellten: den Deutschen Stephan Schallenberg, der auch für die U-17 und die U-20 tätig ist. Im Sommer trainierten sie zweimal täglich miteinander, auch während der Saison arbeiten sie an spielfreien Tagen miteinander. Flüeler sagt: «Ich habe zwei, drei Baustellen an meinem Körper, an denen ich ständig arbeiten muss. Die Adduktoren, der Rücken, die typischen Goaliekrankheiten. Die speziellen Goalieübungen, mit denen ich den Rumpf und die Adduktoren stabilisiere, haben mir sehr geholfen.» Auf die Idee eines spezifischeren Trainings für Flüeler hätte man angesichts seiner Verletzungsanfälligkeit schon früher kommen können. Aber vielleicht war es ja gerade noch rechtzeitig, um ihm einen goldenen Herbst zu ermöglichen beim Club seines Herzens. Doch was, wenn er bei den Lions keinen Vertrag mehr bekommt? Flüeler kneift die Augen zusammen und sagt bestimmt: «Damit möchte ich mich momentan nicht befassen.» (Simon Graf)

  • Danke für's posten Mirko

  • Wer fällt aus und wer steht vor dem Comeback?
    Auch der neuste Medical Report platzt aus allen Nähte

    ZSC Lions

    • Johann Morant (D): Kreuz- und Innenbandriss; Comeback rückt näher, wird von Woche zu Woche neu eingeschätzt
    • Willy Riedi (F): Knieoperation; wird frühestens Ende Oktober zurückkehren
    • Simon Bodenmann (LW/RW): Oberkörperverletzung; wird von Tag zu Tag neu eingeschätzt


    Hier der ganze Med.-Report mit allen verletzten, allen Vereinen:
    https://sport.ch/nla/844745/au…-platzt-aus-allen-naehten

  • Ich würde ihn noch 1-2 Jahr behalten. Oder man könnte Hollenstein von Zug holen. Der bleibt aber wohl.


  • Launisches Starensemble

    Jetzt muss der ZSC-Trainer die Schraube anziehen

    Kein Team ist so gut besetzt wie das von Rikard Grönborg, trotzdem kommt es nicht vom Fleck. Was läuft falsch?

    Kristian Kapp
    Kristian Kapp (TA)

    Gefordert: Die ZSC-Trainercrew mit Headcoach Rikard Grönborg und seinem Assistenten Peter Popovic.


    Gefordert: Die ZSC-Trainercrew mit Headcoach Rikard Grönborg und seinem Assistenten Peter Popovic. Foto: Walter Bieri (Keystone)

    Brauchte es wieder das Messer am Hals? Oder einfach das grösste Sorgenteam als Gegner? Der ZSC stoppte am Dienstag mit einem 7:5 gegen Genf zumindest den Negativtrend mit vier Niederlagen in fünf Spielen. Und er deutete auch an, was für ein Potenzial in ihm steckt, das Startdrittel war phasenweise begeisternd.

    8 Siege nach 15 Spielen lautet die Bilanz. Das ist nicht das, was vom ZSC erwartet werden kann. Nicht nach all den Transferoffensiven. Nach dem letztjährigen Coup mit Sven Andrighetto kamen nun Yannick Weber und Denis Malgin. Und die Zürcher setzen neben Meister Zug als einziges Teams fünf Importspieler ein, da sie dies wegen eines unter Vertrag stehenden, doch in die NHL abgewanderten Schweizers tun dürfen. Niemand hat eine Breite wie der ZSC.

    Es irritiert darum, wie harmlos die Mannschaft immer wieder spielt: 4 Tore bei den letzten vier Niederlagen, nur 16 in den 8 Spielen vor diesem 7:5. Eine Mannschaft, die mindestens ein halbes Dutzend weitere richtig gute und spielintelligente Stürmer im Kader weiss und die auch in den hinteren Reihen überdurchschnittlich besetzt ist.


