Analyse zur Ausländerreform Die Fans bringen die Hockeyclubs zur Vernunft
Nicht sieben Ausländer, sondern je nach Ligagrösse zwischen vier und sechs – das ist ein gutschweizerischer Kompromiss. Schade nur, scheitert wohl das Financial Fairplay.
Unterschätze nie die Fans! Selbst wenn sie nicht ins Stadion dürfen. Im Fussball stürzten sie innert Kürze die hochtrabenden Pläne von zwölf europäischen Topclubs, die eine internationale Super League gründen wollten. Im Schweizer Eishockey brachten sie nun die National-League-Clubs zur Vernunft. Diese träumten anfangs von einer Erhöhung von vier auf zehn spielberechtigte Ausländer pro Club. Ende Januar hielten sie fest: Sieben sollen es sein! Nur die ZSC Lions stemmten sich damals dagegen, Ambri enthielt sich der Stimme. Nun haben sich die Clubs nochmals nach unten korrigiert: vier, fünf oder sechs Ausländer ab der Saison 2022/23.
«Das Reservoir an Schweizern ist nicht unerschöpflich, gleichzeitig wird die Liga so nicht von Ausländern überschwemmt.»
Geknüpft ist die Anzahl Ausländer künftig an die Ligagrösse: Bei zwölf Teams wären es vier, bei dreizehn sind es fünf, bei vierzehn deren sechs. Also: Es werden maximal zwei Ausländer mehr. Darauf hätte man auch früher kommen können, ohne so viel Geschirr zu zerschlagen. Das Reservoir an Schweizer Spielern ist nicht unerschöpflich, gleichzeitig wird die Liga nicht von Ausländern überschwemmt.
Es ist ein gutschweizerischer Kompromiss, der Sinn ergibt. Nach dem Aufstieg Ajoies wird die National League nächste Saison dreizehn Teams umfassen. Weil es eine Übergangssaison ist, sind aber vorerst weiter nur vier Ausländer erlaubt.
Die Stimme der Fans
Die National League hatte Anfang März ihre Reformpläne gestoppt, nachdem die Proteste der Fankreise, des Verbands mit Nationalcoach Patrick Fischer und der in der Gewerkschaft organisierten Spieler um Präsident Jonas Hiller zu laut geworden waren. In einer Umfrage wandte sich die Liga dann plötzlich mit zahlreichen Fragen an die Basis. 21’218 äusserten sich und taten auch ihre Meinung in der Ausländerfrage kund: 88,3 Prozent erachteten die Erhöhung auf sieben Ausländer als zu hoch, 79,7 Prozent sprachen sich gänzlich gegen eine Anhebung aus.
Nun ist es eine sanfte, abgestufte Reform geworden, keine Revolution. Eine massive Erhöhung der Ausländer hätte das Schweizer Eishockey zurückgeworfen und mittelfristig auch Auswirkungen aufs Nationalteam gehabt, wie das in Deutschland der Fall war. Denn was ist der Anreiz, selber Spieler auszubilden, wenn man die Lücken einfach mit Ausländern stopfen kann?
«Es war, Pardon, ohnehin eine Schnapsidee, das Schweizer Eishockey zu Zeiten der Pandemie neu erfinden zu wollen.»
Es war, Pardon, ohnehin eine Schnapsidee, das Schweizer Eishockey zu Zeiten der Pandemie neu erfinden zu wollen. Und der argumentatorische Kniff, weil man gleichzeitig den Status der Lizenzschweizer abschaffe, werde die Anzahl Ausländer de facto gar nicht erhöht, verfing nicht. Den Ausländern mit Schweizer Lizenz wird ihr Status nun bis 2026 gelassen, danach gilt er nur noch bis zum Erreichen des 23. Lebensjahres. Das heisst: Wer in der Schweiz den Grossteil seiner Ausbildung absolviert, muss sich spätestens dann entscheiden, ob er den roten Pass anstrebt oder nicht – sonst würde er fortan als Ausländer gelten.
Gut ist auch, wurde ab 2022 die Sonderregelung abgeschafft, dass Teams jeden in die NHL abwandernden Schweizer mit laufendem Vertrag durch einen zusätzlichen Ausländer ersetzen können. Davon profitierten letzte Saison die ZSC Lions, nächste Saison wird dies Meister EV Zug für sich geltend machen können. Eine solche Regelung ist wettbewerbsverfälschend, widerspricht dem Gedanken, dass für alle das Gleiche gelten soll.
Financial Fairplay problematisch
Schade ist indes, dass die Umsetzung des Financial Fairplay wohl gescheitert ist. Zwar wird ein solches auf nächste Saison als Gentleman’s Agreement für zwei Jahre eingeführt. Doch die ZSC Lions haben schon angekündigt, dass sie da nicht mitmachen werden. Gemäss CEO Peter Zahner habe eine Anfrage bei der Wettbewerbskommission ergeben, dass solche Regularien nicht wettbewerbskonform wären. Daher mache es auch keinen Sinn, an diesem Pilotprojekt teilzunehmen.
Den Clubs wird also wohl auch künftig keine Regelung verbieten, finanziell unvernünftig zu handeln. Immerhin wurde ihr Spielraum bei den Ausländern beschränkt.