    Vieles greift zu kurz

    Wo liegt das Problem? Ist Headcoach Rikard Grönborg zu sehr Taktiker und zwingt die Kreativität in ein starres Korsett? Im Gegenteil, gerade offensiv gibt es Freiheiten, die die Spieler eher zu sehr als zu wenig ausnutzen, und sie neigen zur Verspielt- und Puckverliebtheit. Dann wird gekurvt und gedribbelt und ein wichtiger Grundsatz vergessen: Der Puck ist schneller als der Spieler. Die Lions spielen einen ihrer Trümpfe zu wenig aus: das Tempo ihrer Stürmer. Der Beweis durch die Analytics, dass der ZSC seine grosse Stärke, das Tempo, zu wenig nutzt. Der ZSC ist nur die Nummer 10 der Liga, wenn es um kreierte Torgefahr nach Gegenstössen geht. Pro Spiel generieren die Zürcher nur 1,01 expected Goals (zu erwartende Tore) nach Kontern. Die blaue Spalte in der Mitte zeigt zudem, dass die Zürcher Torchancen nur in 41,2 Prozent der Fälle nach Kontern erfolgen – Ligatiefstwert.


    Der Beweis durch die Analytics, dass der ZSC seine grosse Stärke, das Tempo, zu wenig nutzt. Der ZSC ist nur die Nummer 10 der Liga, wenn es um kreierte Torgefahr nach Gegenstössen geht. Pro Spiel generieren die Zürcher nur 1,01 expected Goals (zu erwartende Tore) nach Kontern. Die blaue Spalte in der Mitte zeigt zudem, dass die Zürcher Torchancen nur in 41,2 Prozent der Fälle nach Kontern erfolgen – Ligatiefstwert. Grafik: 49ing

    Expected Goals – was ist das?


    Infos ausblenden

    Vereinfacht erklärt, wird die Expected-Goals-Zahl wie folgt berechnet: Für jeden Schussversuch während des Spiels wird ein Wert addiert, welcher der Wahrscheinlichkeit eines Tors mit eben diesem Schussversuch entspricht. Die Totalzahl entspricht dann der Anzahl der zu erwartenden Tore. Berücksichtigt werden Schussposition, Art des Schusses (Vorhand, Backhand, Direktabnahme etc.), Verhalten des Gegners (steht einer in der Nähe und stört beim Schuss? Steht einer zwischen Schuss und Tor? Wird dem Goalie die Sicht verdeckt?) und einiges mehr. (kk)

    Kreativ wie kein anderes Team sind die Lions zudem im Powerplay. Sie verfügen über zwei Linien in Überzahl, die bei jedem Gegner die Nummer 1 wäre. Und sie können innerhalb der beiden Linien zwischen mehreren taktischen Formationen variieren, sind für die Gegner schwierig auszurechnen.

    Haben die Lions also schlicht zu viele gute Spieler, die sich gegenseitig den Platz zur Entfaltung nehmen? Auch das ist zu kurz gegriffen. Denn sonst hätte der ZSC in der Champions League die schwerste Gruppe mit Frölunda, IFK Helsinki und Mlada Boleslav nicht so gut gemeistert. Vielleicht spielte da halt auch das eine Rolle: dass mehrfach arrivierte Spieler verletzt oder gesperrt fehlten und unspektakuläre «Arbeiter» einspringen mussten. Oder dass die dauernden Puckbesitz gewohnten Zürcher plötzlich auch mal dominiert wurden und ihr Spiel darum anpassen mussten. Diskussion nach einer Niederlage: Die ZSC-Verteidiger Maxim Noreau (rechts) und Yannick Weber.


    Diskussion nach einer Niederlage: Die ZSC-Verteidiger Maxim Noreau (rechts) und Yannick Weber. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

    Ist sich gar ein Teil der Mannschaft zu oft zu schade für die kleinen Spiele? Langnau ist nicht Frölunda. Wenn Grönborg zuletzt betonte, dass das Team vermehrt vors Tor müsse, statt schön rundherum zu spielen, dann klingt das zwar wie die Schallplatte mit Sprung, trifft eine Problemzone dennoch. Letzten Samstag gegen Biel kamen die Zürcher kaum zu Schüssen im Slot. Eigentlich inakzeptabel. Der Wandel zwischen dem Biel- und dem Genf-Match: Gegen Biel gab es kaum Zürcher Schüsse aus dem «Slot», dem Raum unmittelbar vor dem Tor bis hinunter zum Ende des Bullykreises. Schon viel besser …


    Der Wandel zwischen dem Biel- und dem Genf-Match: Gegen Biel gab es kaum Zürcher Schüsse aus dem «Slot», dem Raum unmittelbar vor dem Tor bis hinunter zum Ende des Bullykreises. Schon viel besser … Grafik: sihf.ch



    1 / 2

    «Star-Team» ist nicht gleich «Star-Team»

    Man könnte nun meinen, Grönborg als zweifacher Weltmeister-Headcoach wisse, welche Knöpfe es bei Star-Teams zu drücken gilt. Aber: In seinen Gold-Teams wimmelte es von Spielern, die auch in ihren Clubs unbestrittene Leaderfiguren waren. Bei den Lions ist das etwas komplizierter.

    Man erwartet zum Beispiel bei Nordamerika-Rückkehrern automatisch Spieler, die klare Führungsrollen einnehmen. Doch zumindest auf dem Eis hatten in der NHL weder Malgin noch Andrighetto oder Weber solche inne, ihre Eiszeiten entsprachen dort zumeist jenen von Drittlinien-Spielern.

    Welche ZSC-Spieler können mit ihrem Auftreten und Verhalten in diffizilen Situationen als echte Leader bezeichnet werden? Neben Denis Hollenstein vor allem Patrick Geering und Marcus Krüger, die aber auf dem Eis beide stabilisierende und eher defensive Rollen haben. Routinier Weber ist daran, in diese Aufgabe hineinzuwachsen, auch er ist aber Verteidiger. Klare Offensivspieler, die das Team mitreissen, wenn es nicht läuft, müssen sich noch outen. Ein Kandidat: Roe.

    Allein mit guten Defensiv-Analytics lässt sich kaum ein ZSC-Fan begeistern. Nicht bei der vorhandenen Qualität im Team.

    Dass die Lions sich erst in eine Minikrise, aber nicht in ein richtiges Schlamassel manövriert haben, verdanken sie ihrer grundsätzlich intakten Spielstruktur. Dies belegen auch die nüchternen Analytics, laut denen seit Saisonbeginn Leader Fribourg, Ambri und eben die Lions am wenigsten Torchancen zulassen. Doch allein damit lässt sich kaum ein ZSC-Fan begeistern. Nicht bei der vorhandenen Qualität im Team. Die defensive Struktur stimmt: Pro Spiel lassen die ZSC Lions bei 5-gegen-5-Hockey nur 1,70 «expected Goals against» (zu erwartende Gegentore)  zu, das ist die Nummer 2 der Liga.


    Die defensive Struktur stimmt: Pro Spiel lassen die ZSC Lions bei 5-gegen-5-Hockey nur 1,70 «expected Goals against» (zu erwartende Gegentore) zu, das ist die Nummer 2 der Liga. Grafik: 49ing

    Wer also wird den Karren aus dem Dreck ziehen? Hier muss der Coach schnell Lösungen finden. Ein Weiterdümpeln Richtung Playoff mit dem Denken, dass es dann schon gut komme, kann sich ein Team wie der ZSC in Zeiten, in denen um jeden Zuschauer gekämpft werden muss, nicht leisten. Grönborg muss dazu vielleicht auch kurzfristig vom «schwedischen Denken», der damit verbundenen Freiheit für die Spieler und dem Appellieren an ihre Selbstverantwortung wegkommen.

    Bis jetzt hatte keiner der leblosen Auftritte wirklich Konsequenzen, die Eiszeiten und Rollen der Spieler blieben immer ähnlich. Auch wenn es nicht die spielerische Brillanz der Stars hat: An Personal, das Druck machen könnte, mangelt es in einer Organisation mit einem Farmteam nicht.


  • Ist nicht Bob Hartley bei Omsk? Trainertausch? :suff::floet::mrgreen:

    Hätte nicht gedacht das ich das je sagen würde, aber:


    Bring back Hartley!


    Sogar Blindi war in seiner Rückblende auf seine Karriere des Lobes voll über Hartley!


    Auf gar keinen Fall diesen Hallam, noch so ein Schweden Clown! Wir sind keine Schweden, sie verstehen uns nicht und wir sie nicht! Aufhören!

  • "Grönborg muss dazu vielleicht auch kurzfristig vom «schwedischen Denken», der damit verbundenen Freiheit für die Spieler und dem Appellieren an ihre Selbstverantwortung wegkommen." (Kristian Kapp/TA)



    Genau so ist es! Funktioniert in der Schweiz nicht!

  • Spannend... Als es im ersten Jahr gut gelaufen ist, wurde immer betont dass Grönborg zwar ein "geborener Schwede" ist aber eigentlich eher amerikanisch geprägt sei. Jetzt wo es nicht läuft wird plötzlich wieder das schwedische Element betont :roll:

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!